Japan ist bekannt für seine disziplinierte und fokussierte Trainingskultur, die sich in den Dojos widerspiegelt. Die japanischen Dojos sind nicht nur Orte des Trainings, sondern auch der Tradition und Disziplin. Jeder Schüler, egal ob Anfänger oder erfahrener Kämpfer, folgt einem strengen Protokoll, das auf jahrzehntealten Prinzipien basiert. Die Atmosphäre ist geprägt von Respekt, Konzentration und der ständigen Bereitschaft, sich zu verbessern.
Die einzigartige Atmosphäre japanischer Dojos
„Es ist eine ganz andere Atmosphäre. Die Präzision, die Konzentration - das ist etwas, das man so in Europa selten erlebt“, beschreibt Sensei Peter die Erfahrung. Viele Karateka, die in Japan trainiert haben, berichten von ähnlichen Eindrücken. Die Reise nach Japan ist nicht nur sportlich ein Highlight, sondern auch kulturell. Der Geist des Karate verbindet über Ländergrenzen hinweg.
Begegnungen und Austausch
Auch außerhalb der Wettkämpfe wird die Zeit genutzt, um Kontakte zu anderen internationalen Trainern und Dojo-Leitern zu pflegen. Diese Begegnungen tragen nicht nur zum sportlichen Austausch bei, sondern helfen auch, kulturelle Unterschiede besser zu verstehen und Freundschaften zu vertiefen.
Neben dem täglichen Training gibt es oft die Möglichkeit, befreundete Karateka wiederzutreffen. Vor allem die erneute Begegnung mit alten Freunden hinterlässt oft einen bleibenden Eindruck.
Traditionelles Karate auf Okinawa
Okinawa, der Geburtsort des Karate, bietet eine einzigartige Möglichkeit, die Wurzeln dieser Kampfkunst zu erkunden. Hier wird Karate nicht nur als Sport, sondern als kulturelles Erbe betrachtet, das von Generation zu Generation weitergegeben wird.
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Einige Karateka legen bewusst wieder den Weißgurt an, um ihre Offenheit und Demut als Lernende zu zeigen. Dieser „Anfängergeist“ wird im japanischen Shoshin genannt und begleitet viele im Training.
Unterschiedliche Stile und ihre Besonderheiten
Während meines Aufenthalts auf Okinawa besuchte ich vor allem das Training im Jundōkan. Es handelte sich um denselben Karatestil Gōjū-Ryū, den ich auch zuvor in Deutschland betrieben hatte. Trotzdem gab es kleine und größere Unterschiede. So waren z.B. die Kata, die die Grundlage eines jeden Stils bilden, leicht verschieden zu denen, die ich in Deutschland geübt hatte.
Im Gegensatz zum Shotokan Karate, das auf linearen, kraftvollen Bewegungen basiert, betont Goju Ryu weiche, kreisförmige Bewegungen und legt den Schwerpunkt auf Nahkampf und Selbstverteidigung. Diese grundlegenden Unterschiede eröffnen neue Perspektiven auf Karate und beeinflussen das weitere Training maßgeblich.
Das Training im Dōjō
Etwas, was auch sofort ins Auge fiel, war der besondere Ort, an dem trainiert wird. Also nicht wie in Deutschland in einer Turnhalle, sondern in einem eigens für das Karate Training erbauten Dōjō. Eine Sache, die man ebenfalls in Deutschland vergeblich sucht, ist das Hōjō Undō (karatespezifisches Krafttraining).
Auf Okinawa wird den Trainierenden Eigenverantwortung zugetraut. Es ist also quasi ein „freies Training“. Im Jundōkan wird sehr großer Wert auf eine spezielle Gymnastik (Jumbi Undō) gelegt. Mindestens 30 bis 60 Minuten wird diese auf jeden Fall als erste Übung ausgeführt. Eine weitere Besonderheit sind natürlich die Kata. Die Kata haben hier einen besonderen Stellenwert im Karate. Alle anderen Übungen wie Gymnastik, Krafttraining usw. sollen auf die Kata vorbereiten, die Kata verfeinern und verbessern.
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Einblicke in verschiedene Karatestile
Shorin-Ryu
Shorin-Ryu ist ein traditioneller Karate-Stil aus Okinawa und gilt als einer der stilistischen Vorläufer des heutigen Shotokan-Karate. Obwohl die meisten Stellungen nicht so lang und tief sind, wie im Shotokan charakteristisch, wurde ein enormer Fokus auf eine kraftvolle Stabilität gelegt.
Okinawa Kobudo
Kobudo ist die traditionelle Waffenkunst Okinawas. Hier lernt man den Umgang mit verschiedenen Waffen wie dem Sansetsukon (dreigliedriger Stock) und der Kama (Sichel). Die Waffenkunst ist historisch, technisch und kulturell eng mit dem Karate Okinawas verbunden.
Reiseberichte und persönliche Erfahrungen
Viele Karateka berichten von ihren Reisen nach Japan und Okinawa, um die traditionellen Kampfkünste zu erlernen. Hier sind einige Einblicke:
- Training bei Maeshiro Sensei: Ein intensives Training mit großer Geduld, Akribie und Detailgenauigkeit. Besonderer Wert wird auf die genaue Anwendung der Techniken im Kumite gelegt.
- Besuch des Karate Museums in Nishihara: Ein Besuch bei Hokama Sensei, einer Karate Legende auf Okinawa, und seinem Museum.
- Das JKA Honbu Dojo in Tokio: Eine tolle Gelegenheit, um viele bekannte Karate Gesichter und interessante Trainingseinheiten zu erhaschen.
Karate in Japan: Eine Tabelle der Stile und Merkmale
| Stilrichtung | Merkmale | Bekannte Orte |
|---|---|---|
| Shotokan | Lineare, kraftvolle Bewegungen, Fokus auf Kihon, Kata und Kumite | JKA Honbu Dojo (Tokio) |
| Goju-Ryu | Weiche, kreisförmige Bewegungen, Nahkampf, Selbstverteidigung | Meibukan Dojo (Okinawa) |
| Shorin-Ryu | Stabilität, kraftvolle Stellungen, Vorläufer des Shotokan | Teruya Dōjō |
| Okinawa Kobudo | Traditionelle Waffenkunst, Umgang mit Sansetsukon und Kama | Karate Kaikan (Okinawa) |
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