Taekwondo: Die Bedeutung koreanischer Schriftzeichen

Taekwondo ist mehr als nur ein physischer Ausdruck von Kraft und Beweglichkeit; es ist eine Kunstform mit einer reichen und tiefgreifenden Sprache. Die Begriffe und Ausdrücke, die im Taekwondo verwendet werden, tragen die Geschichte, Philosophie und Tradition dieses uralten Kampfkunststils in sich. Hier ein Einblick in einige der wichtigsten Taekwondo-Begriffe und was sie über die Kunst selbst aussagen.

Was bedeutet Taekwondo?

Der Name "Taekwondo" selbst ist ein Begriff, der die Essenz dieser Kampfkunst einfängt. "Tae" steht für "Fuß", "Kwon" für "Faust" und "Do" für "Weg" oder "Kunst". Zusammen übersetzt bedeutet Taekwondo also "der Weg der Fuß- und Handtechniken". Diese Bezeichnung unterstreicht die Bedeutung der Fuß- und Handtechniken in diesem Kampfkunststil sowie den philosophischen Weg, den die Praktizierenden verfolgen.

Dojang: Mehr als nur ein Trainingsraum

Der Begriff "Dojang" bezeichnet den Trainingsraum oder die Trainingshalle im Taekwondo. Doch für diejenigen, die Taekwondo praktizieren, ist der Dojang mehr als nur ein physischer Ort zum Trainieren. Er symbolisiert auch Respekt, Disziplin und Engagement für die Kunst. Der Dojang ist ein Ort, an dem Schüler und Meister zusammenkommen, um nicht nur ihre körperlichen Fähigkeiten zu verbessern, sondern auch ihre geistige Disziplin zu schärfen.

Poomsae: Die Formen des Taekwondo

"Poomsae" sind festgelegte Bewegungsabfolgen, die einen wichtigen Bestandteil des Trainings im Taekwondo darstellen. Diese Formen bestehen aus einer Reihe von Bewegungen, die Angriffs- und Verteidigungstechniken darstellen und den Schülern helfen, ihre Techniken zu perfektionieren, ihre Konzentration zu verbessern und ihre Körperbeherrschung zu entwickeln. Poomsae sind nicht nur eine körperliche Übung, sondern auch eine mentale Herausforderung, die Disziplin und Konzentration erfordert.

Die traditionelle Kleidung: Dobok

Der "Dobok" ist die traditionelle Kleidung, die beim Taekwondo getragen wird. Er besteht aus einer Jacke und einer Hose, die oft weiß sind und einen Gürtel tragen, der den Grad des Schülers oder Meisters anzeigt.

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Hyong im Taekwon-Do

Hyong (auch Hyeong) ist die traditionelle koreanische Bezeichnung für den Formenlauf im Taekwon-Do. Wie auch in anderen traditionellen asiatischen Kampfkünsten handelt es sich dabei um eine vorgeschriebene Reihenfolge von Hand- und Fußtechniken, welche ohne Partner als „Schattenkampf“ ausgeführt werden. Es handelt sich also im Prinzip um einen Kampf gegen einen imaginären Gegner.

Durch die festgelegten Bewegungsabläufe wird das Gedächtnis geschult und ein harmonisches Zusammenspiel von Körper und Geist entwickelt. Hier kann (und soll) der Aktive alle Techniken mit voller Kraft und bis zum Endpunkt ausführen, was im Freikampf, wegen der Verletzungsgefahr für den Partner, nicht möglich ist.

Insgesamt gibt es 20 traditionelle Hyongs. Die hier aufgeführten historischen Angaben sollen einen ersten Einblick in die Tradition der ursprünglichen 20 Hyongs des traditionellen Taekwondo bieten. Leider verschwimmen, wie so oft in der Geschichtsschreibung, mitunter die Grenzen zwischen belegten historischen Fakten einerseits und Wunsch und Propaganda der politischen Akteure andererseits, im Nebel der Jahrzehnte oder Jahrhunderte.

Gerade in der mitunter bis heute historisch belasteten und mit Vorurteilen gegenüber den Nachbarnationen aufgeladenen Region Ostasiens (hier insbesondere Korea-China-Japan) sind häufig verschiedenartige Darstellungen anzutreffen. Daher sollten die hier dargelegten Angaben und Beschreibungen nicht als historische Fakten gewertet, sondern mit der gebotenen Zurückhaltung interpretiert werden.

Die ersten neun Hyongs

  1. Chon-Ji: Bedeutet etwa „der Himmel und die Erde“. In Asien bedeuten die Worte die Erschaffung der Welt bzw. den Beginn der Menschheit. Deshalb ist Chon-Ji auch die Hyong, die von den Anfängern als erstes erlernt wird, da sie noch am Anfang ihrer Entwicklung stehen. Die Hyong besteht aus zwei ähnlichen Teilen. Der eine Teil steht für die Erde, der andere für den Himmel.
  2. Tan-Gun: War ein Heiliger, welcher der Sage nach Korea im Jahre 2333 v. Chr. gründete.
  3. To-San: Steht für den Patrioten Ahn Chang-Ho (1876-1938), der sein ganzes Leben der Bildungsförderung in Korea und seiner Unabhängigkeitsbewegung widmete.
  4. Won-Hyo: Der berühmte Mönch Won-Hyo führte zur Zeit der Silla-Dynastie 686 n. Chr. den Buddhismus in Korea ein.
  5. Yul-Kok: Steht für den großen Gelehrten und Philosophen Li-Le (1536- 1584 n. Chr.), auch „Konfuzius von Korea“ genannt. Die Hyong hat 38 Bewegungen. Sie bezieht sich auf den Geburtsort von Li-Le am 38.
  6. Chun-Gun: Ist nach dem Patrioten An Chun-Gun benannt, der Hiro-Bumi Ito, den ersten japanischen Generalgouverneur von Korea, tötete. Dieser spielte die ausschlaggebende Rolle beim Zusammenschluss von Japan und Korea. Im Jahre 1910 wurde An Chun-Gun im Alter von 32 Jahren im Lui-Shung Gefängnis hingerichtet.
  7. T“oi-Gye: War das Pseudonym des berühmten koreanischen Gelehrte und Schriftstellers Li- Hwang im 16. Jahrhundert. Die 37 Bewegungen der Hyong stehen für seinen Geburtsort, der sich am 37.
  8. Hwa-Rang: War eine koreanische Jugendbewegung, die etwa vom 4. bis zum 9. Jhd. existierte. Bei den Bemühungen, die drei Königreiche Koreas zu vereinen, waren die Hwarang eine führende Kraft.
  9. Chung-Mu: War der posthum verliehene Ehrentitel des koreanischen Admirals Yi Sun-Sin. Er gilt als Erfinder des ersten gepanzerten Kriegsschiff, eines Vorläufer der Unterseeboote. Der Angriff mit der linken Faust am Ende der Hyong symbolisiert seinen frühen Tod, vor Vollendung seines Lebenswerkes.

Weitere Hyongs im Überblick

  1. Der König Gwang-Gae T“o-Wang, 17. König der Koguryo Dynastie, eroberte alle vorher verlorengegangenen Gebiete einschließlich der Mandschurei zurück. Das Diagramm steht für die Eroberung der verlorenen Gebiete und die Ausdehnung Koreas.
  2. Der Koreaner Chong Mong-Chu war ein treuer Untertan und ein berühmter Dichter, dessen Gedichte in Korea sehr bekannt sind. Er wurde P“o-Eun gennant und lebte 1400 n. Chr. Er widmete sich auch der Forschung in der Physik. Das Diagramm der Hyong symbolisiert seine unbeirrbare Treue zum Vaterland und zum König.
  3. Diese Hyong wurde nach dem großen General Gae-Bak benannt, der ca. 660 n. Chr. in der Paek-Chae-Dynastie lebte. Das Diagramm der Hyong steht für seine strenge und harte militärische Disziplin.
  4. Der koreanische General Kim Yu-Sin vereinigte 668 n. Chr. das dreigeteilte Korea während der Silla Dynastie. Die Hyong hat 68 Bewegungen, welche sich auf die beiden letzten Ziffern des Jahres der Einigung Koreas beziehen.
  5. Diese Hyong ist nach dem berühmten koreanischen General benannt, der Kim Dok-Ryong genannt wurde. Er errang im Imzin-Krieg auf dem Mudung Berg vor ca. 400 Jahren einen großen Sieg. Das Ende der Hyong, ein Angriff mit der linken Hand deutet auf seinen tragischen Tod im Alter von 27 Jahren hin.
  6. Benannt nach dem General Ul-Ji Mun Duk der im 7. Jahrhundert lebte. Es gelang ihm, Korea gegen eine chinesische Invasionsarmee, die nahezu eine Millionen Soldaten umfasste, zu verteidigen. Er bediente sich hierbei der Guerillataktik. Das Diagramm der Hyong steht für seinen Nachnamen. Die Hyong hat 42 Bewegungen.
  7. Diese Hyong ist benannt nach dem koreanischen Unabhängigkeitstag, der an den Volksaufstand am 1.3.1919 erinnert.
  8. Diese Hyong ist benannt nach dem Pseudonym des koreanischen Patrioten und Freiheitskämpfers Cho Man-Ski. Er weihte sein Leben der Unabhängigkeit und Erziehung des koreanischen Volkes.
  9. Die Hyong ist benannt nach dem koreanischen Kanzler und General im 14. Jahrhundert. Ch“oi-Yong war hochangesehen wegen seiner Loyalität, Bescheidenheit und für seinen Patriotismus.
  10. Die Hyong ist benannt nach dem bedeutendsten koreanischen König (1443 n. Chr.), dem Erfinder des koreanischen Alphabets und bekannten Meteorologen. Die Hyong hat 24 Bewegungen.
  11. Diese Hyong steht für die Entschlossenheit Koreas, das seit 1945 gespalten ist, sich wieder in Frieden zu vereinigen.

Die hier vorgestellten 20 Hyongs sind die ursprünglich von General Choi, Hong-Hi gelehrten Formen des Traditionellen Taekwon-Do. Später erweiterte er dieses System um vier weitere Formen auf insgesamt 24. Dabei wurde auch die Position einiger Hyongs innerhalb des Systems geändert.

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Taekwondo-Schulen die auf die Tätigkeit von Großmeister Kwon, Jae-Hwa und anderen Pionieren des Taekwondo zurückgehen unterrichten i.d.R. die ursprünglichen 20 Hyongs. Demgegenüber unterrichten Schulen welche der International Taekwon-Do Federation (ITF) angehören die 24 Formen des reformierten Systems.

Taeguk: Die koreanische Flagge und ihre Bedeutung

Der Botschafter Park, Yeong-ho schuf im August 1882 den Vorläufer der heutigen Fahne. König Gojong erklärte die sie am 6. Der weiße Hintergrund steht symbolisch zum einen für das koreanische Volk und zum anderen für die Reinheit und den Frieden.

Der rot-blaue Kreis in der Mitte ist in zwei Hälften geteilt. Die ineinander verschlungenen Farbflächen in Rot und Blau stellen das Eum- (Um) und Yang-Symbol dar, die koreanische Variante des „Yin und Yang“ aus der chinesischen Philosophie. Eum ist der rote Teil und Yang ist der blaue Teil. Das rote Eum steht symbolisch für Erde und Weiblichkeit. Das blaue Yang steht symbolisch für Himmel und das männliche Prinzip.

Die Einheit des rot-blauen Symbols (Taeguk oder auch taegeuk - wörtlich übersetzt bedeutet „tae“ Größe und „guk“ Ewigkeit) steht für das Universum. Es steht gleichzeitig für die im Universum enthaltenen Gegensätze wie Feuer und Wasser, Tag und Nacht, dunkel und hell, maskulin und feminin, Wärme und Kälte und so weiter. Die Verbindung der Gegensätze bringt das Universum ins Gleichgewicht.

Die schwarzen Strichsymbole um den Kreis herum sind sogenannte Trigramme. Das Diagramm jeder Form und die Form selbst haben eine bestimmte Bedeutung.

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Die Taeguk-Formen und ihre Bedeutung

Es gibt insgesamt 17 Formen. Die ersten acht (Taeguk) sind die Schülerformen. Die Formen 9 - 17 sind die Meisterformen.

FormBedeutung
1. Taeguk Il-jangHimmel und Licht
2. Taeguk I-jangFröhlichkeit
3. Taeguk Sam-jangFeuer
4. Taeguk Sa-jangDonner und Blitz
5. Taeguk Oh-jangWind
6. Taeguk Yuk-jangWasser
7. Taeguk Chil-jangGipfel
8. Taeguk Pal-jangErde
9. KoryoGelehrsamkeit / Korea
10. KumgangBerg / Diamant
11. TaebaekStaatsgründung Koreas
12. PyongwonEbene
13. SipjinZehn
14. JitaeErde
15. ChonkwonHimmel
16. HansuWasser
17. IlyoEinheit

Die Taeguk Bewegungsformen (Poomse) basieren auf diesen acht Grundphänomenen (ebenso die Bewegungsabläufe der Palge). Demgemäß werden die Bewegungsrichtungen dieser Formen (Poomse) von acht Symbolen oder "Palge" repräsentiert, auf deren Linien man sich bewegt.

Weitere wichtige Taekwondo-Begriffe

  • Kyorugi: Der Wettkampf oder der sportliche Aspekt des Taekwondo.
  • Kihap: Der Kampfschrei, der beim Ausführen von Techniken verwendet wird.
  • Dan und Kup: Bezeichnen die Graduierungen im Taekwondo, wobei "Kup" die Schülergrade und "Dan" die Meistergrade bezeichnet.
  • Hosinsul: Die Selbstverteidigungstechniken im Taekwondo.
  • Jumeok: Der koreanische Begriff für "Faust".
  • Chagi: Bezeichnet die Fußtritte im Taekwondo.
  • Hanja: Die koreanischen Schriftzeichen, die häufig verwendet werden, um bestimmte Begriffe und Konzepte zu veranschaulichen.
  • Yonggi: Der koreanische Begriff für "Geist" und bezeichnet die mentalen Aspekte des Taekwondo.