Die Berliner Kultband Karat feiert 2025 ihr 50-jähriges Jubiläum. 50 Jahre - das sind zwei Generationen und fast ein Leben. Es gibt nur wenige Bands von Rang, die auf eine solche lange Geschichte zurückblicken.
Karat sind eine der Institutionen des Deutschrock. In der ehemaligen DDR sind sie neben Bands wie City oder den Puhdys die Speerspitze der real existierenden Rockmusik. In den alten Bundesländern sind sie nicht zuletzt dank Peter Maffays Coverversion ihres größten Hits "Über Sieben Brücken" ein Begriff.
Die frühen Jahre und der Durchbruch
Am 22. Februar 1975 spielten Karat ihr erstes Konzert in Heidenau bei Pirna in der Nähe von Dresden. 1975 beschließen Bassist Henning Protzmann (aus der Soul-Jazz-Rockband Panta Rhei) und der Gitarrist und Sänger Ulrich Pexa (aktiv bei Frank Schöbel), eine eigene Gruppe aus der Taufe zu heben.
Mit an Bord: Schlagzeuger der Gruppe Lift, Konrad Burkert sowie Keyborder Ulrich (Ed) Swillms und der Gitarrist und Sänger Herbert Dreilich - beide ebenfalls von Panta Rhei. Der Bandname sollte eine gewisse Wertigkeit haben und gleichzeitig auch international verständlich sein.
Die Erfolgskurve der Gruppe geht schnell steil nach oben. 1978 erscheint ihre erste Platte. Zu den XI. Übertroffen allerdings wird der Song von einem Lied, das bis heute Ohrwurm-Garantie besitzt: Im gleichen Jahr vertont Songschreiber Ed Swillms das Gedicht "Über sieben Brücken mußt du gehn", das Helmut Richter für den gleichnamigen Fernsehfilm geschrieben hatte.
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"Über sieben Brücken" ist wohl der bekannteste deutsch-deutsche Hit. Ursprünglich stammt er von der ostdeutschen Band Karat. Die 1980er-Jahre werden das Jahrzehnt für die Band. 1982 kommt mit "Der Blaue Planet" der größte Erfolg der Bandgeschichte in die Läden.
Über 1,4 Millionen Mal verkauft sich das Album in der DDR und der Bundesrepublik. Die Single "Jede Stunde" schießt in die Top Ten der westdeutschen Charts. Als wichtiger Kultur-Exportschlager darf die Band auch im Westen auftreten, unter anderem in der ZDF-Hitparade oder "Wetten, dass ...?". Sie wird damit auch die einzige DDR-Band in der Geschichte der Unterhaltungsshow sein, die dort einen Auftritt hat.
Besetzungswechsel und Schicksalsschläge
Nach einigen Besetzungsänderungen ist die Band nach wie vor auf den deutschen Konzertbühnen unterwegs. 2004 dann die Hiobsbotschaft: Sänger Herbert Dreilich erkrankt schwer. Im Dezember stirbt er an einer Krebserkrankung.
Ende 2005 eskaliert ein Streit mit der Witwe von Herbert Dreilich um die Rechte am Namen Karat. Ohne dass die anderen Bandmitglieder davon wussten, hatte Dreilich bereits 1998 die Rechte am Bandnamen allein zu seinen Gunsten im Markenregister eingetragen.
Tatsächlich muss für eine Weile die kastrierte Kurzform K.... herhalten, bevor das Berliner Landgericht im Juni 2007 der Band ihren vollen Namen zurückgibt.
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Die Band heute
Anfang Januar 2023 steigen Christian Liebig und Michael Schwandt aus, den Bass bedient fortan Daniel Bätge, das Schlagzeug übernimmt Heiko Jung. Aus der Gründungsphase ist nur noch Gitarrist Bernd Römer Teil von Karat. Komplettiert wird die aktuelle Band von Keyboarder Martin Becker, Bassgitarrist Daniel Bätge und Schlagzeuger Heiko Jung.
Aktuelle Mitglieder:
- Bernd Römer (Gitarre)
- Claudius Dreilich (Gesang)
- Martin Becker (Keyboard)
- Daniel Bätge (Bass)
- Heiko Jung (Schlagzeug)
Das Jubiläum und die Zukunft
Mit einer umfangreichen Tournee, die mindestens so viel Konzerte wie die Band an Jahren hat, mit einem neuen Album, einer TV-Doku, einem neuen Buch und einer großen Jubiläums-Kreuzfahrt mit der AIDAdiva nach Norwegen im nächsten Mai werden Karat fünf Jahrzehnte Revue passieren lassen und damit auch an die verstorbenen Musiker Herbert Dreilich, Thomas Kurzhals sowie Ed Swillms erinnern.
Am 22. Februar, dem Band-Geburtstag, erscheint das neue Album «Hohe Himmel». Dreilich beschreibt die Gemeinsamkeit der neuen Songs so: «Es geht einzig und alleine um den Menschen. Um die Schattenseiten und die Sonnenseiten.» Und es gilt weiterhin: «Wir arbeiten viel mit Metaphern und zynischen Andeutungen.
Karat ist ohne Frage ein Schwergewicht im Ostrock.
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Diskografie (Studioalben):
| Jahr | Titel |
|---|---|
| 1978 | Karat |
| 1979 | Über sieben Brücken (DDR) / Albatros (BRD) |
| 1980 | Schwanenkönig |
| 1982 | Der blaue Planet |
| 1983 | Die sieben Wunder der Welt |
| 1987 | Fünfte Jahreszeit |
| 1990 | … im nächsten Frieden |
| 1991 | Karat (Self-Titled) |
| 1995 | Die geschenkte Stunde |
| 1997 | Balance |
| 2003 | Licht und Schatten |
| 2010 | Weitergeh’n |
| 2015 | Seelenschiffe |
| 2018 | Labyrinth |
| 2025 | Hohe Himmel |
