Das Punktesystem im Judo

Im Gegensatz zu vielen anderen Sportarten gibt es im Judo keine Punkte oder Tore. Die Kämpfer haben die Möglichkeit, mit einer Technik (Wurf- oder Bodentechnik) eine Wertung zu erzielen. Die Wertungen werden vom Kampfrichter vergeben.

Wertungen im Judo

Die kleinstmögliche Wertung ist seit der letzten Regeländerung der IJF "Waza-ari" ist eine mittlere Wertung und "Ippon" ist die höchste aller Wertungen. Ein "Waza-Ari" kann mehrfach vergeben werden. Erhält ein Kämpfer die Wertung "Ippon", so wird er unmittelbar zum Sieger des Kampfes und der Kampf ist beendet. ("Ippon" kann mit einem K.O.

  • Ippon: Ein Ippon ist die höchste Wertung. Wer einen Ippon erzielt, gewinnt den Kampf. Ippons können durch einen kontrollierten Wurf auf den Rücken, Festhalten des Gegners in Rückenlage für 20 Sekunden oder durch Aufgabe des Gegners z.B.
  • Waza-Ari: Ein Waza-Ari ist die zweithöchste Wertung. Wenn der Gegner nicht kontrolliert auf dem Rücken, sondern z.B. auf der Seite landet, gibt es Waza-Ari.

Kampfrichtertafel und Ermittlung des Gewinners

Die Kampfrichtertafel teilt sich in zwei Hauptbereiche: den weißen und den roten. Auf ihr werden alle vergebenen Wertungen und Strafen der Kämpfer festgehalten. Der Gewinner eines Kampfes wird durch die Wertungen ermittelt. Erhält ein Kämpfer einen "Ippon", ist er der Sieger und der Kampf ist sofort beendet.

Haben beide Kämpfer die gleiche Wertung, diese aber unterschiedlich oft, so gewinnt der Kämpfer, der die höhere Anzahl der Wertung erreicht hat. Bei identischem Wertungsstand muss der Kampfrichter eine subjektive Entscheidung treffen. Es gibt kein Unentschieden! In diesem Fall macht der Kampfrichter seine Entscheidung an dem Einsatz der einzelnen Kämpfer fest und erklärt den aktiveren Kämpfer zum Sieger.

Wer die höchste Wertung Ippon erhält, ist sofort Sieger (es ist egal, was für Wertungen der Gegner erzielt hat) und der Kampf ist zu Ende. Diese Wertung kann also nur einmal pro Kampf vergeben werden, und deshalb braucht sie auch nicht auf der Tafel angezeigt werden! Zweimal Waza-ari ist soviel Wert wie Ippon, auch dann ist man sofort Sieger.

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Wenn mit diesen Wertungen der Kampf nicht vorzeitig beendet wurde, sondern die Kampfzeit regulär abgelaufen ist, gewinnt derjenige Judoka, welcher die höhere Wertung von beiden erzielt hat. Haben beide Kämpfer überhaupt keine Wertung erzielt, oder die Wertungen sind bei beiden absolut identisch, kommt es zunächst zu einer Fortsetzung des Kampfes. Es werden alle Wertungen von der Tafel glöscht und die Stoppuhr zurückgestellt.

Es gewinnt dann der Kämpfer, der als erstes eine Wertung erhält. Der Kampf wird danach gleich beendet, auch wenn die Wertung nur ein Koka ist. Diese Regelung heißt Golden Score. Wenn es nach dem Ablauf einer zweiten kompletten Kampfzeit immer noch unentschieden steht, dann kommt es zu einem Kampfrichterentscheid.

Der oder die Kampfrichter müssen einen Kämpfer zum Sieger erklären. Welcher Kämpfer war aktiver, d.h. wer hat mehr versucht, anzugreifen? Ist es einem Kämpfer fast gelungen, den anderen zu werfen? Hat ein Kämpfer den anderen unter 10 Sekunden im Haltegriff gehalten?

Verbote und Strafen

Im Judo ist schlagen, treten, kratzen, beißen oder sonstiges unsportliches Verhalten verboten. Die Kämpfer verbeugen sich vor und nach dem Kampf voreinander, um ihrem Gegenüber Respekt zu erweisen. Derart unsportliches Verhalten wird mit Hansoku-Make bestraft und der Judoka hat automatisch verloren. Des Weiteren gibt es das sogenannte Shido für kleinere Vergehen (z.B. passiv kämpfen).

Ein Hinaustreten wird mit der Strafe „Shido“ geahndet. Strafen werden auch für andere Unregelmäßigkeiten (z.B. wegen Inaktivität, unzulässiger Grifftechnik oder Beingreifen im Standkampf) erteilt. Die Disqualifikation heißt im Judo „Hansoku-make“. Drei Shidos führen zu einem Hansoku-make, also wiederum zur vorzeitigen Beendigung des Kampfes.

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Eine Ausnahme von dieser Regel begründen Shidos für das Greifen ans Bein während des Standkampfes.

Der Judokampf

Judo findet sich heute international vor allem als Turnierkampfsport wieder. Der Judokampf: Ein Judokampf geht nach neueren Regeln vier Minuten.

Gekämpft wird in der Regel im weißen Judo-gi (Judoanzug). Der zuerst aufgerufene Kämpfer bindet sich den weißen, der Zweitgenannte den roten Gürtel um. Bei Wettkämpfen auf höherem Niveau trägt der eine Kämpfer statt des Zusatzgürtels einen weißen, der andere Kämpfer einen blauen Judo-gi. Der in der Wettkampfliste Erstgenannte bzw. zuerst Aufgerufene (weißer Zusatzgurt; weißer Judo-gi) stellt sich aus der Perspektive des Kampfrichters rechts auf der Matte auf.

Je nach Alterskategorie dauern Judo-Kämpfe von zwei Minuten für die Kleinen bis zu vier Minuten plus sog. Der Kampf beginnt mit dem Kampfrichterkommando „Ha-jime“ und endet mit „Sore-made“. Mit dem Kommando „Mate“ wird der Kampf kurzzeitig unterbrochen. Die höchste Wertung einer Technik wird durch den Kampfrich­ter-Ausruf „Ippon“ signalisiert. Dies beendet den Kampf vorzei­tig. Bei einer nicht ganz perfekten, aber dennoch erfolgreichen Technik gibt es ein „Waza-ari“.

Reguläre Kampfzeit: Wird der Kampf nicht vorzeitig durch Ippon oder Hansoku-make entschieden, so gewinnt am Ende der regulären Wettkampfzeit der Kämpfer, der bereits ein Waza-ari erzielt hat. Haben beide Kämpfer am Ende der regulären Kampfzeit eine Waza-ari-Wertung auf der Anzeigetafel stehen (unabhängig von der Zahl der Shidos), geht der Vergleichskampf im Golden Score, also in der Verlängerung, weiter.

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Im Fall gleicher Wertungen wird der Kampf somit auch dann fortgesetzt, wenn z.B. Golden Score: In dieser Verlängerung gibt es keine zeitliche Obergrenze.

Weitere Regeln und Bestimmungen

Die Wettkampfregeln werden durch den Internationalen Judo-Verband (IJF) festgelegt und vom Deutschen Judo-Bund (DJB) übernommen. Sie werden des Öfteren angepasst. So dürfen die Kämpfer im Stand zurzeit nicht unterhalb des Gürtelbereichs (z.B. an die Beine des Gegners) greifen. Im Internet findet sich leider noch immer eine Vielzahl veralteter Regeln (z.B. mit den früheren Kleinwertungen Koka und Yuko). Diese sind obsolet.

Beim Kampf im Stand gilt: Je mehr der Gegner auf den Rücken geworfen wird, und je schwung- und kraftvoller die Wurfausführung ist, desto höher die Wertung. Landet der Gegner dagegen auf dem Bauch gibt es keine Wertung!

Im Bodenkampf gilt: je länger man es schafft, den Gegner in einem Haltegriff fest-zuhalten, desto höher die Wertung. Ein Haltegriff zählt aber nur dann, wenn der Partner auf dem Rücken liegt! Bei höheren Altersstufen kommen Hebel und Würgegriffe dazu. Bei wirkungsvoll angesetzten Hebeln oder Würgegriffen signalisiert der Unterlegene durch Abklopfen auf der Matte seine Aufgabe.

Im Boden kann der Kampf ebenfalls entschieden werden. Den vollen Punkt, das Ippon, erhält der Sieger, wenn der Gegner z.B. aufgrund einer erfolgreichen Hebel- oder Würgetechnik (zuläs­sig bei älteren Kindern und Erwachsenen) aufgibt. Die Aufgabe zeigt der Unterle­gene dem Gegner und dem Kampfrichter durch festes zwei­ma­liges Abklopfen mit den Händen oder Bei­nen an.

Eine Waza-ari-Wertung gibt es für einen Haltegriff (Osae-komi), der mindestens zehn aber weniger als 20 Sekun­den gehalten wird. In der 20. Sekunde des ungelösten Halte­griffs ertönt das Kom­mando Ippon, welches den Kampf wiede­rum beendet.

Befürchtet der Kampfrichter in einer unübersichtlichen Bodenkampfsituation ein Risiko für einen der Kämpfer, so kann er den Kampf mit dem Kommando „Sono-mama“ unterbrechen. Beide Wettkämpfer verharren in der aktuellen Situation bis der Unparteiische die Situation - z.B. durch Kleiderordnen - bereinigt.