Steven Feldmann: Karriere eines Kampfsportlers im rechtsextremen Milieu

Steven Feldmann, ein Dortmunder Kampfsportler und Neonazi, ist eine Schlüsselfigur in der Vernetzung von Kampfsport und Rechtsextremismus. Er produziert regelmäßige Livestreams, in denen er seine Kameraden featuret.

Die Rolle des Kampfsports in der rechtsextremen Szene

Schon seit Jahren ist es ein Anliegen verschiedener Neonazis, sich in der Kampfsportszene zu professionalisieren. Mit brachialen Bildinszenierungen und Mitschnitten von Kampfsportturnieren versuchen Rechtsextreme wie Alexander Deptolla vom „Kampf der Nibelungen“ vor allem junge männliche Zuschauerschaften zu begeistern.

Ihre Accounts featuren häufig blutige Kämpfe, bewerben Turniere und inszenieren ein martialisches Männlichkeitsbild. Aktivist*innen der Kampfsportszene wissen auch, um die Bedeutung rechtsextremer Vernetzung und laden in Video-Interviews regelmäßig andere Neonazis ein.

Steven Feldmann: Ein "netter Nazi von nebenan"?

Zusammen mit Patrick Schröder versuchen diese rechten Aktivist*innen, einen „netten Eindruck“ zu machen. Ihre Strategie ist es, den „netten Nazi von nebenan“ zu spielen. Steven Feldmann freut sich darüber, dass seine rassistischen Aussagen salonfähig werden.

Augenzeug:innen sind sich sicher, als Haupttäter den stadtbekannten rechten Intensivtäter Steven Feldmann identifizieren zu können. Er soll für den Faustschlag verantwortlich sein und transfeindliche Beleidigungen geäußert haben.

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„Feldmann wirkt wie ein Vermittler zwischen Gewalt und Ideologie. Interessant sei vor allem, dass Feldmann sich jüngst in YouTube-Auftritten mit Influencern als „netten Neonazi von nebenan“ inszeniere.

Rechte Gewalt in Dortmund: Die Brückstraße als Schauplatz

Eine Woche ist es her, dass Rechtsextreme im Bereich der Brückstraße Personen tätlich angriffen, die ihrem völkisch-nationalen Weltbild nicht entsprachen. In der Nacht zu heute (27. Mai 2023) soll es wieder zu einem Übergriff durch Neonazis gekommen sein.

Teile der vermeintlichen rechtsextremen Tätergruppe traten bereits vergangene Woche als Täter auf. Der mutmaßliche Haupttäter ließ sich kurz vor dem Angriff noch mit Oberbürgermeister Thomas Westphal ablichten - dieser hatte den mehrfach vorbestraften Neonazi nicht erkannt.

Gemeinsam mit zwei Freund:innen wollte das spätere Opfer gegen zwei Uhr nachts auf der Brückstraße noch etwas essen. Beim Kauf einer Pizza soll er dann in dem Geschäft „Baguetterie Mare“ von Neonazis, die mit etwa sieben Personen vor Ort waren, bedrängt worden sein.

Dabei sollen die Neonazis den Trans-Mann zunächst transfeindlich beleidigt und geschubst haben, einer der Neonazis soll ihm anschließend unvermittelt einen Faustschlag gegen den Hinterkopf verpasst haben. Das Opfer und die zwei Feund:innen flohen daraufhin in die „Hirsch-Q“, die sich nur unweit des Tatorts auf der Brückstraße befindet.

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Die Brückstraße wurde in der vergangene Woche vermehrt zum Schauplatz rechter Übergriffe. Die „Autonome Antifa 170“ teilte mit, dass es um die rechte Szene zwar insgesamt ruhiger geworden sei, die Ereignisse der letzten Wochen und Monate jedoch keinen Zweifel daran ließen, dass die Gefahr durch Neonazis bei weitem noch nicht vorüber sei.

„Auch ohne Demonstrationen kommt es zu rechten Angriffen“, so die linke Gruppierung. Am vergangenen Wochenende flüchteten die Neonazis nach dem Angriff in Richtung Peek & Cloppenburg.

Unabhängig voneinander berichteten Augenzeug:innen zudem, dass die Neonazis Lennard K. und Sebastian T. - die am vergangenen Freitag als Täter agierten - auch diesmal der Tätergruppe angehört haben sollen. Am vergangenen Wochenende griffen sie im Bereich der Brückstraße und des „Platz-von-Leeds“ wohnungslose Personen tätlich an, zeigten den Hitlergruß und skandierten rechte Parolen wie „Heil Hitler!“ und „white power“.

Die Polizei gab in Bezug auf die gefährliche Körperverletzung der vergangenen Woche an, zwei Täter, die der rechten Szene zuzuordnen sind, bereits identifiziert zu haben. An verschiedenen Standorten ist die Dortmunder Brückstraße in der City durch die Polizei videoüberwacht.

Diese soll präventiv wirken und bei der Ermittlung von Täter:innen unterstützen. Die Brückstraße wurde nun innerhalb einer Woche mehrfach zum Schauplatz rechter Angriffe. Insgesamt fünf dreh-, schwenk- und neigefähige Kameras wurden an der Brückstraße installiert.

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Jedoch habe niemand live zugeschaut und daher müsse das Videomaterial noch ausgewertet werden. Inwiefern die Kameraüberwachung die Ermittlungen zur transfeindlichen Tat unterstützen kann, wird sich bald zeigen.

Die Dortmunder Neonazi-Szene: Zerschlagen oder unterschätzt?

Im kürzlich veröffentlichten Verfassungsschutzbericht für das Jahr 2023 stufen die Sicherheitsbehörden die rechtsextreme Szene in Dortmund als „kaum mehr existent“ ein. Doch nun teilten die Sicherheitsbehörden im Verfassungsschutzbericht aus dem Jahr 2023 mit, inzwischen sei eben diese Szene „zerschlagen“.

„Rund um den seit November untergetauchten und mit Haftbefehl gesuchten Neonazi Steven Feldmann hat sich eine Gruppe Jugendliche gebildet, für die er eine Art brüderliche Vorbildsfunktion erfüllt“, erklärt die Pressesprecherin von „BlockaDo“.

Iris Bernert-Leushacke stellt fest: „Das Anwerben und Radikalisieren von Jugendlichen für die Dorstfelder Szene ist in vollem Gange.“ Zuletzt fusionierte „Die Rechte“ mit der Konkurrenz, der „Nationaldemokratischen Partei Deutschlands“ (NPD), zur Partei „Die Heimat“.

Trotz der Einschätzung des Verfassungsschutzes warnt Iris Bernert-Leushacke: „Die Szene ist und bleibt gefährlich. Ja, es hat Wegzüge gegeben, gleichwohl ist die Szene bestensfalls vernetzt, bemüht sich um Nachwuchs und bleibt militant.

"Knockout51" und die Neonazi-Kampfsportszene

Das Thema Kampfsport und dazugehörige Events wie der „Kampf der Nibelungen“ spielen in der Szene eine große Rolle. Organisator dieses Kampfsportevents ist Alexander Deptolla.

So wurde die Gruppe bereits 2019 vom „Kampf der Nibelungen“, wohl die größte und bekannteste Neonazi-Kampf­sport-Veranstaltung Deutschlands, als offizielle Unterstützer-­Struktur genannt.

Die Gründung von „Knockout51“ Anfang 2019 war die absehbare Konsequenz einer sich in der bundesdeutschen extremen Rechten radikalisierten Neonazi-Gruppe, die vor allem auch den Kampfsporttrend der Szene mit deren ideologisch begründeter Militanz vereinte.

Der Chemnitz-Prozess und die Rolle von Steven Feldmann

Einer der mutmaßlichen Angreifer ist Steven Feldmann aus Dortmund, ein bekennender Neonazi und Kampfsportler. Zum Prozessbeginn am Montag erschien er nicht. Sein Vorstrafen-Register ist lang: Körperverletzungen, rassistische Angriffe, er saß schon im Gefängnis.

Seit Mitte November müsste der 29-Jährige erneut für mehr als zwei Jahre eine Haftstrafe absitzen, er erschien aber nicht zum Haftantritt. Auf seine rechtsextreme Gesinnung ist er stolz, erzählt gerne, dass er alle Ausländer aus Deutschland ausweisen würde.

In den letzten Jahren zeigte er sich immer wieder mit weiteren Angeklagten im Chemnitz-Prozess, ebenfalls bekannte Neonazis.