Japanische Kampfkunst Jiu Jitsu: Geschichte, Techniken und Vorteile

Die Kampfkunst Jiu Jitsu, auch bekannt als "Die sanfte Technik" oder "Die nachgebende Kunst", stammt aus Japan. Der Ursprung liegt bei den japanischen Samurai, die sich waffenlos verteidigen mussten. Das Ziel des Jiu Jitsu ist es, Angreifer möglichst effizient außer Gefecht zu setzen, unabhängig davon, ob sie mit oder ohne Waffen angreifen.

Geschichte und Ursprung

Jiu-Jitsu ist eine der ältesten japanischen traditionellen Kampfsportarten, die schon von den Samurai praktiziert wurde. Die Samurai trainierten Jiu-Jitsu, um sich beim Verlust der eigenen Waffen verteidigen zu können. Daher ist das Jiu-Jitsu die Mutter vieler Kampfsportarten wie z.B. MMA, Judo, die erst aus dem Jiu-Jitsu entstanden sind.

Die Gründungslegenden des Jiu Jitsu reichen bis in das 17. Jahrhundert zurück. Es war diese Kampfkunst, die die Samurai anwendeten, wenn sie im Kampf ihre Waffen verloren hatten und sich so ohne Waffen bewaffneten oder unbewaffneten Angreifern stellen mussten.

Erich Rahn: Der erste deutsche Jiu-Jitsu Trainer

Erich Rahn (01.05.1885-05.07.1973) war der erste deutsche Jiu-Jitsu Trainer in Deutschland. Er hatte als Kind das Vergnügen, in Japan mit den Söhnen des Botschafters zu spielen und sich freundschaftliche Rangeleien zu liefern. Beim Rangeln waren die japanischen, viel kleineren Jungs Erich immer überlegen. Erst viel später erfuhr er, dass die Jungs schon damals fit waren, was die Jiu-Jitsu Techniken angeht. Seitdem wollte Erich Rahn selbst Jiu-Jitsu lernen.

Bei einem Zirkusbesuch in Berlin sah Erich den japanischen Kämpfer Katasukuma Higashi, der einen viel größeren und optisch kräftigeren Mann durch Jiu-Jitsu zu Boden zwang. Der 21 Jahre junge Erich Rahn begann in einem Hinterzimmer einer Kneipe in Berlin-Mitte Jiu-Jitsu Unterricht zu geben. Er optimierte es den europäischen Ansprüchen und es folgten Schüler der Polizei und des Militärs. Durch den 1.Weltkrieg wurde seine Lehrtätigkeit unterbrochen. Danach startete Erich mit einer „Promotion-Tour“ und trat Wettkämpfe gegen namenhafte Boxer und Ringer an. 1921 eröffnete Rahn eine Kampfsportschule in Berlin-Schöneberg. Nach dem 2.Weltkrieg erlaubten die Besatzungsmächte keinen Kampfsport.

Lesen Sie auch: Japanische Kampfsportarten: Tipps für dein Kreuzworträtsel

Techniken und Merkmale des Jiu Jitsu

Der Begriff Jiu Jitsu setzt sich aus zwei Teilen zusammen. Jitsu bedeutet Technik, handwerkliches Können, Kunst. Jiu Jitsu wird daher gern als „Die Kunst des Ausweichens“ oder „Die sanfte Kunst“ übersetzt. Gemeint ist, dass im Jiu Jitsu nicht Kraft gegen Kraft gesetzt wird, wie in einem einfachen Schlagabtausch. Jiu Jitsu versucht hingegen die Kraft des Gegners umzuleiten, ins Leere laufen zu lassen oder durch Ausnutzung von Hebelgesetzen und Schwung gegen ihn selber zu richten.

Jiu Jitsu ist eine der umfassendsten Kampfkünste. Sie beinhaltet sämtliche Entfernungen der waffenlosen Verteidigung. Jiu Jitsu umfasst Tritte und Schläge, wie man sie auch im Tae Kwon Do oder Karate kennt, es umfasst Würfe, wie man sie aus dem Judo kennt, Hebel wie im Aikido, Würgetechniken und Bodenkampf.

Das Ziel bei Jiu-Jitsu ist es, Angreifer möglichst effizient außer Gefecht zu setzen. Egal ob der Aggressor mit oder ohne Waffen angreift. Bei der Verteidigung werden nicht nur Bewegungslehren angewendet, um Angriffen auszuweichen, sondern diese auch mit verschiedenen Techniken zu kontern.

Es gibt verschiedene Technikgruppierungen:

  • Hebeltechniken
  • Kontrolltechniken
  • Nervendrucktechniken
  • Schlagtechniken
  • Stoßtechniken
  • Transporttechniken
  • Tritttechniken
  • Wurftechniken
  • Würgetechniken

Selbstverteidigung im Jiu Jitsu

Jiu Jitsu versteht sich dabei als Selbstverteidigung. In der typischen Trainingssituation simulieren wir einen Angriff auf uns durch einen oder mehrere Angreifer. Dazu gehören sowohl haltende Angriffe, wie Umklammern, Würgen, Griff in die Haare, aber auch Angriffe durch Schläge und Tritte sowie Angriffe mit Waffen, insbesondere mit Stöcken oder Messern. Diese Angriffe werden auf adäquate Weise abgewehrt.

Lesen Sie auch: Kampfsportarten aus Japan

Wichtig ist hierbei die Verhältnismäßigkeit von Verteidigung und Angriff. Jiu Jitsu enthält daher viele Techniken, die dazu dienen, den Gegner zu kontrollieren. Es ist nicht notwendig jeden Angreifer sofort krankenhausreif zu prügeln. Ein Hebel, der ihn am Boden fesselt, reicht häufig aus.

Das Training

Jiu-Jitsu wird im Gi trainiert. Man lernt für die Gürtelprüfungen Selbstverteidigungstechniken, Würgetechniken, Haltegriffe, Transporttechniken, Würfe, Boxen und Karate Grundschule aber auch sehr vielseitiges Kämpfen im Stand und am Boden auch mit Schlägen und Tritten sowie Hebeln u.v.m.

Weil Jiu-Jitsu so vielfältig ist, bietet es sich an als Jiu-Jitsu-Ka bei verschiedenen Turnieren teilzunehmen z.B. Bodenkampf, Grappling, Allkampf, Karate, aber man kann sich auch auf MMA, Kickboxen, BJJ oder Judo Turniere vorbereiten. Naheliegender sind natürlich Jiu-Jitsu oder (deutsche) Ju-Jutsu Turniere.

Wichtiges Leitkonzept des Jiu-Jitsu ist das Siegen durch Nachgeben. Also als Zeichen der Aufgabe ist es dringend notwendig den Anfängern zu erklären, dass sie abklopfen müssen sobald ihnen etwas wehtut. Meistens wird durch Würgen oder Hebeln abgeklopft. Einer der am häufigsten verwendeten Hebeltechniken ist der Juji Gatame.

Jiu Jitsu: Mehr als nur ein Kampfsport

So bietet Jiu-Jitsu ein sehr weites Spektrum an Selbstverteidigungstechniken. Zusätzlich werden Körper und Geist geschult. Und damit das Selbstbewusstsein und der Charakter gestärkt. So können schwierige Situationen besser eingeschätzt sowie auch Konflikte besser deeskaliert werden.

Lesen Sie auch: Stockkampfkunst in Japan

Weil das Jiu-Jitsu eine traditionell japanische Kampfsportart ist, lernt man auch alle Japanischen Begriffe z.B. heißt es Juji Gatame für den getreckten Armhebel/ die Armbar, oder Mawashi Geri Jodan für einen Halbkreistritt auf Kopfhöhe. Schon beim betreten des Dojos (=Trainingsraum) wird sich traditioneller Weise verneigt und OSU gesagt.

Jiu Jitsu und Gesundheit

Jiu-Jitsu trainiert den ganzen Körper. So ein Kampfsporttraining ist immer eine gute Mischung aus Kraft- und Ausdauertraining. Auch wenn man nicht das Ziel hat Schwarzgurt zu werden, ist Jiu-Jitsu eine Sportart mit der man seine Fitness trainiert und dabei Selbstverteidigung lernt.

Durch die Vielzahl der Techniken im Jiu Jitsu ist das Training sehr abwechslungsreich und fordert den gesamten Körper. Dennoch ist es ein System, das man in nahezu allen Altersklassen ausüben kann. Jiu Jitsu erwartet keine Akrobatik. Die notwendige Flexibilität und Fitness des Körpers wird im Laufe des Trainings erworben. Jeder körperlich nicht beeinträchtigte kann Jiu Jitsu ausüben. Jiu Jitsu ist dabei nicht gefährlicher als Sportarten wie Fußball oder Handball. Schwere Verletzungen sind äußerst selten.

Unterschiede zu anderen Kampfsportarten

Jiu Jitsu ist eine relativ alte Kampfkunst, aus der einige andere Kampfkünste und Kampfsportarten hervorgegangen sind. Hier ist zunächst Judo zu nennen. Judo wurde von Jigoro Kano Ende des 19.Jahrhunderts entwickelt. Kano hatte selber einen Jiu Jitsu Stil erlernt. Während seiner Studienzeit entwickelte er aus diesem Stil eine Wettkampfsportart, indem er alle Techniken, die ihm als zu gefährlich für den Wettkampf erschienen, aus dem System entfernte, darunter insbesondere sämtliche Schläge und Tritte und einen Teil der Hebel.

Der Koreaner Choi Yong-Sul hatte während der japanischen Besatzung Koreas den gleichen Jiu Jitsu Stil wie Morihei Ueshiba erlernt. Er kombinierte diesen später mit Techniken der traditionell koreanischen Form Tae Kwon Do und schuf daraus Hapkido.

Ein modernes Derivat des Jiu Jitsu ist das besonders in den USA sehr populäre Gracie Ju Jitsu oder Brazilian Ju Jitsu.

Jiu Jitsu und Ju Jutsu in Deutschland

In Deutschland gibt es als Besonderheit eine Unterscheidung zwischen Jiu Jitsu und Ju Jutsu. Jiu Jitsu ist am Anfang des 20.Jahrhunderts nach Deutschland gelangt. Ju Jutsu wurde 1969 eingeführt. Mehrere hohe Danträger hatten sich zusammengeschlossen, um ein modernes Verteidigungssystem aus „den wirkungsvollsten Techniken verschiedener Kampfsportarten“ zusammenzustellen.

Ju Jutsu und Jiu Jitsu sind verschiedene Ausprachen der gleichen Kanji. Technisch ist Ju Jutsu dem Jiu Jitsu sehr ähnlich. Ju Jutsu hat sich völlig von seiner japanischen Herkunft gelöst, was sich zum Beispiel darin zeigt, dass dort nur deutsche Begriffe verwendet werden. Es beinhaltet anders als Jiu Jitsu Wettkämpfe, die allerdings stark einschränkenden Regeln folgen, um schwere Verletzungen zu vermeiden.

Durch den Anspruch die „besten“ Techniken zusammengestellt zu haben, ist Ju Jutsu ein geschlossenes System geworden mit einer Reihe definierter Techniken. Dies zeigt sich auch in der starre Prüfungsordnung, in der die Techniken, die zu jedem Gürtel gezeigt werden müssen, eindeutig festgelegt sind. Jiu Jitsu ist in seinen Ausformungen vielseitiger. International gibt es eine entsprechende Trennung nicht.

Das Gürtelsystem im Jiu Jitsu

Heute werden z.B. über den Verband „Deutscher Jiu-Jitsu-Ring Erich Rahn e.V.“ Gürtelprüfungen abgenommen. Das Gürtelsytem im Jiu-Jitsu für erwachsene ist in Kyu- und Dan-Grade unterteilt. Die Kyu-Grade sind mit farbigen Gürteln (Gelb, Orange, Grün, Blau und Braun) gekennzeichnet. Die Dan-Grade können durch Streifen auf dem Schwarzgurt gekennzeichnet werden.

Eine Gelbgurt Prüfung im Jiu-Jitsu enthält beispielsweise ca.30 Techniken, mit denen der Anfänger den Prüfern sein Können präsentiert und ab dem Grüngurt müssen die Kampfsportler auch Bodenkämpfe und Standkämpfe gegen einen oder im Randori gegen mehrere Kampfsportler machen. Beim Kämpfen achten dir Prüfer darauf, dass die Techniken kämpferisch angewendet werden. Neben den vielen verschiedenen Kämpfen die man zur 1.Danprüfung macht, wird auch das Wissen über ca. 140 Techniken abverlangt.

Josef Fichtner - Jiu-Jitsu Experte

Josef Fichtner begann 1972 als Kind mit Kampfkunst! Erst mit Judo, dann mit Jiu-Jitsu und Taekwondo. Heute zählt er zu den bekanntesten Experten für realistische Selbstverteidigung im Lande! Wer sich für Jiu-Jitsu, Selbstverteidigung, Taekwondo und Kampfsport interessiert, ist in der Sportschule Fichtner - Kampfkunstschule in besten Händen!

Die japanische Schrift und Aussprache

Diese Zeichen stehen für Jiu Jitsu, oben Jiu, unten Jitsu. Die Japaner schreiben (hauptsächlich) in chinesischen Schriftzeichen, die in Japan Kanji genannt werden. Jedes Zeichen ist eine Art Bild und steht für einen Begriff. Anders als das europäische Silbenalphabet beinhalteten Kanji keinerlei Hinweise auf die Aussprache des Begriffes. Die Japaner haben zwar Silbenalphabete entwickelt (Katakana, Hiragana), diese haben die Kanji aber nie verdrängen können.

Als Japan im 19.Jahrhundert in größerem Maße mit Europa in Kontakt kam, wurden jedoch Transkriptionssysteme entwickelt, um japanische Begriffe in europäischer Silbenschrift darzustellen. So sollte Europäern das Erlernen der Sprache erleichtert werden. Durchgesetzt hat sich das System des englischen Missionars J. C. Hepburn. Die Umschriften japanischer Begriffe in lateinische Buchstaben sind also im Allgemeinen wie Englisch zu lesen. Dies ist relevant, da auch in den europäischen Sprachen gleiche Buchstaben nicht unbedingt für gleiche Laute stehen.

Das 'J' in Jiu Jitsu ist nicht weich wie im deutschen 'Jeder' oder "Jubel" zu sprechen, sondern scharf wie im englischen 'Juice' oder ‚Join’ oder im eingedeutschten ‚Dschungel’. Das einfache ‚s’ ist bei Hepburn wie ein deutsches ‚ss’ zu sprechen. Erschwerend kommt hinzu, dass im japanischen An- und Ablaute weit verbreitet sind, Vokale werden häufig unbetont gesprochen. ‚Jiu Jitsu’ spricht sich also in etwa ‚Dschiu Dschitssu’, wobei das ‚i’ im Jiu nur im Anlaut erklingt.