Stefan Raab: Karate, Gefahr und TV-Karriere

Musiker, Moderator, Entertainer: Stefan Raab hat sich während seiner 25-jährigen TV-Karriere viele Meriten erworben.

Vor knapp einem Jahr hat der Entertainer die große Fernsehbühne verlassen, heute feiert er seinen 50. Geburtstag. Wie sehr Raab fehlt, wird bei einem Rückblick auf einige seiner besten TV-Momente deutlich.

Frühe Karriere und musikalische Erfolge

Der einstige Kultsender Viva war 1993 als deutscher Gegenentwurf zu MTV mit Pop-Musik auf Sendung gegangen. Zu den jungen Moderatoren gehörten in den 90er Jahren unter anderem Heike Makatsch und Stefan Raab.

1994 fand die Fußball-Weltmeisterschaft in den USA statt. Die deutsche Mannschaft unter Trainer Berti Vogts trat als Titelverteidiger an, entsprechend groß waren die Erwartungen. Raab machte sich aus dem Hype um das Turnier aber einen Jux und komponierte einen Rap-Song über den Bundestrainer.

Der Titel erreichte im Juli 1994 Platz vier der deutschen Charts. Deutschland schied übrigens im Viertelfinale nach einer 1:2-Niederlage gegen Bulgarien aus.

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1999 startete Raab seine eigene Sendung "TV Total" bei Pro Sieben. Zum festen Konzept der Sendung gehörte, dass Raab witzige Szenen aus dem Fernsehen aufgriff und sich über die Beteiligten lustig machte.

Auf diese Weise kam Regina Zindler zu zweifelhaften Ruhm. Die Vogtländerin hatte sich in der Gerichtsshow "Richterin Barbara Salesch" darüber beklagt, dass der Knallerbsenstrauch ihres Nachbarn ihren Maschendrahtzaun zerstöre. Raab komponierte daraufhin den Countrysong "Maschen-Draht-Zaun" und spielte ihn mit der Band Truck Stop ein. Ergebnis: Platz 1 in der deutschen Hitparade.

Ein Jahr später strebte Raab nach Höherem: Nachdem er 1998 bereits den deutschen Beitrag von Guildo Horn für den Eurovision Song Contest geschrieben hatte, trat er 2000 selber an. Mit der Jux-Nummer "Wadde Hadde Dudde Da" und einer ausgeflippten Show schaffte es Raab in Schweden auf Platz 5.

Raab in Gefahr: Mut zum Risiko

Zu Raabs stärksten Eigenschaften zählt sicher sein Mut, neue Dinge auszuprobieren. Nachdem er sich in der Musik viel ausprobiert hatte, wurde Raab nach der Jahrtausenwende zusehends zum Multitalent.

Stefan Raab begibt sich gerne in Gefahr. Das weiß man. Er lässt sich von Boxerinnen verprügeln, springt von hohen Türmen ins Wasser, rast in Woks durch den Eiskanal oder fährt Karambolage-Rennen in Schrottautos.

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Boxkampf gegen Regina Halmich

Bester Beweis seines Querdenkertums war der Boxkampf gegen die Weltmeisterin im Juniorfliegengewicht Regina Halmich im Februar 2001, der live übertragen wurde. 7,65 Millionen Zuschauer wurden seinerzeit Zeuge, wie die zierliche Boxerin den wuchtigen Raab ziemlich vermöbelte - und ihm sogar die Nase brach.

Im September 2024 kehrte der frühere "TV total"-Gastgeber nach einer neunjährigen Auszeit auf die große Bühne zurück. Und obwohl seine Gegnerin ihre Karriere längst beendet hat, polierte sie dem Raabinator zum insgesamt dritten Mal die Visage.

Köln - Acht Monate ist es her, dass Regina Halmich (48) gegen Stefan Raab (58) beim "Clark Final Fight" in den Ring stieg. Seither ist das Leben der ehemaligen Profiboxerin nicht mehr dasselbe, wie sie jetzt verriet.

"Wenn du Talent hast, dann kommt das auch ganz zügig wieder. Und wenn jemand gar kein Talent hat, dann kommt's eben auch nicht", stichelte die Boxerin wenige Wochen nach dem Boxkampf im "Kölner Treff" in Richtung ihres ewigen Rivalen.

Rückblickend scheint die 48-Jährige wirklich froh zu sein, dass Raab sie noch einmal herausforderte.

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Denn wie sie jetzt im Interview mit RTL preisgab, ist das Boxen seit dem Schlagabtausch wieder zu einem festen Bestandteil ihres Alltags geworden.

"Ich habe vorher 17 Jahre nicht geboxt und habe es jetzt wieder angefangen. Ich bin jetzt auch wieder bei meinem alten Trainer (Torsten Schmitz, Anm. d. Red.) und habe das auch wirklich beibehalten. Außerdem könne sie inzwischen ganz befreit boxen - ohne das Verlangen nach einem Comeback. Dazu stellte die gebürtige Karlsruherin klar: "Das wäre vor zehn Jahren nicht gegangen. Da wäre die Gefahr zu groß gewesen, dass ich wieder in den Ring will."

Der Druck sei zum Ende ihrer sportlichen Laufbahn enorm gewesen. Aus der Verfolgerin wurde eine Verfolgte. "Ich habe aufgehört, als es am schönsten war. Ich habe alles erreicht, was zu erreichen war", resümierte die mehrfache Weltmeisterin.

Seit dem Sieg gegen Raab sieht Halmich "alles entspannter". Sie gehe nicht mehr so sehr "vom Ehrgeiz zerfressen" an die Dinge heran. Jetzt schaut sie lieber zu: Vor allem an Mixed Martial Arts (MMA) hat sie großen Gefallen gefunden. Die Vielfalt der Kampfsportarten und die komplexe Technik faszinieren sie.

Und auch, wenn der Reiz aufgrund ihrer Erfahrungen im Judo, Karate und Kickboxen groß ist, einen Auftritt im Oktagon wird es wohl nicht geben.

Karate und andere gefährliche Aktionen

Bereits zwei Tage zuvor musste sich Raab von Karatekämpfer Willi Donner zeigen lassen, wo der Hammer hängt. Raab in Gefahr: Karate

Für Elton stehen Karate mit Willi Donner, Judo mit Reiner Macherey (7. Dan Judo) und Aikido mit Reiner Brauhardt (8.

Die hübsche Kickboxerin Christine Theiss hat am vergangenen Samstag den Titel als Profi-Weltmeisterin geholt. "Das macht sie normal nie", sagt ihr Trainer Mladen Steko.

Es kommt wie es kommen muss, der erste Versuch geht schief. Raab reibt sich sein Haupt, zum Glück hat Christine Theiss nicht richtig feste zugetreten.

Der zweite Versuch klappt dann, der Apfel fliegt vom Moderatorenkopf.

WOK WM und andere TV Total Ableger

2003 führte Stefan Raab die Wok-WM ein. Hervorgegangen aus einer Wette bei "Wetten, dass...?", als Raab als Einsatz ins Spiel brachte, die Bobbahn in Winterberg im Wok herunterzufahren, ist die Wok-WM bis heute ein gern gesehener Gast im TV-Programm von Pro Sieben.

Sie lieferte außerdem die Blaupause für praktisch alle Spin-Offs von TV Total, denn die Teilnehmer sind Prominente aus Sport und Unterhaltung.

Ein weiterer Ableger ist das "TV Total Turmspringen", das erstmals am 16. Dezember 2004 zur besten Sendezeit über die Bildschirme flimmerte. Bislang wurden zehn Ausgaben des Sonderformats gesendet, die letzte davon im vergangenen Jahr.

Den Amerikanern von Fox gefiel's so gut, dass sie vor einigen Jahren eine adaptierte Version auf Sendung brachten.

Nachdem Raab im Rahmen von TV Total Stock Car-Rennen kennenlernte, machte er daraus eine eigene Show im Stile von Turmspringen und Wok-WM. Das Prinzip: Raab und andere Prominente fahren ihre ohnehin schon abgehalfterten Karren erst richtig zu Schrott.

Im Rahmenprogramm treten bekannte Musiker und Bands auf. Bislang gab es 10 Ausgaben, die letzte davon am 8. November 2014 (siehe Best-of-Video oben).

Schlag den Raab: Kampfgeist und Ausdauer

Am 23. September 2006 lief die erste Folge von "Schlag den Raab". Bei der Spielshow tritt ein Kandidat gegen Raab in allerlei kniffligen Mini-Spielen an. Für den Entertainer die perfekte Bühne, um all seine Talente auszuspielen: Kampfgeist, Wille, (mentale) Ausdauer.

Eines kann Raab aber definitiv nicht: Verlieren. Und so kann der Gastgeber bei "Schlag den Raab" auch schonmal laut werden, wie der Ausschnitt aus der Folge vom 11. Mai 2013 zeigt."Schlag den Raab" gilt als eine der besten Formate, die im deutschen Fernsehen zu sehen sind.

Dafür sprechen nicht zuletzt die Einschaltquoten: Marktanteile bei den 14- bis 49-Jährigen von 30 Prozent waren keine Seltenheit.

Zuletzt erzielte die Show Marktanteile von knapp über 20 Prozent bei den werberelevanten Zuschauern. Die bislang stärkste Sendung in dieser Zielgruppe war Ausgabe 24 vom 18. September 2010. damals schauten 2,83 Millionen junge Zuschauer zu (Gesamt: 4,00 Millionen, 18,7 Prozent Marktanteil)

Weitere TV Total Momente

Bei TV Total war Raab immer für starke Momente gut. Eine in dieser Hinsicht besonders legendäre Folge war die vom 12. März 2009, als der Moderator die Gäste eines Drive-In von McDonald's verschaukelte und sich zu einer Jam-Session mit US-Superstar Will Smith traf.

Erfolg beim Eurovision Song Contest

Nicht nur vor der Kamera, auch dahinter arbeitete Raab höchst erfolgreich. Nachdem er bereits um die Jahrtausendwende die deutschen Auftritte beim Eurovision Song Contest aufpäppelte, holte er 2010 zum ganz großen Schlag aus: Gemeinsam mit der ARD castete er die damals erst 18-jährige Lena Meyer-Landrut und baute die sympathische junge Frau zur Favoritin des Gesangswettbewerbs auf.

Am 29. Mai holte Lena mit dem Song "Satellite" in Oslo auch tatsächlich den Titel nach Deutschland.

Dass sie wegen ihrer gewöhnungsbedürftigen englischen Aussprache immer wieder belächelt wurde, störte die Sängerin nicht, im Gegenteil: Auf der Pressekonferenz einen Tag nach ihrem Sieg beim ESC nahm sie sich selbst auf die Schippe. Raab begleitete sie auf der Gitarre.

Ausflüge in die Politik

Am 11. November 2012 wagte sich Raab einmal mehr auf neues Terrain vor: Getrieben von der Meinung, Politik müsse auch für junge Menschen wieder interessant werden, startete er die politische Talkshow "Absolute Mehrheit".

Dabei diskutierten Politiker mit Prominenten und Unbekannten Teilnehmern drei Themen, die Gegenstand aktueller Diskussionen waren. Wer dabei das beste Bild abgab, wurde von den Zuschauern zum Sieger bestimmt. Insgesamt liefeb fünf Ausgaben plus eine Spezialsendung.

Allerdings stieß "Absolute Mehrheit" nicht wirklich auf das Interesse der jungen Zuschauer: Nachdem die erste Folge mit 1,28 Millionen 14- bis 49-jährigen noch ganz gut abschnitt, gingen die Quoten bei den folgenden Sendungen immer weiter in den Keller.

Am 1. September 2013 sorgten Pro Sieben und Raab für einen veritablen Tabubruch: Gemeinsam mit den bewährten Polit-Profis Peter Klöppel, Maybrit Illner und Anne Will war Raab einer der Moderatoren des TV-Duells zwischen den Kanzlerkandidaten Peer Steinbrück und Angela Merkel.

Auch wenn die Entscheidung, Raab hierbei einzusetzen, im Vorfeld für reichlich Diskussionsstoff sorgte: Anlass für Ärger lieferte er nicht. Vielmehr gab er sich seriös und sorgte erste gegen Ende für einen schrägen Moment, als er Steinbrück entgegenschleuderte: "Das ist doch keine Haltung zu sagen: Ich will nur gestalten, wenn ich King of Kotelett bin!"

Das Ende einer Ära

2015 hatte Raab in der 55. Folge von „Schlag den Raab“ seinen letzten Fernsehauftritt, mit dem er sich von den Bildschirmen der Zuschauer:innen verabschiedete.

Nach 16 Jahren wird Stefan Raab in der Nacht zum Sonntag seine Bildschirm-Karriere beenden.

Fünf Redakteure weinen dem Entertainer jetzt schon nach.