Wladimir Putin: Judo, Lebenslauf und Aufstieg zur Macht

Am 7. Oktober 1952 kam Wladimir Wladimirowitsch Putin im russischen Leningrad (heute Sankt Petersburg) als Kind eines kommunistischen Fabrikarbeiters zur Welt und wuchs in einfachen Verhältnissen auf. Er war das dritte Kind der Familie, seine beiden Brüder starben schon im Kindesalter.

Frühe Jahre und KGB-Karriere

In den Anfangsjahren arbeitete er überwiegend in der Auslandsspionage. Mitte der 1980er Jahre ging er mit seiner Frau Ljudmila (geb. Schkrebnewa), einer Deutsch-Dozentin, die er 1983 geheiratet hatte, nach Deutschland. In Dresden wurde ein Jahr nach der Geburt seiner ersten Tochter Maria in Leningrad, 1986 die jüngere Tochter Jekaterina in Dresden geboren. Während er offiziell für das deutsch-sowjetische Freundschaftshaus in Leipzig zuständig war, warb er tatsächlich Agenten in Ost- und West-Deutschland an. Wladimir Putin spricht fliessend Deutsch.

Politische Anfänge in St. Petersburg

Nach dem Zusammenbruch der Sowjetunion kehrte er 1990 zurück nach Russland und wurde Berater des Rechtsprofessors Anatoli Sobtschak, der St. Petersburg als Bürgermeister zwischen 1991 und 1996 regierte, und später Leiter des städtischen Komitees für Auslandsbeziehungen war. Von 1994 bis 1996 war Putin stellvertretender Bürgermeister von St. Petersburg und wechselte danach in die Wirtschaftsadministration seiner Heimatstadt.

Aufstieg im Kreml

Ab 1997 arbeitete Wladimir Putin im Kreml und wurde dort Leiter des föderalen Sicherheitsdienstes (FSB) und 1999 Nationaler Sicherheitsberater von Präsident Boris Jelzin. Im gleichen Jahr übernahm Wladimir Putin das Amt des Ministerpräsidenten. Ein Jahr später, am 26. März 2000, gewann er mit absoluter Mehrheit die Präsidentschaftswahlen und wurde zum Nachfolger Jelzins, der ihn als seinen Wunschkandidaten vorschlug.

Präsidentschaft und Kontroversen

In seine erste Amtszeit bis 2004 fallen der erste und zweite Tschetschenienkrieg, aber auch die Annäherung an angrenzende Staaten. In den folgenden Jahren konnte sich Russland wieder als internationale Supermacht etablieren. Kritiker warfen Putin einen zunehmend autoritären Führungsstil vor. Seine zweite Amtszeit folgte von 2004 bis 2008, in der er das Kyoto-Protokoll zum Klimaschutz für Russland unterzeichnete.

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Nach zwei Amtsperioden dankte Putin als Präsident verfassungskonform ab, sein Nachfolger wurde 2008 der bisherige Vize-Ministerpräsident Dmitri Medwedew. Putin übernahm daraufhin das Amt des Regierungschefs der von ihm angeführten Partei "Einiges Russland". Für die Präsidentschaftswahlen 2012 kündigte Putin seine Rückkehr als russischer Präsident an und gewann diese im ersten Wahlgang. Auch die Wiederwahl, die aufgrund der verlängerten Amtszeit erst 2018 stattfand, war für Putin aufgrund seiner Übermacht der Unterstützer, gesichert. Die Präsidentschaftswahlen, die er inzwischen viermal für sich entscheiden konnte, stufen internationale Beobachter weder als frei noch als fair ein.

Spätestens seit der Annexion der ukrainischen Halbinsel Krim 2014 ist deutlich, dass Wladimir Putin ein Machtmensch ist und dass er den Zusammenbruch des Sozialismus als Demütigung empfindet. Die Annäherungen des Westens und die Ausdehnung des Militärbündnisses Nato in die ehemaligen Sowjetischen Staaten beunruhigten ihn zunehmend. Die weitere Demokratisierung der Ukraine führte letztendlich dazu, dass Russland am 24. Februar 2022 mit einem Grossaufgebot an Soldaten und Waffen in das russische Nachbarland einzog.

Persönliches Leben und Image

Wladimir Putin ernährt sich gesund, trinkt kaum Alkohol und schwimmt fast täglich eine halbe Stunde lang. Für mediales Aufsehen sorgten seine arrangierten Urlaubsfotos aus dem August 2007, die ihn mit nackten Oberkörper auf einem Pferd reitend zeigten. 2014 wurde die Scheidung von seiner Frau Ljudmilla bekannt. Schon vorher, ab 2008, soll er mit der ehemaligen Rhythmische Sportgymnastin und Olympiateilnehmerin Alina Kabajewa liiert gewesen sein, auch gemeinsame Kinder sollen existieren.

Putin im Film: KI-generierte Darstellung

Ein polnischer Film über Wladimir Putin stellt den russischen Machthaber in unvorteilhaftem Licht dar. Das Werk zeichnet Putins Aufstieg halbsatirisch nach - und spekuliert dystopisch, wie es mit Putin und der Welt weitergehen könnte. Der Kremlchef wurde mit künstlicher Intelligenz generiert. Das Team um den polnischen Regisseur Patryk Vega hat eine Art Horrorfilm produziert, um den schon in früher Kindheit von Brutalität geprägten Lebenslauf Putins abzubilden.

Entstanden ist eine opulent illustrierte Biografie, die kein gutes Haar an Putin lässt. Vega, dessen Arbeiten Kritiker immer wieder als vulgäres Kino verreissen, ergötzt sich an einem Präsidenten, der in einer Klinik mal halbnackt in Windeln im Krankenbett zittert, dann wieder besudelt am Boden liegt und von Personal gewaschen wird.

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Als Inspiration dürften dem Filmemacher auch die immer wieder gestreuten Spekulationen um Putins Gesundheitszustand gedient haben. Der Kreml hat zwar mehrfach betont, dass Putin kerngesund sei, im echten Leben zeigte sich der Kremlchef in der Vergangenheit als Schwimmer oder auch beim Judo oder Eishockey. Aber im Film spielt ein alternder Putin die Hauptrolle, der dem Ende nah ist.

Der entlang vieler wahrer Begebenheiten erzählte Film verlegt die Gegenwartshandlung um einen kranken Putin und seinen General, gespielt von Thomas Kretschmer («Stalingrad»), in das Jahr 2026. Die Figur sieht aus wie der echte 72-jährige Putin, dessen Lebensstationen dann so abgespult werden, wie sie aus kritischen Biografien weitgehend bekannt sind. Gleichwohl gibt es reichlich erfundene Bilder.

Ein Beispiel ist die Filmszene am präsidialen Schreibtisch, wo Putin mit der als gelenkigste Frau Russlands bespöttelten Sportgymnastin Alina Kabajewa verkehrt, während seine entsetze Ehefrau Ljudmila das Amtszimmer betritt. Er wolle sie als First Lady aus den Geschichtsbüchern löschen, sagt die Putin-Figur. Bestätigt wurde die Affäre mit Kabajewa nie - und seine Trennung gab Putin gemeinsam mit seiner Frau vor laufenden Kameras bei einem Theaterbesuch 2013 bekannt.

Der Zuschauer taucht ab in ein langes Leben, darunter Putins Zeit als KGB-Offizier mit traumatischer Zwischenstation in Dresden und der Rückkehr in seine Heimatstadt St. Petersburg (früher Leningrad), wo er in den von Chaos und Verbrechen geprägten 1990ern Karriere in der Stadtverwaltung machte. Bürgermeister Anatoli Sobtschak war damals sein politischer Ziehvater. Der Film greift auch jene Legende auf, nach der Sobtschak, als Putin bereits in Moskau war, ermordet wurde, um vor der Präsidentenwahl 2000 nicht mit seinem Insiderwissen zur Gefahr zu werden.

Die Mordszene brennt sich ein beim Zuschauer - offiziell starb Sobtschak an einem Herzinfarkt. Und sie ist neben dem gezielten Ausschalten des vor allem als Säufer dargestellten Präsidenten Boris Jelzin eine von vielen Schlüsselmomenten, die Putins skrupellosen Machthunger verdeutlichen sollen. Zu sehen ist ein von den Geistern der Vergangenheit verfolgter Putin, der Kriege wie in Tschetschenien und heute in der Ukraine vor allem als Mittel des Machterhalts nutzt.

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Im Mittelpunkt steht nicht der Apparat, sondern immer Putin, der ehemalige Geheimdienstchef, der auch Explosionen in Wohnhäusern organisieren lässt, um die Menschen im Land mit Angst zu unterwerfen. Regisseur Vega konzentriert sich auf den Terror, der sich unter Putin in den Anfangsjahren ausbreitet. Visualisiert sind hier etwa Geiselnahmen im Moskauer Dubrowka-Theater (2002) und die in der Schule in Beslan (2004).

Zu sehen sind bei Bombardements in Schutt und Asche gelegte Städte - auch in der Ukraine. Und erinnert wird nicht zuletzt an das Massaker in der Stadt Butscha unweit der Hauptstadt Kiew, das als Symbol russischer Kriegsverbrechen gilt. Putin bestreitet bis heute jede Verantwortung dafür.

Entstanden ist eine Bilderschau schlimmster Verbrechen, die Zuschauer auch als Form des künstlerisch verdichteten Protests gegen Putin sehen können. In Russland mit seiner strengen Genehmigungspraxis für Filmlizenzen ist dafür gesorgt, dass der Streifen nicht in die Kinos kommt.

«Ein weiterer Baustein in der hybriden Informationskriegsführung», sagte der prominente Parlamentsabgeordnete Leonid Sluzki über den Film. Mittels künstlicher Intelligenz und Deepfake-Technologie werde das Bild Russlands und seines Präsidenten verzerrt. Er werde den Film nicht schauen und könne das auch anderen nicht empfehlen. Der Duma-Abgeordnete Andrej Lugowoi meinte, der Film sei unterste Schublade. Der frühere Geheimdienstler steht im Verdacht, in die Ermordung des Putin-Kritikers Alexander Litwinenko verwickelt zu sein. Der frühere Geheimdienstoffizier starb 2006 in London an dem Strahlengift Polonium 210.

«Putin» ist alles in allem kein völlig absurdes Filmtheater, sondern teils abschreckend nah an der Realität. Vor allem geht Vega auch der Frage nach, was passiert, wenn jemand wie Putin nicht gestoppt wird. Perspektivisch ist da demnach nichts Gutes zu erwarten.