Wladimir Putins Judo-DVD: Einblicke und Kontroversen

Der russische Präsident Wladimir Putin legt viel Wert auf sein martialisches Image und veröffentlichte eine Schulungs-DVD in Sachen Werfen, Hebeln, Würgen. Die DVD trägt den Titel „Judo lernen mit Wladimir Putin“.

Die Judo-DVD und ihre Inhalte

An seinem 56. Geburtstag präsentierte der ehemalige Präsident im russischen Fernsehen einen Lehrfilm für Judo-Schüler, in dem er selbst auftritt. Die DVD ist eine Ergänzung zu einem gleichnamigen Judo-Lehrbuch, das Putin als Co-Autor bereits im Jahr 2000 veröffentlichte.

Die DVD enthält opetusmateriaalia, in dem Putin vastustajansa tatamiin heittää. Putin hat die DVD yhdessä judon entisen maailmanmestarin Yasuhiro Yamasitan kanssa gemacht. Auch Yasuhiro Yamashita, japanischer Weltmeister und Olympiasieger, war an den Arbeiten zum Lehrvideo beteiligt.

Im ersten der vier Teile des Films erklärt Wladimir Putin, der den schwarzen Gürtel trägt, die Geschichte des Judo-Sports und die Basics. Dabei sagt er: „Judo bedeutet der sanfte Weg, das kommt von den Grundprinzipien dieser Kampfsportart: sanft, aber effektiv!“

Putins Judo-Fähigkeiten und Ehrungen

Putin ist stolzer Träger eines schwarzen Gürtels und rühmt sich, mehrfach Judomeister seiner Heimatstadt Leningrad, dem heutigen St. Petersburg, gewesen zu sein. Er selbst beschrieb seine Sicht auf das Judo indessen so: „Sportarten wie Judo lehren uns gegenseitigen Respekt.

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Dennoch gab es auch Kritik an seinen Fähigkeiten. Die „Washington Post“ schrieb am 18. Juli 2017 unter der Überschrift „Ist Putin ein Judo-Hochstapler?“: „Putin hat weithin den Ruf, ein Judo-Experte auf hohem Niveau zu sein. Sein Können sei so eindrucksvoll und bekannt, dass es zu einer Metapher für seinen Regierungsstil geworden ist.“

Benjamin Wittes, ein amerikanischer Martial Arts-Spezialist, befand nach intensivem Studium der Judo-Videos mit Wladimir Putin, dass dieser ein Betrüger und Hochstapler sei. Ihm war aufgefallen, dass dessen Gegner allzu leicht fallen und es keine Bilder gebe, auf denen der Staatschef angegriffen werde.

Trotz dieser Zweifel wurde Putin mehrfach geehrt. So wurde er zuerst zum Botschafter der Internationalen Judo-Föderation (IJF) ernannt und im Jahr 2008 auch noch zu deren Ehrenpräsidenten. Anno 2011 erhielt er „ehrenhalber“ auch noch den 8. Dan-Grad verliehen.

Die Internationale Judo-Föderation und Putin

Mit Arkadi Rotenberg saß damals einer von Putins engsten Freunden im Vorstand der IJF. Auch deren Präsident, der in Rumänien geborene Marius Vizer, befürwortete die Ehrungen für den russische Präsidenten.

Trotz aller Zweifel beweihräucherte der IJF-Präsident Marius Vizer den russischen Präsidenten bei der Verleihungszeremonie des 6. Dan-Grades anlässlich des 60-jährigen Bestehens der IJF und des 60. Geburtstages von Wladimir Putin den Geehrten als „perfekten Botschafter unserer Sportart“ und verstieg sich gar zu der Aussage, Putin repräsentiere die hohen Judo-Werte auf der ganzen Welt.

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Die Aberkennung der Titel

Am 27. Februar 2022, drei Tage nach Beginn des völkerrechtswidrigen Angriffskrieges gegen die Ukraine, entzog die IJF dem Kriegsherrn sowohl den Botschafter-Titel als auch die Ehrenpräsidentschaft. Immerhin.

Kritische Stimmen aus dem Judo

Auch aus Japan, dem Mutterland des Judo, kommen deutliche Worte von prominenten Vertretern der Kampfsportart, die in dieselbe Richtung gehen. Kaori Yamaguchi beispielsweise erinnert an eine Aussage des Begründers des Judo: „Die Lehre von Jigoro Kano Sensei lautet: ‚Wenn du einmal Macht erlangst, nutze sie, um Gutes für die Welt zu tun.‘ Im Lichte dieser Lehre ist Putins Machtgebrauch in dieser Weise unzulässig, ein definitives No-Go.

Auch Yasuhiro Yamashita, den Wladimir Putin hoch verehrt und der mit ihm gemeinsam das bereits erwähnte Lehrvideo gemacht hat, äußert sich klar und eindringlich: „Die Aggression seines Landes in der Ukraine ist gegen das Ethos des Sports. Präsident Putin ist ein Judoka, und diese Handlungen widersprechen dem Geist und dem Zweck des Judo.“

Banksys Judo-Wandbild in der Ukraine

Ein Bild des britischen Streetart-Künstlers Bansky auf einer maroden Mauer eines zerbombten Hauses in der Ukraine zeigt einen Judo-Wurf. Da darauf zu sehen ist, wie ein Kind einen erwachsenen Mann wirft, also der Schwächere den Starken besiegt, hat es durchaus einen starken Bezug zur Kriegswirklichkeit nach dem russischen Überfall auf die Ukraine.

Banskys Wandbild wird den Judoka und einstigen Stadtmeister von Leningrad, Wladimir Putin, auch deshalb besonders ärgern, weil darauf seine Kampfsportart in Bezug zum schwächelnden russischen Militär gesetzt wird.

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