Die Judo-Abteilung des PSV Hannover hat eine lange und bewegte Geschichte, die eng mit der Entwicklung des Judo-Sports in Hannover und Niedersachsen verbunden ist. Ein wichtiger Meilenstein war die Gründung des Vereins am 3. Mai im Briefträgersaal des Postamts Hannover 1, als der „Postsportverein Hannover“ ins Leben gerufen wurde. Die Gründungsväter hatten sich zum Ziel gesetzt, den Gedanken sich sportlich zu betätigen, unmittelbar an die Postbediensteten heranzutragen, Gesundheit und Leistungsfähigkeit bis ins hohe Alter zu erhalten und den Sportgeist durch Wettkämpfe zu vertiefen.
Alfred Lie wurde zum 1. Vorsitzenden gewählt und die Sportabteilungen Fußball, Leichtathletik, Herrenturnen, Damenturnen, Schwimmen, die gemeinsame Abteilung Radfahren und Wandern, sowie Abteilungen Handball, Faustball und Jugend wurden gegründet. Über das Vereinsgeschehen informiert seither eine Mitgliederzeitschrift.
Als Vereinsfarben wurden die Farben Blau-Gelb eingeführt. Es erfolgte der Abschluss eines Pachtvertrages mit der Stadt Hannover über rd.
Überwiegend in Eigenarbeit der Vereinsmitglieder werden am Bischofsholer Damm eine Sportanlage mit einem Fußballfeld, eine 400-m-Laufbahn, einem Faustballfeld und vier Tennisplätzen fertiggestellt. Die Einweihungsfeier findet im ebenfalls neu errichteten Vereinsheim statt.
Der zweite Weltkrieg hinterließ auch an den Anlagen des Postsportvereins große Schäden. Nur durch die tatkräftige Mithilfe vieler Mitglieder, die das im Krieg schwer zerstörte Vereinsgelände und das Vereinsheim wieder aufbauten, konnte der Verein auf Verlangen der Besatzungsmacht unter dem Namen „Sport-Verein-Bult“ neu gegründet werden.
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Nachdem der Polizei- SV sein Gelände am Bischofsholer Damm aufgegeben hatte, wurde in Verhandlungen mit der Landeshauptstadt Hannover eine erhebliche Ausweitung der Sportflächen erreicht.
Ein weiterer wichtiger Schritt war die Aufnahme des „Judo-Sport-Club Hannover Süd“ in den Räumen des Post-SV.
Die Ära Jürgen Klinger
Das der Judosport in Hannover und als Bundesstützpunkt heute ein so hohes Ansehen genießt, ist der Verdienst der hervorragenden sportpolitischen Arbeit von Jürgen Klinger, die er seit den 1980er Jahren geleistet hat. Judo wurde unter ihm Schwerpunktsportart und bekam am Olympiastützpunkt Hannover einen hohen Stellenwert.
Jürgen Klinger, der die Judowelt jahrzehntelang international geprägt hat, ist am 08. Januar 2023 plötzlich und unerwartet im Alter von 71 Jahren in Berlin verstorben. Jürgen Klinger wurde 1951 in Hannover Langenhagen geboren. Er begann im Alter von 12 Jahren mit dem Judosport und feierte als Jugendlicher schon seine ersten Erfolge. Viele Jahre stand Klinger für den PSV Braunschweig in der ersten Bundesliga auf der Matte. Nach dem Ende seiner aktiven Wettkampfkarriere begann er sein Studium zum Diplomtrainer des DOSB in Köln.
Parallel startete er seine Karriere als Landestrainer in Niedersachsen. Dieses Amt bekleidete er von 1982 bis 2004. 1987 gründete Klinger zusammen mit weiteren Judoka einen neuen Verein: das Judo Team Hannover. Seine herausragende Stärke als Stratege, Planer und Trainer zeigte sich zu diesem Zeitpunkt in nationalen und internationalen Einzelerfolgen seiner Athleten aus Hannover. Er besaß einen außergewöhnlichen Blick für die Stärken jedes einzelnen.
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Klinger hatte als Mensch und Mentor immer ein offenes Ohr für alle seine Athleten und Athletinnen. Über den Sport hinaus war er für sie ein Ansprechpartner: Themen wie Ausbildung, Schule, Studium, Wohnungssuche, in allen Bereichen stand er als Ratgeber aktiv zur Seite. Nach seinem letzten offiziellen Einsatz als Trainer bei den Olympischen Spielen in Tokio 2021 verlagerte er seinen Lebensmittelpunkt nach Berlin. Nach seiner Rückkehr nach Deutschland war Klinger weiter als Mentor und Coach für Judogrößen wie Luise Mahlzahn und Theresa Zenker tätig.
Detlef Knorrek sagte: „Jürgen hat mich seit meinem 16. Lebensjahr begleitet, mich zwei Mal zu den Olympischen Spielen geführt. Er war für mich der kompletteste Trainer in meiner Karriere und dazu ein fantastischer Mensch.“ Jan Wilhelm meinte: „Jürgen hat unser aller Leben entscheidend mitgeprägt: Die Art und Weise wie wir heute durchs Leben gehen und wer wir sind. Dafür werde ich ihm immer dankbar sein.“
Weitere Ereignisse in der Judo-Abteilung
Neben den herausragenden Leistungen von Jürgen Klinger gab es auch andere bemerkenswerte Ereignisse in der Judo-Abteilung des PSV Hannover. So kämpfte Thomas Wiese in unserer Jugend- und in der 1. und 2. Kampfmannschaft der JVH. In Zusammenarbeit mit dem Sparkassen Verband Niedersachsen sowie dem Niedersächsischen Ju-Jutsu Verband bot unser Verein ab Mitte Mai einen Präventions- und Selbstverteidigungskurs an.
Die Wettkampftruppe unseres Vereines (genauer: Die Kampfgemeinschaft PSV/JVH) gewann nach dem vierten Kampftag nach Punkten. Mit dem Endergebnis 18 : 2 konnten sie den Pokal mitnehmen und siegten so vor den Konkurrenten des MTV Elze. Ausschlaggebend war hier der Punkterückstand in der Unterbewertung.
Am letzten Samstag, dem 10.1.2015, hat unser frischgebackener Sportwart Stefan Kley erfolgreich die Prüfung zum ersten Dan abgelegt. Die Prüfung fand - wie auch die fünf Vorbereitungstrainings - im Dojo des PSV in der Tannenbergallee statt und dauerte ca. dreieinhalb Stunden.
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Am letzten Trainingstag im Dezember stand bei unseren Judokas der Ü30-Gruppe ein wichtiges Ereignis auf dem Plan : GÜRTELPRÜFUNG! Zuerst fanden sich alle Teilnehmer noch bei der jährlichen Vereinsversammlung ein und warteten dann angespannt auf die Erledigung der wichtigsten Themen, damit alle in die Umkleidekabinen stürzen konnten.
