Die Welt des Kickboxens ist vielfältig und dynamisch, mit unterschiedlichen Verbänden und Regeln. Besonders die Gewichtsklassen können variieren, was oft zu Verwirrung führt.
Die Entstehung des Kickboxens
Die Geburtsstunde des modernen Kickboxens, wie wir es kennen, liegt im Jahr 1974, als Mike Anderson und Georg F. Brückner den Grundstein legten.
Vor dieser Zeit gab es revolutionäre Bewegungen im Kampfsport, wie die Vision von Bruce Lee, moderne Wettkämpfe mit Schutzausrüstung auszutragen. Denn trotz Nullkontakt bzw. kontrolliertem Kontakt waren die Karateturniere in den USA geprägt von gebrochenen Nasen, Platzwunden und ausgeschlagenen Zähnen.
Der Amerikaner John Rhee realisierte Lees Idee und brachte die ersten Safeties auf den Markt. Die große Mehrheit reagierte zunächst skeptisch, da sie darin den Untergang der traditionellen Systeme aus Fernost und die Verwässerung der mit dem Kämpfen verbundenen philosophischen Weisheiten sah.
Als Mike Anderson und Georg F. Brückner jedoch sahen, wie positiv und ungefährlich die wenigen Karateturniere verliefen, die mit Schutzausrüstung ausgetragen wurden, beschlossen sie, das Experiment aktiv voranzutreiben: Brückner organisierte in Berlin das erste europäische Turnier aller Stile, bei dem 88 namhafte Schwarzgurte gegeneinander antraten.
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In vier Gewichtsklassen wurde gekämpft, die Sieger qualifizierten sich für die WM in Los Angeles. Innerhalb des Turniers stand auch ein Vergleichskampf der Europäer gegen die Superstars aus den USA auf dem Programm.
Die Amerikaner, die dabei die ersten Safeties trugen, konnten alle Register ihres Könnens ziehen und waren den Europäern absolut überlegen. Das Publikum war begeistert. Brückners Turnier erhielt international viel Beachtung und Anerkennung.
In der Zwischenzeit hatte Anderson in den USA die WM in L.A. vorbereitet und bot zum ersten Mal Fullcontact als Disziplin an. Ein WM-Turnier mit vollem Kontakt - das gab es in der Geschichte der fernöstlichen Kampfkünste noch nie. Den Zuschauern wurden furiose und spannende Fights geboten.
Durch die Safeties konnten die Kämpfer alles geben und ihre ganze Kraft einsetzen - verletzt wurde dank der Schützer niemand.
Zwei Wochen nach der WM gründeten Mike Anderson und Don Quine in LA die Professional Karate Association, kurz PKA.
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Bei dem Entwicklungstempo konnten die Europäer nicht mithalten - sie zogen jedoch in den nächsten Jahren nach…
Die Entwicklung des Kickboxens in Europa
1975 veranstaltete Brückner im September 1975 das zweite Turnier in Europa; diesmal konnten alle mit Safeties kämpfen. 400 Kämpfer aus mehreren europäischen Ländern nahmen teil - darunter Kämpfer der Disziplinen Karate, Kung Fu und Taekwondo.
Man war sich einig: Hier dominierte eine ganz neue Art des Kämpfens - eine gute Mischung aus allen Stilen nach dem Vorbild der USA!
Höhepunkt des Turniers war der erste Fullcontact-Kampf über acht Runden, bei dem Ramiro Guzmann (Mexiko) und Gordon Franks (USA) gegeneinander antraten und glänzende Kampftechniken zeigten.
Jeder konnte sich überzeugen, dass mit einer guten Schutzausrüstung die Gefahren von Verletzungen gebannt waren.
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1976 Während in den USA bereits die ersten Profi-Kämpfe stattfanden, begannen in Europa die Vorbereitungen für einen Vollkontakt-Vergleichskampf zwischen Nordamerika und Europa.
Die Europäer waren hoffnungslos unterlegen - die neue Art zu kämpfen erforderte ganz andere konditionelle Voraussetzungen als beim Karate oder Taekwondo.
In diesem Jahr gab es auch bereits erste Pläne zur Gründung eines Weltverbandes, wiederum von Anderson und Brückner.
1977 Im Februar wurde in Berlin der Weltverband World All-Style Karate Organization, kurz WAKO, sowie der Deutsche Verband, WAKO Germany, gegründet. Der Grundstein für die ersten Deutschen und Europameisterschaften im Leicht- und Vollkontakt war gelegt.
1978 war geprägt von vielen Turnieren in Deutschland. Bei der 2. Europameisterschaft sowie bei der 1. Weltmeisterschaft konnten die deutschen Kämpfer dann beweisen, dass sich ihr hartes Training ausgezahlt hatte: Sie holten 1 Goldmedaille, 2 Silbermedaillen und 2 Bronzemedaillen und verdienten dadurch viel Anerkennung.
Dann stand die WM in den USA bevor: Hier zeigte sich, wie sehr die Europäer aufgeholt hatten und dass sie in einer super Form waren. Die USA holten letztlich nur eine einzige Goldmedaille.
Die WAKO und ihre Entwicklung
1985 erlebte die WAKO eine tiefgreifende Krise. Politische Machtspiele führten zur Spaltung in zwei Lager, sodass es in den nächsten zwei Jahren jeweils zwei Europa- und Weltmeisterschaften gab.
1987 einigten sich die gespaltenen Verbände darauf, die Zukunft wieder gemeinsam zu gestalten, um das Kickboxen voranzubringen. Die WM in München war der Ausgangspunkt zu einem einheitlichen großen Weltverband für Amateure und Professionals.
Erklärtes Ziel war es, mit Vernunft, Leistung und einer Konzentration der Kräfte die Anerkennung durch die Medien und vor allem durch den Deutschen Sportbund zu erreichen.
1991 wurde Kickboxen mit Lowkick als Disziplin neu aufgenommen, um den Sportlern ein breiteres Angebot an Kampfdisziplinen zu bieten. Außerdem fanden immer mehr osteuropäische Länder den Weg in die WAKO, wodurch sich die innereuropäische Konkurrenz stark vergrößerte.
2000 wurde das Angebot an Disziplinen wiederum ausgeweitet: Vollkontakt, Lowkick, Thai-Kickboxen, Semikontakt, Leichtkontakt, Musikformen und Aerokickboxing waren nun die Disziplinen der WAKO.
Außerdem wurde festgelegt, dass bei Europa- und Weltmeisterschaften je nur ein Teilnehmer pro Land an den Start gehen darf.
2006 konnte die WAKO ihren größten sportpolitischen Erfolg verbuchen: Der parallele Verband IASKA löste sich auf und schloss sich der WAKO an. Die GAISF (General Association of Internationel Sports Federations) erkannte die WAKO nun als offiziellen Vertreter der Sportart Kickboxen an.
Da auch der Muaj Thai-Verband anerkannt wurde und man sich zusichert, keine Sportart des anderen Verbandes auszuüben, war die Disziplin Thai-Kickboxen für die WAKO tabu. Sie wurde in K1 Rules umbenannt.
2007 Mit der Gründung der WAKO Asia Kickboxing Federation und der WAKO African Kickboxing Federation konnte der Verband Asien und Afrika für sich gewinnen. Zudem wurde in Brasilien die PAN American Kickboxing Federation gegründet. Die ersten Europameisterschaften für Junioren und Kinder wurden veranstaltet. Anders als bei den Damen und Herren sind hier bis heute zwei Starter pro Nation startberechtigt.
2009 Nach langen Verhandlungen wurde Kickboxen in das Programm der World Combat Games der GAISF aufgenommen. Die Disziplin Aerokickboxing wurde wieder aus dem Programm heraus und stattdessen Kick Light (Leichtkontakt mit Lowkicks) mit aufgenommen.
2016 Am 25.08.2016 beantragte die WAKO Deutschland die Aufnahme und Anerkennung in den DOSB.
2017 Seit dem 2. Dezember 2017 ist die WAKO Deutschland Mitglied des Deutschen Olympischen Sportbundes (DOSB). Auf der 14. DOSB-Migliederversammlung in Koblenz wurde dem Antrag der Aufnahme in den DOSB stattgegeben.
2018 Am 30.
Gürtelgrade im Kickboxen (WAKO)
Durch die Entstehung aus dem Karate haben die meisten Verbände die Kickboxen Gürtel mit übernommen. Für den nächsthöheren Gürtel gibt es meist Mindest-Wartefristen. Die einzelnen Dachverbände haben hier teils unterschiedliche Anforderungen, weshalb wir im Detail hier die Gürtelprüfungen der WAKO (als größte Organisation) vorstellen werden.
Zwischen den einzelnen Graden sind Wartezeiten vorgeschrieben, die der Vorbereitung zur entsprechenden Kickboxen Prüfung dienen.
Abgefragt werden Abwehr- und Angriffstechniken, Theorie und am dem 3. Das Vorwissen aus vorangegangenen Prüfungen wird stichpunktartig abgefragt.
Die Gürtelstufen im Detail
- Weißer Gürtel: Als Anfänger habt Ihr einen sogenannten „weißen“ Gürtel, wobei hier einfach überhaupt keiner getragen wird. Es gibt auch keine Prüfung.
- Gelber Gürtel: Der Prüfling zum 5. Ihr müsst hier eine sichere Fortbewegung in der Kampfstellung vorzeigen, verschiedene Geraden sowie Vorwärtsfußtritte an den Pratzen ausführen, vorwärts sowie rückwärts abrollen können, Euch gegen Eure Grundtechniken verteidigen und Würgeangriffe abwehren. Außerdem müsst Ihr den Begriff der Notwehr sinngemäß definieren können.
- Oranger Gürtel: Hier kommt das Schattenkickboxen als Prüfungsteil hinzu und Ihr müsst nun mit den Fäusten auch Haken schlagen können, sowie den Halbkreistritt beherrschen. In der Selbstverteidigung müsst Ihr einen Sturz anfangen, Euch gegen einen Schwitzkasten sowie Unterarmwürgen verteidigen und Euch aus Handgelenkgriffen befreien. Der Theorieteil erfordert Euer Wissen über den Semikontaktkampf.
- Grüner Gürtel: Hier erwarten Euch zusätzlich die Aufwärtshaken mit den Fäusten sowie die Seitwärtstritte mit den Beinen. In der Selbstverteidigung sollt Ihr das seitliche Fallen beherrschen und Euch gegen Umklammerungen wehren. Erstmals müsst Ihr auch ein kurzes Sparring gegen alle bekannten Angriffe vorzeigen. In der Theorie wird Euer Wissen des Leicht- und Vollkontaktkampfes abgefragt.
- Blauer Gürtel: Dafür müsst Ihr die Handtechniken der Vorstufen festigen und den Axttritt sowie den Tritt mit dem Außenrist erlernen. Das Sparring gehört hier ebenso zur Prüfung, wie die Selbstverteidigung gegen Stockangriffe und mehrere Gegner. Die Theorie besteht aus dem Wissen um die Geschichte des Kickboxen und die Formen Regelkunde.
- Brauner Gürtel: Als 1. Kyu habt Ihr 1 Jahr Vorbereitungszeit und müsst zusätzlich noch den Fußfeger und den Hakentritt erlernen. Die Vorführung aller gelernten Techniken im Sparring, alle Fallübungen und die Verteidigung gegen Messerangriffe und mehrere Gegner machen dieses Programm zum schwierigsten Kyu-Programm. Die Theorie besteht aus einer Zusammenfassung aller vorangegangenen Stufen und einem Lehrbeispiel.
- Schwarzer Gürtel (1. Dan): Wer die Prüfung zum 1. Dan erfolgreich abgelegt hat, darf sich im Kickboxen Meister nennen. Dafür müsst Ihr allerdings die Schlag- und Tritttechniken aller Schülergrad beherrschen und im Sparring offensiv und defensiv sicher anwenden können. Weiterhin werden Euch nun Sprungtritte abverlangt und die Verteidigung gegen angriffe, bei denen Ihr Euch am Boden befindet. Außerdem benötigt Ihr einen Lehrgang in Erste-Hilfe drei weitere Lehrgänge, wovon einer ein Kampfrichterlehrgang sein muss.
- Schwarzer Gürtel (2. Dan): Die Kickboxen Prüfung zum 2. Dan benötigt 2 Jahre Vorbereitungszeit und einen speziellen Vorbereitungslehrgang, sowie die C-Lizenz als Kampfrichter. Das Prüfungsprogramm wird ab hier völlig selbstständig vorgeführt.
- Schwarzer Gürtel (3. Dan): Für den 3. Dan benötigt Ihr 3 Jahre Vorbereitung, einen C-Trainerschein und müsst einen Einsatz als Kampfrichter auf Landes- oder Bundesebene vorweisen können.
- Schwarzer Gürtel (ab 4. Dan): Die Verleihung erfolgt auf Antrag vom Bundesverband durch den Weltverband.
Bedeutung des Gürtels
Der Gürtel hat für den Kickboxer nicht den Zweck wie für den Judoka oder Karateka, die Jacke zusammenzuhalten, sondern dient dem Erkennen des Ausbildungsstandes.
Die Japaner behaupten auch manchmal, dass der Gürtel mit dem Schüler zusammen „Erfahrung sammelt“.
Der Gürtel wird auf eine spezielle Art gebunden, die Euch zwar anfangs aufwendig erscheint, aber hervorragend zusammenhält.
Es gibt keine speziellen Kickboxen Gürtel, sondern hier kommen die gleichen Gürtel zum Einsatz, wie Ihr sie im Handel oft unter dem Begriff „Budogürtel“ findet.
Es gibt einen Punkt einige Finger unterhalb des Bauchnabels, dem in der asiatischen Kultur die Entstehung der Lebenskraft (chi) nachgesagt wird. Ein an diesem Punkt gebundener Gürtel soll helfen, die Körperkraft besser fokussieren zu können.
Verschiedenste Sportler nutzen diesen Gedanken zu ihrem Vorteil und setzen einen Gürtel genau dort an. Ein wirklicher Effekt ist nur schwer nachzuweisen, aber der Glaube hält sich hartnäckig.
Individualisierung der Gürtel
Da es sich hier um normale Budogürtel handelt, gelten selbstverständlich die selben Regeln in der Individualisierung. Das heißt, dass Ihr Euren persönlichen Gürtel mit Eurem aufgesticktem Namen oder Vereinslogo im heimischen Training problemlos tragen könnt, für die Verwendung in Wettkämpfen allerdings können andere Regeln gelten.
Hier hat wieder jeder Verband andere detaillierte Vorschriften.
Pflege des Gürtels
Die Kickboxgürtel bestehen in den meisten Fällen aus vielen Lagen reiner Baumwolle, Seide oder aus einer Mischung. Diese Materialien sind zwar prinzipiell waschbar, aber die Verarbeitung der Gürtel verbietet die Maschinenwäsche in jeglicher Form.
Hierbei könnte der Gürtel stark einlaufen oder sich einfach selbst „aufdröseln“.
Eine kalte Handwäsche ist zwar prinzipiell möglich, wird aber im Regelfall auch nicht durchgeführt. Da der Gürtel normalerweise nicht mit der Haut in Berührung kommt, nimmt er auch keinen Schweiß auf und muss demnach nicht gewaschen werden.
Die richtige Gürtellänge
Generell wird die Länge über Eure Körpergröße bestimmt und passt in fast allen Fällen perfekt. Je nach Körperform kann es in Ausnahmefällen nötig sein, eine andere Länge zu nehmen, als die Tabelle empfiehlt.
