Deutsche Judo-Mannschaft verpasst knapp Medaille bei Olympia in Paris

Das deutsche Judo-Team hat zum Abschluss der Wettbewerbe bei den Olympischen Spielen in Paris eine Medaille im Mixed hauchdünn und ganz unglücklich verpasst.

In einem dramatischen Kampf um Bronze unterlag die DJB-Auswahl um Silbermedaillen-Gewinnerin Miriam Butkereit am Samstag Südkorea 3:4. Das deutsche Team unterlag den Südkoreanern erst im Entscheidungskampf mit 3:4 und geht im Mixed-Wettbewerb leer aus.

Im Halbfinale hatte Deutschland, das bei der Mixed-Premiere 2021 in Tokio Dritter geworden war, zuvor 0:4 gegen Japan verloren. Damit bleibt Platz zwei für Butkereit die einzige Medaille für das deutsche Team in Paris.

Entscheidungskampf und umstrittene Wertung

Igor Wandtke verlor dabei das entscheidende Duell durch drei Verwarnungen. Die Entscheidung musste im siebten Kampf fallen - und das Los fiel wieder auf Wandtke. Doch dieses Mal unterlag er den engen Kampf durch eine unglückliche dritte Strafe, nachdem bereits 5:25 Minuten gekämpft waren.

Die entscheidende Niederlage, die durch drei Shidos (leichte Verstöße) für Wandtke zustande kam, war allerdings umstritten. „Die dritte Strafe war für mich zu früh“, sagte ZDF-Kommentator Alexander von der Groeben. Auch die Zuschauer quittierten die Entscheidung mit lautstarken Pfiff und Buhrufen.

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„Wenn in Paris das Publikum pfeift, dann ist es ungerecht“, sagte von der Groeben, der selbst 1984 und 1988 an den Olympischen Spielen teilgenommen hatte „Ein Publikum, das Sachverstand hat. Dann kann man diese Entscheidung zumindest anzweifeln.“

Wandtke: „Ich habe nicht verloren, weil ich schlechter war. Es ist sehr ärgerlich, weil es uns die Medaille gekostet hat“, sagte Wandtke. "Ich habe nicht verloren, weil ich schlechter war. Die deutschen Judoka belohnten sich nicht für ihren guten Auftritt und beenden den Wettbewerb auf dem fünften Platz.

„Igor hatte einfach Pech, es waren komische Strafen, die es den ganzen Tag nicht gab. Man hatte das Gefühl, dass man schnell einen Sieger haben wollen“, meinte Butkereit: „Ich bin traurig, aber auch stolz auf uns, wir haben alles gegeben.“

"Man hatte nur das Gefühl, dass man jetzt irgendwie schnell einen Sieger haben möchte", sagte Butkereit zur Entscheidung der Schiedsrichter.

Der Weg ins kleine Finale

Im Kampf um Bronze brachte Trippel (Ravensburg), der erst spät für die Sommerspiele nominiert worden war, das deutsche Sextett mit einer starken Vorstellung in Führung. Schwergewichtlerin Renee Lucht (Hamburg) verlor deutlich, Schwergewichtler Erik Abramov (Potsdam) trotz einer starken Leistung gegen den Einzel-Olympiazweiten Kim Min Jong unglücklich. Für Pauline Starke (Hannover) war gegen Silber-Gewinnerin Huh Mi Mi nichts zu holen.

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Wandtke (Hannover) mit Mühe und Butkereit (Halle/Saale) sorgten gegen vom Gewicht her deutlich leichtere Gegner - im Team-Wettbewerb werden bei Männern und Frauen jeweils sieben Gewichtsklassen zu drei zusammengefasst - für den Ausgleich.

Im entscheidenden Duell, das aus den vorigen sechs zur Neuauflage ausgelost wurde, musste wieder Wandtke (Gewichtsklasse bis 73 kg) gegen An Ba Ul (66 kg) ran - und konnte aus seinen Vorteilen keinen Gewinn erzielen. Stattdessen handelte er sich drei Strafen ein. Bronze war weg.

Wandtke (bis 73 Kilogramm) brachte mit einem verbissenen Kraftakt im Golden Score das deutsche Team wieder heran. Butkereit (bis 70 Kilogramm) sorgte für den 3:3-Ausgleich - das deutsche Team war wieder da.

Die Kämpfe zuvor

Am Mittag hatten das deutsche Team den Finaleinzug verpasst. Gegen starke Japaner war es von Beginn an ein intensives Duell. Und das startete gleich mit Butkereit. Nach zwei Siegen in ihrer Gewichtsklasse gegen Österreich (Achtelfinale) und Brasilien (Viertelfinale) ging es nun in die Verlängerung - und im Golden Score musste sich die 30-Jährige zum ersten Mal in diesem Team-Wettbewerb durch Waza-Ari geschlagen geben.

Doch so weit sollte es in diesem Halbfinale nicht mehr kommen. Im Gegenteil. Nach und nach verloren Trippel (bis 90 Kilogramm), Lucht (70 Kilogramm) und Abramov (90 Kilogramm) trotz großen Kampfes gegen ihre Gegner. So stand es 0:4, es war vorbei.

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Das hatte beim 4:3 im Viertelfinale gegen Brasilien noch ganz anders ausgesehen. Da gelang Deutschland der perfekte Start. Wandtke besiegte den Brasilianer Daniel Cargnin in der Gewichtsklasse bis 73 Kilogramm durch Ippon. Butkereit legte nach (bis 70 Kilogramm). Doch die Südamerikaner konnten zunächst kontern. Trippel verlor in der Gewichtsklasse bis 90 Kilogramm gegen Rafael Macedo. Im Schwergewicht der Frauen musste sich Lucht der - körperlich deutlich (!) überlegenen - Olympiasiegerin Beatriz Souza geschlagen geben. Da danach Abramov für das deutsche Team punktete (90 Kilogramm), Starke aber verlor (bis 57 Kilogramm) musste der Entscheidungskampf her. Das Los meinte es gut mit Deutschland. Erneut durfte Abramov antreten, erneut behielt er gegen Leonardo Goncalves die Oberhand.

Das Achtelfinale am Morgen gegen Österreich war mit einem 4:1-Erfolg noch weitaus weniger dramatisch verlaufen. Nur 23 Sekunden hatte es gedauert, da entschied Starke ihren Kampf in der Gewichtsklasse bis 57 Kilogramm gegen Katharina Tanzer durch Ippon für sich. Zwar konnte Österreich zunächst zum 1:1 ausgleichen. Wandtke verlor in der Klasse bis 73 Kilogramm im nächsten Kampf nach gut drei Minuten durch Ippon gegen Samuel Gassner. Butkereit (bis 70 Kilogramm) brachte das Team wieder in Führung - und brauchte dafür gegen Lubjana Piovesana gerade einmal 15 Sekunden.

Aussetzen muss im Mixed-Team Anna-Maria Wagner. Die Fahnenträgerin stoppte eine Innenbandverletzung. Eigentlich hatte die 28-Jährige gehofft, den Spielen im Team-Wettbewerb noch ein versöhnliches Ende geben zu können.

Nominierung des Olympiakaders

Mit großer Freude und Stolz präsentieren wir hier den Olympiakader des Deutschen Judo-Bundes (DJB) für die bevorstehenden Olympischen Spiele in Paris. Nach der Nominierung durch den DOSB sind nun zehn Judoka, sechs Frauen und vier Männer, für das Olympiateam nominiert.

Angeführt wird unser Olympiateam von der frisch gebackenen Weltmeisterin Anna-Maria Wagner (78 kg / KJC Ravensburg), die sich national gegen Alina Böhm durchgesetzt hat. WM-Bronzegewinnerin Mascha Ballhaus (52 kg / TH Eilbeck) ist ebenso nominiert wie Miriam Butkereit (70 kg / SV Halle), die in Giovanna Scoccimarro eine starke nationale Konkurrentin hat.

Pauline Starke (57 kg / Judo-Team Hannover) und Renée Lucht (+78 kg / HT16) sind ebenso qualifiziert wie die beiden Männer Igor Wandtke (73 kg / Judo-Team Hannover) und Timo Cavelius (81 kg / PTSV Hof). Mit dabei ist auch Katharina Menz (48 kg / TSG Backnang), die mit ihrem 1. Platz in Tahiti noch die Nominierung bekommen hat. In der Gewichtsklasse +100 kg wurde der zweifache deutsche Meister Erik Abramov (+100 kg / UJKC Potsdam) nominiert.

Abschließend ist dann noch Vize-Olympiasieger Eduard Trippel (90 kg / JC Rüsselsheim) nominiert worden. Er profitiert vom Rückzug der russischen Athleten. Zuvor hatte er nach schweren Verletzungen die Olympiaqualifikation denkbar knapp verpasst.

Damit kämpfen nun zehn DJB-Judoka in Paris um die Medaillen.

„Wir sind sehr erfreut über die frühzeitige Nominierung unserer Judoka durch den DOSB. So können sich unserer Sportler durch weitere Trainingsmaßnahmen zielgerichtet auf Olympia vorbereiten. Diese herausragenden Judoka haben sich durch unermüdlichen Einsatz, Disziplin, Leidenschaft und einem harten Konkurrenzkampf ihren Platz im Team Deutschland verdient. Ein großer Dank gilt auch den anderen Kämpferinnen und Kämpfern aus dem deutschen Team.

Hintergrundinformationen zum Judo

Der Kampfsport Judo hat seine Wurzeln im achten Jahrhundert, übersetzt heißt es „sanfter Weg“. Die Übungen dienten einst der Persönlichkeitsentwicklung. Erst nach dem Zweiten Weltkrieg entwickelte sich Judo zu einem Wettkampfsport, es ist die weltweit am meisten verbreitete Kampfsportart.

1956 fand im Mutterland Japan die erste WM statt, acht Jahre später feierte Judo an gleicher Stätte sein olympisches Debüt bei den Männern. Deutschlands Judoka sorgen international immer wieder für Erfolge. So gab es bisher drei Olympiasiege, bei den Männern durch die Halbmittelgewichtler Frank Wieneke (1984 in Los Angeles) und Ole Bischof (2008 in Peking), als einzige deutsche Frau triumphierte Yvonne Bönisch 2004 in Athen.

Das unbestrittene Gesicht der Sportart ist der Franzose Teddy Riner. Der Franzose gewann 2012 und 2016 Olympiagold und wurde elfmal Weltmeister. Zwischen 2010 und 2020 blieb er in 154 Kämpfen unbesiegt.

Gekämpft wird auf mittelharten Matten, genannt Tatami. Es gibt eine Vielzahl von Wertungen, mit denen Punkte errungen werden können. Ziel ist es, den Gegner durch Anwendung verschiedener Techniken kontrolliert in die Rückenlage zu bringen.

Vor drei Jahren in Tokio hatten die deutschen Judokas noch drei Medaillen gewonnen - unter anderem Bronze im Mannschaftswettbewerb. In Paris durften sie sich nun nur über Silber für Miriam Butkereit in der Gewichtsklasse bis 70 Kilogramm freuen.

Gold-Hoffnung Wagner war in der 78-Kilogramm-Klasse Fünfte geworden. Die zweimalige Weltmeisterin erlitt in ihrem Wettkampf eine Innenbandverletzung im Knie, wie Sportdirektor Hartmut Paulat mitteilte. Der erhoffte Start im Teamevent fiel für die Ravensburgerin damit flach.