Karat: Eine musikalische Reise durch die Jahrzehnte

Karat, gegründet 1975 in Berlin, gehört zu den erfolgreichsten Bands der DDR und ist bekannt für ihre deutschsprachige Rockmusik. Ihr bekanntestes Lied ist „Über sieben Brücken musst du gehn“.

Die Gründungsjahre und der Durchbruch

Im Kulturhaus «Otto Buchwitz» in Heidenau nahe Dresden wurde am 22. Februar 1975 Musikgeschichte geschrieben: Bassist Henning Protzmann, Gitarrist Ulrich Pexa, Schlagzeuger Konrad Burkert, Keyboarder Ulrich «Ed» Swillms sowie die Sänger Hans-Joachim Neumann und Herbert Dreilich standen das erste Mal gemeinsam auf der Bühne. Ihre Band hieß Karat. Schnell wird die neue Gruppe mit ersten eigenen Titeln wie „Leute welch ein Tag“ im DDR-Rundfunk gespielt. 1976 bekommt die junge Berliner Band beim III. Interpretenwettbewerb der Unterhaltungskunst in Karl-Marx-Stadt eine Silbermedaille. Die erste LP erscheint 1978.

Als das Jazzkonzept seiner Gruppe Panta Rhei Mitte der 1970er Jahre an Popularität verlor, entschloss sich der Bassist Henning Protzmann, eine neue Band zu gründen. Das Ziel war die Produktion publikumswirksamerer, aber trotzdem anspruchsvoller Musik. Als Protzmann auf den vormals bei Frank Schöbel beschäftigten Gitarristen Ulrich Pexa traf, der den Namen „Karat“ für die Gruppe vorschlug, und sich mit Hans-Joachim „Neumi“ Neumann ein Sänger, mit Konrad Burkert ein Schlagzeuger und mit Christian Steyer ein Keyboarder fanden, konnten die ersten Proben der neuen Band im Herbst 1974 beginnen. Nach drei Wochen stieg Steyer aus dem Projekt aus, um sich der Schauspielerei zu widmen.

An seiner Stelle engagierte man Ulrich „Ed“ Swillms, den früheren Pianisten von Panta Rhei, der als Koryphäe in seinem Fach galt. Mit Ed Swillms kam auch der ehemalige Sänger und Gitarrist von Panta Rhei, Herbert Dreilich, in die Gruppe, womit die Gründungsbesetzung von Karat geboren war. Nachdem sie ihre ersten vier Aufnahmen beim Rundfunk erstellt hatten (Du und ich, Schwester, Leute, welch ein Tag und Ich lauf’ durch die Stadt, aufgenommen vom 24. bis 28. Januar 1975), gaben Karat am 22.

Nur drei Jahre nach Bandgründung schafft Karat den Sprung nach ganz oben.

Lesen Sie auch: Wissenswertes über Goldkarat

Ein DDR-Fernsehfilm wird zum riesigen Glücksfall. Er heißt „Über sieben Brücken musst du gehn“. Keyboarder Ed Swillms, Verfasser vieler Hits der Band, vertont den gleichnamigen Titelsong. Beim Internationalen Schlagerfestival 1978 in Dresden gewinnt Karat mit dem Lied den Grand Prix. Die Single schafft es in der DDR-Jahreshitparade auf Platz 2 - hinter „König der Welt“, ebenfalls eine Ballade von Karat.

Erfolge in Ost und West

Als erste DDR-Band darf Karat ab 1979 alle Platten in Ost und West herausbringen. Sie werden millionenfach gekauft und sind eine wertvolle Devisen-Quelle für den sozialistischen Staat: 80 Prozent der Einnahmen durch Schallplatten und Konzerte im Westen flossen in die Staatskasse der DDR, wie Claudius Dreilich berichtet. 1982 wird das Album „Der blaue Planet“ ein Riesenerfolg. Die Single „Jede Stunde / Falscher Glanz“ erklimmt die Top Ten in der BRD. Karat tritt in der ZDF-Hitparade von Dieter Thomas Heck auf, schafft es dort mit „Jede Stunde“ auf den zweiten Platz. Auch bei „Wetten, dass..?“ singen die DDR-Balladenkönige. Moderator Frank Elstner bezeichnet sie als „Diamant der Popgruppen der DDR“.

Auch beim „Klassenfeind“ westlich der Mauer kommt die Single „Über sieben Brücken musst du gehn“ in die Läden. Peter Maffay hört den Titel im Radio und ist so begeistert, dass er ihn covert. Auch diese Version wird ein großer Hit - im Westen Deutschlands. Seit 1990 singt Maffay ihn immer mal wieder zusammen mit seinen Freunden von Karat. Auch viele andere erfolgreiche Sänger haben die „Sieben Brücken“ gecovert, etwa Heinz Rudolf Kunze, Helene Fischer, Chris de Burgh und Roland Kaiser.

Umbruch und Neuanfang

Als Karat 15 Jahre alt ist, verschwindet die DDR. Nach dem Mauerfall gibt es auch für Karat eine Karriere-Delle, die Fans zieht es zur Westmusik. Aber bald kehren sie zurück. Doch im Oktober 1997 erleidet Sänger Herbert Dreilich bei einem Konzert einen Schlaganfall. Rund ein halbes Jahr später steht er wieder auf der Bühne, aber es bleiben ihm danach nur noch einige Jahre. Im März 2004 gibt das Karat-Management bekannt, dass Dreilich an Leberkrebs erkrankt ist. Am Ende des gleichen Jahres stirbt er - mit 62 Jahren.

Am 10. Januar 2005 wurde von Seiten der Band offiziell bestätigt, dass Herbert Dreilichs Sohn Claudius die Nachfolge als Sänger übernimmt. Die Ähnlichkeit seiner Stimme mit der seines Vaters wurde bereits beim Jubiläumskonzert in der Berliner Wuhlheide im Jahr 2000 während eines Beitrags der Kinder der Bandmitglieder bemerkt. Die erste Tour mit neuem Sänger verlief erfolgreich und zeigte die Sympathien der Zuhörer gegenüber dem neuen Bandmitglied.

Lesen Sie auch: Schlaganfall: Was Sie wissen müssen

Für die verbliebenen Musiker folgt bald der nächste Schock: Dreilichs Witwe untersagt ihnen, den Bandnamen weiterzuverwenden. Der Sänger hatte sich 1998 beim Deutschen Patent- und Markenamt die Rechte an der Marke Karat gesichert. Die Band nennt sich deshalb ab 2006 „K...!“. 2007 schließlich unterliegt die Witwe vor Gericht. Karat heißt wieder Karat.

50 Jahre Karat

Am Samstag (22.2.) wird das Quintett 50 Jahre alt - und feiert das mit einem Jubiläumskonzert in Berlin. „Wir werden neue Songs vorstellen und alte Songs würdigen“, sagt Sänger Claudius Dreilich der Deutschen Presse-Agentur. Es ist aber kein einziger jener Musiker mehr dabei, die einst beim ersten Karat-Konzert auf der Bühne standen.

50 Jahre Karat, das heißt auch: Es gibt ein neues Album samt ausgiebiger Jubiläumstour. Bis Dezember sind bundesweit knapp 60 Konzerte terminiert - unter anderem in der Hamburger Elbphilharmonie und der Dortmunder Westfalenhalle. Am 22. Februar, dem Band-Geburtstag, erscheint das neue Album „Hohe Himmel“. Dreilich beschreibt die Gemeinsamkeit der neuen Songs so: „Es geht einzig und alleine um den Menschen. Um die Schattenseiten und die Sonnenseiten.“ Und es gilt weiterhin: „Wir arbeiten viel mit Metaphern und zynischen Andeutungen.

Aktuelle Bandmitglieder

  • Sänger: Claudius Dreilich
  • Gitarrist: Bernd Römer (seit 1976)
  • Keyboarder: Martin Becker
  • Bassist: Daniel Bätge
  • Schlagzeuger: Heiko Jung

Lesen Sie auch: Testbericht: Burg Wächter Karat MT 26 NE