Peter Schlatter ist derzeit der beste deutsche Judoka in der Gewichtsklasse bis 65 Kilogramm.
Frühe Erfolge und Nominierungsstreitigkeiten
Im Mai wurde der 26 Jahre alte Sportstudent aus Wutöschingen, der für den VfL Sindelfingen in der Bundesliga startet, in Birmingham Europameister. Doch wie Nominierungen von deutschen Judokämpfern zu offiziellen Titelkämpfen zustande kommen, ist gegenwärtig überaus nebulös. Inzwischen wird von verschiedenster Seite gemunkelt, daß eher persönliche Vorlieben von Bundestrainer und Funktionären statt erbrachte Qualifikationsnormen entscheiden.
Generelles Problem ist, daß pro Nation und Gewichtsklasse nur ein Athlet starten kann. Peter Schlatter ist der erste, der den Mund aufgemacht hat. Schon bei der EM sollte er gar nicht teilnehmen, obwohl er die Nominierungskriterien - Plazierungen bei internationalen Turnieren der A-Kategorie - als einziger Judoka seiner Klasse erfüllt hat.
Bundestrainer Dietmar Hötger favorisierte den Ex-Weltmeister von 1991, Udo Quellmalz aus Leipzig, obgleich jener im Grunde in die nächsthöhere Klasse (71 kg) gewechselt war und bei keinem A-Turnier vorn landete. Hintergrund: Zwischen Quellmalz und dem DJB soll ein schriftlicher Vertrag existieren, der ihm den Start bei Welt- und Europameisterschaften bis 65 kg zusichert - ohne die Qualifikation erbracht zu haben. Clever von Quellmalz, der damit dem dauernden „Abkochen“ von Körpermasse vorbeugt.
Auch für die Klasse bis 60 kg soll der ansonsten bis 65 kg startende Münchner Richard Trautmann einen solchen „Gewichtsvertrag“ besitzen. Nach dem Willen des Bundestrainers wäre Schlatter also gar nicht Europameister geworden. Erst auf Druck des Badischen Judo-Verbandes und einer baden- württembergischen Athletenvereinigung wurde er zur EM geschickt und so ein öffentlicher Schlagabtausch verhindert. Bei Schlatters Sieg herrschte dann auch ungewohnte Stille auf den Rängen, wo die deutschen Funktionäre saßen.
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„Man teilte mir zuvor mit, daß, selbst wenn ich eine Medaille gewinne, Udo Quellmalz zur WM nominiert wird“, erklärt Schlatter. Dabei ist es geblieben, obwohl Hötger zu Jahresbeginn bekannt gegeben hatte, wer bei der EM Platz eins bis fünf erreiche, sei automatisch für die WM qualifiziert. Europameister Schlatter steht eine „Lex Quellmalz“ im Wege.
Schlatters Sindelfinger Klubkamerad Marc Meiling, Olympiazweiter von 1988, hält die DJB- Qualifikationsrichtlinien für „null und nichtig“. In seiner Gewichtsklasse bis 95 kg sei die WM-Nominierung des Leipzigers Axel Lobenstein zwar korrekt, Meiling sieht sich dennoch ebenfalls ausgebootet, weil er trotz besserer Vorleistungen nicht als Ersatzmann nominiert wurde.
Die Liste der merkwürdigen Berufungen läßt sich fortsetzen: In der Klasse bis 78 kg ist Stefan Dott (Urmitz) der WM-Starter. Die Internationalen Deutschen Meisterschaften in Rüsselsheim Anfang September waren sein erstes Turnier nach einer schweren Schulterverletzung. Dott schied in der Vorrunde aus.
Uwe Frenz, Sieger in Rüsselsheim, darf nicht zur WM, obwohl er sich zur Zeit in besserer Verfassung präsentiert und zudem - wie im Falle Schlatter - bei internationalen Turnieren erfolgreicher war. Vater Karl-Heinz Dott, DJB-Vize- Präsident, wird sich freuen, daß sein Sohn Stefan in Makuhari kämpfen darf. Es ist nicht das erste Mal, wo Dott Athleten vorgezogen wird, die zuvor bessere Leistungen erbrachten. Zwar rechtfertigte er seine Aufstellung oft im nachhinein, wurde 1991 Europameister und 1992 fünfter bei Olympia - doch werden damit nicht alle Qualifikationsnormen hinfällig?
In Makuhari werden Quotenplätze für die Olympischen Spiele ermittelt. Nicht nur Peter Schlatter bangt, durch Manipulationen um seine Atlanta-Chance gebracht zu werden.
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Engagement im Judo Power Camp
Das Judo-Projekt, das von Bernd Levien und Peter Schlatter geplant und durchgeführt wird, hat das Ziel, Kindern und Jugendlichen ab zehn Jahren, aber auch Erwachsenen, den Spaß am Judo näher zu bringen. Dafür sorgen Jahr für Jahr unterschiedliche namhafte Referenten aus dem Profisport.
Erstmals nahmen in diesem Jahr Menschen mit geistigen und körperlichen Behinderungen an dem Judo Power Camp teil. „Es handelt sich dabei um ein sehr erfolgreiches Pilotprojekt“, berichtet Bernd Levien, selbst mehrmaliger Deutscher Meister und WM-Teilnehmer. Judo sei perfekt dazu geeignet, um behinderte Menschen zu integrieren. „Der enge Körperkontakt sorgt dafür, dass zwischen den Sportlern schnell Vertrauen aufgebaut wird“, ist Levien überzeugt.
Auch Peter Schlatter, Diplom-Sportpädagoge und sportlicher Leiter des Projekts, ist stolz. „Die Teilnehmer mit ihren besonderen Einschränkungen wurden ganz normal aufgenommen und sind fester Bestandteil der Gruppe.“
Mit dabei waren unter anderem mehrere sehgeschädigte Jugendliche sowie Kinder, die ihr Augenlicht komplett verloren hatten. Dennoch merke man kaum Unterschiede zwischen den Teilnehmern, da sich die blinden Sportler mit Hilfe ihrer anderen Sinne orientieren können. „Es ist sehr angenehm, mit dieser Gruppe zu arbeiten“, so Peter Schlatter.
Generell werden im Judo Power Camp alle gleich behandelt. „ Es bekommt keiner eine Sonderbehandlung. Bei uns standen sogar schon Olympiasieger an der Burg Bilstein und haben Würstchen gegrillt“, schmunzelt Bernd Levien.
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Der Sportler betont, dass im Rahmen des Projekts der Spaß im Vordergrund stehe. Auf der anderen Seite stelle es aber auch eine große Herausforderung für die Teilnehmer dar. „Wir haben vier Trainingseinheiten am Tag. Das ist ein großes Pensum für einen Hobbysportler - ob mit oder ohne Einschränkung“, sagt Peter Schlatter.
Allerdings bedauern die Organisatoren, dass keine Judoka aus der Region für das Projekt begeistert werden konnten. „Wir sind international aufgestellt, haben Teilnehmer aus Luxemburg und der Schweiz sowie aus ganz Deutschland. Aber Sportler aus dem Sauerland fehlten in diesem Jahr leider ganz“, erklärt Peter Schlatter.
40-jähriges Bestehen des Judo-Zentrums Wutöschingen
Ein großes Ereignis, das im Frühling wie im Herbst gebührend in Szene gesetzt wird, stand im Mittelpunkt der Hauptversammlung des Judo-Zentrums Wutöschingen: Das 40-jährige Vereinsbestehen. Die Vorsitzende Susi Schlatter, die den Verein maßgeblich geprägt hat, blickte auf die Höhepunkte des vergangenen Jahres zurück und hob die erfolgreiche Teilnahme an Wettkämpfen hervor. Auch der Stolz über die Teilnahme eines Mitglieds bei der süddeutschen Meisterschaft war deutlich zu vernehmen.
In seiner 40-jährigen Geschichte mischte der Verein auf der internationalen Wettkampfebene mit und konnte einige Erfolge verbuchen. Für das Fest zum 40-jährigen Bestehen sind zwei Aktionstage vorgesehen, die im Zeichen des Judosports stehen. Am Samstag, 13. Mai, kommt der ehemalige Europameister Peter Schlatter in die Alemannenhalle nach Wutöschingen und bietet für alle Judokas einen Lehrgang an.
Die Lektion für Kinder bis zwölf Jahre findet von 10 bis 11.30 Uhr statt, jene für Jugendliche und Erwachsene von 13 bis 15 Uhr. Zu diesem Training sind auch Zuschauer willkommen. Peter Schlatter war - wie seine Schwester Susi - in den 80er Jahren zusammen mit Sandra Studinger und weiteren Sportlern des Judozentrums Wutöschingen bei hochrangigen Turnieren dabei.
Das Trio trug durch internationale Wettkampfteilnahme entscheidend zum Ruhm des Vereins bei. Heute ist Peter Schlatter Sport- und Judolehrer an einem Sportgymnasium und kommt gerne zum Fest in die alte Heimat. Für den Nachmittag des 13. Mai ist in der Halle auch ein gemütliches Beisammensein mit allen ehemaligen und aktiven Vereinsmitgliedern vorgesehen, um Rückblick zu halten und sich an die Höhepunkte der Vereinsgeschichte zu erinnern.
Am Samstag, 25. November, findet in der Wutöschinger Alemannenhalle eine weitere Jubiläumsveranstaltung statt, die speziell auf den Judo-Nachwuchs zugeschnitten ist.
Abschied von Frieda Schlatter
Frieda Schlatter hat viel Lebenszeit mit dem Hobby Judo verbracht. Einen Großteil ihrer Lebenszeit hat Frieda Schlatter mit ihrem Hobby Judo verbracht. Nach 44 Jahren als Trainerin und im Vorstand des Judo-Zentrums Wutöschingen nahm sie Abschied und blickt zurück.
Beim Gespräch mit dieser Zeitung erinnert sich Frieda Schlatter an die Anfänge: „Mit unseren Kindern Peter und Susi haben mein Mann Rolf und ich mit Judo angefangen, erst in Tiengen, später mit dem eigenen Verein in Wutöschingen. Die regelmäßigen Meisterschaften am Sonntag waren schon eine Herausforderung für die Familie“, erklärte Frieda Schlatter rückblickend und sagt schmunzelnd, dass ihr da eigentlich gar nichts anderes übrig blieb, als aktiv mitzumachen. Auf das sportliche Hobby Judo stieß sie zuerst als Elternteil. Davon überzeugt, engagierte sich die ganze Familie stark.
Tochter Susanne Schlatter, Rektorin an der Hohenlupfenschule Stühlingen, war 18 Jahre lang Vorsitzende des Vereins. Sohn Peter Schlatter, Gymnasiallehrer, wurde Europameister.
Das Engagement von Frieda Schlatter im Überblick:
- Gründungsmitglied des Judo-Zentrums Wutöschingen am 14. Mai 1977
- Schriftführerin: 1977-1979
- Trainerin: 1979-2019
- Übungsleiterausbildung: November 1979
- Kyu-Prüfer-Lizenz: 1986
- 2. Dan: 1997
- 3. Dan: 2002
- Kreiskampfrichterin: 1985
- Bezirkskampfrichterin: 1988
- Landeskampfrichterin: 1990
- Gruppenkampfrichterin: 1993
- Mädelreferentin des Bezirks 2 für den Badischen Judo-Verband: 1995-2001
- Zweite Kassiererin im Vereinsvorstand: 1999-2003
- Erste Kassiererin im Vereinsvorstand: 2003-2021
- Ehrenmitglied seit 2002
Judo-Stützpunkt am Bonhoeffer-Gymnasium
Es ist schon etwas kurios, dass sich das Hildener Bonhoeffer-Gymnasium einen eigenen Judo-Stützpunkt leistet - und ohne die Bewerbung Düsseldorfs als Olympia-Ausrichter 2012 wohl auch nicht denkbar. Dass die jahrelange intensive Arbeit Früchte trägt, freut besonders Peter Schlatter, der das Projekt als Sportlehrer am Gymnasium und Stützpunkttrainer begleitet. Gerade fertig mit dem Sport-Studium, kam ihm die neue Aufgabe sehr gelegen.
Ziel ist die Talentsichtung, die sich jedoch als schwierig erweist, wie Schlatter berichtet. Viele Schüler hätten in der fünften Klasse oft schon andere Hobbys und dementsprechend keine Zeit für Judo, erläutert der Trainer. Zudem müsse man eigentlich früher beginnen. Daher arbeite er an einer Kooperation mit Grundschulen. "Von 120 bleiben meist nur drei bis vier übrig", sagt Schlatter. Umso mehr freut es ihn, wenn eines seiner Talente erfolgreich ist.
"Mein bester Schüler war Markus Kokot, der vor zwei Jahren Deutscher Vizemeister geworden ist. Seine jetzigen Hoffnungsträger heißen Lukas Krautmacher und Mayan Schwarze. Beide könnten es nach Meinung ihres Trainers noch weit bringen. "Lukas kämpft das erste Jahr U20 und muss dort sicherlich erst noch Erfahrungen sammeln", dämpft er die Erwartungen an den 17-Jährigen, der täglich trainiert.
Ebenso wie Lukas Krautmacher ist auch Mayan Schwarze (U17) Mitglied des Judo-Landeskaders. Für ihren Verein, den Judo Club71, könnten Lukas in einer und Mayan in zwei Wochen einen weiteren Titel holen - den des Westdeutschen Meisters. Vielleicht schaffen sie es ja auch irgendwann zur Olympiade.
