Olympische Spiele: Eine Übersicht der Kampfsportarten

Das Angebot an Kampfsportarten ist groß, von Aikido und Kickboxen bis Taekwondo. Wer heute Kampfsport ausübt, möchte oft außerdem die körperliche Fitness und das Selbstbewusstsein stärken. Olympische Kampfsportarten sind Boxen, Fechten, Judo, Karate, Ringen und Taekwondo.

Östliche und westliche Kampfsportarten

Mit Kampfkunst (engl.: martial art; martial heißt „kriegerisch“ und art „Kunst“) sind in der Regel Selbstverteidigungstechniken aus östlichen Kulturen gemeint, etwa chinesische Kampfkünste wie Kung-Fu, japanische wie Aikido oder das koreanische Taekwondo. Kampfsportarten mit einer langen Tradition in Europa sind Ringen, Boxen und Fechten. Zum Fechten gehört eine Waffe, weshalb diese Kampfsportart eine Sonderrolle einnimmt. Es gibt auch asiatische Kampfsportarten, die mit Waffen betrieben werden, etwa das japanische Kendo, eine Art Schwertkampf.

Technische Unterschiede bei Kampfsportarten

Jeder Kampfsport hat eigene Techniken und Schwerpunkte. Beim Ringen besteht ein enger Körperkontakt und beim Boxen werden Schläge primär aus der Distanz abgegeben. Bei einigen Kampfsportarten sind Tritte verboten, bei anderen geben sie gerade den Ausschlag. Manche Kampfsportarten lassen sich den Stilen „weich“ und „hart“ zuordnen. Weich bedeutet, die Energie von gegnerischen Angriffen aufzufangen und umzuleiten. Eigene Attacken werden nicht in voller Härte ausgeführt (zum Beispiel beim Aikido). Harte Kampfsportarten zielen ursprünglich darauf ab, das Gegenüber zu verletzen. Zu dieser Art Kampfsport gehört zum Beispiel Taekwondo.

Kampfsportarten im Detail

Um Ihnen eine Entscheidungshilfe zu geben, welcher Kampfsport für Sie in Frage kommt, folgen hier elf populäre Kampfsportarten im Kurzportrait. Diese Kampfsportarten-Liste lässt Sportarten wie Fechten oder Kendo aus, für die eine (kostspielige) Spezialausrüstung erforderlich ist.

Aikido

Aikido ist eine japanische Kampfkunst aus dem frühen 20. Jahrhundert. Die Kampfsportart Aikido ist defensiv: Hauptziel ist, die Bewegunsgenergie, die in einem Angriff steckt, abzuleiten und es dem Gegner oder der Gegnerin zu erschweren, den Angriff fortzuführen. Dazu gibt es spezielle Wurf- und Haltetechniken. Auf einen Gegenangriff wird verzichtet. Die Grundidee beim Aikido ist nicht, die angreifende Person zu bezwingen, sondern sie zur Aufgabe zu bewegen. Beim Aikido gibt es weder Alters- oder Gewichtsklassen noch eine Aufteilung nach Geschlechtern. Alle trainieren miteinander.

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Boxen

Boxen gilt neben Ringen als die älteste Kampfsportart der Welt: Schon auf über 5000 Jahre alten Höhlenzeichnungen sind Boxer und Ringer abgebildet. Beim modernen Boxen versuchen die Sportler und Sportlerinnen Schläge auf den gegnerischen Kopf oder den Oberkörper zu landen, um Punkte zu erzielen oder einen Kampf durch K. O. zu gewinnen. Schläge auf den Kopf oder andere empfindliche Körperteile sind auch mit angemessener Schutzbekleidung gefährlich. Aus diesem Grund gibt es in Deutschland das Leichtkontaktboxen. Hier sind harte Schläge verboten, um Verletzungen zu vermeiden. Es gibt keinen K. O.: Über Sieg und Niederlage wird ausschließlich nach Punkten entschieden.

Capoeira

Die afro-brasilianische Kampfkunst Capoeira vereint Kampf, Musik und Tanz. Capoeira entstand im 17. Jahrhundert unter den Sklaven auf den Plantagen Brasiliens als eine Art Kampftanz. Im 20. Jahrhundert kamen Einflüsse anderer Kampfsportarten hinzu. Bei Capoeira kämpft man nicht gegen sein Gegenüber, sondern spielt mit ihm. Zwei Personen inszenieren in fließenden Bewegungen einen Kampf. Es gibt eine Vielzahl von Bewegungen und Bewegungskombinationen, darunter Kopfstöße, Würfe und Fußfeger, wobei Angriffe im letzten Moment gestoppt werden oder der Gegner oder die Gegnerin ausweicht. Es gibt Capoeira-Meisterschaften, aber nicht alle betrachten Capoeira als Wettkampfsport, da der Wettkampfgedanke nicht zum kulturellen Hintergrund der Capoeira passe.

Jiu Jitsu

Die Kampfsportart Jiu Jitsu geht auf die japanischen Samurai zurück. Die Grundidee ist „Siegen durch Nachgeben“. Deshalb ist die erste Verteidigungsmaßnahme beim Jiu Jitsu schnelles und geschicktes Ausweichen, um dann die Kraft eines Angriffs gegen die angreifende Person selbst zu verwenden. Dazu stehen verschiedene Wurf-, Griff-, Hebel- und Schlagtechniken zur Verfügung. Je nach Art des gegnerischen Angriffs gehören zur Selbstverteidigung beim Jiu Jitsu auch Tritte und Würgen. Es gibt verschiedene Schulen des Jiu Jitsu, in denen jeweils unterschiedliche Techniken bevorzugt werden.

Judo

Der Jiu-Jitsu-Lehrer Jigoro Kano entwickelte Judo (deutsch: der „sanfte Weg“) Ende des 19. Jahrhunderts aus dem Jiu Jitsu. Kano setzte den Schwerpunkt beim Judo auf Griffe, Hebel und Würfe - gefährliche Kampftechniken wie Schläge und Tritte strich er zugunsten von Fallübungen aus dem Training. Bei einem Judo-Wettkampf ist das Ziel, den Gegner oder die Gegnerin zu Boden zu bringen und dort für eine bestimmte Zeit festzuhalten. Außerdem gibt es Punkte für eingesetzte Wurf- und Grifftechniken.

Karate

Um 500 nach Christus erschufen chinesische Mönche aus gymnastischen Übungen eine waffenlose Kampfkunst zur Selbstverteidigung. Zu Beginn des 20. Jahrhunderts etablierte sich diese Kampftradition in Japan unter dem Namen Karate als Sport mit eigenem Regelwerk. Beim Karate erlernt man Stoß-, Schlag- und Tritttechniken. Schläge und Tritte müssen aber im Training und im Wettkampf abgestoppt werden, bevor sie den Gegner oder die Gegnerin berühren. Das erfordert eine gute Körperbeherrschung, die bei dieser Kampfsportart systematisch trainiert wird.

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Kickboxen

Kickboxen nahm als „Sport-Karate“ seinen Anfang in den USA der 1970er Jahre. Die Kampfsportart verbindet Schlagtechniken des klassischen Boxens mit Tritttechniken aus Karate und Taekwondo. Es gibt verschiedene Wettkampfarten des Kickboxens. Die Hauptvarianten sind Leicht-, Semi- und Vollkontakt. Die ersten beiden werden wie Karate auf der Matte ausgeübt. Es geht um die Anzahl der gelandeten Treffer und darum, wie sauber die Kämpfenden die Schlag- und Kicktechniken ausführen. Beim Vollkontakt-Kickboxen im Boxring ist ein Sieg auch über K. O. möglich.

Krav Maga

Krav Maga ist hebräisch und bedeutet auf Deutsch „Kontaktkampf“. Der Selbstverteidigungsstil wurde für israelische Sicherheitskräfte entwickelt. Nach eigenem Selbstverständnis ist Krav Maga kein Sport, sondern ein Selbstverteidigungssystem. Deshalb gibt es auch keine sportlichen Wettkämpfe. Krav Maga beruht vor allem auf den intuitiven menschlichen Reaktionsmustern und Reflexen. Es geht weniger um Spezialtechniken wie in der asiatischen Kampfkunst, sondern um einfache und dennoch effektive Methoden, um sich gegen Angriffe zu wehren.

Ringen

Seit 708 vor Christus ist Ringen eine Disziplin der antiken olympischen Spiele und ist bis heute olympisch. Schon in der Antike waren beim Ringen Schläge und Tritte verboten. Heute geht es bei der Kampfsportart darum, den Gegner oder die Gegnerin mit beiden Schultern auf die Matte zu bringen oder Punkte zu sammeln. Es gibt zwei Ringstile: griechisch-römisch und Freistil. Beim griechisch-römischen Ringen dürfen nur die Arme und der Oberkörper eingesetzt und festgehalten werden. Beim Freistil setzen die Sportler und Sportlerinnen auch ihre Beine ein und dürfen ihr Gegenüber auch unterhalb der Taille festhalten. Punkte gibt es für Techniken wie Würfe, Schleuder- und Hebelgriffe.

Taekwondo

Taekwondo ist eine koreanische Kampfsportart und bedeutet auf Deutsch „Fuß, Faust, Disziplin“. Taekwondo stammt aus der Zeit um 50 vor Christus und ist seit dem Beginn des 20. Jahrhunderts der populärste Kampfsport in Korea. Es ähnelt vordergründig chinesischen oder japanischen Selbstverteidigungsstilen, ist aber eine selbständige Kampfsportart, die seit dem Jahr 2000 olympische Disziplin ist. Besondere Merkmale von Taekwondo sind die ausgeprägten Fußtechniken, Tritte, Drehungen und Sprünge. Der Gebrauch der Hände ist erlaubt, sie werden aber nicht so oft eingesetzt wie etwa beim Karate.

Wing Chun (Wing Chun Kung-Fu, Wingtsun)

Wing Chun ist ein spezieller Kung-Fu-Stil. Kung-Fu ist der Oberbegriff für unterschiedliche chinesische Kampfkünste. Ähnlich wie bei Aikido kommt es auch beim Wing Chun darauf an, die Kraft des gegnerischen Angriffs durch Schritttechniken und geschickte Wendungen abzuleiten.

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Deutsche Teilnehmer bei den Olympischen Spielen 2024 in Paris

Bei den Olympischen Spielen 2024 in Paris kann sich Deutschland mit 427 Starterinnen und Startern über ein Rekordergebnis freuen. Aber wie sieht es bei den Kampfsportlern aus? Seit Karate nicht mehr olympisch ist, gibt es nur noch fünf Kampfsportarten bei Olympia: Boxen, Fechten, Judo, Ringen und Taekwondo. Ein Blick auf die Zahl der deutschen Teilnehmer ist leider ernüchternd und bewegt sich bis auf Judo im unteren einstelligen Bereich. Die allgemeine Tendenz geht nach unten. Lediglich in der Sportart Ringen ist die Teilnehmerzahl mit 7 Startern stabil geblieben, wobei man erwähnen muss, dass immerhin 4 Starter weiblich sind. Ob es eine von ihnen schafft, den Erfolg von Aline Rotter-Focken (Gold 2020 in Tokio) zu wiederholen? Eher unwahrscheinlich.

Auch der Ringer Erik Thiele (3. Europameister 2016) hat mit seinem Vater Sven Thiele sicherlich ein inspirierendes Vorbild.

  • ★ Jello Krahmer (griech-röm.
  • ★ Lucas Lazogianis (griech-röm.

Männer boxen bereits seit 1904 olympisch. Die ersten Olympischen Spiele der Neuzeit wurden 1896 in Athen ausgetragen, daher zählt das Boxen bei Olympia zu den ältesten Sportarten.

Olympische Sommerspiele 2024: Boxen

Bei den Olympischen Sommerspielen 2024 wird wieder geboxt. Normalerweise wurden die Teilnehmer durch die IBA (International Boxing Association, früher AIBA) eingeladen. Das geschah aufgrund der Erfolge bei Weltmeisterschaften, globaler Ranglisten und kontinentaler Qualifikationsturniere. So sollte sichergestellt sein, dass die besten Athleten von allen Kontinenten antreten und sich hochwertige Wettkämpfe liefern. Aufgrund eines Streits zwischen dem Weltverband IBA (International Boxing Association) und dem olympischen Dachverband IOC (International Olympic Committee) wird die Qualifikation 2024 anders gehandhabt. Das IOC hat der IBA das Recht zur Qualifikation entzogen und kurzerhand ein eigenes Qualifikationssystem entwickelt.

Einen Sonderfall bilden die Franzosen. Als Gastgeber wurden ihnen 6 Quotenplätze zugesprochen. Das war allerdings bei den vorherigen Spielen ebenfalls so. Eine Besonderheit beim Boxen ist die Bindung des Qualifikationsplatzes. Der Athlet, der den Platz gewinnt, muss selbst und in der entsprechenden Klasse antreten. In den meisten anderen Sportarten erringen die Sportler Qualifikationsplätze für ihr jeweiliges Land.

Die Geschichte des olympischen Boxens

Der Boxsport gehört seit 1904 dauerhaft zu Olympia. In der olympischen Geschichte wurden hunderte Boxkämpfe ausgetragen. Lediglich 1912 in Stockholm gab es keine Boxkämpfe, da Boxen in Schweden zu dieser Zeit verboten war.

Deutsche Athleten konnten in der Vergangenheit schon mehrfach Goldmedaillen im Boxen holen. Die BRD belegt in der Olympia-Statistik den Platz Nummer 13 mit fünf Goldmedaillen über alle Gewichtsklassen. Die Zahl spiegelt allerdings nur die halbe Wahrheit wider, da in der Geschichte zwei Medaillen an das Deutsche Reich und vier Medaillen in die DDR gingen.

Die erfolgreichsten Jahre für das deutsche Olympia-Boxteam waren 1936, 1988 und 1992, wo jeweils zwei Sportler in ihrer jeweiligen Gewichtsklasse Gold erkämpfen konnten. Zwei Athleten stechen noch auf eine andere Weise heraus.

Regelwerk im olympischen Boxen

Olympische Boxkämpfe verfügen teilweise über andere Bestimmungen als das Profiboxen. Die Anzahl der Runden beispielsweise ist deutlich geringer. Andere Vorschriften wiederum sind gleich. Männer sind von der Kopfschutzpflicht ausgenommen. Grund ist eine Studie, die negative Effekte durch das zusätzliche Gewicht nachweisen konnte. Durch die harten Schläge treten übermäßige Querbeschleunigungen auf. Die Gewichtsklassen beim olympischen Boxen wurden über die Jahre mehrfach verändert.

Der Sieger wird unter den Athleten durch ein K.o. System ermittelt. Wer einen Kampf verliert, scheidet aus. Je nach Teilnehmerzahl der Gewichtsklasse unterscheidet sich die Verteilung der Duelle ein wenig. Die Sonderauszeichnung „Val-Barker-Pokal“ wird seit 1936 an den technisch besten Boxer aller Gewichtsklassen vergeben. Häufig ist dies einer der Goldmedaillengewinner, aber nicht immer.

Skandale und Streitpunkte im olympischen Boxen

Es gab in der Geschichte des Boxens immer wieder Skandale und Streitpunkte hinsichtlich der Kampfrichter und Organisationen. Der größte Skandal ist der Ausschluss des Weltverbands IBA (International Boxing Association) von der olympischen Qualifikation. Grund ist eine unzureichende Transparenz bei der Finanzierung und wiederholte Probleme bei der Wahl der Kampfrichter.

Kürzlich erst, bei den Sommerspielen 2021 in Tokyo, wurde Mourad Aliev im Viertelfinale im Superschwergewicht disqualifiziert. Ihm wurde ein Kopfstoß vorgeworfen, dem der Franzose jedoch widerspricht. Bei den Spielen 2016 in Rio de Janeiro gab es gravierende Fehlentscheidungen und den Verdacht auf Manipulation.

Erfolgreichste Nationen im olympischen Boxen

Statistisch gesehen gibt es Länder, die bei Olympia häufiger Goldmedaillen gewinnen als andere. Die Top 10 der erfolgreichsten Nationen nach der Anzahl der goldenen Medaillen lautet:

  1. USA (50)
  2. Kuba (41)
  3. Großbritannien (20)
  4. Italien (15)
  5. Sowjetunion (14)
  6. Russland (10)
  7. Ungarn (10)
  8. Polen (8)
  9. Argentinien (7)
  10. Kasachstan (7)

Zukunft des Boxens bei den Olympischen Spielen

Für das Jahr 2028 ist derzeit kein Turnier im Boxen geplant. Dies liegt an den andauernden Streitigkeiten und diversen Skandalen rund um den Dachverband IBA. Es wurde bisher aber noch keine endgültige Absage erteilt.

Im Jahr 2023 hat sich unter Mithilfe mehrerer Nationalverbände, darunter auch der deutsche Verband DBV, ein neuer Boxverband gegründet. Unter dem Namen „World Boxing“ haben viele europäische Verbände einen neuen Dachverband gegründet. Ziel des Verbands ist die Erhaltung des Boxsports bei Olympia. Ob und wann es eine Anerkennung durch das Internationale Olympische Komitee geben wird, ist derzeit unklar.

Anfälligkeit für Skandale rund um Wetten

Boxen ist in mehreren Hinsichten anfälliger für Skandale und Manipulation als andere Sportarten. Einerseits ist da das System der Punktevergabe. Die Faktoren der Bepunktung in den einzelnen Runden sind sehr subjektiv. Die Punktrichter können hier das Ergebnis maßgeblich beeinflussen, ohne dass ein Betrug leicht nachzuweisen wäre.

Das Regelwerk sieht vor: Beim dritten Niederschlag in einer Runde wird der Kampf abgebrochen und der Sieger steht fest. Kampfrichter und Ringarzt können allerdings den Kampf vorzeitig abbrechen. Dies gilt zum Beispiel dann, wenn ein Boxer nicht mehr kampffähig ist. Die Beurteilung der Kampffähigkeit obliegt diesen beiden Personen allein, sodass diese den Ausgang des Kampfesbeeinflussen können. Die Sportler selbst sind ebenfalls nicht vor Skandalen und Bestechung geschützt. Schließlich kann schon ein guter Schlag ausreichen, um einen Boxer K.o. zu schlagen. Dadurch lässt sich besonders ein aktiver Kampf leicht manipulieren.