Judo für Senioren: Ein sanfter Weg zu Fitness und Wohlbefinden im Alter

Judo ist eine Sportart, die bis ins hohe Alter betrieben werden kann. Es ist ein Irrglaube anzunehmen, dass man nur in jungen Jahren mit Judo anfangen kann. Im fortgeschrittenen Alter noch mit Judo anfangen? Ja, aber klar doch! Es ist nie zu spät, etwas für die Gesundheit zu tun.

Bewegt älter werden: Judo als ideale Sportart für Senioren

Aufgrund des demographischen Wandels der Gesellschaft und der Partnerschaft zum LSB im Programm „Bewegt ÄLTER werden in NRW!“ hat der NWJV die Notwendigkeit gesehen, speziell für Ältere attraktive Sportangebote im Judo zu konzipieren, Vereine für dieses Thema zu sensibilisieren, Trainer zu qualifizieren und letztendlich Judoka zu motivieren.

Dies liegt zum einen daran, dass Judo sehr schonend ausgeübt werden kann. Zum anderen bietet Judo die Möglichkeit verschiedener Zielsetzungen und Schwerpunkte. Der große Vorteil unserer Sportart: Die Dosierung im Training kann jeder frei für sich wählen.

Judo trainiert unseren Körper in vielerlei Hinsicht: Ausdauer, Kraft, Beweglichkeit und Koordination werden verbessert. Regelmäßiges Training stärkt die Muskeln, Gelenke und Knochen sowie das Herz-Kreislauf-System und beugt so vielen Beschwerden vor. „Ältere“ können Judo als schonenden, präventiven Breitensport betreiben, um so fit zu werden und bis ins hohe Alter zu bleiben.

Körperliche Probleme und Einschränkungen sind übrigens kein grundsätzliches Hindernis, um Judo zu betreiben. Insbesondere bei altersbedingten Beeinträchtigungen wie bspw. „Rücken“ oder an Knien, Schulter, Hüften kann Judo häufig - mit einer entsprechenden Rücksichtnahme - betrieben werden. Denn oft ist Bewegungsmangel die Ursache für derartige Probleme.

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Durch das im Judo praktizierte Bewegungs-, Mobilitäts- und Kräftigungstraining bessern sich häufig sogar Beschwerden des Stütz- und Bewegungsapparates.

Anpassungen und doch immer Judo

Aktive Judoka die älter werden betreiben ihren Sport bis ins hohe Alter. Die fortlaufenden Trainingseinheiten und die Judoerte, wie z.B Respekt, Disziplin ermöglichen es problemlos weiter am Training auch mit jüngeren Judoka teilzunehmen.

Wie sieht so ein Judotraining aus, werden sich viele fragen. Wie in vielen anderen Sportarten, fängt es mit einem Aufwärmtraining und mit einem Dehnen der Muskeln an, bevor es ans Eingemachte geht. Wir wollen uns doch nicht verletzen. Es ist der aufgewärmte, gedehnte Muskel, der geschmeidig und kraftvoll zum Einsatz gebracht werden kann. Es folgt die Fallschule. Ja, auch Fallen will gelernt sein. Ältere Semester gewinnen damit erheblich an Sicherheit im alltäglichen Leben.

Der Judoka, der nun gerade erst mit diesem tollen Sport angefangen hat, wird von erfahrenen Trainern und den sogenannten „alten Hasen“ vorsichtig und ohne Eile in die Techniken des Judo eingewiesen. In die Fallschule gleichermaßen, wie in die Festhalter und die Wurftechniken und all die anderen Dinge, die diesen Sport so vielschichtig und interessant machen. Und ehe man sich versieht, fällt es Oma und Opa wieder viel leichter, mit den Enkeln zu tollen und zu toben. Judo ist etwas für jede Altersgruppe.

Für ältere Menschen oder Neueinsteiger kann das Angebot mit Modulen einer leichten Intensität beginnen, anfangs allgemeiner ausgerichtet sein mit einer späteren judo-spezifischen Orientierung. Mithilfe von Taiso kann das psycho-physische Wohlbefinden verbessert und die individuelle Leistung stufenweise gesteigert werden.

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Taiso: Die ideale Ergänzung für ältere Judoka

"Befeuert" durch die Corona-Pandemie hat der Deutsche Judo-Bund (DJB) in Kooperation mit dem Nordrhein-Westfälischen Judo-Verband (NWJV) die traditionelle Bewegungsform Taiso neu aufgearbeitet. Viele Taiso-Übungen gehören bereits zum festen Bestandteil des Judotrainings.

Dabei ist die Entwicklung von Taiso als innovativer Prozess zu sehen - ähnlich wie die drei Methoden Kata, Randori und Shiai. Sportarten und Disziplinen entwickeln sich weiter und mit Taiso lassen sich traditionelle Elemente hervorragend in moderne Strukturen einbinden. Taiso wird als allumfassende Körperschulung gesehen, die nicht nur die physische Stärkung des Körpers meint, sondern parallel die Stärkung des Geistes. Eine ideale Bewegungsform, um das allgemeine Wohlbefinden zu verbessern.

Grundlage in der Praxis bildet ein Mobilisations-Modul im Umfang von acht bis ca. zwölf Minuten. Darauf aufbauend folgen Module mit unterschiedlichen Intentionen. Sie können allgemein-sportliche Ziele verfolgen, judo-spezifisch ausgerichtet sein oder aber auch spezielle Ziele und Zielgruppen im Blick haben. Die Module sind in einer Art Baukastensystem kategorisiert, die von Übungsleiter*innen und Trainer*innen selbst zusammengestellt werden. So kann Taiso auch für neue Zielgruppen angeboten werden.

Taiso kann ein zusätzliches Angebot im Judotraining sein, soll aber keinesfalls das eigentliche Judo-Training ersetzen. Gerade in den aktuellen Zeiten gewinnen Sportarten, die sich möglichst einfach und ohne großen Aufwand in die Praxis umsetzen lassen. Taiso lässt sich gut mit einer Gruppe ohne Kontakt im Freien durchführen. Das gemeinsame Training weckt dabei sozial-emotionale Ziele, auch wenn der direkte Körperkontakt noch nicht möglich ist.

Wettkämpfe für Judo-Veteranen (Ü30)

Seit dem Jahr 2005 richtet der Deutsche Judo-Bund (DJB) nationale Titelkämpfe für Veteranen (Ü30) aus. Auch auf internationalem Parkett gibt es Europa- und Weltmeisterschaften. Bei den Judokas über 30 Jahren wird neben den Gewichtsklassen jeweils mit Jahrgängen gestaffelt eine Wettkampfklasse gebildet.

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Die Altersklassen bei Deutschen Meisterschaften Ü30:

  • F1: Frauen 30-34 Jahre
  • F2: Frauen 35-39 Jahre
  • F3: Frauen 40-44 Jahre
  • F4: Frauen 45-49 Jahre
  • F5: Frauen 50-54 Jahre
  • F6: Frauen 55-60 Jahre
  • F7: Frauen über 60 Jahre
  • M1: Männer 30-34 Jahre
  • M2: Männer 35-39 Jahre
  • M3: Männer 40-44 Jahre
  • M4: Männer 45-49 Jahre
  • M5: Männer 50-54 Jahre
  • M6: Männer 55-59 Jahre
  • M7: Männer 60-64 Jahre
  • M8: Männer über 65 Jahre
  • M9: Männer 70-74 Jahre
  • M10: über 75 Jahre

Die Wettkampfzeit beträgt bei den Veteranen drei Minuten. Bei vielen Veteranen-Wettkämpfen ist ein aktuelles sog. Medical Certificate Pflicht. Die Termine der nationalen Wettkämpfe findet ihr im Terminbereich des DJB.

Der Weg: Mehr als nur Sport

Je länger man diese Sportart ausübt, destso mehr kann man in ihr aufgehen. Bedingt durch die unterschiedlichen Prüfungsprogramme kommen für die Dan-Grade weitere Facetten in den Techniken hinzu. Es wird z.B. für die Kata noch mehr Harmonie als onehin schon benötigt. Es zeigt die vielen kleinen Details die es zu beachten gillt.

Es ist eine große verantwortung aber auch eine große Ehre einem Partner(Uke oder Tori) zu seinem nächsten Gürtel zu helfen. Im Vergleich zu früher ist es intensiver, ein Training einer Kata ist genauso anstrengend wie ein Randori(Wettkampf).

Interesse geweckt?

Dann kommen Sie doch einfach mal zu einem Probetraining vorbei. Die Jugendlichen trainieren zusammen mit den Erwachsenen (außer in den Ferien) an jedem Freitag, von 19:00 Uhr bis 20:30 Uhr, in der Turnhalle der Grundschule Ecknach, Pfarrer-Steinacker-Straße 60, 86551 Aichach. Ich selbst werde in ein paar Jahren in Rente gehen.