Mit dem Namen „Mixed Martial Arts“ (kurz: MMA) bezeichnet man eine Mischung aus verschiedenen Kampfsportarten, die u. a. Elemente von Boxen, Kickboxen, Taekwondo und Karate, aber auch jene des Ringens und anderer Bodenkampfsportarten enthält. Für den Zuschauer bieten MMA-Kämpfe ein spannendes und vor allem abwechslungsreiches Vergnügen.
Dafür sorgt unter anderem der Umstand, dass sämtliche Kampfdistanzen sowie der Einsatz fast aller Körperteile in dieser Sportart ausdrücklich erlaubt sind. Ziel eines Kampf ist es, den Gegner zu besiegen.
Der Kampf gilt dann als entschieden, wenn der Gegner entweder K. o. geht, durch Abklopfen aufgibt oder er durch einen Schiedsrichter abgebrochen wird. Inzwischen sind aber auch Punktesiege - ähnlich dem Boxen - möglich.
Charakteristisch für diesen Sport ist das Fehlen von reinen Selbstverteidigungstechniken, zum Beispiel für die Entwaffnung des Gegners oder in Form des Bearbeitens von Nervendruckpunkten, die diesen zur Aufgabe zwingen sollen. Stattdessen werden im MMA Sport ausschließlich aktive Kampftechniken eingesetzt.
Die Entwicklung von MMA
Bereits lange vor Christus wurden im Rahmen der Olympischen Spiele auch Kampfsportarten wie beispielsweise Ringen oder Boxen eingeführt. Über die Sieger der jeweiligen Sportart hinaus stellte sich immer wieder die generelle Frage, wer denn der beste Kämpfer sei.
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Um dies herauszufinden, entwickelte man eine neue Sportart namens Pankration, die verschiedenste Elemente sowohl aus dem Boxen als auch aus dem Ringen und aus anderen Kampfsportarten kombiniert. Nach dem Verbot der Olympischen Spiele lebte diese Sportart im Amateurbereich weiter und fand nach und nach Anhänger in vielen Ländern der Erde.
Oftmals kamen Einflüsse der Kampfsportarten des jeweiligen Landes hinzu, wodurch sich unterschiedliche Stile ausprägten. Eine erste Welle der Popularität erlebte MMA in den frühen 1990er-Jahren, besonders im Zuge der Vergleichskämpfe in der Ultimate Fighting Championship (UFC).
In Europa etablierten sich die Mixed Martial Arts um 1980 herum zunächst unter dem Namen Free Fight. Charakteristisch für die Anfänge war das Kämpfen völlig ohne Schutzausrüstung, auch Handschuhe wurden damals noch nicht verwendet. Weitgehend beibehalten wurden bis heute jedoch die erlaubten Kampftechniken.
So sind neben fast allen Schlag- und Tritttechniken auch Kopfstöße sowie der Einsatz von Knien und Ellenbogen im Kampf erlaubt. Das heute gültige Regelwerk für den MMA-Sport wurde am 03. Oktober 2009 durch eine Kommission festgelegt, in der neben internationalen Kampfsportexperten auch Veranstalter und Ärzte tätig sind.
Seitdem gilt dieses Regelwerk für alle offiziellen MMA-Veranstaltungen in Deutschland, aber auch in Österreich, Frankreich, der Schweiz und Tschechien.
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Alina Dalaslan: Ein aufsteigender Stern am MMA-Himmel
Alina Dalaslan ist der Shooting-Star der deutschen Mixed-Martial-Arts-Szene. Für ihren zweiten Kampf hat sie sich mit Regina Halmich eine prominente Mentorin ins Team geholt. Nein, nervös wirkt Alina Dalaslan vor dem wohl grössten Kampf ihres Lebens nicht wirklich.
Beim OKTAGON 72 kann die MMA-Kämpferin endgültig beweisen, dass sie auch für die grosse Bühne gemacht ist. MMA, das ist der Sport, der in Deutschland immer mehr jüngere Leute vor den Fernseher und in die Arenen zieht.
Und Dalaslan könnte der erste weibliche MMA-Star aus Deutschland werden. Mehr News zum Thema SportBei ihrem zweiten Kampf unterstützt sie dabei Regina Halmich, der vor etwa 30 Jahren im Boxen ähnliches gelang. Ein Gespräch mit zwei Pionierinnen ihres Sports.
Halmich: Im Moment ist das so, das kann man gar nicht leugnen. In den 90ern und 2000ern war Boxen die absolute Nummer eins in Deutschland, auch weil wir grosse Namen hatten.
RTL, die ARD, das ZDF, alle haben Kämpfe übertragen, man konnte sich fast jedes Wochenende einen im Fernsehen angucken. Mit dem Weggang der TV-Sender ist das Boxen in Deutschland leider wieder in der Versenkung verschwunden. Man sieht es ja: Auch RTL+ hat sich für MMA entschieden, nicht für das Boxen.
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Dalaslan: Ich glaube, dass das stark mit OKTAGON MMA zusammenhängt, die den Sport hierzulande auf die Karte gesetzt hat. Die können ihre Athleten einfach richtig gut vermarkten. Und wenn man sich mehr mit dem Sport befasst, sieht man, dass es nicht einfach nur rohe Gewalt ist, sondern ein sehr technischer und auch taktischer Sport dahintersteht.
Halmich: Um 2000 herum war MMA auch noch verpönt als rohe Gewalt. Ich kann auch ein Stück weit nachvollziehen, dass der Sport nichts für jeden ist. Aber er hat trotzdem eine Daseinsberechtigung.
Und aus der Sicht einer Kampfsportlerin sehe ich, was die Kämpfer alles leisten: MMA-Kämpfer sind die perfekten Athleten, die den Bodenkampf, das Kicken und Boxen beherrschen müssen - und einen guten "Fight-IQ" brauchen, um das alles zu verbinden.
Ich sage auch ganz klar: Das ist eine Sportart für Erwachsene und nichts für Kinder. Angefangen hat die 24-jährige Alina Dalaslan eigentlich mit Kunstturnen - und auch sonst erfüllt die studierte Buchhalterin nicht die typischen Kampfsportler-Klischees.
Um ihren kleineren Bruder zu begleiten, kam sie als Teenagerin zum Kickboxen, so richtig startete sie aber erst mit ihrem Wechsel zum MMA im Jahr 2023 durch. Seitdem ist Dalaslan nach wie vor unbesiegt, im Amateurbereich darf sie sich bereits Weltmeisterin nennen.
Die Illertissenerin hat das Zeug dazu, die erste grosse MMA-Kämpferin aus Deutschland zu werden.
Die Faszination MMA
Halmich: Ich kenne MMA durch die UFC schon ein bisschen länger und habe mir verschiedene Kämpfe auf YouTube angeguckt. Auch so manche Boxerin hat später MMA gemacht, beispielsweise Holly Holm, mit der ich zusammen in die Hall of Fame aufgenommen wurde.
Das hat mich interessiert, ich habe es dann geguckt und fand es wahnsinnig spannend. Es ist eine Sportart, bei der die K.o.-Quote auch sehr hoch ist, was die Zuschauer natürlich fasziniert.
Dalaslan: Klar, ich kannte MMA zuerst auch durch die UFC - mit meinem kleinen Bruder habe ich das hin und wieder auch mal auf der Playstation gespielt. Ich kenne MMA also auch schon länger, aber dass ich selbst mal aktiv bin, kam mir damals eigentlich nicht so in den Sinn.
Dalaslan: Bei mir war es ähnlich wie bei Regina, dass wir gemerkt haben: Im Kickboxen ist nicht wirklich Geld zu verdienen. Ich habe Kampfsport sowieso eher als Hobby ausgeübt und hatte nie das Ziel, Profi zu werden. Der Wechsel zum MMA war eher Zufall.
Für viele wirkt es vielleicht, als hätte ich ganz plötzlich viel Erfolg. Aber davor war ich einfach nur nicht in der Öffentlichkeit - ich habe trotzdem jeden Tag hart gearbeitet. Die Leute sehen eben nicht, was dahintersteckt, sie sehen nur die Ergebnisse.
Ich glaube auch, dass ich mich nochmal verbessert habe und in meinem zweiten Profikampf noch ein bisschen mehr zeigen und ihn hoffentlich vorzeitig beenden kann. Ich meine, ich mache erst seit zwei Jahren MMA - da kann man noch sehr viel lernen.
Halmich: Es macht vor allen Dingen mehr Spass, wenn du weisst: Du hast jetzt endlich auch die Aufmerksamkeit, die Arbeit zahlt sich aus. Das motiviert dich nochmal zusätzlich. Insofern kann man wirklich sagen: Du lebst jetzt deinen Traum.
Die Rolle von Regina Halmich
Halmich: Wir sind natürlich verschiedene Generationen. Aber letzten Endes ist es nicht so unterschiedlich, weil ich weiss, welchen Weg sie jetzt geht und wie schön es auch in diesem Alter ist.
Ich fiebere da auch mit, weil ich selbst mal vor 25.000 Zuschauern gekämpft habe und genau weiss, dass man dann dieses Adrenalin hat. Die 1978 geborene Karlsruherin kann man getrost als eine der einflussreichsten Sportlerinnen Deutschlands bezeichnen.
Von 1995 bis 2007 war Halmich ungeschlagene Weltmeisterin der WIBF, im deutschen Boxsport war ihr Name spätestens zur Jahrtausendwende bekannter als der vieler ihrer männlicher Kollegen.
Dafür sorgten auch Showkämpfe gegen Moderator Stefan Raab, zuletzt zu dessen Comeback im September 2024. Halmich: Absolut, Alina ist im MMA in Deutschland eine der Pionierinnen, das muss man sagen.
Ich kenne in Deutschland sonst nicht viele Frauen, die Mixed Martial Arts machen. Dalaslan: Es gibt mit Katharina Dalisda aus Frankfurt noch eine Kämpferin, die ich persönlich kenne, aber ansonsten ist das echt rar in Deutschland - gerade im Profibereich.
Halmich: Bei mir war es genau das gleiche, als ich angefangen habe. Auf einmal kamen mehr Boxerinnen ins Gym und haben angefangen zu trainieren. Man braucht eben immer Vorbilder.
Halmich: Total! Bei mir war es genau das gleiche, als ich angefangen habe. Auf einmal kamen mehr Boxerinnen ins Gym und haben angefangen zu trainieren. Man braucht eben immer Vorbilder.
Mit Sicherheit gab es auch schon vor ein paar Jahren wahrscheinlich MMA-Kämpferinnen, aber die standen eben noch nicht so im Fokus wie sie jetzt. Und durch den Fernsehvertrag zwischen OKTAGON MMA und RTL+ gibt es noch eine ganz andere Reichweite in den Medien.
Halmich: Es nützt nichts mehr, wenn du eine gute Kämpferin bist. Du musst auch ein Charakter sein. Dalaslan: Die Leute interessieren sich für deine Persönlichkeit, nicht nur für den Kämpfer.
Das ganze Drumherum spielt eine grosse Rolle. Es ist heute wichtiger, dass man präsent ist und mit den Fans interagiert, dass sie dich auch fernab der Kämpfe sehen.
Ich meine, wie oft kämpft man pro Jahr? Vielleicht drei oder vier Mal. Es gibt aber noch viele andere Wochen und Monate, in denen du dich zeigen musst.
Lernen von einander
Halmich: Was heisst lernen? Ich glaube, was uns verbindet, ist die Disziplin, die man im Kampfsport über Wochen, Monate, sogar Jahre mitbringen muss.
Ich würde deshalb gar nicht von etwas lernen sprechen. Natürlich bin ich älter, habe 56 Profikämpfe absolviert. Da kann ich ihr natürlich noch das eine oder andere erzählen.
Dalaslan: Ich kann da nur zustimmen. Ich komme wie gesagt vom Kickboxen, habe auch ein bisschen Boxen gemacht. Deswegen ist vieles sehr ähnlich, worüber wir uns schon ausgetauscht haben.
Und natürlich sie hat viel mehr Erfahrung als ich, ich mache gerade erst meinen zweiten Profikampf. Aber jeder macht auch ein bisschen seine eigenen Erfahrungen.
Trotzdem ist es immer hilfreich, Tipps und Erfahrungswerte von anderen erfolgreichen Kämpfern zu bekommen. Ich sehe Regina auch als meine Mentorin, als ein Mitglied des Teams. Und da ist natürlich jeder Tipp Gold wert und wird mich in jedem Fall weiterbringen.
Halmich: So habe ich das auch gemacht im Laufe meiner Karriere: Ich habe mir von jedem gerne Tipps geholt und mir dann das Beste davon herausgepickt. Und heute gebe ich aktiven Sportlerinnen Ratschläge, gerade wenn es um Verhandlungen oder Sponsoren- und Kampfverträge geht, wo ich schon fast alles erlebt habe.
Es ist wichtig, dass bei den wenigen Frauen in unserem Sport ein gewisser Zusammenhalt herrscht. Bei uns war es damals ganz schlimm: Jede Kämpferin hat ihr eigenes Süppchen gekocht, es war viel mehr Konkurrenz, obwohl man nicht einmal in derselben Gewichtsklasse war.
Dalaslan: Ich finde es unglaublich schade. Klar funktioniert das Training auch mit den Männern und macht Spass. Es gibt ja auch Männer in meiner Gewichtsklasse.
Halmich: Ja, wir sind wirklich Einzelkämpfer, das ist einfach so. Meine Freunde im Sport waren auch alles Männer. Ursprünglich entstanden aus der Frage, welche Disziplin die wirksamste ist, sind die Mixed Martial Arts eine Kombination vieler verschiedener Kampfsportarten.
Kritisiert wird der Sport noch immer für seine brutale Gangart, weshalb TV-Übertragungen in Deutschland bis 2015 verboten waren und in einigen US-Bundesstaaten gar nicht gekämpft werden durfte.
Und trotzdem boomt MMA weiter und füllt mittlerweile auch in Deutschland Stadien. Als einer der grossen Veranstalter in Europa fungiert dabei Oktagon MMA, während in den USA die UFC dominiert.
Halmich: Bei MMA schreckt viele Frauen wahrscheinlich die Härte ab.
