Der Vorstand des Judo-Verbandes Sachsen e.V. (JVS) möchte sich zu einer Veröffentlichung und damit in Zusammenhang stehenden Sachverhalten äußern. Zunächst distanziert sich der Vorstand vom gebrauchten Vokabular, wonach es einerseits um die Meinung einzelner Trainer/Funktionäre eines sächsischen Vereins (hier benannt JC Leipzig) und andererseits um angebliche Fehlleistungen „des Verbandes“ geht.
Der Verband besteht aus rund 110 Vereinen und etwa 6300 Mitgliedern. Es erscheint befremdlich, wenn hier suggeriert wird, dass alle übrigen Vereine im JVS keine Ahnung vom Leistungssport haben. In vielen Vereinen wird intensiv und aktiv an der Entwicklung junger Talente gearbeitet. Diese Arbeit derart abzuwerten, ist sicher nicht förderlich für die Zusammenarbeit der Vereine und zum „Zusammenwachsen einer Judofamilie“, wie im Artikel (berechtigterweise) abschließend gefordert.
Es wird davon ausgegangen, dass der Verfasser oder die zu Wort gekommenen Personen hier mit „Verband“ die „Verbandsführung“ gemeint haben, also die Funktionäre des Vorstandes, des Haupt-, Sport-, oder beispielsweise Ligaausschusses. Dieser Personenkreis hat sich für ein Amt zur Verfügung gestellt und wurde demokratisch gewählt, um die Belange des JVS zu vertreten.
Zur Art und Weise, wie dieser Artikel zustande gekommen ist, wird seitens des Vorstandes klar Unverständnis gezeigt. Es mag sein, dass der Verfasser hier sehr emotional und mit Informationen Einzelner den Finger in eine Wunde legt, die es zweifelsohne gibt. Keiner wird bestreiten, dass die leistungssportliche Entwicklung der vergangenen Jahre und Jahrzehnte so nicht gewünscht war. Der Vorstand ist sich dessen bewusst.
Journalistische Sorgfaltspflicht
Jedoch muss auch deutlich gemacht werden, dass die wichtigste Regel im Journalismus die Sorgfaltspflicht ist. Die wichtigste Grundregel für den Journalisten bei der Recherche ist die Sorgfaltspflicht. Die Recherche soll nicht nur eigenständig erfolgen, sondern auch unabhängig, will heißen, frei von Vorurteilen.
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Wichtig für die öffentliche Meinungsbildung ist es, dass nicht nur einer Seite die Gelegenheit zum Äußern zu einer bestimmten Entscheidung oder Handlung gegeben wird. Um ein komplettes Bild zu erhalten und eine unvoreingenommene öffentliche Meinungsbildung zu gewährleisten, muss auch der Gegenseite die Möglichkeit eingeräumt werden, sich zum Sachverhalt zu äußern. Das heißt, die Informationen in einem Beitrag müssen demnach hinreichend präzise, wahr und umfänglich sein (Ausgewogenheit).
Es steht außer Zweifel, dass im Artikel verschiedene Blickwinkel dargestellt wurden. Einzig und allein die Gegenseite wurde nicht gehört. Daher wendet sich der Vorstand nun an die Mitglieder des JVS, da die Gegenseite (im Artikel mit „Verband“ bezeichnet) hier nicht zu Wort gekommen ist. Wäre dies geschehen, hätten sich sicher einige der aufgeführten Argumente relativiert oder es wäre ein anderer Artikel verfasst worden. Letztlich gibt der Verfasser hier also die Meinung Einzelner wieder. Ob diese Art der Berichterstattung förderlich für das sächsische Judo im Allgemeinen ist, wird sich zeigen. Werbung war es definitiv nicht.
Zusammenarbeit und Austausch
Dass dafür ein Umdenken erforderlich ist, steht außer Frage. Der Vorstand freut sich im Artikel zu lesen, dass die Vereine enger zusammenrücken. Es freut den Vorstand, dass sich Gedanken gemacht werden und scheinbar ein Thesenpapier erarbeitet wird. Es wäre wünschenswert gewesen, wenn man sich gemeinsam an einen Tisch gesetzt und aus den Blickwinkeln vieler Vereine hier ein gutes Konzept erarbeitet hätte. Leider ist das in der Vergangenheit nicht geschehen, vereinzelt wurde stets über Entscheidungen der JVS-Verantwortlichen gemeckert und sich aufgeregt, ohne vielleicht Hintergründe oder nähere Informationen zu erfragen.
Vor gut einem Monat fand die Nachwuchsleistungssportkonferenz des JVS statt. Nahezu alle leistungssportlich orientierten Vereine waren anwesend. Eine perfekte Plattform, um miteinander ins Gespräch zu kommen. Leider wurden viele der im Presseartikel beschriebenen Themen nicht angesprochen. Es wäre so einfach gewesen. Doch Austausch ist wichtig, um die Gegenseite zu hören und vielleicht auch zu verstehen. Es muss also zu allererst eine Gesprächskultur im JVS entwickelt werden.
Man muss nicht immer einer Meinung sein, aber man sollte klar MITeinander reden, anstatt mit vielleicht geringfügigen Informationsdefiziten wütend ÜBEReinander zu reden. Oft wäre ein kurzes Telefonat oder ein persönliches Gespräch zielführender als die angestaute Wut, die sich womöglich gegen Einzelne richtet, die dann in einem Artikel wie dem genannten mündet.
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Breitensport und Leistungssport
Die Überschrift des Artikels suggeriert dem Leser, dass der gesamte Judosport in Sachsen vor dem Aus steht. Aber: Der JVS besteht nicht nur aus Leistungssport! Wir haben auch viele breitensportorientierte Vereine. Betrachtet man die Anzahl der Mitglieder insgesamt und die Anzahl der wettkämpfenden Mitglieder, so zeigt sich, dass nur ein geringer Prozentsatz überhaupt dem Wettkampfsport (vom Leistungssport noch gar nicht zu reden) zugetan ist. Keine Frage: wir müssen die Anzahl unserer wettkämpfenden Sportler erhöhen. Je mehr Kinder und Jugendliche Wettkämpfe machen, desto höher ist die Wahrscheinlichkeit, dass sie Leistungswillen entwickeln. Doch wir brauchen eine gesunde und breite Basis. Ohne Breite keine Spitze!
Diese Breitensportvereine mit dem Artikel nun per se mit dem Niedergang der Sportart zu konfrontieren, ist befremdlich. Dennoch: Es gilt zukünftig, ja, ab sofort, Angebote und Konzepte zu entwickeln, Möglichkeiten aufzuzeigen, wie es uns gelingen kann, den Leistungssport im Nachwuchsalter zu fördern, um perspektivisch wieder einen hohen Stellenwert im deutschen Judo, optimalerweise mit einem Bundesstützpunkt, zu erlangen.
Stellungnahme zu genannten Themen
Es folgt eine Stellungnahme zu einigen der im Presseartikel genannten Themen, da sie teilweise die tatsächlichen Gegebenheiten/Umstände nicht korrekt wiedergeben. Es geht keinesfalls darum, die drei Personen, die im Artikel zu Wort kommen, zu diskreditieren oder persönlich anzugreifen. Es soll lediglich die Sachlage aus Sicht des Verbandes dargelegt werden.
Zur so genannten „Demission“ von Udo Quellmalz: Dass Udo Quellmalz nicht mehr als Trainer im JVS arbeitet, ist eine Tatsache, die aus vielen verschiedenen Umständen resultiert. Keinem Verantwortungsträger im JVS ist diese Tatsache recht, dennoch müssen wir sie akzeptieren. Dem Vorwurf, der Verband (sicher ist hier der Vorstand gemeint) hätte sich nicht um seinen Verbleib gekümmert, muss klar entgegengetreten werden!
Der mehrfach geäußerte Vorwurf, wir hätten uns zu spät um Udo als Trainer bemüht, ist nicht richtig. Bereits seit 2004, damals unter dem Sportkoordinator Lutz Pitsch, wurde sich darum bemüht. Ein international erfahrener Sportler und Trainer wie Udo Quellmalz, der auf nationalen Ebenen Verantwortung trug, war aber leider nicht für den JVS zu gewinnen. Natürlich blieb man immer wieder in Kontakt. Ein weiterer Versuch aus der jüngeren Vergangenheit rührt aus dem Jahr 2017. Damals hatte ich mich selbst mit Udo, der damals noch in Kasachstan tätig war, ins Benehmen gesetzt und ihn gebeten, die vakante Stelle des Bundesstützpunkttrainers zu bekleiden. Tatsächlich konnte Udo für das Auswahl- und Bewertungsverfahren gewonnen werden.
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Dieses Auswahlverfahren wurde vom Olympiastützpunkt durchgeführt. Mit am Tisch saßen natürlich der DJB und auch der JVS. Das Auswahlverfahren war transparent und es wurde neben vielen weiteren Kriterien wie Hochschulabschluss oder das Erringen internationaler Erfolge als Sportler und Trainer auch die Verantwortung im Spitzensportbereich bewertet. Natürlich war Udo Quellmalz zweifelsohne der Wunschkandidat und Bestbewerber aus Sicht aller Beteiligten im Auswahlgremium. Leider zog Udo aus persönlichen Gründen seine Bewerbung zurück. Das war mehr als bedauerlich, aber es musste akzeptiert werden. Folglich rückte der als am zweitbesten geeignete Bewerber befundene Miguel Lopez nach.
Der Vorwurf, die Verantwortlichen des JVS hätten bewusst einen „Top-Bewerber mit Leipziger Stallgeruch“ (Mike Göpfert) verhindert, muss klar zurückgewiesen werden. Das Auswahlgremium (nicht die Verantwortlichen des JVS haben hier allein entschieden, sondern ein Fachgremium aus OSP, DJB und JVS) hatte Miguel Lopez in einem transparenten Verfahren vor Mike Göpfert gesehen. Das war definitiv keine Entscheidung gegen Mike Göpfert, sondern für den Bewerber Miguel Lopez. Und dass der Vorstand des JVS keine Probleme mit dem angesprochenen „Stallgeruch“ hat, zeigen die Beispiele der Vergangenheit: Karl-Heinz Deblitz, Haiko Seidlitz, Markus Jähne, Maria Schneehardt, Falk Hofmann, Roman Schulze… Diese Liste ließe sich noch weiter fortsetzen. Alle sind Mitglieder im JCL oder einem Leipziger Judoverein (gewesen).
Allein bleibt die Frage offen, wie alle anderen leistungssportlich orientierten Vereine im JVS auf das Selbstverständnis des JC Leipzig reagieren, dass ein verantwortlicher Trainer am Leistungsstützpunkt möglichst einen direkten Bezug zum JCL haben müsse. Diese Formulierung ist sehr unglücklich, da es für eine (gewünschte) Zusammenarbeit der Vereine untereinander sicher nicht förderlich ist. Um zur Personalie Miguel Lopez zurückzukommen: Es ist ohne Frage ärgerlich, dass seine Tätigkeit als BSP-Trainer so schnell geendet hatte. Sein von ihm vorgestelltes Programm war ein anderes, ein langfristiges.
Das Trainerteam und auch der Vorstand des JVS waren ebenso überrascht wie ungehalten, dass er die Entscheidung, den BSP Leipzig zu verlassen, getroffen hatte. Überhaupt sehnt sich auch der Vorstand des JVS nach mehr Kontinuität, was die Besetzung der Trainerstellen anbelangt. Leider ist es uns in den vergangenen Jahren nicht geglückt, dass die Trainer langfristig in Leipzig bleiben. Seit Norbert Littkopf nicht mehr Bundestrainer war, suchen wir diese Konstanz. Eine lange Zeit.
Oftmals war es gar nicht möglich, Einfluss auf einen Trainerverbleib auszuüben. Wenn die damalige Führung des DJB festlegt, dass der Bundestrainer U21, Claudiu Pusa zusammen mit Costel Danculea aus Leipzig nach Köln zu kommen hat, dann konnte auch das Intervenieren des Vorstandes diese Entscheidung nicht ändern. Zusätzlich wurde vom damaligen DJB-Präsidenten, gleichzeitig NRW-Präsident, die Möglichkeit geschaffen, das Claudiu Pusa einen weiteren Trainer mit nach Köln bringen konnte, der dort ohne Ausschreibung als BSP-Trainer eingesetzt wurde. Brisant dabei: Die Verträge zur Anstellung von Costel Danculea als BSP-Trainer in Leipzig waren unterschriftsreif.
Personalie Lena Göldi: Auch die damalige Bundestrainerin U18 wurde aus Leipzig nach Köln gerufen. Das war so geplant, seitens des DJB. Auch hier führten die Gespräche mit dem DJB nicht zum Erfolg. Die Fluktuation auf den Trainerposten war zu hoch. Seit dem Abgang Claudiu Pusas habe ich mehrfach die Zuordnung eines Bundestrainers an den BSP Leipzig beim Präsidenten des DJB, damals noch Peter Frese, gefordert. Leider erfolglos.
Ob eine langfristige, gewollte „Degradierung“ des BSP Leipzig seitens der damals Verantwortlichen im DJB bewusst forciert wurde, vermag ich nicht zu beurteilen, da vieles vor meiner Zeit im Vorstand entschieden wurde. Ich kann versichern, dass der Vorstand nichts unversucht gelassen hat, diesen BSP zu erhalten. Leider wurde so entschieden, wie es momentan ist. Es nützt uns aber nichts, zurückzublicken und die Schuldigen zu suchen und festzustellen, was an welcher Stelle falsch lief, um darauf herumzuhacken. Es muss freilich eine Aufarbeitung erfolgen, gleichzeitig aber auch nach vorn geblickt werden.
Es muss unser oberstes Ziel sein, diesen Status des Bundesstützpunktes wieder zu erlangen. Punkt. Diese Maßgabe gilt noch immer! Mit eben jener Maßgabe wurde auch vor einem und einem dreiviertel Jahr (lt. Presseartikel „…vor gut einem Jahr installierten…“) ein Konzept entwickelt, wie der Status eines Bundesstützpunktes schnellstmöglich wieder erlangt werden kann. Ein Bestandteil waren intensive Gespräche mit dem LSB Sachsen, dem Sächsischen Ministerium des Inneren und dem DJB zur Finanzierung einer zusätzlichen Trainerstelle am Stützpunkt Leipzig. Diese bekleidet seither Mike Göpfert.
Die Entscheidung fiel auch dieses Mal in einem transparenten Ausschreibungs- und Vergabeverfahren des OSP Sachsen. Der Vorstand begrüßt diese Anstellung, da neben seinen fachlichen Qualitäten auch die Nähe zum Thüringer Judoverband und die Tatsache, dass er Leipziger ist, strukturell uns weiterhelfen sollten. Um diese Stelle zu schaffen, wurden intensive Gespräche mit dem DJB geführt, die dem Stützpunkt Leipzig den Status eines „Leistungsstützpunktes mit herausgehobener Stellung“ verliehen, ohne die eine Förderung an vielen Stellen und die Schaffung der mischfinanzierten Trainerstelle gar nicht möglich gewesen wäre.
Im gleichen Atemzug war es uns gelungen, Udo Quellmalz für die Stelle des Leitenden Landestrainers zu gewinnen. Ein Glücksfall für den JVS. Udo wurde das Projekt „Wiederaufstieg zum Bundesstützpunkt-status“ vorgestellt. Und ja, Udo reizte die Aufgabe, mit den besten Sportlern aus Sachsen die Zukunft des JVS und auch des mitteldeutschen Judos mitgestalten zu dürfen. Er trat mit der Prämisse an, gemeinsam mit den besten Sportlern wieder etwas Großes zu schaffen. Zweifelsohne sind seine Aura und sein Ansehen im JVS, deutschlandweit und international groß. Der Vorstand erhoffte sich davon und von Udos Trainerexpertise viel.
Udo übernahm von Anfang an Verantwortung, zog die Leistungssportverantwortung auf seinen Tisch. Das Projekt war im Aufschwung. Udo übernahm hoffnungsvolle Talente wie die Geschwister Slamberger, Daniel Herbst, Emil Johann Hennebach, Lenny Burk, Nicole Stakhov aus den Händen guter Trainer wie Denis Herbst, Torben Kramer oder Juan Cuneo. Die Erfolge stellten sich ein, nationale Meistertitel waren die Folge, Nominierungen zu den internationalen Jahreshöhepunkten der Altersbereiche. Leider flossen all diese Ergebnisse coronabedingt nicht in die Bewertungen übergeordneter Instanzen ein. Das war schmerzhaft.
Gleichzeitig war es eine Freude, den Aufschwung und die Arbeit des Trainerteams zu sehen. Auch wenn dies im Artikel in Abrede gestellt ...
