Neben Fußball, Karneval und Samba gibt es noch eine weitere Leidenschaft, die den Brasilianern wohl mit in die Wiege gelegt worden ist: Capoeira. Dieser Mix aus ästhetischer Kampfkunst, Selbstverteidigung und Tanz mit afrikanischen Wurzeln, spiegelt den kulturellen Reichtum Brasiliens wider und ist daher ein besonderes Highlight für viele Urlauber auf einer Brasilien Reise.
Was ist Capoeira?
Capoeira ist vielen noch kein Begriff. Das hat seinen Grund - denn Capoeira ist eine Kategorie für sich, die sowohl Elemente des Tanzes als auch des Kampfsports in sich vereint. Diese sogenannte Kampfkunst kommt ursprünglich aus Brasilien und ist hierzulande ein echter Exot bei den Kampfsportarten. Interessant ist diese Kampfkunst aber allemal, denn sie vereint Beweglichkeit, Akrobatik und Musik mit den Methoden des Kraftausdauertrainings.
Ursprünge und Geschichte
Die Ursprünge von Capoeira sind bereits auf das 18. Jahrhundert zurückzuführen. Der spielerische Kampftanz wurde damals zur Verteidigung von afrikanischen Sklaven in den portugiesischen Kolonien Brasiliens erfunden. Die Kampftechnik aus gedrehten Sprüngen, akrobatischen Salti und rhythmischem Tanz diente den Sklaven als Schutz gegen Angriffe. Während der Kolonialzeit wurde der Kampfsport von aus Afrika verschleppten Sklaven zur Verteidigung entwickelt. Da es damals als verboten galt, Selbstverteidigung zu erlernen, wurde die Kampfkunst durch tänzerische Bewegungen getarnt. Später wurde es zu einer Straßenkampftechnik, bei der sich Capoeiristas zu Banden zusammenschlossen und ganze Straßenviertel beherrschten. Anfang des 20. Jahrhunderts wurde Capoeira deshalb verboten. Doch das Verbot wurde in den 1930er Jahren wieder aufgehoben.
Mestre Simba, der erste berühmte Capoeira-Meister, sorgte dafür, dass Capoeira als nationale Kampfkunst anerkannt wurde. Die brasilianische Kampfkunst wurde nun in die Liste des immateriellen Kulturerbes der UNESCO aufgenommen. Hautnah erleben können Brasilien Reisende diese Kampfkunst bei einer Tagestour mit Stadtbesichtigung und Besuch einer Capoeira Schule in Salvador. Für Aktivreisende bietet sich in Salvador außerdem eine 3-Tagestour an, bei der man die Stadt während des Brasilien Urlaubs unter anderem auf dem Fahrrad erkundet.
Die drei Elemente des Capoeira
- Roda: Die Roda (portugiesisch für Kreis) besteht aus anderen Capoeiristas, die sich im Kreis um die Kämpfenden versammeln. Die Roda, der Kreis, bildet den gesellschaftlichen Rahmen, in dem der Kampf stattfindet.
- Kampf: Der Kampf der Capoeiristas folgt keiner Choreographie, sondern entsteht spontan als Aktion und Reaktion. Der Kampf, der oft auch als Spiel bezeichnet wird, findet innerhalb der Roda statt. Ziel des Capoeira ist nämlich nicht, den Gegner wirklich zu treffen, sondern seinen Bewegungen auszuweichen! Es gibt keine statischen Elemente oder Blocks wie bei Judo oder Karate, die Bewegungen sind weit und fließend. Deswegen werden sie auch als tanzend oder spielend beschrieben. Es gilt, allen Schlägen auszuweichen und nur im Notfall den Angriff zu blocken.
- Musik: Capoeira lebt von der Musik. Den Ton gibt hierbei die Musik an, die durch verschiedene traditionelle Instrumente untermalt wird. Ein gebogener Holzstock mit Drahtsaiten, Berimbau genannt, bestimmt den Rhythmus und somit auch das Geschehen innerhalb der Roda. Das wichtigste Instrument für Capoeira ist das Berimbau, ein Musikbogen zusammen mit einem Holzstab mit Metallsaite und einem ausgehöhlten Kürbis als Klangkörper. Außerdem werden auch Trommeln und Rasseln eingesetzt.
Capoeira Angola und Capoeira Regional
Auch, wenn Capoeira in seinen Bewegungsabläufen stark variieren kann, wird die Kampftechnik bis heute in zwei Grundformen unterteilt - dem Capoeira Angola und dem Capoeira Regional. Dabei ist der Capoeira Angola die traditionelle Form des Kampftanzes, wie sie seit Jahrhunderten in Brasilien ausgeübt wird. Capoeira Regional vermischt die bekannten Techniken afrikanischer Kampf- und Tanzstile mit Einflüssen aus anderen Kampfsportarten wie Ringen, Jiu Jitsu und Wushu. Ein neuer Trend, der sich mehr und mehr herauskristallisiert, ist Capoeira Contemporânea - eine Mischform beider Kampfformen. Heutzutage wird zwischen zwei Hauptrichtungen des Capoeira unterschieden: Dem traditionellen "Capoeira Angola" und dem modernen "Capoeira Regional".
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Capoeira Training
Beim Capoeira trainieren alle unabhängig von Alter, Geschlecht oder Können zusammen. Das ist gerade für Anfängerinnen toll, denn du kannst bei allem mitmachen, zuschauen und dir das abgucken, was du trainieren möchtest. Unabhängig vom Kenntnisstand und Können und auch unabhängig von Geschlecht und Alter wird hier gemeinsam geübt. Gestartet wird immer mit einer kleinen Aufwärmphase und ein paar einfachen Grundbewegungen. Es gibt einen klassischen Grundschritt und einige einfache Ausweich- und Verteidigungsbewegungen. Geht es im Laufe des Trainings dann an die anspruchsvolleren Übungen, gruppieren sich die Anfänger zu einer separaten Übung der Basics.
Das Training zielt vor allem darauf ab, deine Kraft, Beweglichkeit und Ausdauer zu schulen. Kraft brauchst du für akrobatische Elemente wie Kopf- und Handstand und um das eigene Körpergewicht auszubalancieren. Rechne lieber mit einem gehörigen Muskelkater nach den ersten Trainingseinheiten! Die akrobatischen Anteile am Capoeira verlangen durchaus Kraft, die tänzerischen Elemente leben von fließenden Bewegungen, die unseren Körper ganz anders fordern als viele andere Sportarten.
Capoeira als Fitnesstraining
„Viele wollen Capoeira ausprobieren, um ihre Fitness zu verbessern“, sagt Ivam da Silva. Das Capoeira-Training ist dafür bekannt, Bauch, Beine und Po besonders effektiv zu fordern, also gerade die Stellen, die Frauen oft gezielt trainieren möchten. Erst später lernst du die Geschichte und Mentalität des Capoeira kennen, hörst die Musik und bist Feuer und Flamme.“
Besonders reizvoll ist diese Kampfkunst auch für Frauen, die mit Verspannungen kämpfen. Denn durch die langen, gedehnten Bewegungen wird eine Flexibilität geschult, die Versteifungen löst. Die fließenden, eleganten Bewegungsabläufe sind sehr viel anstrengender, als sie aussehen. Capoeira eignet sich also sehr gut für Frauen, die nach einem intensiven Workout suchen und dabei Ihr Körper- und Rhythmusgefühl trainieren wollen. Durch die kontinuierliche Bewegung und auch Anspannung des Körpers wird dieser vollständig trainiert.
Weitere Tanz-Workouts
Tanzen ist das perfekte Workout, denn: Die Muskeln verbrauchen dabei sehr viel Energie und du verbrennst ordentlich Kalorien!Insbesondere deine Körpermitte und deine Haltung freuen sich über das Dance-Workout.
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- Dance Aerobic: Dance Aerobic kennen die meisten von Videokassetten aus den Achtziger Jahren. Doch auch heute erfreut sich Dance Aerobic immer noch einer großen Beliebtheit. Der Grund: man kann sich fantastisch auspowern und verbrennt viel Körperfett.
- 4Streatz: 4Streatz ist eine Tanzart, die sich aus Salsa, Streetdance und Hip-Hop zusammen setzt. Genau das steckt auch im Namen des Tanzsports: 'S' für Spaß, 'Tr' für Training und 'eatz' für Beatz. Dabei stehen Spaß, gute Musik, Freude am Tanzen und die Fettverbrennung im Vordergrund. Mit 4Streatz kannst du bis zu 650 Kalorien die Stunde verbrennen.
- Labooca: Labooca setzt sich aus den Worten 'Latin' und 'Bootcamp' zusammen.
- Zumba: Eine der wohl bekanntesten Dance-Workouts überhaupt: Zumba. Das liegt nicht nur daran, dass man beim Zumba super viele Kalorien verbrennt, sondern auch daran, dass Zumba effektiv gegen Rückenschmerzen hilft und den Herz-Kreislauf trainiert. Hinzu kommen weitere Vorteile des Tanzsports, wie bessere Beweglichkeit durch die Dehnung von Muskeln, Sehnen und Bändern, als auch jede Menge Spaß und schnelle Erfolgserlebnisse.
- Aqua Zumba: Alle Zumba-Begeisterten aufgepasst: Zumba gibt es nicht nur an Land, sondern jetzt auch im Wasser! Auch hier lohnt es sich, mitzumachen, da viele Kalorien verbrannt werden und man im Wasser oftmals gar nicht merkt, wie sehr man ins Schwitzen kommt. Für diejenigen, denen Zumba zu schnell geht, ist Aqua Zumba das optimale Workout, denn: Durch den Wasserwiderstand verlangsamt sich das Tempo der Zumba-Choreografie.
- Bauchtanz: Der orientalische Tanz ist immer noch sehr beliebt. Tatsächlich steckt hinter dem Bauchtanz mehr, als der Name vermuten lässt: Der komplette Oberkörper und auch die Beine werden hierbei trainiert. Hinzu kommt, dass Bauchtanz durch seine fließenden Bewegungen schonend für deine Gelenke ist.
- Pound: Beim Pound wird's etwas rockiger: Du bekommst zwei 500g schwere Drumsticks in die Hand gedrückt und spielst eine Stunde lang Luftschlagzeug. Neben dem hohen Spaßfaktor bietet das Tanz-Workout Pound eine Verbindung aus Elementen des Pilates- und Kräftigungsbereiches.
- Dance-Walking: Der Tanz-Trend Dance-Walking wurde 2012 geboren, als der US-Amerikaner Joe durch die Straßen von New York tanzte, anstatt zu gehen. Zufällig sah das der Moderator Ben Aaron und filmte den Tänzer bei seiner Showeinlage. „Ich fing damit an, weil ich mehr Spaß in meinem Leben wollte“, erzählt Joe, der in blauen Barfußschuhen über die Straßen New Yorks tanzt, in einem Interview mit Ben Aaron. Mit Dance-Walking kannst du in deinen Alltag mehr Abwechslung und Zufriedenheit bringen, indem du deine Spaziergänge einfach tanzt anstatt zu laufen.
- Barre Cardio Fusion: Barree Cardio Fusion ist eine Mischung aus klassischem Ballett an der Stange und Cardiosequenzen und stammt aus den USA. Unterstützend zu dem Dance-Workout gibt es kleine Hanteln, Bälle und Bänder. Wenn du das Tanz-Workout öfter ausführst, kann es schon bald definierte Muskeln und mehr Beweglichkeit geben.
- Bachata: Einer der beliebtesten Paartanz-Sportarten überhaupt ist Bachata. Dank seines leichten Grundschritts, lernst du ihn super schnell. Die sinnliche Tanzart ist nicht nur was für bewegliche Hüften, sondern auch für ungeübte Anfänger. Mittlerweile gibt es verschiedene Bachata-Tanzstile. Prinzipiell ist es beim Bachata so, dass du ordentlich ins Schwitzen kommst und eine Menge Kalorien verbrennst, denn dein Puls wird in die Höhe getrieben.
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