Matthias Ilgen: Eine Biografie zwischen Politik und Wrestling

Matthias Ilgen wurde am 6. Dezember 1983 in Husum geboren und ist selbstständiger Veranstaltungskaufmann. Schon seit 1998 war er bei den Jusos Nordfriesland aktiv. Nach dem Abitur 2003 in Husum studierte er bis 2010 Geschichte und Politikwissenschaft an der Universität Hamburg mit dem Ziel Lehramt. Mittlerweile lebt er offenbar in Oering/Krs.

Politischer Werdegang

Matthias Ilgen trat 2004 der SPD bei. "Meine politische Sozialisierung begann 1998 mit dem Wahlkampf Gerhard Schröders, der nach 16 Jahren endlich die Dauerherrschaft der Union und Helmut Kohls beendete und mit der SPD die Bundestagswahl gewann. Bereits damals habe ich bei den Jusos mitgeholfen, den örtlichen Wahlkampf von Manfred Opel zu unterstützen, der auch das Direktmandat gewinnen konnte."

Als erstes unterstützte er den Distrikt Hamburg-Billstedt dabei, zusammen mit der evangelischen Kirche im Stadtteil ein Job-Café zu gründen, das noch heute existiert. Ziel ist, Jugendlichen und Langzeitarbeitslosen niedrigschwellige Hilfe zur Selbsthilfe für alle Fragen rund um das Berufsleben zu geben. 2005 gewann das Projekt den Wilhelm-Dröscher-Preis.

Von 2009 bis zum 30. September 2017 war er Vorsitzender des Ortsvereins Husum, zeitweise auch Vorsitzender des Kreisparteiausschusses der SPD Nordfriesland. Von 2015 bis 2017 leitete er außerdem als Nachfolger von Horst Deyerling den Kreisverband Nordfriesland - ebenfalls bis zum 30.

2008 kehrte er nach Husum zurück und wurde in der Kommunalwahl 2008 zum mit 24 Jahren jüngsten Stadtverordneten seiner Geburtsstadt gewählt. In der Kommunalwahl am 26. Mai 2013 wurde er in den Kreistag von Nordfriesland gewählt. Am 22. September trat er in der 2013 für den Wahlkreis 2 (Nordfriesland-Dithmarschen Nord) an und kam über die Landesliste in den Bundestag. Seine Schwerpunkte sah er in der Wirtschaft, der Energie und der Entwicklung der ländlichen Räume.

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Matthias Ilgen ist ein Politiker, der keine Berührungsängste kennt. Er kandidierte im Jahr 2007 für die Stadtverordnetenversammlung Husum, obwohl er noch in Hamburg studierte.

Mit 24 in den Stadtrat von Husum gewählt. Matthias Ilgen macht es vor: Mit 24 Jahren kandidierte er erfolgreich für den Stadtrat von Husum, mit 25 wurde er Vorsitzender des Husumer Ortsvereins der SPD. Mit 28 Jahren Kandidat für die Bundestagswahl 2013. So viel Zeit kann man natürlich nur investieren, wenn man sie auch hat.

„Ich wollte mich engagieren, weil junge Menschen in der Politik gebraucht werden. Ich dachte, dass mir andere junge Leute folgen. Einerseits kann ich sehr gut verstehen, dass junge Menschen die Ortsvereine der Parteien und die Altersstruktur der Mitglieder alles andere als spannend und innovativ finden. Andererseits können Parteien nur verjüngt werden, wenn sich junge Menschen für Parteien interessieren.“

Engagement in Vereinen und Organisationen

Er ist oder war Mitglied in der Gewerkschaft IG BCE, in der Arbeiterwohlfahrt, im Arbeiter-Samariter-Bund, im Reichsbanner Schwarz-Rot-Gold - Bund aktiver Demokraten e.V., im TSV Husum 1875 e.V.

Das ungewöhnliche Hobby: Wrestling

Sein ungewöhnliches Hobby machte ihn bei seiner Kandidatur für die Medien interessant. "[Ende der 1980er Jahre] sammelte auch der Schuljunge Ilgen kleine Hulk-Figuren und träumte von einer Karriere im Ring. Während seines Studiums in Hamburg erfuhr er, dass es auch in Deutschland eine Liga gibt, er begann zu trainieren. Und weil die Sportart sich hierzulande nie wirklich aus kleinen Turnhallen herausentwickelt hat, war Matthias Ilgen bald Teil der deutschen Wrestling-Elite. 2007 kämpfte er bei einer deutschen Meisterschaft."

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Neben dem Studium verstärkte er die Betätigung in seinem Hobby, absolvierte europaweite Auftritte als "Bösewicht" unter dem Ringnamen "Matthias Rüdiger Freiherr von Ilgen" ("der Freiherr"), war auch als Manager aktiv. Seinen ersten Auftritt hatte er am 25. November 2006. Die Pressebehauptung, sein Ringname gehe auf seinen Urgroßvater Heinrich Rüdiger von Ilgen zurück, einen preußischen Außenminister unter Bismarck, scheint allerdings nichts als eine nette Legende zu sein.

Für den Bundestagswahlkampf unterbrach er seine Auftritte als Wrestler. Angeblich plante er jedoch, zurückzukehren, sobald er wieder in Form sei. Dazu scheint es bisher nicht gekommen zu sein.

Eintritt in die SPD und die Agenda 2010

Matthias Ilgen trat 2004 der SPD bei. "Meine politische Sozialisierung begann 1998 mit dem Wahlkampf Gerhard Schröders, der nach 16 Jahren endlich die Dauerherrschaft der Union und Helmut Kohls beendete und mit der SPD die Bundestagswahl gewann. Bereits damals habe ich bei den Jusos mitgeholfen, den örtlichen Wahlkampf von Manfred Opel zu unterstützen, der auch das Direktmandat gewinnen konnte."

Er sagt: „Als Bundeskanzler Gerhard Schröder 2004 die Agenda 2010 verkündete, war ich davon sofort überzeugt. Dieses Konzept, das die deutschen Sozialsysteme und den Arbeitsmarkt reformieren sollte, war in meinen Augen nicht nur dringend nötig, sondern es war mutig von Schröder, es gegen die Widerstände in der eigenen Partei durchzusetzen. In einer Talkshow sagte Altkanzler Helmut Schmidt sinngemäß, dass die Agenda 2010 schon 1992 nötig gewesen wäre, aber nach der Wiedervereinigung hätten sich die Deutschen jahrelang mit sich selbst beschäftigt und nicht gemerkt, dass sich die Welt weiterdreht. Jetzt sei es an der Zeit an die Zukunft zu denken. Ich wollte Schröder bei seinem Vorhaben unterstützen, und deshalb bin ich Sozialdemokrat geworden.“

„Trotz manch handwerklichen Fehlers und Korrekturbedürftigkeiten haben die Reformen des Arbeitsmarktes und der sozialen Sicherungssysteme die deutsche Wirtschaft wieder in Schwung gebracht und dabei geholfen, die Zahl der Arbeitslosen von knapp 5 Millionen auf 3 Millionen zu senken."

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Im Gegensatz zu Matthias Ilgen waren viele SPD-Mitglieder der Meinung, die Agenda 2010 sei zutiefst ungerecht und unsozial. Es gab Hunderte Parteiaustritte, und Albrecht Müller, ehemaliger SPD-Bundestagsabgeordneter und unter Willy Brandt Planungschef im Kanzleramt, sagte sogar in einem Interview: „Die Agenda 2010 hat die Seele der SPD zerstört.“ Solche Ansichten kann Matthias Ilgen nicht teilen.

Er sagt: „Man braucht nur in einige Nachbarländer zu blicken. Die Niederländer und die skandinavischen Länder hatten schon viel eher damit begonnen, ihre Sozialsysteme zu reformieren und an die gesellschaftlichen Realitäten anzupassen. Besonders ärgerlich fand ich, dass die Sozialdemokraten die Agenda 2010 in Grund und Boden diskutierten, aber die Konkurrenzparteien sie im Grunde für ein gutes Instrument hielten. Ich bin davon überzeugt, dass wir die Wirtschaftskrise nur deshalb so gut gemeistert haben, weil wir die Agenda 2010 hatten. Die SPD sollte viel selbstbewusster sein und das für sich annehmen.“

Engagement für junge Menschen in der Politik

„Parteien brauchen dringend junge Mitglieder“. Matthias Ilgen ist ein Politiker, der keine Berührungsängste kennt. Er kandidierte im Jahr 2007 für die Stadtverordnetenversammlung Husum, obwohl er noch in Hamburg studierte.

„Ich wollte mich engagieren, weil junge Menschen in der Politik gebraucht werden. Ich dachte, dass mir andere junge Leute folgen. Einerseits kann ich sehr gut verstehen, dass junge Menschen die Ortsvereine der Parteien und die Altersstruktur der Mitglieder alles andere als spannend und innovativ finden. Andererseits können Parteien nur verjüngt werden, wenn sich junge Menschen für Parteien interessieren.“

Matthias Ilgen hat ein sehr einfaches wie anstrengendes Rezept, um mit den Menschen ins Gespräch zu kommen. Wenn er sie beispielsweise zu einer Veranstaltung einladen will, geht er vorher von Haustür zu Haustür und spricht die Menschen persönlich an. „Wenn ich vor der Tür stehe, kommt immer erst die ungläubige Frage: ‚Sie laden mich persönlich ein‘? So komme ich mit den Menschen schnell ins Gespräch, und ich bin immer sehr erstaunt, wie interessiert sie an politischen Themen sind“, sagt Ilgen.