Mathilda Niemeyer: Eine Judo-Karriere im Zeichen des Erfolgs

Die Vorzeige-Athletin Mathilda Niemeyer ist längst zum sportlichen Aushängeschild des 1. JJJC Hattingen geworden. „Sie ist ein Vorbild für andere junge Judoka und gibt ihre Erfahrung an unseren Vereinsnachwuchs weiter“, berichtet Förderin Angela Andree. Sie traut ihr einen sehr erfolgreichen Weg zu. So darf ein neues Sportjahr gerne beginnen.

2021 wurde Mathilda Niemeyer für den Nachwuchskader des Deutschen Judo-Bundes nominiert und gewann die Deutschen Einzelmeisterschaft der Altersklasse U21. Für ihre Trophäen benötigt Mathilda Niemeyer vom 1. JJJC Hattingen bald schon einen eigenen Raum. Dass sie sich bei der Deutschen Meisterschaft der U-21-Juniorinnen in Potsdam abermals die Goldmedaille holen würde, war beileibe keine große Überraschung.

Insgesamt war dies für sie schon der siebte Triumph bei einer DM - und das gerade mal im zarten Alter von 19 Jahren. Vermutlich wurde sie mit dieser beeindruckenden Zahl nicht zum ersten Mal konfrontiert. „Ja, stimmt - das war der siebte Titel“, sagte Mathilda Niemeyer, angesprochen auf den neuerlichen Erfolg in der Klasse bis 78 Kilogramm.

Auch Stefan Oldenburg, Trainer des Wittener Männer-Bundesligisten Sport-Union Annen, der u. a. auch Niemeyer in Potsdam betreute, wies auf die knifflige Situation der 19-Jährigen hin. „Alle haben diesen Titel von ihr erwartet, aber Mathilda hat das ganz souverän gemacht, ist dort sehr dominant aufgetreten.“

Insgesamt musste die junge Hattingerin fünfmal auf die Matte in der Klasse bis 78 Kilogramm - vier ihrer Duelle gewann sie vorzeitig, lediglich im Halbfinale gegen Lilli Happe (Pulheim) war sie gezwungen, die volle Kampfzeit auszureizen, gewann aber dennoch mit Waza-ari-Wertung. Der erste Kampf gegen eine Blaugurt-Trägerin war ganz okay zum Reinkommen. Den habe ich per Haltegriff gewonnen.

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Wenn sie als klare Favoritin ins Duell geht, dann achtet sie vor allem darauf, keine simplen Fehler zu produzieren. Sonst machst du dann einen falschen Schritt und hast dann gleich ein Problem, so die Hattingerin. Das Finale gegen Elina Dilger (Lübeck) war dann wieder eine sichere Sache, per Würgegriff machte sie den siebten DM-Coup perfekt.

Erfolge auf internationaler Ebene

Nach kurzer Vorbereitungszeit ging Mathilda Niemeyer, die Hattinger Judo-Kämpferin in Reihen des Bundesligisten Sport-Union Annen aus Witten, beim internationalen Turnier im belgischen Herstal auf die Matte. Und das mit doppeltem Erfolg: Bei den U-21-Juniorinnen belegte sie Rang zwei, bei den Frauen holte sie Gold. Vielleicht lag es auch daran, dass die 19-Jährige besondere Motivation erhielt, weil sie aktuell als Weltranglistenerste der U 21 geführt wird.

„Das ist schon eine coole Sache und ist die Bestätigung dafür, dass man zuletzt gute Leistungen gebracht hat“, meinte die junge Frau im Anschluss an die Wettbewerbe bei den Belgian Open in Herstal - inzwischen schon traditionell die Auftaktveranstaltung im internationalen Kalender. Zu diesem stark besetzten Turnier reisten u. a. auch Athletinnen aus Japan an.

Als neue Nummer eins in der Welt bei den Juniorinnen der 78-Kilogramm-Kategorie anzutreten - das war schon was Besonderes für die Hattingerin. Im Finale in Belgien gewinnt Hattingerin Niemeyer gegen eine Französin. Dass das Jahr 2024 für sie nahezu optimal verlief, das stand außer Frage.

Bei den Europameisterschaften der U 21 belegte sie den Bronzerang, die Weltmeisterschaften in Tadschikistan schloss das Ausnahmetalent mit der Silbermedaille ab. Man muss sich ja auch noch ein paar kleine Steigerungsmöglichkeiten offen lassen. Zum Auftakt in Herstal war also ohne Frage das Erreichen des 78-kg-Finales das Ziel für Mathilda Niemeyer.

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Reichlich Stehvermögen waren in jedem Fall gefragt, denn bis zum Endkampf hatte die Hattingerin schon sechs Duelle zu bestreiten - die sie allesamt recht souverän für sich entschied. Dass es am Ende nach einer knappen Niederlage im „Golden Score“ gegen die Japanerin Nanami Yokoyama „nur“ zu Silber reichte - es war für eine Turnierpremiere gewiss zu verschmerzen.

Bei den Belgian Open in Herstal, wo im Übrigen nur die weiblichen Judoka zum Einsatz kamen (die Herren kämpften parallel - ebenfalls in Belgien - in Visé), wurde erstmals mit dem zu Beginn des Jahres einmal mehr angepassten Regelwerk gekämpft. Am zweiten Turniertag war für Mathilda Niemeyer und eine ganze Reihe weiterer deutscher Kämpferinnen der Frauenwettbewerb an der Reihe.

Wieder kämpfte sich die Hattingerin recht dominant durch ihre Vorrunden-Gruppe und die ersten K.O.-Duelle. Im Finale stand sie der Französin Morgane Rubiano gegenüber, gegen die sie u. a. bei der EM 2023 gekämpft und verloren hatte. Diesmal gewann Niemeyer, im „Golden Score“ ereilte Rubiano die dritte und letzte Bestrafung.

Unterstützung und Förderung

Die Stiftung für Bildung, Jugend und Sport der Sparkasse Hattingen unterstützt Mathilda Niemeyer auf ihrem Weg mit einer Förderung von 3.000 Euro. „Die herausragende Leistung und die damit verbundene Bekanntheit über die Grenzen von Hattingen hinaus ist sehr beachtenswert“, lobt Ralf Vormberge vom Stiftungsvorstand.

Um so erfolgreich zu werden, trainiert die inzwischen 16-Jährige neben ihrem Heimatverein zusätzlich in den Leistungsstützpunkten Bottrop und Witten sowie im Bundesleistungsstützpunkt in Köln. Dies wird vor allem durch ihre Eltern ermöglicht, die sie zu den Trainingsorten oder Turnieren fahren, was mit immensen (Benzin-) Kosten verbunden ist.

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Ausblick auf die Zukunft

Mathilda Niemeyer wird in diesem Jahr nach Köln umziehen. Was das Judo-Ass von der Saison 2025 erwartet? „Ich habe gemeinsam mit meinen Trainern erstmal einen Plan fürs erste Halbjahr erarbeitet“, sagt Niemeyer. Schließlich steht zunächst mal das Abitur an der Hardenstein-Gesamtschule als primäres Ziel im Vordergrund.

„Daher werde ich auch nicht allzu viele Wettbewerbe bestreiten. Die Deutsche Meisterschaft kämpfe ich aber, und dazu wohl ein Turnier in Polen und das in Bad Blankenburg“, sagt Niemeyer, die zum Jahreswechsel am sechstägigen Trainingslager in Mittersil (Österreich) teilnahm. „Natürlich wird es schwierig, die Erfolge aus dem Vorjahr wieder zu erreichen.

Es ist also definitiv nicht einfach, Schule und Leistungssport zu kombinieren: viel Unterrichtsstoff, den Mathilda aufgrund von Turnieren und Trainingslagern verpasst, muss sie eigenständig nachholen. Ihr Tagesablauf ist daher ziemlich straff organisiert und erfordert viel Disziplin und Durchhaltevermögen, um alles unter einen Hut zu bekommen, darüber hinaus muss sie als Leistungssportlerin auf viele Dinge verzichten.

Das fängt schon bei der Ernährung an, aber auch spontane Treffen mit Freunden oder Freizeitaktivitäten sind oft schwer umzusetzen, da das Training Vorrang hat. Auch Urlaub ist eine Herausforderung, da die Saison meist erst im Winter endet und dementsprechend in den Sommerferien stattdessen die Vorbereitungen auf Welt- und Europameisterschaften im Fokus stehen.