Als defensiver Mittelfeldspieler war der frühere Fußballprofi Thorsten Legat ein harter Hund. Im Vergleich zu heute war das aber soft. Jetzt ist er knüppelhart. „Ich liebe Kampfsport, der hat mich schon als Junge fasziniert“, sagt Legat. Zurzeit klettert der Ex-Profi in den Käfig.
Die Anfänge im Fußball
Der gebürtige Bochumer spielte für die Bundesligisten VfL Bochum, Werder Bremen, Eintracht Frankfurt, VfB Stuttgart und Schalke 04. Mit Bremen wurde er Europapokalsieger der Pokalsieger (1992) und Deutscher Meister (1993). Mit Bremen (1994), Stuttgart (1997) und Schalke (2001) wurde er DFB-Pokalsieger. Die Trophäe mit drei verschiedenen Vereinen zu holen, schafften außer ihm nur drei Spieler.
Legat war dabei auch für Scherze zu haben war. Einer brachte ihm teuren Ärger ein. Nach seinem Wechsel zu Schalke Anfang 2000 stand ein Mannschaftsfoto an. Die Spieler bauten sich artig auf, Legat mittendrin. Schalke-Legende Olaf Thon frotzelte: "Zieh dir die Hose hoch, dann kriegste 500 Mark." Andreas Möller, Mittelfeld-Star, legte drauf: "1.000 Mark!" Und Legat zog sich die Sporthose hoch, fast bis zur Brust. Den Kollegen und vielen Fans gefiel's - nur Manager Rudi Assauer nicht. Er brummte Legat 20.000 Mark Strafe auf. Macht 19.000 Mark Verlust für einen "Spaß" - schlechtes Geschäft.
Schon als Fußball-Profi habe er „klare Kante“ bevorzugt. „Aber ich hätte noch aggressiver sein müssen“, meint er. Das war er manchmal jenseits des Platzes. Seine Passion für Kampfsport floss in sein Fußballspiel ein. „In meinen Gegenspielern habe ich meinen Vater gesehen. Ihm wollte ich es zeigen“, verrät er. Legat hasste seinen Vater. „Er hat mich als Kind missbraucht und misshandelt.“ Einzelheiten beschreibt er in der Autobiografie „Wenn das Leben foul spielt“.
Der Wechsel zum Kampfsport
2001 musste Legat seine Fußballerkarriere verletzungsbedingt beenden. 2014 startete er eine neue im Fernsehen: Bei "Hell's Kitchen" (SAT.1) war er dabei und bei "Das große ProSieben Promiboxen" vermöbelte er den Rapper Trooper Da Don. In weiteren Auftritten bei "TV total Stock Car Crash Challenge", "Das Duell um die Welt - Team Joko gegen Team Klaas".
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Mixed Martial Arts (MMA) heißt das, was er da macht. Klingt kriegerisch, ist es auch. Erlaubt ist so ziemlich alles. Fäuste, Füße, Ellenbogen, Knie - alles, womit sich schlagen und treten lässt. Am 1. September bestreitet der 234-malige Bundesliga-Spieler von VfL Bochum, Werder Bremen, Eintracht Frankfurt, VfB Stuttgart und Schalke 04 bei der MMA German Championship in der Kölner Lanxess-Arena ein Promi-Duell. Gegner ist Fitnesstrainer Dominic Harrison. Legat ist in dem Metier nicht ganz unerfahren. Seit rund 40 Jahren betreibt er Kampfsport für den Hausgebrauch: Judo, Jiu-Jitsu, Taekwondo, Kung-Fu, Karate. „Auch schon als Fußballer. Das hat nur niemand bemerkt“, meint er.
Zwei-Meter-Muskelpaket Harrison ist 20 Zentimeter größer, 23 Jahre jünger, 14 Kilo schwerer. Der bei der Hashtag-Generation angesagte Influencer, wie Werbeträger in den sozialen Kanälen genannt werden, ist verheiratet mit Playmate und Reality-TV-Sternchen Sarah Nowak. Die Fangemeinde ist riesig. „Ich weiß nicht, ob er einstecken kann. Sonst macht er ja in Hantel, Yoga und Pilates“, beschreibt Legat seinen Rivalen. Im Oktagon zu stehen, dem Achteck-Käfig bei MMA, erinnere ihn an früher, sagt Legat. „Ich bin in der Gosse aufgewachsen. Wenn es da Streit gab, konntest du auch nicht weglaufen. So ist es auch jetzt im Käfig.“ Nach dem Kampf will Legat einen Schlusspunkt setzen. „Danach werde ich nie wieder Hochleistungssport machen“, behauptet er und reibt sich die Schulter.
„Deshalb bin ich zum Kampfsport. Ich wollte mich wehren können. Das habe ich geschafft. Mit 16 hatte ich ihn am Boden.“ Im Fußball war er aber besser. Außerdem gab es mehr Geld. „Vom Straßenkind zum reichen Mann, das war toll“, feixt Legat. Finanziell gehe es ihm gut. „Ich bin zufrieden. Ich war immer sparsam.“ Mit seiner Frau, sagt er, ist er in der Immobilienbranche zugange.
Reality-TV und der Begriff "Kasalla"
Viermal zog er ins Dschungelcamp, zweimal als Mitspieler, zweimal als Drill Instructor und Sidekick. So erwarb er sich bei "Ich bin ein Star, holt mich hier raus" den Ruf eines latent durchgeknallten Typen mit harter Schale und weichem Kern. Vor allem machte er den Ausdruck "Kasalla" salonfähig. Das ist eines seiner Lieblingsworte. Es stammt aus dem Ruhrpott und steht für Ärger oder Krawall. Wenn es "Kasalla setzen" soll, dann ist eine Abreibung oder eine Tracht Prügel zu erwarten.
Als ihn ein Knorpelschaden im Knie zum Karriereende als Fußball-Profi gezwungen hatte, fiel Legat in ein Loch. Er stürzte und stürzte. „Erst war es ein Bier am Tag, dann ein Kasten, dann anderthalb. Ich hatte Selbstmordgedanken“, gesteht er. Seine Frau drohte: „Wenn du so weitermachst, verlierst du mich und die Kinder.“ Seither trinkt Legat keinen Alkohol mehr. Er erwarb die A-Trainer-Lizenz, wurde Trainer von Jugend-Teams und Landesligisten.
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Vor allem im Fernsehen. „Ich bin ein Star - holt mich hier raus“, „Grill den Hensler“, „Schlag den Star“ - wird Lagat gefragt, ist er als Reality-Macho dabei. „Das hat einen anderen Menschen aus mir gemacht“, meint er. „Und es gibt auch noch ein bisschen Geld.“ Obendrein kitzelt es sein Ego. „Die Leute mögen mich. Ich erzähle die Wahrheit, ohne jemanden zu beleidigen. Es wäre doch schade, wenn es Thorsten Legat nicht mehr im Fernsehen zu sehen gibt.
Thorsten Legat zeigte sich an Tag neun im Dschungelcamp erneut von seiner bescheidenen Seite - oder eben auch nicht. In einem nächtlichen Gespräch mit Danni Büchner nutzte er die Gelegenheit, um eine beeindruckende Liste seiner materiellen Errungenschaften zu präsentieren: Villen, Ferraris, Lamborghinis - das volle Programm. Schließlich war er ja Fußballprofi, und natürlich hat er die Millionen immer noch. Dass Danni in diesem Monolog scheinbar nicht zu Wort kam? Doch damit nicht genug: Tagsüber durfte die ganze Gruppe erneut dem Thorsten-Festspiel beiwohnen, als er stolz verkündete, er sei nicht nur internationaler Fußballheld, sondern auch mehrfacher Weltmeister in Kung-Fu und Taekwondo.
Die Reaktion der Gruppe? Den finalen sarkastischen Seitenhieb lieferte Sonja Zietlow: Thorsten habe seinen ersten Weltmeistertitel 2008 in Tokio im Armdrücken gegen Godzilla geholt. Warum das niemand weiß? Nun ja, der Titel wurde annulliert - weil Godzilla zu kurze Arme hat.
Die dunklen Seiten
"Kasalla setzt" Thorsten legat in der Zeit seiner Fußballerkarriere öfters und geriet mehrmals in Prügeleien, bei denen er seine Gegner verletzte. Einmal griff er bei einer Gruppe Jugendlicher, von der er sich bedroht fühlte zu einem Samurai-Schwert. Die Waffe hatte er offenbar im Kofferraum. Der Fall kam später vor Gericht. In einem weiteren Fall verletzte er einen Mann, der ihn mit einem Messer angriff, so schwer, dass er bleibende Schäden davontrug, wie Legat zuletzt im Dschungelcamp gestand.
Das war kurz vor dem Ende seiner Fußballkarriere. Das nahm den Kicker derart mit, dass er in die Alkoholsucht schlitterte. Seine Frau Alexandra, mit der er seit 1996 verheiratet ist und zwei Söhne (Nico, 26, und Leon, 25) hat, setzte ihm damals ein Ultimatum: "Hör auf damit oder du verlierst mich und die Kinder." Thorsten hörte auf.
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Um sich gegen seinen gewalttätigen Vater wehren zu können, begann Legat als Jugendlicher neben dem Fußball mit dem Kampfsport. Seither betreibt er Judo, Jiu-Jitsu, Taekwondo, Kung-Fu und Karate. Taekwondo-Weltmeister, wie er während des letzten Dschungelcamps sagte, war er nie. Dafür hatte er schon mit 16 Jahren seinen größten Erfolg: Damals schaffte er es erstmals, seinen Vater zu Boden zu bringen. Dann war Schluss mit der Tyrannei.
Thorsten Legat: Eine Zusammenfassung
Thorsten Legat ist eine schillernde Persönlichkeit, die sowohl im Fußball als auch im Kampfsport und im Reality-TV für Aufsehen gesorgt hat. Seine Karriere ist geprägt von Erfolgen, aber auch von Tiefpunkten und Kontroversen. Trotz allem hat er sich immer wieder neu erfunden und seinen Weg gefunden.
Karriere-Highlights von Thorsten Legat
| Verein | Erfolge |
|---|---|
| Werder Bremen | Deutscher Meister, Europapokalsieger der Pokalsieger, DFB-Pokalsieger |
| VfB Stuttgart | DFB-Pokalsieger |
| Schalke 04 | DFB-Pokalsieger |
