Pat Morita und die Karate-Kid-Legende: Eine Hommage

Nostalgie kommt bei vielen der mittleren und älteren Generationen auf, wenn sie das berühmte Cobra Kai Logo sehen und sich an Daniel-san und Mr. Miyagi erinnern. Die jüngere Generation schaut stattdessen fragend um sich, wenn der Insiderwitz vom mit Stäbchen Fliegen fangenden Sensei erzählt wird. Aktuell läuft „Karate Kid: Legends“ in den Kinos und zeigt, dass die Filmreihe auch mehr als 40 Jahre nach ihrem Auftakt „Karate Kid“ noch viele Fans hat.

Pat Morita ist untrennbar mit der Rolle des weisen Karate-Meisters Mr. Miyagi verbunden. Seine Darstellung in „Karate Kid“ brachte ihm 1985 sogar eine Oscar-Nominierung als bester Nebendarsteller ein. Und obwohl der aktuell in den Kinos laufende „Karate Kid: Legends“ größtenteils für sich alleine steht und ohne vorherige Kenntnis verständlich ist, lassen es sich die Verantwortlichen aus gutem Grund nicht nehmen, den 2005 verstorbenen Morita als Mr. Miyagi mithilfe alter Aufnahmen zumindest kurz auftreten zu lassen.

Die Rolle, die fast nicht zustande kam

Doch eigentlich sollte ein ganz anderer Schauspieler diese ikonische Figur verkörpern und von Pat Morita wollten die Verantwortlichen gar nichts wissen. Superstar Toshiro Mifune war die erste Wahl. Entworfen wurde die Figur des Mr. Miyagi bereits mit einem festen Schauspieler im Kopf: Die japanische Kino-Legende Toshirō Mifune war für die Rolle eingeplant.

Der gerne als einer der besten Schauspieler aller Zeiten gefeierte Mifune ist vor allem bekannt durch seine vielen Arbeiten mit Akira Kurosawa. Unter anderem „Die sieben Samurai“, „Zwischen Himmel und Hölle“ und „Yojimbo - Der Leibwächter“ sind hier zu nennen. In Deutschland machte ihn vor allem der TV-Straßenfeger „Shogun“ bekannt. Mifune gilt als erster japanischer Schauspieler, der auch international zum Star wurde …… und war damit eine sehr logische Wahl für „Karate Kid“.

Doch die Verantwortlichen stellten bald fest, dass es ein Problem gibt. Mifune sprach kein Englisch, was nicht nur die Kommunikation am Set der rein amerikanischen Produktion erschwert hätte. Auch für die Darstellung der Figur wäre es womöglich von Nachteil gewesen, wenn Mifune nur auswendig gelernte Texte aufgesagt, aber seine englischen Sätze nicht wirklich verstanden hätte.

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Weil es dann auch noch Bedenken gab, ob Mifunes oft sehr strenger Stil zur warmherzigen Figur Mr. Miyagi passen würde, entschied man sich doch, im Rahmen eines Castings auch andere Schauspieler zu testen. Pat Morita war aber hier ganz eindeutig nicht die nächste Wahl.

Ein US-Komiker als Karate-Meister?

Pat Morita bewarb sich zwar direkt für die Rolle, doch man wollte ihn zuerst nicht wirklich berücksichtigen. Der bis dahin vor allem durch seine Rolle als Arnold in der Sitcom „Happy Days“ bekannte Morita war ursprünglich ein Stand-Up-Comedian und wurde deswegen von Produzent Jerry Weintraub direkt aussortiert. Der wollte keinen Komiker als Karate-Meister sehen und traute Morita die Rolle nicht zu. Zudem gab es auch bei ihm ein Sprachproblem. Morita war in den USA geboren und aufgewachsen - und sprach daher fließend Englisch.

Doch die Produzenten bestanden darauf, dass Mr. Miyagi mit starkem Akzent spricht. Doch zum Glück ließ Morita nicht locker. Insgesamt fünfmal bewarb er sich für die Rolle. Er ließ sich extra einen Bart wachsen, um seinem Auftreten eine neue Ernsthaftigkeit zu verleihen. Und er kam schließlich auf die Idee, den Akzent eines Onkels zu kopieren. Das überzeugte schließlich Weintraub. Er zog sein Veto zurück und Morita bekam die Rolle. Der Rest ist Geschichte...

Der Einfluss von Pat Morita auf "Karate Kid"

"Karate Kid: Legends" verdanken wir auch Pat Morita. Erst die Darstellung des Schauspielers machte „Karate Kid“ so populär. Morita verlieh Mr. Miyagi Tiefe und Authentizität, wurde zu Recht mit einer Oscar-Nominierung gewürdigt und schuf eine unvergessliche Figur der Filmgeschichte. Nicht nur für den Autor dieser Zeilen ist nicht Daniel LaRusso (Ralph Macchio), sondern Mr. Miyagi das Gesicht des Franchise. Und ohne die Besetzung von Morita hätte es die weiteren Filme womöglich nie gegeben.

Wir würden heute also womöglich nicht über drei Kino-Sequels, ein Remake, die Netflix-Serie „Cobra Kai“ und den seit dieser Woche in den Kinos laufenden „Karate Kid: Legends“ reden. Aus den 80ern ist der Film „Karate Kid“ nicht wegzudenken und bis heute hat er einen Platz in den Herzen vieler Fans. Neben der Schlangentechnik und der Tigerpranke aus "Die Schlange im Schatten des Adlers" dürfte wohl der Kranich eine der ikonischsten Kampfkunstechniken sein, die durch einen Film besonders populär wurden.

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Die Stars von damals: Was wurde aus ihnen?

John G. Avildsen inszenierte den Teenie-Actionfilm 1984, der eine ganze Generation prägte, die den Film bis heute liebt. Doch wie ging es für die Stars von damals weiter?

  • Ralph Macchio: Hauptdarsteller Ralph Macchio bleibt unvergessen als Daniel LaRusso, dessen Kranich-Tritt am Ende von "Karate Kid" sich tief ins Gedächtnis der Zuschauer brannte. 1986 und 1989 stand er zwei weitere Teile vor der Kamera und kehrte viele Jahre später für "Cobra Kai" erneut zur Rolle zurück, die er noch immer spielt. Auch nach "Karate Kid" blieb Macchio gut im Geschäft, in den 80ern und 90ern drehte er zahlreiche Filme und Serien.
  • Pat Morita: Pat Morita als Mr. Miyagi lieferte die moderne Blaupause eines weisen Kampfkunstmeisters aus Fernost, der lieber erst "auftragen und polieren" ließ, ehe er tödliche Techniken zeigte. Zum Zeitpunkt von "Karate Kid" war er bereits seit 20 Jahre im Filmgeschäft und auch danach ging es munter weiter. Mr. Miyagi spielte er noch drei weitere Male vor der Kamera, zudem lieh er der Figur in einer Zeichentrickserie seine Stimme. Und auch abseits der berühmten Rolle blieb Morita ungemein gefragt und produktiv.
  • Elisabeth Shue: Elisabeth Shue spielte Daniels Freundin Ali in "Karate Kid", was damals eine ihrer frühesten Rollen überhaupt war. Danach ging es aber erst so richtig los für sie, folgten doch nur wenig später Projekte wie "Zurück in die Zukunft 2 & 3" oder "Cocktail" mit Tom Cruise. Auch in den darauffolgenden Jahrzehnten blieb Shue gut im Geschäft und nachdem sie mehrmals im Kino zu sehen war, hat sie in den letzten Jahren besonders in punkto Serien ein sehr glückliches Händchen bewiesen.
  • Martin Kove: Er war der finstere Meister der Cobra Kai: Martin Kove spielte mit John Kreese einen der Buhmänner in "Karate Kid" und war in der Rolle auch in zwei Fortsetzungen zu sehen. Zwischendrin durfte er bei Sylvester Stallone und "Rambo II" vorbeischauen und legte ansonsten eine bis heute anhaltende, sehr produktive Karriere nach. Aber auch er darf seit einiger Zeit dauerhaft bei der Netflix-Serie "Cobra Kai" mitmischen.
  • William Zabka: William Zabka spielte in "Karate Kid" Johnny und damit Daniels Endgegner beim finalen Turnier. Anschließend ging es aber auch für ihn erfolgreich weiter: In zweiten Teil war er kurz zu sehen, von 1985 bis 1989 hatte er dann eine Stammrolle in der bekannten Serie "Der Equalizer" inne. Bei der Serie ist er dann bis heute geblieben, die er übrigens auch mitproduziert.

Cobra Kai: Mehr als nur Nostalgie

Millionen von Zuschauern entdecken aktuell das, was ich und einige andere Serienfans bereits seit 2018 wissen: "Cobra Kai", die Serienfortsetzung der Karate-Kid-Filmreihe, ist wirklich verdammt gut und mehr als nur ein Nostalgietrip, sondern eine interessante Weiterentwicklung der alten Charaktere. "Cobra Kai" drehte den Spieß um und machte aus Daniels (Ralph Macchio) altem Widersacher Johnny (William Zabka) den Protagonisten. Macchio ist auch wieder dabei, ebenso wie Martin Kove als Johnnys alter Sensei John Kreese, böse wie eh und je. Es ist ein wirklich wundervolles Wiedersehen mit diesen Figuren Jahrzehnte später.

Die größte Schlüsselfigur und der einzige Schauspieler, der in jedem der alten vier Filme aufgetreten ist, konnte leider nicht zurückkehren. Pat Morita, der sich als "auftragen, polieren" Mr. Miyagi in der Filmgeschichte verewigte, ist bereits 2005 verstorben. Doch wenn es nach Sony und dem Produzenten Jerry Weintraub gegangen wäre, hätte Morita die Rolle gar nicht erst bekommen.

Die Kampfkünste hinter der Kamera

Als The Karate Kid 1984 uraufgeführt wurde, beeilten sich neue Studenten, sich landesweit für Karate Dojos einzuschreiben. Für alle, die die wahren Wege von Miyagi-Do - oder Cobra Kai - kennenlernen wollten, haben Dojos jedoch nicht als Teil ihres Lehrplans Deckschleifen und Zaunmalerei vorgeschlagen. Es gibt viele verschiedene Arten von Karate. Die Fans fragten sich, welchen Stil Daniel und Johnny wirklich machten.

Nachdem Netflix Cobra Kai von YouTube Red aufgenommen hat, hat eine ganz neue Gruppe von Fans die Show entdeckt und die Frage ist erneut aufgetaucht: Welche Art von Karate üben sie bei Miyagi-Do und Cobra Kai? In jedem Film oder jeder Serie sind die Filmemacher und Showrunner keinem bestimmten Stil verpflichtet. Sie erzählen eine Geschichte, machen keinen Dokumentarfilm. Bei den meisten Produktionen sorgt ein Durcheinander von "Film-Fu" für bessere Action als authentische Kampfkünste.

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Als The Karate Kid mit der Produktion begann, kannten Ralph Macchio (Daniel), William Zabka (Johnny) und Pat Morita (Mr. Miyagi) keine Kampfkünste. Zabka hatte einige Erfahrungen im Wrestling, aber das war es. Wie David Carradine in der 70er-Jahre-TV-Show Kung Fu verdienten sie ihre Rollen mit ihren schauspielerischen Fähigkeiten, nicht mit ihren Kampfkunstfähigkeiten. Nur drei der ursprünglichen Schauspieler hatten vor den Dreharbeiten Kampfkunst studiert. Ron Thomas übte Jujitsu, was für seine Rolle als Cobra Kai's Bobby im Film wenig Anwendung fand. Martin Kove (Kreese) studierte Karate bei dem berühmten Großmeister Takayuki Kubota. Er kreierte seinen eigenen Karate-Stil namens Gosuku-Ryu. Gosuku bedeutet "hart schnell". Ryu bedeutet wörtlich "Flow", ist aber ein Suffix, das im Karate häufig verwendet wird, um ein bestimmtes System oder einen bestimmten Stil zu bezeichnen.

Die in The Karate Kid dargestellten Kampfkünste müssen Großmeister Pat E. Johnson zugeschrieben werden. Er war der Kampfkunst-Choreograf für die Originalfilme und spielte den Schiedsrichter. Johnson ist ein Schüler von Chuck Norris und Kapitän des Black Belt Competition-Teams von Norris, um 33 aufeinanderfolgende nationale und internationale Meisterschaften zu gewinnen. Und obwohl er Daniels illegalen Krantritt nicht disqualifiziert, ist Johnson ein hoch angesehener Kampfsport-Schiedsrichter. Neben The Karate Kid arbeitete er an anderen Filmen wie Enter the Dragon, Teenage Mutant Ninja Turtles und Mortal Kombat.

Tang Soo Do und Cobra Kai

Tang Soo Do bedeutet "Weg der Tang-Hand". Do bedeutet "der Weg", dasselbe Zeichen wie das Dao auf Chinesisch. Es ist das gleiche Wort auf Koreanisch und Japanisch und dient als Suffix für viele Kampfkünste wie Karate-Do, Judo und Taekwondo. Soo bedeutet wörtlich "Hand". Tang bezieht sich auf die Tang-Dynastie (618-907), die die chinesischen Ursprünge der Kunst angibt. Der Legende nach gehen alle asiatischen Kampfkünste auf den chinesischen Shaolin-Tempel zurück, die legendäre Wiege des Kung Fu. Der Einfachheit halber haben viele englische Übersetzer "Weg der Tang-Hand" zu "Weg der chinesischen Hand" gekürzt. Koreanische und japanische Schriftzeichen stammen ebenfalls aus dem Chinesischen. Übersetzen Sie die Zeichen für Tang Soo Do ins Japanische und es ist Karate-Do. 1935 änderte Japan jedoch den Charakter für Kara (oder Tang) in einen homophonen Charakter, der „leer“ bedeutet, um seine Kampfkunst von China zu unterscheiden.

Um die Sache noch komplizierter zu machen, wurde Tang Soo Do in den USA allgemein als „koreanisches Karate“ bezeichnet. Cobra Kai ist der Name der Schule, nicht der Stil. Das "Kai" in Cobra Kai bedeutet wörtlich "Versammlung" oder "Treffen" und innerhalb der Karate-Umgangssprache ist es ein Suffix, das eine Organisation oder Gruppe bezeichnet. Cobra ist nur ein Name, das Schulmaskottchen. Während es viele Schlangenstile der Kampfkunst gibt, insbesondere im Kung Fu, wird die Cobra in asiatischen Systemen selten allgemein spezifiziert. Häufiger ist es in amerikanischen Schullogos zu sehen, wie das Symbol von Williams Kenpo Karate Dojo in Enter the Dragon.

Angesichts von Johnsons Choreografie beeinflusst Tang Soo Do Cobra Kai mehr als Karate. In der gesamten Serie gibt es subtile Hinweise darauf. Vom ersten Film bis zu Cobra Kai setzt Johnny, wenn er sparsam ist, viele High Kicks ein, die für koreanische Kampfkünste charakteristisch sind. Nach dem ersten Film studierte Zabka noch viele Jahre Tang Soo Do bei Johnson, es ist also sein Grundstil. Ein weiterer großer Tell ist in The Karate Kid Part III. Als Kreeses Kamerad Terry Silver (Thomas Ian Griffith) Miyagis Dojo besucht, um über Kreeses Tod zu lügen, entschuldigt er sich bei ihrem gemeinsamen südkoreanischen Meister. Im wirklichen Leben ist Griffith ein schwarzer Gürtel in Kenpo Karate und Taekwondo.

Cobra Kai hat den Einfluss von Tang Soo Do in Staffel 1 sehr subtil aufrechterhalten. Kreese, der "Koreanisches Karate" unterrichtet, hat eine gewisse historische Gültigkeit. Ein Großteil von Tang Soo Do kam über Militärveteranen, die in Korea dienten, in die USA. Sowohl Johnson als auch Norris lernten ihre Kampfkunst zuerst, als sie dort stationiert waren. Dies ist sehr sinnvoll für Kreeses Charakter. Hierzu eine lustige Anmmerkung am Rande.

Miyagi-Do: Eine Mischung aus Stilen

Miyagi-Do - Karate hier. Aber was ist mit Miyagi-Do? Welcher Stil lehrt "Polieren und wischen"? Da Pat Morita kein Kampfkünstler war, war sein Body Double ein angesehener Karate-Meister namens Fumio Demura. Demura setzt sich für Shito-Ryu Karate ein, aber das ist in den Filmen nicht ersichtlich. Es ist impliziert, dass Miyagi einen Karate-Stil namens Goju-Ryu lehrt. Goju bedeutet "hart weich" (das Go ist der gleiche Charakter wie in Gosuku-Ryu und das Ju ist das gleiche wie im Judo - "der weiche Weg").

Goju-Ryu-Ostereier deuten darauf hin, dass dies die Inspiration für Miyagi-Do ist. In The Karate Kid Part II ist ein Goju-Ryu Zeichen deutlich auf Chozens (Yuji Okumoto) Gi zu sehen. Das Goju-Ryu-Symbol ist eine golden erhobene Faust, oft mit den Zeichen für Karate darunter und es ist unverkennbar. Ein weiterer wichtiger Hinweis liegt in der Kata, die Miyagi Daniel in The Karate Kid Part III unterrichtet. Es basiert auf Seiunchin, einer originalen Goju-Ryu Kata, die von Higaonna Kanryo erstellt und an Chojun Miyagi weitergegeben wurde.

Dies ist dieselbe Kata, die Daniel in Cobra Kai rezitiert und seinen Schülern unterrichtet, darunter seiner Tochter Samantha (Mary Mouser) und Johnnys Sohn Robby (Tanner Buchanan). Daniels All-Valley-Sieg Technik ist nicht von Goju-Ryu. Es wurde rein für den Film gemacht. Die gleiche einbeinige Haltung besteht jedoch im nördlichen Shaolin Kung Fu. Das Original wird nicht als Krantechnik bezeichnet.

Die Entwicklung der Kampfchoreographie

Während die erste Staffel kampfkunsttechnisch vor sich hin dümpelte, änderte sich dies im Verlauf von Staffel 2. Der letzte Kampf wurde von Fans als herausragendes Stück Kampfchoreografie begrüßt, das der Marke würdig ist. Es enthielt eine herausragende lange Einstellung - das Markenzeichen guter Kampfszenen -, die technisch anspruchsvoll und in ihrer Komposition komplex war.

Die Philosophie hinter den Schlägen

Wie läßt sich das mit Aikido vereinbaren, welches doch genau durch Nichtangriff charakterisiert ist. Nichtsdestotrotz gibt es im Aikido sehr wohl Schläge und Tritte. Die Aufforderung "Strike first" könnte man im Aikido anders, besser interpretieren, als es im ersten Augenblick den Anschein hat. Hierzu sei insbesondere Atemi angemerkt, ein Schlag oder Stoß "mit Ki", der als Abstandhalter oder Antäuschungsmanöver wirkt und den Geist und die Position von Uke beeinflußt. Dieser muss unbedingt vor der eigentlichen Technik angewanden werden. Exemplarisch könnte man sich vorstellen, dass ein Angreifer einen am Kragen packt. Um in eine Technik wie Ikkyo eintauchen zu können muss nun der "Initialschlag" oder der Atemi vom Verteidiger ausgehen. Das ist nun mal so gar keine Grundlage für einen Aikidoka. In der Serien sieht man denn auch, je länger die sinnlosen Abhärtungsübungen voran gehen, wie selbst der Sensei darüber ins Grübeln gerät. Abgewandelt für Aikido sollte es eigentlich "Strike without hesitation" heißen, bzw. Führe Deine Technik entschlossen aus. Optimalerweise kommt es mit Aikido gar nicht so weit, dass sich ein Gedanke an Gnade bilden muss.

In den meisten Kampfsportarten, und Karate kann als Kapfsport, wie in der Serie im Turnier vertreten, betrieben werden, geht es um das Gewinnen. Gewinnen ist alles, was zählt. Dazu bedarf es manchmal Mittel die an der Grenze des moralischen ansetzen. So ist in Karate Kid 3 der Kampf für Daniel-san eigentlich aussichtslos. Der Herausforderer Mike ist technisch weit überlegen und zuieht den Kampf durch das Einsammeln von "Minuspunkten" für regelunkonforme Techniken in die Länge. Schließlich entscheidet ein Punkt den Kampf, den Daniel sozusagen mit Glück und durch eine Verwirrungstaktik für sich einsammelt. Im Endkampf der zweiten Staffel von Cobra Kai schließlich scheint wird der Gedankenkonflikt um "Zeige keine Gnade" zum Höhepunkt geschaukelt, als der eigentliche Gewinner des Kampfes, Miguel sich für "Gnade" entscheidet und den finalen Schlag nicht führt. Als Dank dafür setzt der Verlierer Robby (pikanterweise der Sohn von Sensei Johnny) nach und verletzt Miquel lebensgefährlich.

Im Aikido sollte jede Technik dazu führen, dass sich der Kampf auflöst. Da das leider nicht immer geht ist der Abschluss oft ein Hebel, der den Gegner so lange fixiert bis Hilfe kommt (oder sich dessen Geist geändert hat). Da die Welt nicht nur aus schwarz und weiß besteht, muss jeder für sich selbst entscheiden, wie er in einer solchen Extremsituation vorgehen würde.

Die Symbolik des Bonsais

Die Symbolik des Bonais zieht sich durch die alten Filme genauso wie durch die Serie. Der größte Einfluss des Bonsai ist das, was er nach aussen trägt. Dies bedeutet, dass Miyagi und Daniel sich mit jedem verkauften Bonsai an ihre Kunden verschenken. Wie es wahre Lehrer tun sollten, beschneiden, reinigen und perfektionieren sie sich durch regelmäßiges Training und das Streben nach Gleichgewicht in ihrem Leben. Das Ergebnis ist etwas, das sie mit Freude mit der Welt teilen, weil sie wirklich daran glauben, dass die Auswirkungen positiv sind. Diese Bonais sind der schönste Vergleich zu den Künsten eines Aikidoka.

Noriyuki „Pat“ Morita: Mehr als nur Mr. Miyagi

Noriyuki „Pat“ Morita (* 28. Juni 1932 in Isleton, Kalifornien; † 24. November 2005 in Las Vegas, Nevada) war ein US-amerikanischer Schauspieler japanischer Abstammung. Seine bekannteste Rolle war als Mr. Bei SpongeBob wurde ihm die Episode Der König des Karate gewidmet. In der Original-Fassung der Episode sprach er Meister Udon, kurz bevor er verstarb. Am Ende der Episode sieht man ein Bild von ihm in schwarzweiß.

Mit einem geschätzten Budget von acht Millionen US-Dollar drehte Regisseur John G. Avildsen 1984 einen Film, der die Zeit überdauern würde. Kultklassiker "Karate Kid" lockte einen Millionenpublikum in die Kinos und spielte letztlich über 91 Millionen US-Dollar ein. Es folgten drei offizielle Fortsetzung sowie der Serienhit "Cobra Kai", der seit 2018 die Netflix-User begeistert. Doch der Erfolg des Originals ist nicht nur der banale, doch gleichzeitig rührenden Geschichte zu verdanken. Besonders Darsteller Pat Morita setzte sich selbst als Mister Miyagi ein Denkmal.

16 Jahre nach seinem Tod erscheint nun eine Dokumentation über den geborenen Kalifornier. Morita wurde 1932 in Isleton, Kalifornien geboren. Mit zwei Jahren erkrankte er an Tuberkulose, weshalb er viele Jahre in Krankenhäusern verbringen musste. Zwischenzeitlich musste er sogar einen Ganzkörpergips tragen, weshalb seine Ärzte davon ausgingen, dass er nie wieder gehen könne. Mit elf Jahren wurde er dann an der Wirbelsäule operiert und konnte endlich das Laufen erlernen. Vor der Kamera stand er dann erstmals 1964 im japanischen Film "Car Thieves". Weltberühmt wurde er jedoch mit dem Film "Karate Kid", der Morita prompt eine Oscarnominierung als bester Nebendarsteller einbrachte.

Nun widmet sich die Dokumentation "More Than Miyagi: The Pat Morita Story" dem japanisch-amerikanischem Entertainer. Regisseur Kevin Derek blickt darin auf das Leben Moritas, von seiner Erkrankung als Kind bis hin zu seiner Drogenabhängigkeit. "More Than Miyagi: The Pat Morita Story" erscheint in den USA am 05. Februar bei iTunes und Amazon Prime Video.