Kickboxer U.S.A., auch bekannt als Night of the Warrior, präsentiert sich vordergründig als ein reiner B-Actionfilm, doch unter der Oberfläche verbergen sich überraschende Ambitionen. Trotz des Titels, der schnörkellose Action verspricht, geht der Film in den ersten 30 Minuten einen unerwarteten Weg und konzentriert sich auf die Charakterentwicklung.
Miles Keane (Lorenzo Lamas) ist ein Kickboxer, der dem Kampfsport eigentlich den Rücken kehren möchte. Er möchte sich stattdessen mehr der Fotografie und seinem Nachtclub widmen. Miles ist stolzer Besitzer eines Etablissements, in dem sich schöne Frauen zu schöner Musik künstlerisch verrenken und zunehmend mehr Haut zeigen. Doch um die Schulden für die Bar schneller abbezahlen zu können, verdingt sich Miles immer mal wieder in illegalen Fights.
Sein letzter Fight gegen Akkidas war Miles' letzter Kampf für den skrupellosen Buchmacher Lynch. Er garantiert hohe Wetteinnahmen bei illegalen Kickbox-Fights, die Lynch nachts in verlassenen Fabriken für wettsüchtige Gambler veranstaltet. Miles schuldet dem kaltblütigen Gauner keinen Cent mehr, doch dieser ist anderer Meinung. Miles Keane ist nämlich das beste Pferd im seinem Stall. Miles ist an weiteren Kämpfen nicht interessiert, doch Lynch lässt nicht locker. Er bedroht und terrorisiert Miles mit Mord und Terror. Miles bleibt hart.
Um seine Schulden loszuwerden, gibt sich Miles Keane (Lorenzo Lamas) für illegale Boxkämpfe her, da ihm der skrupellose Buchmacher Lynch (Anthony Geary) im Nacken sitzt. Sein letzter Fight gegen Akkidas (Ray Sua) bringt ihm die lang ersehnte Schuldenfreiheit, allerdings lässt sich Lynch nicht so einfach abschütteln, da dieser bislang blendend an Miles verdient hat und an weiterem Profit interessiert ist. Um Miles, der einen Nachtclub besitzt, gefügig zu machen, gibt es ab sofort keine Skrupel mehr. Lynch und seine Komplizen mischen den Club auf und schrecken auch nicht vor brutalem Mord zurück, um ihm das Verbrechen postwendend in die Schuhe zu schieben.
Ausgewählte Gambler finden sich in einer abgelegenen Fabrikhalle ein, um vermutlich ihr letztes Geld durchzubringen, indem sie auf die beiden Männer wetten, die sich wenig später bis aufs Messer bekämpfen werden. Bei dieser Gelegenheit forciert der kanadische Regisseur Rafal Zielinski geschickt die bestehenden Ungleichgewichte zwischen den wichtigsten Zielpersonen, die alle auf eine unterschiedliche Weise im Würgegriff von hohen Wetteinsätzen sein werden.
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Allerdings kommt alles anders, da ein koreanischer Tycoon verlangt, dass es mit diesen Kämpfen weiter gehen muss, da er sich offensichtlich von Miles' Art zu kämpfen hat beeindrucken lassen. Die schnell angelegten Schlingen um Miles' Hals ebnen einen in den wichtigen Intervallen spannenden Verlauf, der zu mehreren Katastrophen führen wird, da es um Geld, Machtgeplänkel und Egoismus geht. Diese unausgewogene Mischung bedroht nicht nur den gut austrainiert wirkenden Protagonisten in fundamentaler und existenzieller Art und Weise, sondern setzt ebenso dazu an, dessen engste Vertraute oder Familienmitglieder in einen eigens dafür geschaffenen Abgrund zu zerren.
Ein Kerl wie Miles lässt sich jedoch nicht von irgend welchem dahergelaufenen Abschaum gefügig machen und tut daher alles, um sich aus den Klauen der Erpresser zu befreien. Ab hier nimmt die Geschichte an Fahrt auf, da die Gegenspieler von Lorenzo Lamas nicht zimperlich vorgehen. Hin und wieder fragt man sich zwar, ob schwere Geschütze wie Folter und Mord das Ziel des Ganzen rechtfertigen, aber es geht schließlich um immense Wetteinsätze und das Verlangen eines Geschäftsmannes, der es definitiv gewöhnt ist, dass ihm sein Wille getan wird.
Getragen wird das Ganze von Hauptdarsteller Lorenzo Lamas, der hier nicht nur in seinen besten Jahren, sondern auch gleichzeitig in allerbester Konstitution zu beobachten ist. Mitreißende Action-Choreografien, harte Kampfeinlagen und eine raubeinige Aura unterstreichen den Titel dieser Produktion und verschleiern, dass das Publikum es ja eigentlich mit einem Aussteiger zu tun hat, der sich lieber auf seinen Strip-Club und womöglich die dort arbeitenden Damen konzentrieren möchte.
Hier lässt sich immer wieder der Ansatz der Bedrohung finden, denn man versucht, Miles den Teppich der Existenz unter den Füßen wegzuziehen. Eine beachtenswerte Darbietung liefert 50er-Jahre-Ikone Arlene Dahl als Miles' Filmmutter. Diese Konstellation wird umso interessanter, weil es sich bei Dahl um Lamas' Mutter im wahren Leben handelt. Hier zeichnet sie eine alternde, wenn auch milde gewordene Diva, die sich in obligatorischer Eitelkeit ständig ihrem liebsten Zeitgenossen widmet: dem Hochprozentigen.
Wie gut dieser Film teilweise fotografiert wurde, zeigt sich insbesondere in den Szenen mit der schönen Kathleen Kinmont, die auch dem Protagonisten direkt ins Auge fällt. Das erste Treffen ist hierbei blendend in Form eines unverhofften Dates inszeniert worden, das man sich in seiner Fantasie vielleicht immer genauso vorgestellt hat. Überzeugend wirken des Weiteren die kriminellen Elemente des Geschehens, die ihre schmierigen und skrupellosen Seiten unverblümt herauskehren dürfen.
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Der Verlauf thematisiert viele Inhalte gleichzeitig und achtet dabei auf eine gut ausbalancierte Spielzeit, in der es zu keinen Aussetzern kommen wird, wenngleich "Die Nacht des Fighters" sicherlich nicht zu der Riege der A-Produktionen im Action-Bereich zu zählen ist. Dennoch konzentriert sich Regisseur Rafal Zielinski auf die wichtigen Elemente und stellt die Zielgruppe mit obligatorischen Kniffen zufrieden, woraus sich ein mit Spannung und Konfrontation aufgeladener Unterhaltungswert ergibt.
Neben der Arbeit im Club investiert Miles viel Zeit in sein Hobby, das Fotografieren. Katherine Pearce, die in einem Fotogeschäft arbeitet, ist von seinen engagierten Straßenbildern beeindruckt. Die beiden verlieben sich. Als Miles sich weigert, gegen einen thailändischen Kickbox‑Champion noch einmal in den Ring zu steigen, hängt ihm Lynch den Mord an einer Tänzerin des Clubs an. Katherine versteckt ihn vor der Polizei. Dann wird sie von Lynch entführt - und Miles damit gezwungen, in einer verlassenen Halle vor ausgesuchtem Publikum gegen Hector Sabetei anzutreten. In einem brutalen Kampf besiegt Miles seinen Gegner. Anschließend fordert er Lynch auf, Katherine freizulassen. Aber die beiden wissen zu viel. Lynch will nicht nur Katherine töten, sondern auch Miles …
Trotz des Titels, der schnörkellose Action verspricht, geht der Film in den ersten 30 Minuten einen unerwarteten Weg und konzentriert sich auf die Charakterentwicklung. So sind alle handelnden Figuren in „Kickboxer USA“ kunstbeflissen. Und in seiner Nackttanzbar wird sich äußerst ästhetisch zu erstaunlicher Musik bewegt. Allgemein tönt viel Jazz aus den Lautsprechern. Eine interessante Lichtsetzung und viele Spielereien mit Farben werten die betont düstere Optik auf. Sogar kleinere Erotikszenen wirken niemals schmuddelig.
Dabei scheint es „Kickboxer USA“ auch reichlich egal zu sein, ob sein Publikum wirklich unterhalten wird. Das erwartet bei einem Titel wie „Kickboxer USA“, der im Original „Night of the Warrior“ heißt und mit Lorenzo Lamas („Atomic Eden“) einen versierten B-Kicker an Bord hat, nämlich amtlich Fratzengeballer. Doch das behält der Film dem Zuschauer sehr lange vor.
Erst im Showdown wird wieder losgeknüppelt. Diesmal darf Lorenzo Lamas gegen James Lew („Defender - Straßenkrieg in L.A.“) ran. Das Ergebnis macht Laune, bietet ein paar hübsche Moves und wird ebenfalls an Bildern gereicht, die offenlegen: Hier soll es nicht platt aufs Maul geben. Es schließt sich ein etwas unrundes Finale an, das immerhin auch platzende Bloodpacks zu bieten hat. Viel mehr aber auch nicht.
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Lorenzo Lamas macht als Held eine gute Figur und wirkt vor allem im Zusammenspiel mit seiner damaligen Ehefrau Kathleen Kinmont („Final Round“) sehr souverän. Dass sein Charakter Kinmonts Figur verfällt, ist auch alles andere als unglaubwürdig. Frau Kinmont spielt hier schon sehr sexy auf.
Die Kunstgeilheit der Figuren wirkt weitgehend sehr bemüht und in Teilen auch unglaubwürdig. Zumindest sind die gebotenen Bilder und der darunter tönende Soundtrack mal was Anderes im B-Filmgenre. Lorenzo Lamas müht sich sichtlich, seine damalige Ehefrau ist eh immer ein Hingucker und sobald Action aufkommt, macht die auch Laune.
| Datum | Uhrzeit |
|---|---|
| Mi. 25.12.2002 | 01:15-02:55 |
| So. 15.07.2001 | 02:15-03:50 |
| Fr. 13.07.2001 | 22:10-23:50 |
| Fr. 21.04.2000 | 22:00-23:55 |
| Mo. 01.11.1999 | 22:15-23:55 |
