Kickboxen Gürtel Stufen System: Ein umfassender Überblick

Beim Kickboxen trägt man, wie bei vielen anderen Kampfsportarten auch, einen Gürtel. Dieser Artikel erklärt, was es mit dem Gürtel auf sich hat und welche Bedeutung er im Kickboxen hat.

Die Ursprünge des Gürtelsystems

Das Graduierungssystem über die Gürtel wurde, wie auch viele der Techniken, aus dem Karate übernommen. Ursprünglich trugen die Kämpfer nur schwarze und weise Gürtel (Obi). Diese dienten dazu, den Kampfanzug (Dōgi/Budōgi) zusammen zu halten. Erst der Begründer des Judo, Kanō Jigorō führte ab 1880 weitere Farben ein, als sich die Kampfkünste zum Kampfsport (Budosport) entwickelten.

Die Schüler trainierten nun nicht mehr nur in Kleingruppen persönlich bei "Ihrem" Meister, sondern in größeren Gemeinschaften. Getragen wurde: weis, braun, gelb und blau. Anhand der farbigen Gürtel konnte der Meister einfacher den Überblick behalten und die Schüler entsprechenden Untergruppen zuordnen.

Seit 1895 wurden 6 Schülergrade (Kyū) vergeben, wobei 6. der Niedrigste, und 1. der Höchste war. Später wurden hier bei uns im "Westen" weitere Farben hinzugefügt, vor allem um die langen Wartezeiten zur nächsten Prüfung gerade für Kinder zu verkürzen und überschaubar zu machen. Je nach Kampfkunst gibt es eine unterschiedliche Anzahl von Schülergraden: beim Aikido, Kobudu und Jiu Jitsu sind es z.B. 6 Kyū`s. Beim Judo, Karate und anderen 9. Meist finden 5 verschiedene Farben Verwendung. Bei machen Stilrichtungen tragen die Schüler zweifarbige Gurte, um einen Übergang zu symbolisieren. Andere verleihen 3 oder 4 Braungurte. Teilweise werden auch graue und violette Gürtel verwendet.

Allein die "roten Gurte" sind den Meistern ab dem 9. Dan und "rot-weiß" dem 6./7./8.Dan (bei manchen auch 10.Dan) vorbehalten.

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Die Bedeutung des Gürtels im Kickboxen

Der Gürtel hat für den Kickboxer nicht den Zweck wie für den Judoka oder Karateka, die Jacke zusammenzuhalten, sondern dient dem Erkennen des Ausbildungsstandes. Die Japaner behaupten auch manchmal, dass der Gürtel mit dem Schüler zusammen „Erfahrung sammelt“.

Es gibt einen Punkt einige Finger unterhalb des Bauchnabels, dem in der asiatischen Kultur die Entstehung der Lebenskraft (chi) nachgesagt wird. Ein an diesem Punkt gebundener Gürtel soll helfen, die Körperkraft besser fokussieren zu können. Verschiedenste Sportler nutzen diesen Gedanken zu ihrem Vorteil und setzen einen Gürtel genau dort an. Ein wirklicher Effekt ist nur schwer nachzuweisen, aber der Glaube hält sich hartnäckig.

Der Gürtel wird auf eine spezielle Art gebunden, die Euch zwar anfangs aufwendig erscheint, aber hervorragend zusammenhält. Es gibt keine speziellen Kickboxen Gürtel, sondern hier kommen die gleichen Gürtel zum Einsatz, wie Ihr sie im Handel oft unter dem Begriff „Budogürtel“ findet.

Die Gürtelfarben und ihre Bedeutung

Im Kickboxen beginnt das Gürtelsystem mit dem weißen Gürtel, gefolgt von den Farben Gelb, Orange, Grün, Blau und Braun, bevor der Schwarzgurt als höchster Rang erreicht wird. Jede Farbe symbolisiert einen bestimmten Ausbildungsstand und die damit verbundenen Fähigkeiten und Kenntnisse.

  • Weißer Gürtel: Als Anfänger habt Ihr einen sogenannten „weißen“ Gürtel, wobei hier einfach überhaupt keiner getragen wird. Es gibt auch keine Prüfung. Weiß wie der Schnee, der das Land bedeckt. Die Unschuldigkeit und die Hoffnung des Anfangs. Der Schüler ist unwissend doch offen und wissbegierig. Alles ist ungewiss. Ruhe und Langsamkeit, statt Kraft und Schnelligkeit. Es fehlt noch das Gefühl für die Bewegungen. Wie der fruchtbare doch noch gefrorene Erdboden am Beginn des Frühlings, auf dem Wissen und Können gedeihen soll.
  • Gelber Gürtel: Der Prüfling zum 5. Kyu muss hier eine sichere Fortbewegung in der Kampfstellung vorzeigen, verschiedene Geraden sowie Vorwärtsfußtritte an den Pratzen ausführen, vorwärts sowie rückwärts abrollen können, Euch gegen Eure Grundtechniken verteidigen und Würgeangriffe abwehren. Außerdem müsst Ihr den Begriff der Notwehr sinngemäß definieren können. Die Sonne scheint darauf. Der Schüler verliert seine anfängliche Scheu und fragt nach. Vergnügen und Freude an der Kampfkunst durch kleine Erfolge. Der Schüler sei gewarnt vor der Gefahr von Neid und Eifersucht auf höhere Schülergrade. Er befindet sich in einer aufgeregten Unruhe. Die Wärme der Sonne hat den Frost verjagt und den Boden fruchtbar gemacht. Der Same des bisherigen Unterrichts keimt, bleibt jedoch weiter unsichtbar. Bewegungen und Handlungsabläufe werden langsam vertraut, sie sind nicht mehr fremd und fühlen sich authentisch an. Der Schüler "taut auf" und versteht die Anweisungen des Meisters, scheut sich aber bisher das Gelernte vor allen zu zeigen. Behält er seine Bereitschaft zur ständigen Erneuerung, werden "Aha-Erlebnisse" (Erleuchtungen) folgen. Er ist aktiv, dynamisch, vital und fröhlich aufgeregt. Manchmal neigt er zu Übermut. Er ist herausgefordert Mut und Stärke zu entwickeln und für sein weiteres Wachstum Zeit und die ihm innewohnende Energie zu investieren. Wenn ihm das gelingt, kann er sehr gute Leistungen vollbringen.
  • Oranger Gürtel: Nach einer Vorbereitungszeit von ebenfalls 6 Monaten könnt Ihr die Kickboxen Prüfung zum 4. Kyu absolvieren. Hier kommt das Schattenkickboxen als Prüfungsteil hinzu und Ihr müsst nun mit den Fäusten auch Haken schlagen können, sowie den Halbkreistritt beherrschen. In der Selbstverteidigung müsst Ihr einen Sturz anfangen, Euch gegen einen Schwitzkasten sowie Unterarmwürgen verteidigen und Euch aus Handgelenkgriffen befreien. Der Theorieteil erfordert Euer Wissen über den Semikontaktkampf. Ambivalent & unentschlossen: Wie keine andere Farbe symbolisiert Orange im alten China den Wandel zwischen Denken & Handeln, Irdischen & Himmlischen, Diesseits & Jenseits, Stillstehen & Voranschreiten, Ying & Yang. Die ersten Pflänzchen brechen durch, im Schüler reift Erkenntnis. Die Anstrengungen haben sich gelohnt. Er agiert individuell angemessen (feiner abgestimmt) auf die Trainingssituation und besitzt ein vielseitigeren Fundus an Handlungsalternativen. Der Lehrer wird nicht mehr nur kopiert, der Schüler beginnt selbst zu variieren. Das Äußere, das Zeigen ist ihm wichtig (cool sein 😎). Nach dem ersten Überschwang und der Hektik entwickelt sich Ruhe und Konzentration. Es sind gute Grundlagen gelegt und die Bewegungen werden natürlicher. Der Schüler entwickelt heilsame Denkweisen und gewinnt an Selbstachtung und Sicherheit. Der Schüler hat nun ein tieferes Verständnis und soll seine Fähigkeiten zeigen Höheres anzustreben und auch zu erreichen. Der Himmel ist seine Grenze.
  • Grüner Gürtel: Ebenfalls 6 Monate nach dem 4. Kyu könnt Ihr die Prüfung zum 3. Kyu ablegen. Hier erwarten Euch zusätzlich die Aufwärtshaken mit den Fäusten sowie die Seitwärtstritte mit den Beinen. In der Selbstverteidigung sollt Ihr das seitliche Fallen beherrschen und Euch gegen Umklammerungen wehren. Erstmals müsst Ihr auch ein kurzes Sparring gegen alle bekannten Angriffe vorzeigen. In der Theorie wird Euer Wissen des Leicht- und Vollkontaktkampfes abgefragt. Die erlernten Techniken werden gut koordiniert und er ist solide in Stand und Haltung. Sein Selbstvertrauen ist (manchmal zu 😉) stark.
  • Blauer Gürtel: Nach 6 Monaten als Grüngurt könnt Ihr den Ausbildungsstand des 2. Kyu erlangen. Dafür müsst Ihr die Handtechniken der Vorstufen festigen und den Axttritt sowie den Tritt mit dem Außenrist erlernen. Das Sparring gehört hier ebenso zur Prüfung, wie die Selbstverteidigung gegen Stockangriffe und mehrere Gegner. Die Theorie besteht aus dem Wissen um die Geschichte des Kickboxen und die Formen Regelkunde. Neben Rot und Schwarz wurde besonders Violett bzw. Purpur zur Farbe der Könige und Priester. Es ist die Farbe der Erwartung, der Besinnung, des Verstandes und Wissens, der Ewigkeit, jedoch AUCH des Sterbens! Ebenso steht sie für Leidenschaft, Sinnlichkeit, Exklusivität, Individualität, Extravaganz, Macht, Überheblichkeit und Eitelkeit. Alles erscheint möglich. Der Schüler sei jetzt sehr achtsam und arbeite daran, ungute Verhaltensweisen abzulegen. Die Enttäuschung beim Erkennen der eigenen Unvollkommenheit kann ihn schwermütig machen. Violett steht weiter für: Vereinigung der Gegensätze. Die Brücke zwischen Können und Geist, zwischen Erde und Himmel. Zeit der Geburt und des Neuwerdens, der Transformation. Die Farbe der Einweihung. Der Weg ist mystisch und geheimnisvoll.
  • Brauner Gürtel: Als 1. Kyu habt Ihr 1 Jahr Vorbereitungszeit und müsst zusätzlich noch den Fußfeger und den Hakentritt erlernen. Die Vorführung aller gelernten Techniken im Sparring, alle Fallübungen und die Verteidigung gegen Messerangriffe und mehrere Gegner machen dieses Programm zum schwierigsten Kyu-Programm. Die Theorie besteht aus einer Zusammenfassung aller vorangegangenen Stufen und einem Lehrbeispiel. Der Schüler ist bodenständig, freundlich und angenehm im Umgang. Er meistert seinen Alltag und steht in der Realität. Er ist versöhnt mit seiner Vergangenheit und ganz bei sich Selbst. Er erinnert an die Rinde des großen und starken Baumes. Die Techniken sind gefestigt und der Schüler arbeitet selbständig. Sein Stand ist sicher. Braun ist Träger und Stoff des Lebens. Steht für Echtheit, Sicherheit, Festigkeit und Einfachheit. Das Äußere ist unwichtig geworden.
  • Schwarzer Gürtel (1. Dan): Wer die Prüfung zum 1. Dan erfolgreich abgelegt hat, darf sich im Kickboxen Meister nennen. Dafür müsst Ihr allerdings die Schlag- und Tritttechniken aller Schülergrad beherrschen und im Sparring offensiv und defensiv sicher anwenden können. Weiterhin werden Euch nun Sprungtritte abverlangt und die Verteidigung gegen angriffe, bei denen Ihr Euch am Boden befindet. Außerdem benötigt Ihr einen Lehrgang in Erste-Hilfe drei weitere Lehrgänge, wovon einer ein Kampfrichterlehrgang sein muss. Schwarz, die Farbe der Meisterschaft und des Weltalls, die alle Farben einschließt, dass Symbol für Wissen, Erfahrung und Autorität des Lehrers. Männlich und kraftvoll. Der Kämpfer hat das gesamte Licht / Wissen in sich aufgenommen. Das Ego tritt in den Hintergrund, es geht um die Sache an sich. Der Schüler hat seine Kunst, den Weg und vor allem sich Selbst gemeistert. "Für mich ist der Schwarze Gürtel Auszeichnung und Last. Geschenk und Aufgabe. Die Verantwortung, außerhalb vom Dojo, ohne Gi und Obi, meisterlich zu Leben und zu Handeln. Das, was ich auf der Matte von meinen SchülerInnen erwarte, selbst zu tun. Steht für: Eleganz, Macht, Bedrohlichkeit, Würde, Exklusivität, Individualität, Nüchternheit, Sachlichkeit und Kompetenz. "Der schwarze Gurt und der weiße Gurt sind beide gleich. Der Weiß-Gurt ist der Beginn der Technik, der Schwarz-Gurt der Beginn des Verstehens.

Die Dan-Grade im Kickboxen

Nach dem Erreichen des schwarzen Gürtels können im Kickboxen weitere Dan-Grade erlangt werden. Diese Grade kennzeichnen die Meisterschaft und das fortgeschrittene Wissen und Können im Kickboxen:

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  • Schwarzer Gürtel (2. Dan): Die Kickboxen Prüfung zum 2. Dan benötigt 2 Jahre Vorbereitungszeit und einen speziellen Vorbereitungslehrgang, sowie die C-Lizenz als Kampfrichter. Das Prüfungsprogramm wird ab hier völlig selbstständig vorgeführt.
  • Schwarzer Gürtel (3. Dan): Für den 3. Dan benötigt Ihr 3 Jahre Vorbereitung, einen C-Trainerschein und müsst einen Einsatz als Kampfrichter auf Landes- oder Bundesebene vorweisen können.
  • Schwarzer Gürtel (ab 4. Dan): Die Verleihung erfolgt auf Antrag vom Bundesverband durch den Weltverband.

Prüfungen im Kickboxen

In den meisten Kampfsportarten, die wir anbieten, besteht die Möglichkeit, Prüfungen abzulegen. Solche Prüfungen sind selbstverständlich kein Muss, aber sie sind ganz sicher Lernhilfe und Motivation fürs Dranbleiben bzw. auch, um (sich selbst) zeigen zu können, wie weit man bisher schon gekommen ist.

Abgefragt werden Abwehr- und Angriffstechniken, Theorie und am dem 3. Kyu Sparring (ab 3. Das Vorwissen aus vorangegangenen Prüfungen wird stichpunktartig abgefragt.

Am 2. November fand in Treuen eine besondere Veranstaltung für die Mitglieder des Kickboxvereins statt: die alljährliche Gürtelprüfung. Insgesamt 28 Teilnehmer traten an, darunter 23 Sportler aus Treuen sowie fünf aus Dresden und Chemnitz. Geleitet wurde die Prüfung von einem besonderen Gast: Sascha Gräske aus Leipzig, Weltmeister im Kickboxen und Präsident der WAKO Sachsen. Gräske, der selbst den 4. Dan trägt, leitete die Prüfung.

Die fünfstündige Veranstaltung gab den Sportlern die Möglichkeit, ihre Leistung und Technik auf den Prüfstand zu stellen und in den verschiedenen Gürtelstufen voranzukommen. Eine Gürtelprüfung im Kickboxen besteht aus verschiedenen anspruchsvollen Disziplinen: Die Teilnehmer müssen Schlag- und Fußtechniken demonstrieren, eine umfangreiche Fallschule darbieten, sich gegen Angriffe verteidigen können und die Abwehr von Schlagwaffen beherrschen. Zusätzlich wird auch ihr theoretisches Wissen in einer Theorieprüfung geprüft.

Alle Teilnehmer haben ihre Prüfungen erfolgreich bestanden und dürfen nun stolz den entsprechenden Gürtel tragen. Besonders bemerkenswert war die Leistung des jüngsten Teilnehmers, Mika Riedel, der mit gerade einmal neun Jahren nun den gelb-orangen Gürtel trägt. Herausragend war auch Tia Rynduch, die sich den braunen Gürtel erkämpfe und damit derzeit den höchsten Gürtel im Verein trägt.

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Individualisierung des Gürtels

Da es sich hier um normale Budogürtel handelt, gelten selbstverständlich die selben Regeln in der Individualisierung. Das heißt, dass Ihr Euren persönlichen Gürtel mit Eurem aufgesticktem Namen oder Vereinslogo im heimischen Training problemlos tragen könnt, für die Verwendung in Wettkämpfen allerdings können andere Regeln gelten. Hier hat wieder jeder Verband andere detaillierte Vorschriften.

Es gibt einmal die Möglichkeit, den Gürtel bereits mit Aufschrift zu bestellen, wobei je nach Länge des Aufdrucks zusätzliche Kosten anfallen. Manche Hersteller bieten sogar an, Bilder aufzubringen. Überzeugte Selbermacher und handwerklich Versierte können den Gürtel natürlich auch selbst besticken. Die Herausforderung ist bei der Materialstärke in jedem Fall gegeben.

Bedenkt hierbei allerdings, dass es sich beim Budogürtel um ein altes japanisches Symbol von Kampfkünstlern handelt, welche die Kampfkunst mit all ihrer Kraft lebten, bevor Ihr provozierende oder andere unüberlegte Aufschriften benutzt.

Pflege des Gürtels

Die Kickboxgürtel bestehen in den meisten Fällen aus vielen Lagen reiner Baumwolle, Seide oder aus einer Mischung. Diese Materialien sind zwar prinzipiell waschbar, aber die Verarbeitung der Gürtel verbietet die Maschinenwäsche in jeglicher Form. Hierbei könnte der Gürtel stark einlaufen oder sich einfach selbst „aufdröseln“. Beide Varianten stellen nicht die beste Option für eine langfristige Freundschaft mit Eurem Gürtel dar und Ihr müsst womöglich schneller einen neuen Kickboxen Gürtel kaufen, als Euch lieb ist.

Eine kalte Handwäsche ist zwar prinzipiell möglich, wird aber im Regelfall auch nicht durchgeführt. Da der Gürtel normalerweise nicht mit der Haut in Berührung kommt, nimmt er auch keinen Schweiß auf und muss demnach nicht gewaschen werden.

Die Länge des Gürtels

Es gibt Größentabellen der jeweiligen Hersteller, wobei sich diese nur unwesentlich unterscheiden. Generell wird die Länge über Eure Körpergröße bestimmt und passt in fast allen Fällen perfekt. Je nach Körperform kann es in Ausnahmefällen nötig sein, eine andere Länge zu nehmen, als die Tabelle empfiehlt. Im Zweifel könnt Ihr Euch sicher durch die Gürtellängen Eurer Mitschüler probieren, wenn Ihr sie freundlich bittet.

Organisationen und ihre Gürtelstufen

Durch die Entstehung aus dem Karate haben die meisten Verbände die Kickboxen Gürtel mit übernommen. Die einzelnen Dachverbände haben hier teils unterschiedliche Anforderungen, weshalb wir im Detail hier die Gürtelprüfungen der WAKO (als größte Organisation) vorstellen werden. Zwischen den einzelnen Graden sind Wartezeiten vorgeschrieben, die der Vorbereitung zur entsprechenden Kickboxen Prüfung dienen.

Nicht alle Verbände haben die Gürtelfarben eingeführt. Im Kickboxen werden Dan und Kyu Grade vom Schüler erlangt. Für den nächsthöheren Gürtel gibt es meist Mindest-Wartefristen.

Die WKUWORLD hat ein einzigartiges und innovatives Gürtelprüfungsprogramm eingeführt. Es enthält standardisierte und detaillierte Vorschriften vom weißen Gürtel bis zum 5. Dan. Im Vergleich zu anderen Gürtelprüfungen hat es ein höheres Qualitätsniveau und breitere Anforderungen. Eine grundlegende Neuerung ist das dreigliedrige Programm: Vorschulkinder, Schulkinder und Erwachsene. Für diejenigen Kinder, die früh mit dem Kickboxen beginnen, möchte die WKUWORLD ihnen die Möglichkeit geben, einen schwarzen Gürtel vor dem 18. Lebensjahr zu erhalten - vorausgesetzt, dass ihr Wissen und ihre Techniken von ausreichendem Standard sind.

Der Routing-Slip garantiert umfassendes Wissen und Ausbildung über reine Kickboxtechniken hinaus. Er fungiert als To-Do-Liste und bietet einen standardisierten Rahmen, der transparente und gleiche Testbedingungen für alle WKUWORLD-Mitglieder gewährleistet. Die Prüflinge müssen die Anforderungen erfüllen, um zu einer Braun-, einem ersten, zweiten oder dritten Schwarzgurtprüfung zugelassen zu werden. Dieser Routing-Slip listet alle Testkategorien für die Prüfung auf, wie z. B. die Qualifikationsperiode, Unterricht, Erste Hilfe, Kampfrichterausbildung und -beurteilung in der Praxis, Teilnahme an Turnieren und Seminaren, schriftliche Entwürfe sowie theoretisches und praktisches Wissen. Der praktische Teil macht nicht mehr als 1/3 des gesamten Prüfungsverfahrens aus. Wenn die Anforderungen am Prüfungstag nicht erfüllt sind, wird der Gürtel jedoch bis zum Abschluss des Routing-Slips zurückgehalten.

Vom weißen Gürtel bis zum fünften schwarzen Gürtel bietet das WKUWOLRD-Graduierungssystem einen Zeitplan für praktische Prüfungen - der einerseits ein standardisiertes sowie vergleichbares Prüfungsverfahren für die Prüfer ermöglicht. Andererseits garantiert es faire, transparente und vorhersehbare Testbedingungen für den Prüfling.

Kickboxen Gürtel im Überblick

Hier ist eine Tabelle, die die Gürtelstufen im Kickboxen zusammenfasst:

Gürtel Kyu-Grad Voraussetzungen
Weiß - Anfänger
Gelb 5. Kyu Sichere Fortbewegung, Grundtechniken, Notwehr
Orange 4. Kyu Schattenkickboxen, Haken, Halbkreistritt, Selbstverteidigung
Grün 3. Kyu Aufwärtshaken, Seitwärtstritte, Sparring, Leicht- und Vollkontaktkampf
Blau 2. Kyu Axttritt, Tritt mit dem Außenrist, Sparring, Selbstverteidigung gegen Stockangriffe und mehrere Gegner, Geschichte des Kickboxen
Braun 1. Kyu Fußfeger, Hakentritt, Sparring, Fallübungen, Selbstverteidigung gegen Messerangriffe und mehrere Gegner
Schwarz (1. Dan) - Beherrschung aller Techniken, Sparring, Sprungtritte, Selbstverteidigung am Boden, Erste-Hilfe-Kurs, Kampfrichterlehrgang
Schwarz (2. Dan) - 2 Jahre Vorbereitungszeit, Vorbereitungslehrgang, C-Lizenz als Kampfrichter
Schwarz (3. Dan) - 3 Jahre Vorbereitung, C-Trainerschein, Einsatz als Kampfrichter
Schwarz (ab 4. Dan) - Verleihung auf Antrag vom Bundesverband durch den Weltverband

Der Kickboxen Treuen e. V. gratuliert allen Teilnehmern herzlich zu ihrem Erfolg und ist stolz auf die beeindruckende Entwicklung und das Engagement der Sportler.

"So wie im menschlichen Leben die Weiterentwicklung der eigenen Persönlichkeit und des Lebens nie abgeschlossen ist, gibt es auch beim Taekwondo kein Ende, keinen Gipfel der Perfektion. Man lernt nie aus. Es gibt immer neue Ziele, die man in Etappen erreichen kann. Die meisten Ziele erscheinen bei der Zielsetzung weit entfernt. Erreicht man sie, hat man durch die Erfahrung an Weisheit gewonnen, die man unmittelbar für die persönliche Entwicklung nutzen wird.

Von Gürtelprüfung zu Gürtelprüfung steckt man sich neue Ziele, die geplant und mit Stetigkeit verfolgt zum Erreichen führen. Die Basis aller technischen Fähigkeiten ist mit dem Erlangen des 1. Dans (Schwarzgurt) erreicht. Danach beginnt das eigentliche Training.

Wie ein Pianist, der irgendwann jeden Griff beherrscht, jeden Tonlaufspielen kann, trotzdem hart üben muss, um seine Fähigkeiten zu immer neuen Blüten zu treiben, hat ein Taekwondo-Kämpfer mit dem ersten schwarzen Gürtel lediglich die wesentlichen Techniken und körperlich-geistigen Regeln des Kampfstils gelernt. Eine Kampfkunst zu erlernen, ist wie eine Schule zu besuchen. Die verschieden Gürtelfarben könnte man als Jahreszeugnisse sehen. Es bringt nichts, möglichst schnell die einzelnen Klassen zu durchlaufen, wenn du die Lektion dieses Wegstücks noch nicht durchlebt hast. Doch wenn du dir etwas erkämpft, errungen hast, dann bist du stolz. Dann zeigst du es gern und gehst achtsam damit um.

Den ersten DAN zu erreichen, entspricht vielleicht dem Abitur, dem Reifezeugnis. Es geht nicht darum eine bestimmte Farbe zu bekommen. Die Farbe sagt vielleicht etwas darüber aus WAS du kannst. Dein Gürtel steht für den Weg, welchen du gegangen bist, für Abläufe & Techniken, die du erlernt hast, für eine Stufe, welche Du nun erreicht hast. Es ist ein Zeugnis, eine Auszeichnung. Er sagt jedoch nichts darüber aus, WER du bist. Sowenig wie dein Schulzeugnis über deinen Charakter bzw. dich als Mensch Auskunft gibt, tut es auch dein Gürtel (nicht).

Doch viel wesentlicher ist die psychologische Wirkung auf den Schüler. Die Auszeichnung die neue Farbe tragen zu dürfen, etwas geschafft zu haben, stolz auf sich sein zu können. Erstaunlich ist oft der Entwicklungssprung im Training NACH der Verleihung. Eine Art "selbsterfüllende Prophezeiung". Es fühlt sich toll an endlich die neue Farbe tragen zu dürfen, jedes Mal in der Umkleide, beim Anlegen des Gürtels denkt der Schüler daran (selbst mir als Lehrer geht es nach vielen Jahren immer noch so). Die positive Erwartung des Trainers, der Anderen ("Du bist jetzt ein Grün-Gurt!") spornt an. Einen neuen Gürtel tragen zu dürfen, zeigt auch die (soziale) Anerkennung durch den Lehrer bzw. bei den Dan-Graden durch die verleihende Organisation. Es ist eine "Auszeichnung".

Grüppchenbildung (oder auch Auf-/Abwertungen) nach Farben sollte eigentlich durch die wachsende Reife der Schüler ausbleiben und widerspricht dem Gedanken der Gleichheit.