Viele Menschen interessieren sich für Kampfsportarten, um sich selbst verteidigen zu können und ihre Selbstsicherheit zu stärken. Eine beliebte Wahl ist Karate, insbesondere der Stil Shotokan. Dieser Artikel beleuchtet die Erfahrungen von Karateka, die Shotokan praktizieren, und vergleicht es mit anderen Stilen wie Kyokushin sowie anderen Kampfsportarten wie Kickboxen und Muay Thai.
Die Wahl des richtigen Stils
Die Entscheidung für einen bestimmten Karatestil hängt oft von den persönlichen Zielen und Vorlieben ab. Einige bevorzugen Shotokan, weil sie dort Faustschläge gegen den Kopf lernen, auch wenn ohne Kontakt. Andere ziehen Kyokushin in Betracht, wo zwar Schläge zum Kopf im Wettkampf nicht erlaubt sind, aber dennoch trainiert werden.
Einige Karateka suchen zusätzlich Sparringsmöglichkeiten und ziehen Kickboxen, Sanda/Sanshou oder Bojewoje Sambo in Betracht. Es gibt auch die Überlegung, ob es sinnvoll ist, direkt mit Shotokan und Vollkontakt-Kickboxen zu beginnen, da die Techniken sehr unterschiedlich sind.
Es ist verständlich, dass man eine Kampfkunst sucht, die auch Armtechniken gegen den Kopf beinhaltet, besonders in Situationen, in denen Kicks aufgrund von Platzmangel schwierig anzuwenden sind. In solchen Fällen könnte Wing Chun eine Alternative sein.
Erfahrungen im Shotokan Karate
Shotokan ist eher etwas für "Techniker", die ein Training auch mal gerne nur mit Kata verbringen können. Beim Shotokan ist das Training dreigeteilt: Kihon (Grundschulbahnen), Kata und Kumite. Im Kumite gibt es Treffer überall, nur eben zum Kopf nicht, es sei denn, jemand hält eine Pratze vor oder neben dem Kopf. Insgesamt wird das Shotokan-Training als technischer und umfassender erlebt.
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Einige Karateka finden ein ganzes Training nur mit Kata grausam, aber es gibt Trainer, die an dieser Stelle gucken, ob die Techniken stimmen.
Ich mache Shotokan und bereite mich gerade auf den 1.Dan vor. Bin also schon ein bissl dabei. Und weil ich mir auch sehr gerne andere Stile oder gar Kampfkünste angucke und auch schon woanders (als Gast) mit trainiert habe, weil ich auch mal über den eigenen Tellerrand gucken will, habe ich auch schon mal beim Kyokushin mitgemacht.
Shotokan Karate: Eine umfassende Kampfkunst
Shotokan Karate ist das am weitesten verbreitete System. Als Begründer dieser Karate-Schule gilt der von der japanischen Insel Okinawa stammende Gichin Funakoshi. Charakteristisch für diese Form von Karate ist ein tiefer Stand, der besonders dynamische und kraftvolle Bewegungen möglich macht.
Eine Trainingseinheit besteht aus diesen 4 Elementen:
- "Rei": Die Begrüßung als Ausdruck von Höflichkeit und Respekt.
- Aufwärmen mit klassischen Elementen und Koordinationsübungen.
- Übungen: Shotokan Karate ist ein waffenloser Sport mit geradlinigen Tritt-, Stoß-, Schlag- und Blocktechniken.
- Partnertraining, um das Gelernte im Kampf anzuwenden.
Kyokushin Karate im Vergleich
Beim Kyokushin bestand das Training hauptsächlich aus freiem Kämpfen, aber immer nur auf den Bauch oder generell auf den Oberkörper. Schläge gingen niemals zum Kopf. Tritte auch nicht, obwohl sie zum Kopf erlaubt sind. Dafür aber immer permanent Armtechiken auf den Körper. Kihon oder Kata wurden nicht trainiert. Es wurde eigentlich nur gekämpft, was eher wie Boxen oder Kickboxen wirkte.
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Es ist wichtig zu beachten, dass dies eine einseitige Erfahrung sein kann und es Kyokushin-Vereine gibt, die auch Kihon und Kumite machen.
Vor- und Nachteile von Karate
Karate ist eine sehr wirksame Selbstverteidigung und Shotokan der weltweit am verbreitetste Karatestil dieser japanischen Kampfkunst. Man trainiert vor allem Flexibilität, Koordinations- und Reaktionsfähigkeit, Schnelligkeit und Ausdauer. Das habe ich bei dem Training mit Paul auch schnell festgestellt.
Karate ist eine Kampfkunst der waffenlosen Selbstverteidigung. Der Körper wird so trainiert, dass Arm und Beine eine mit Waffen vergleichbare Schlagkraft entwickeln können. Im Karate werden Schlag, Stoß, Tritt und Blocktechniken trainiert.
Die explosionsartige Entfaltung der Kraft auf ein Ziel, wird Kime genannt. Kime ist ein Prinzip, das eine Technik des Karate vom Boxen und anderen Kampfsportarten unterscheidet. Im Training wird die Technik kurz vor dem Ziel gestoppt (sun dome), um den Übungspartner nicht zu verletzen.
Oberstes Ziel des Karate-do ist die Entwicklung des Charakters, dass jedes physische und psychische Hindernis des täglichen Lebens überwunden werden kann. Nicht der Sieg noch die Niederlage im Kampf stehen bei den Kampfkünsten im Vordergrund.
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Vorteile:
- Fördert Konzentration, Fokussierung und Körperbeherrschung.
- Verbessert Präzision, Taktik und Schnelligkeit.
- Beansprucht Körper und Geist.
- Ist eine sehr wirksame Selbstverteidigung.
Nachteile:
- Das Gürtelsystem ist in manchen Akademien fragwürdig.
- Karate ist bei Strassenkämpfen nur bedingt anwendbar und effektiv.
Das Gürtelsystem im Karate
Die Einstufung des Könnens erfolgt im Karate über ein Gürtelsystem. Das System unterscheidet zwischen Schülergraden, den sogenannten „Kyū“, und Meistergraden, den „Dan“. In dem in Deutschland meistverwendeten System gibt es 9 Kyū- und 10 Dan-Grade. Um den nächsthöheren Gürtel zu erlangen, muss eine Prüfung abgelegt werden.
Die Gürtelfarben und ihre Bedeutung:
| Gürtelfarbe | Stufe | Beschreibung |
|---|---|---|
| Weiß bis Orange | Grundstufe (9. bis 7. Kyū) | Motivation für jüngere Anfänger |
| Grün, Blau, Violett | Mittelstufe (6. bis 4. Kyū) | Erfordert ca. 1-2 Jahre Training |
| Braun | Fortgeschritten (3. bis 1. Kyū) | Erfordert ca. 3-5 Jahre Training |
| Schwarz | Dan Grad | Erfordert ca. 5-7 Jahre intensives Training |
Die 20 Regeln des Karate
Der Begründer des Shotokan-Karate Funakoshi Gichin hat basierend auf seiner Lebenserfahrung 20 Regeln aufgestellt, die alle Karate-Schüler auf Ihrem Weg (Dō) berücksichtigen sollen und die ihnen auch außerhalb des Sports den Weg weisen:
- Karate beginnt und endet mit Respekt.
- Im Karate gibt es keinen ersten Angriff.
- Karate ist ein Helfer der Gerechtigkeit.
- Erkenne dich selbst zuerst, dann den anderen.
- Intuition ist wichtiger als Technik.
- Lerne deinen Geist zu kontrollieren und befreie ihn dann.
- Unheil geschieht durch Nachlässigkeit.
- Karate ist nicht nur im Dojo.
- Die Ausbildung im Karate geht ein Leben lang.
- Verbinde dein alltägliches Leben mit Karate, das ist der Zauber der Kunst.
- Wahres Karate ist wie heißes Wasser, das abkühlt, wenn du es nicht beständig erwärmst.
- Denke nicht ans Gewinnen, denke darüber nach wie du nicht verlierst.
- Wandle dich abhängig vom Gegner.
- Der Kampf hängt von der Handhabung des Treffens und des Nicht-Treffens ab.
- Stelle dir eine Hand und deinen Fuß als Schwert vor.
- Wenn man das Tor zur Jugend verlässt, hat man viele Gegner.
- Das Einnehmen einer Haltung gibt es beim Anfänger, später gibt es den natürlichen Zustand.
- Übe die Kata (imaginärer Kampf) korrekt, im echten Kampf ist das eine andere Sache.
- Hart und weich, Spannung und Entspannung, langsam und schnell - alles in Verbindung mit der richtigen Atmung.
- Denke immer nach und versuche dich ständig an Neuem.
Tipps zur Wahl des richtigen Vereins
- Probestunde vereinbaren: Nehmen Sie die einzelnen “Dojos“ genauer unter die Lupe! Meist kann man dort eine kostenlose Probestunde vereinbaren.
- Achten Sie auf den Frauenanteil: Wer in ein Dojo kommt sollte sich als Frau vor allem wohl und nicht in der Unterzahl fühlen! Beobachten Sie wie die Trainer mit den Schülerinnen umgehen und welches Konzept des Kampfsports sie vermitteln.
- Sprechen Sie mit anderen Karateka: Haben Sie Freunde die bereits Karate machen oder haben bei der Probestunde jemanden kennengelernt? Dann stellen Sie dieser Person alle ihre Fragen.
Fazit
Karate ist eine ausgezeichnete Sportart, die Körper, Geist und Seele trainiert. Es ist eine sehr wirksame Selbstverteidigung und Shotokan der weltweit am verbreitetste Karatestil dieser japanischen Kampfkunst.
