Karate Tiger Filmreihe: Eine Reise durch die deutsche Videohistorie

Unter dem Namen Karate Tiger wurden im deutschsprachigen Raum mehrere Martial-Arts-Filme veröffentlicht.

Am Beginn einer Weltkarriere stand „Karate Tiger“.

Grundsätzlich ist die Reihe aus dem Film No Retreat, No Surrender hervorgegangen, der zwar viermal fortgesetzt worden ist, allerdings haben diese Filme mit dem ersten Film nur den Titel gemeinsam.

Das keiner der bis 1996 veröffentlichten zehn Teile der Serie wirklich „Karate Tiger“ heißt, stört heute eigentlich niemanden mehr.

Der im Original mit „No Retreat, No Surrender“ betitelte Streifen ebnete nicht nur der langlebigsten Filmreihe der deutschen Videohistorie den Weg, sondern führte auch den damals 25-jährigen Belgier Jean-Claude Van Damme in den Orkus des Actionfachs ein.

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Einer der Gründe hierfür ist das die Video-Verleiher die Filme importiert haben und nach Gutdünken mit deutschen Titeln versehen haben.

So sind auch chronologische Fehler in der Filmreihe enthalten.

Daneben wurden Filme aus der Filmreihe Kickboxer und Best of the Best integriert.

Bei deren Auftakt blieb ohnehin nur der schlagkräftige Kurzauftritt Van Dammes haften.

In Hongkong war die Mär der ´Rival Schools´ längst ein alter Hut, als Corey Yuen das Prinzip für den US-Markt aufkochte.

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Yuen, der sich in seiner Heimat als Regisseur, Produzent, Darsteller und Action-Choreograph etablieren konnte, zählt zu den geschäftigsten Vertretern seiner Zunft.

Mehr als 30 Filme entstanden seit den frühen Achtzigern unter seiner Leitung, in mehr als 50 wirkte er mit.

Zu seinen bekanntesten Arbeiten zählen „Saviour of the Soul“, „Fong Sai Yuk“, „So Close“ und die Luc Besson-Produktion „The Transporter“.

Die Handlung von Karate Tiger

Von einem skrupellosen Verbrecher-Syndikat unter Druck gesetzt, flieht der Karate-Lehrer Stillwell von Los nach Seattle, um eine neue Existenz aufzubauen.

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Als sich Tom Stillwell (Timothy D. Baker, „Blackbelt”) weigert seine Karateschule mit einer Bande brutaler Gangster zu teilen, schlägt ihn der grimmige Scherge Ivan (Jean-Claude Van Damme) zum Krüppel.

Sein Sohn Jason (Kurt McKinney), ein glühender Verehrer von Bruce Lee, ist über das feige Verhalten seines Vaters tief enttäuscht.

Mit Sack und Pack zieht Tom in eine andere Stadt und kehrt dem Kampfsport den Rücken.

Dessen erklärtes Vorbild ist Bruce Lee.

Niedergeschlagen pilgert Jason in Seattle, der Heimatstadt Lee's, ...

Sein Sohn Jason (Kurt McKinney, „Sworn to Justice“) jedoch ist völlig vernarrt in die Martial-Arts und trainiert emsig in der heimischen Garage.

Gerecht wird Jason der Legende seines Idols allerdings nicht, wird der arrogante Prahlhans doch allerorten gehörig vermöbelt.

Weil Jason in der Zwischenzeit nicht länger den Prellbock spielen möchte, heult er sich am Grab von Bruce Lee die Äuglein aus dem Kopf.

Deren Bruder Ian (Ron Pohnel) betreibt selbst eine Schule für Karate und Kickboxen, was alsbald die bekannten Gangster auf den Plan ruft.

Und siehe da, der Geist des großen Meisters schaut tatsächlich mal für eine Trainingsstunde in der Garage seines Fans vorbei.

Dort funktioniert Bruce Lee (Kim Tai Chong, „Fist of Death“) den fleißigen Teilzeitschüler zur gestählten Kampfmaschine um und entschwindet wieder ins gleißende Licht des Nachlebens.

Um der aufgestauten Spannung gleich vorweg zu greifen: Jason bekommt das Mädchen, Vater Einsicht und Van Damme hübsch blödsinnig die Fresse poliert.

Der spätere Action-Star spielt in seinem Debüt eine denkbar kleine Rolle.

Zu Beginn und Ende schaut er mal kurz vorbei und mit der Ausstrahlung eines Pfundes Steckrüben dröge in die Kamera.

Dabei schärft der Film nicht nur die Sinne gegen Russen, sondern auch gegen fettleibige Teenager.

Bei all dem herrlichen Nonsens kommt unfreiwilliger Humor natürlich nicht zu kurz.

Sei es das stets selbstklebende Bruce Lee-Poster, der auf Michael Jackson gebürstete schwarze Sidekick oder die deutsche Synchronisation - für Trash-Fans wird bei „Karate Tiger“ gleich beidhändig aus den Vollen geschöpft.

Textliche Einfalt des Schlages „Komm mir nicht in die Quere Fatzke“ oder „Hörst du das Fatzke? Sie weiß wer der Beste ist.“ ist da bloß der sprichwörtliche Tropfen auf dem heißen Stein.

Absolutes Highlight ist jedoch der verhinderte Bruce Lee-Ersatz.

„Karate Tiger“ ist eine krude Mischung aus Coming-of-Age-Film und Martial-Arts-Spektakel.

Die finalen Kampfszenen sind gut choreographiert und mit Tempo inszeniert, der Rest ist künstlerisches Schweigen im Walde.

Spaß macht der muntere Unfug trotzdem - und sei es einzig aufgrund seiner überbordenden Lächerlichkeit.

Mit Philosophien aus dem Glückskeks und Handlungssegmenten, die jeder Vorabend-Soap die Schamesröte ins Gesicht treiben würden, unterhält der grobe Schabernack auf ganzer Linie.

Und eine passende Moral von der Geschicht´ serviert der Streifen gleich dazu: Flenne lang genug am Grab deines größten Idols und alles wird sich zum guten wenden.

American Karate Tiger

Der Film American Karate Tiger (OT: Showdown) aus dem Jahr 1993, kann als Spin-Off-Film angesehen werden, der nichts mit der ursprünglichen Filmausfüllung durch andere Einzelfilme zu tun hat.

Zensur und Fassungen

Der Film Karate Tiger lief in den deutschen Kinos in einer um mehr als 5 Minuten gekürzten Fassung.

Alle darauffolgenden Video- und TV-Fassungen beinhalten diese Handlungsschnitte ebenfalls.

Genauso wie die ersten DVDs.

Erst viel später kam es zu einer ungekürzten Veröffentlichung und auf der Hülle wird auch explizit darauf hingewiesen.

Die Video- und DVD-Fassungen haben in der Regel eine FSK 16-Kennzeichnung auf der Hülle.

Das liegt aber nur an den Trailern.

Der Film selbst ist weiter FSK 12.

Im TV läuft nach 20 Uhr weiterhin die um Handlung gekürzte alte Kinofassung.

Vor 20 Uhr gibt es zusätzliche Zensurschnitte.