Kampfsportler werden im Gegensatz zu Fußballern nicht so ins das Rampenlicht gestellt. Der weltweit erfolgreichste Sportler im olympischen Taekwondo ist Steven Lopez aus den USA.
Die Wurzeln des Taekwondo
In den alten Königreichen von Korea war Taekwondo unter verschiedenen Namen bekannt: Subyokta, Kwonbaek, Byon und Taekyon. Die beiden südlichen Länder Baek Je und Silla lebten in ständiger Wachsamkeit gegen die militärische und wirtschaftliche Bedrohung durch Koguryo aus dem Norden. Vor allem für Silla wirkte sich das insofern positiv aus, als die eigene Kraft und Stärke in jeder Beziehung erhalten und verbessert werden mußte.
Man erkannte hier, daß eine geistige Überlegenheit die Grundlage für das Widerstandsvermögen gegen den Norden war, und so entwickelte man vielerlei Systeme, die die geistige Substanz des Volkes nährten und verbesserten. Zu diesem Zweck wurde unter anderem im 6. Jahrhundert n. Chr. von dem König Chin-Hung das Hwarang-Do gegründet, eine Organisation, in der die talentierte Jugend der damaligen Zeit aufgenommen und im Ideengut des Zen unterrichtet wurde. Dieses Ideengut wendete man auf verschiedene Künste, Wissenschaften und die Selbstverteidigung an. Damit war der Grundstein für die Geschichte und Entstehung des Taekwondo gegeben.
Für die Hwarang-Do-Bewegung resultierte aus dem Gedankengut des Zen eine unüberwindbare Stärke, die schließlich zu einer friedlichen Vereinigung der drei Königreiche unter der Leitung Sillas führte. In der folgenden Silla-Dynastie wurde Soo Bak Gi und Taek Kyon zur nationalen Kriegskunst erklärt, in der jährlich Wettkämpfe ausgetragen wurden, um den besten Kämpfer zu ermitteln. Der Wettkampfsieger erhielt einen bedeutenden Posten in der Regierung.
Auch während der Koryo-Dynastie (918 - 1392 n. Chr.) erfreuten sich die kriegerischen Künste großer Beliebtheit. Als im 14. Jahrhundert die Lee-Dynastie folgte, wurde das Taekyon nur noch von kleinen Gruppen am Leben erhalten und die Taekwondo Geschichte stagnierte mehrere Jahrhunderte lang. Im Jahr 1910 erfolgte die Besetzung Koreas durch Japan und Taekyon wurde in seiner öffentlichen Ausübung verboten.
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Die Wiederbelebung des Taekwondo
Nach der Niederlage der Japaner 1945 war das Interesse vorhanden, das Taekyon und seine Techniken der Öffentlichkeit zugänglich zu machen. Es erfolgte schnell eine allgemeine Verbreitung und in dieser Zeit entstand eine Bewegung unter der Führung von General Choi Hong-hi. General Choi Hong-hi (1918-2002) wurde beauftragt, das Taekyon neu zu ordnen und eine umfassende äußere Organisation zu entwerfen.
Im Rahmen dieser Neuordnung änderte er auch 1955 unter Mithilfe eines Komitees, dem bedeutende Persönlichkeiten Koreas angehörten, den Namen des Taekyon in Taekwon-Do, was soviel wie „der Weg des Fußes und der Hand“ heißt. General Choi Hong-hi gilt als Begründer und wichtiger Motor der weltweiten Verbreitung und Geschichte des modernen Taekwondo.
Zwischen 1950-1953 entwickelten die Meister Südkoreas unter Leitung von General Choi Hong-hi einen neuen Kampfsport nach dem japanischem Modell. Taekwondo vereinte die bestehenden Stilrichtungen Chang Hon Yu, Chang Moo Kwan, Chung Do Kwan, Chi Do Kwan, Oh Do KWan, Yul Kwan Sool, Kang Duk Kwan, Yun Moo Kwan und andere.
1955 führte General Choi Hong-hi im Auftrag der südkoreanischen Regierung Taekwando als Nationalsport ein. Die Disziplin wurde schnell zum koreanischen Volkssport und als Pflichtfach auch an allen Militärakademien und Polizeischulen des Landes gelehrt. Ein Graduierungssystem (Dan Gup Jedo) wurde gegründet und Regeln für den Wettkampf erstellt.
1961 wurde General Choi Hong-hi der erste Präsident der Korean Taekwondo Association (KTA). 1965 brach als wichtiger Meilenstein in der Geschichte eine Abordnung höchster Danträger von Korea auf, um das Taekwondo in der ganzen Welt zu verbreiten. Seit dieser Zeit wird diese koreanische Kampfkunst auch in Europa unterrichtet. In der deutschen Delegation von Choi Hong-hi war übrigens auch Taekwondo-Großmeister Jae-Hwa Kwon.
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Die Spaltung und die Gründung der Weltverbände
Die moderne Taekwondo-Geschichte gipfelte in der Gründung von zwei großen Weltverbänden: Dem ITF 1966 unter General Choi Hong-Hi und der WTF 1973 unter Kim Un-Yong. Die Taekwondo-Techniken und Stile beider Verbände sind im Grunde identisch. Die beiden Stile unterscheiden sich in ihrer Geschichte vor allem in der Namensgebung, in den Formenläufen (Taegueks, Poomse) und in der Art des Wettkampfes (Semi-Kontakt, Vollkontakt).
Die WTF wurde 1973 als Reaktion auf die Emigration von General Choi Hong-Hi und die parallel stattfindende Verlegung der ITF-Zentrale nach Kanada gegründet. Die Begründung dafür war, dass Taekwondo als koreanischer Nationalsport seinen Zentralsitz unbedingt in Korea haben muß. In Deutschland ist nur das olympische WTF Taekwondo System offiziell anerkannt.
Der Hauptunterschied zwischen den beiden Weltverbänden ist, dass der WTF im Gegensatz zum ITF versucht, den Sport und die Wettkämpfe publikumswirksamer und attraktiver zu gestalten. Das Hauptquartier der World Taekwondo Federation ist das Kukkiwon in Seoul (Südkorea).
Herausragende Persönlichkeiten im Taekwondo
Ko Eui-Min
Ko Eui-Min wurde 1942 in der Stadt Asan, 80 km von der koreanischen Hauptstadt Seoul entfernt, geboren. Bereits in jungen Jahren wusste Ko Eui-Min, dass Taekwondo sein Lebensinhalt sein würde. Er hatte damals eine Vision, wie er Taekwondo weiter zu entwickeln hat, damit es auf der ganzen Welt bekannt werden würde.
Im Alter von nur 32 Jahren war er der jüngste koreanische Nationaltrainer aller Zeiten. Er brachte 15 Weltmeister, 28 Asienmeister und über 100 koreanische Meister in seiner aktiven Trainerlaufbahn hervor. Nach ihm zogen seine Meisterschüler Kim, Sei-Hyeok (Korea), Kim Chul-Hwan (Deutschland), Kim Young-Ki (Spanien), Yu Young-Hap (Spanien), Kim Chul-Hoe (USA), Shin Jang-Hwan (Österreich), Son Tae-Hwan (Canada), Ju Shin-Kyu (Korea) ebenfalls unzählige Europa-, Asien-, Weltmeister und Olympia-Sieger heran. Aus der Stammriege von Meister Ko stammen ca. 25% aller Weltmeistertitel von 1975 bis zum jetzigen Zeitpunkt.
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Steven Lopez
Der weltweit erfolgreichste Sportler im olympischen Taekwondo ist Steven Lopez aus den USA.
Michael Arndt
Der Rekordhalter unter den deutschen Athleten ist Michael Arndt, der 1980 und 1986 die Europameisterschaft gewann, anschließend 1987 den Sieg bei der Weltmeisterschaft und 1988 eine Bronzemedaille bei Olympia holte, sowie 1989 den 1. Platz beim World Cup und den World Games gewann.
Helena Fromm
Die erfolgreichste deutsche Frau ist Helena Fromm, die die erste Bronzemedaille bei Olympia gewann.
Chuck Norris
Das Vorzeigeexemplar unter den Schauspielern ist der durch seine perfekten Tritte bekannte Chuck Norris, dessen Markenzeichen, der Roundhouse-Kick, jedem von Euch noch geläufig sein dürfte. Obwohl ihn diverse Witzeleien in den letzten Jahren häufig als Scheinheld dastehen lassen, ist Chuck Norris Träger des 8. Dan im Taekwondo.
Weitere bemerkenswerte Taekwondo-Kämpfer:
- Der Engländer Scott Adkins, bekannt aus „X-Men Origins: Wolverine“ und „The Expandables 2“, trägt den schwarzen Gürtel im Taekwondo.
- Der US-amerikanische Schauspieler Michael Jai White spielte in verschiedenen Martial-Arts-Filmen.
- Renato Marni, achtzehnfacher Taekwondo-Weltmeister.
Taekwondo in Film und Fernsehen
Taekwondo wird zwar selten in Filmen beim Namen genannt, es gibt jedoch den einen oder anderen Kampfsport-Schauspieler, der im wahren Leben Taekwondo gelernt hat. Die Auswahl ist allerdings, vermutlich aufgrund der schwachen Verbreitung des Taekwondo vor der Gründung der WTF in 1973, nicht sehr groß.
Auffallend ist ebenfalls, dass diverse Stuntmen im Genre Martial-Arts Taekwondo lernten, um ihre Beintechniken zu perfektionieren.
Einflussfaktoren auf die Entwicklung von Taekwondo
Kim Seong Hoon: Als technischer Direktor des venezolanischen Taekwondo-Verbandes bin ich für die Bereiche Junioren, Senioren, Kyorugi, Poomsae und Para-Taekwondo zuständig. Aber zuallererst möchte ich mich bei allen Athleten bedanken, die in jeder Situation ihr Bestes gegeben haben, egal wie schwierig die Situation war.
Kim Seong Hoon's Erfahrungen und Erfolge
- Die erste Medaille in der Geschichte Venezuelas für Frauen bei den Olympischen Spielen in Athen.
- Die einzige Medaille für Venezuela bei den Olympischen Spielen 2008 in Peking.
- 2004, die höchste Medaille von Präsident Chavez.
- 2008 als erster Ausländer der venezolanischen Journalistenpreis für den besten Coach.
- 2005, 2009, 2013 drei aufeinanderfolgende Siege für das Frauen- und Männerteam bei den Bolivarischen Meisterschaften.
- 2014, 2018, zwei aufeinanderfolgende Siege bei den Südamerikanischen Spielen in der Gesamtwertung der Männer und Frauen.
- Gesamtsieg der Frauen bei den Spanish Open 2003.
- Gesamtsieg der Frauen bei den Cuba Open 2004.
- Gesamtsieg der Frauen bei den Croatia Open 2015.
Kim Seong Hoon: Ich habe mit 13 Jahren angefangen, Taekwondo zu trainieren, weil mir viele Leute empfohlen haben, es aufgrund meiner guten körperlichen Voraussetzungen zu betreiben. Nach etwa einem Monat Training gewann ich eine Goldmedaille bei einem Wettkampf, bei dem ich gegen mehrere Sportler antrat, die mehr Erfahrung hatten als ich.
Taekwondo als Lebensweg
Kim Seong Hoon: Ich glaube nicht, dass ein Mensch mit allem zufrieden sein kann, egal, in welchem Land er lebt. Wenn es etwas zu gewinnen gibt, gibt es auch etwas zu verlieren: Es wäre Gier, zu denken, dass man alles bekommen kann, was man will. Deshalb ist es wichtig zu lernen, dass das, was weggeworfen werden muss, auch weggeworfen werden sollte.
Es ist nicht Samsung, das für seine elektronischen Geräte berühmt ist, und auch nicht der K-Pop mit seinen Idolen, der mich an Korea denken lässt, während ich in einem fremden Land lebe, sondern es sind die „Eins, zwei, drei“-Rufe der Studenten und ihr „Hallo“ und „Danke“ mit ihrem unbeholfenen Koreanisch, während sie in ihren weißen Doboks schwitzen, die mir die Kraft geben, in einer so unsicheren Umgebung zu leben.
