Karate: Gesundheitliche Aspekte, Vorteile und Nachteile

„Alte und Junge, Männer und Frauen, jeder kann Karate üben: Karate kann Menschen für verschiedenartigste Zwecke dienlich sein. Zudem kann Karate zur Selbstverteidigung genutzt werden …― (Kenei Mabuni: Leere Hand, S.

Mabuni schreibt später weiter: „Männer bekommen eine ausgewogenen, starken Körper, und für Frauen ist es ein ideales Schönheitstraining.

Da es keinen besonderen Raum noch Gerätschaften oder spezielle Kleidung braucht, gibt es keine einfachere Methode, einen guten Gesundheitszustand zu schaffen.

Leider ist Karate eine Sportart, die sich Menschen ab den mittleren Lebensjahren nicht mehr unbedingt „antun― wollen.

Oftmals belegt ein Vorurteil, „man haue dabei ja nur drauf―.

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Wir wissen, dass aus medizinischer Sicht der körperliche Abbauprozess mit dem 25. Lebensjahr beginnt.

Je früher wir uns einer gesunden, aktiven Lebensweise verschreiben, desto besser sind wir für die Zeit nach dem 45. Lebensjahr gerüstet.

Die vier Dimensionen des menschlichen Lebens

Der bekannte Gerontologe Prof. Dr. B. geht von vier Dimensionen aus:

  1. Die physische Dimension, bei der es um die körperliche Leistungsfähigkeit geht.
  2. Die psychische Dimension, die das emotionale und geistige Wohlbefinden umfasst.
  3. Die soziale Dimension, die soziale Kontakte und Beziehungen beinhaltet.
  4. Die spirituelle Dimension, die Sinnfindung und Werteorientierung einschließt.

Als Mensch lässt sich auf Dauer nur erfolgreich leben, wenn all diese Bereiche beachtet und miteinander in Einklang gebracht werden.

Sämtliche Dimensionen hängen voneinander ab und können manchmal schwer voneinander getrennt werden, weil sie ineinander greifen.

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Wichtig zu wissen ist, dass unsere körperliche und geistige Leistungsfähigkeit schnell nachlässt, sobald wir aufhören uns weiterzuentwickeln.

Wir sind nicht für die Couch vorgesehen!

Flexibilität (Gelenkigkeit)

Unter Flexibilität (Gelenkigkeit) verstehen wir das willentlich mögliche Bewegungsausmaß in einem oder in mehreren Gelenken.

Es ist wichtig, die körperliche und geistige Beweglichkeit zu erhalten, um aufgeschlossen und flexibel durchs Leben zu gehen.

Körperliche Beweglichkeit bildet sich im Geiste ab und ebenso umgekehrt.

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Eine altersbedingte nennenswerte Beeinträchtigung der Flexibilität setzt durchweg jenseits des 50. bis 55. Lebensjahres ein.

Es wird empfohlen, zwei- bis sechsmal die wichtigsten Gelenke durch Beuge- und Dehnungsübungen flexibel zu halten in Kombination mit der Atmung.

Befragt man ältere Menschen, was sie dafür getan haben, um beweglich und flexibel zu bleiben, so sind es regelmäßige Bewegungsrituale, z.B. schwimmen gehen, eine Sportart ausüben wie Yoga, Tai-Chi oder QiGong.

Zu einem Karatetraining für Ältere gehören also unbedingt auch „weiche Formen―, um den Bewegungsfluss im Körper wieder in Gang zu bringen.

Muskelkraft

Ab dem 50. Lebensjahr nimmt die Muskelkraft pro Jahrzehnt (zehn Jahre) um etwa vier bis acht Prozent zurück.

Für viele alltägliche Bewegungen ist Muskelkraft notwendig.

Eine unterentwickelte Muskulatur kann sehr leicht zu Verletzungen führen und macht auch unsicher und ängstlich.

Man traut sich nichts mehr zu, d.h. sogar eine psychologische Komponente spielt hier mit rein.

Zwischen dem 50. und 70. Lebensjahr nimmt die Kraft der Oberschenkelmuskulatur um etwa 30 Prozent ab.

Und nach dem 70. Lebensjahr beschleunigt sich dieser Prozess noch.

Als Hauptfaktor des Muskelschwundes stellt sich eine langfristige körperliche Inaktivität und speziell das Fehlen von intensiven Kraftbeanspruchungen heraus.

Die Schnellkraft und Kraftausdauer bauen auf ihr auf.

Eine trainierte Muskelkraft kann bei vielen Bewegungen eingesetzt werden, z.B. bei allen Bewegungskombinationen im Karate.

Der altersbedingte Rückgang der Muskelkraft ist einerseits auf eine Verminderung der Zahl der Muskelfasern zurückzuführen.

Andererseits ist eine Rückentwicklung der Querschnittsgröße der einzelnen Muskelfaser zu beobachten.

Jenseits des 30. Lebensjahres nimmt die Muskelmasse kontinuierlich ab, wobei etwa sechs Prozent der Muskelfasern pro Lebensdekade abgebaut werden.

Ein relevanter altersbedingter Kraftverlust tritt durchschnittlich erst nach dem 60. Lebensjahr auf.

Ursache ist die Querschnittsverminderung der einzelnen Muskelfasern, ausgelöst durch eine zunehmende körperliche Inaktivität.

Besonders betroffen sind vornehmlich schnellen Muskelfasern (die sogenannten Typ-II-Fasern).

Beim Durchschnittsmenschen kann man in Bezug auf den Gesamtkörper davon ausgehen, dass ca. 35 bis 40 Prozent der gesamten Muskelmasse durch Krafttraining aufgebaut werden können.

Es ist also nicht möglich, mit einem ausschließlichen Krafttraining gesundheitlich positive Effekte für Herz, Kreislauf und Atmung zu erzielen.

Auch das Bindegewebe - Zellen und Substanzen, die sich zwischen den Organzellen befinden - wird durch Krafttraining gestärkt.

In Verbindung mit Kraftentwicklung wirken Knochen als strukturelle Unterstützung wie auch als Hebel in der Übertragung von Muskelkräften.

Durchmesser von Röhrenknochen (z. B. im Oberschenkel ) können sich hochsignifikant vergrößern.

Zudem wird die Knochendichte erhöht, was dem Abbau entgegenwirkt.

Auch der Gelenkknorpel erfährt durch Krafttraining eine positive Beeinflussung, eine Zunahme der Dicke kann festgestellt werden.

Es hat sich gezeigt, dass Krafttraining und Ausdauertraining gut getrennt trainiert werden kann.

Das erfordert wenig Zeit- und Mittelaufwand.

Sogar im hohen Alter jenseits des 90. Lebensjahres konnten noch Kraftzuwächse erzielt werden.

Druck und Zug sind die entscheidenden Größen, Knochenabbau und Mineralverlust zu begegnen.

Es konnte ein intensiv funktionierendes Biofeedbacksystem zwischen dem Muskelstoffwechsel und bestimmten Gehirngebieten registriert werden.

Durch die Ausschüttung von Neurotransmittern und Wachstumshormonen werden auch positive Auswirkungen auf das limbische System im Gehirn (wo unsere Emotionen sitzen) erzeugt, was hilft Stress besser fertig zu werden.

Im Solarplexus, also in der Bauchregion, laufen die meisten Blutgefäße zusammen.

Von dort aus werden die Informationen auch an das „Kopfhirn― weitergeleitet.

Dies hilft ungemein, um emotionale Tiefen besser zu bewältigen.

Man ist in der Tat innerlich fokussierter und zentrierter, was einem hilft, „wie ein Fels in der Brandung― stehen zu können, verwurzelt zu sein „wie ein Baum―.