Karate feiert in diesem Jahr seine Premiere bei den Olympischen Spielen. Das Besondere daran ist, dass der Kampfsport aus Japan stammt und somit eine Heimpremiere erlebt. Athletinnen und Athleten können in zwei Disziplinen antreten.
Die Disziplinen: Kata und Kumite
Im Karate-Wettkampf werden zwei Disziplinen ausgetragen: Kumite und Kata.
- Kumite (Kampf): Hier stehen sich zwei Karateka auf einer Kampffläche (Tatami) gegenüber und versuchen, Stoß-, Schlag- und Tritt-Techniken in Richtung Kopf, Torso und Rücken anzubringen. Die Kriterien sind so gehalten, dass Verletzungen der Gegnerin bzw. des Gegners möglichst ausgeschlossen sind. Ein Kumite-Duell dauert drei Minuten.
- Kata (Form): Diese Disziplin ist eine Abfolge genau festgelegter Angriffs- und Abwehrtechniken in verschiedenen Richtungen gegen imaginäre Gegner. Beim Kata demonstriert der Athlet oder die Athletin alleine auf der Matte verschiedene Angriffs- und Verteidigungstechniken, also Schläge und Tritte. Dabei stehen 102 festgelegten Kata zur Auswahl. Ein Kata darf im Turnier nur einmal präsentiert werden.
Die deutschen Athleten und ihre Vorbereitung
Jasmin Jüttner, Ilja Smorguner, Jana Messerschmidt, Anna Miggou, Johanna Kneer, David Kuhn und Noah Bitsch - sie alle hatten das Ziel, an den Olympischen Spielen in Tokio teilzunehmen. Es wäre nicht nur die Krönung ihrer sportlichen Laufbahn, sondern sie würden auch in die deutschen Sport-Geschichtsbücher eingehen: als die Athleten und Athletinnen, die erstmals an olympischen Karate-Wettbewerben teilnehmen.
Efthimios Karamitsos, der Kata-Bundestrainer, hatte seine beiden Schützlinge, Jasmin Jüttner und Ilja Smorguner, rund eineinhalb Jahre auf diese Herausforderung vorbereitet. Um bestmöglich vorbereitet zu sein, wurde die Expertise von Tarek Amin in das Training der beiden Kata-Spezialisten integriert. Vor Ort übernahm Sebastian Altfeld die Betreuung der Athleten und Athletinnen.
Der Wettkampf in Tokio
Die Karate-Wettbewerbe fanden im Nippon Budōkan statt, dem Zentrum der japanischen Kampfkünste.
Lesen Sie auch: Elena Quirici in Tokio
In den Kumite-Wettbewerben wurden zwei Vorrunden-Gruppen mit jeweils fünf Startern gebildet. Diese traten im Modus "jeder gegen jeden" an. Die besten Zwei jeder Gruppe erreichten das Halbfinale, in dem es zu Überkreuz-Kämpfen kam. Die Gewinner der Halbfinals bestritten das Finale, die Verlierer wurden gemeinsam auf Platz drei gelistet.
Auch in den Kata-Wettbewerben gab es zwei Vorrunden-Gruppen. Im Gegensatz zu den Damen, die in zwei Fünfer-Gruppen aufgeteilt wurden, gab es bei den Herren eine Fünfer- und eine Sechser-Gruppe. In der Vorrunde zeigte jeder Teilnehmer, jede Teilnehmerin zwei Katas. Die besten Drei der beiden Gruppen erreichten danach die Ranking-Runde, in der eine weitere Kata präsentiert wurde. Die Gruppen-Ersten trafen im Finale um Olympia-Gold aufeinander. Die Gruppen-Zweiten und -Dritten kämpften überkreuz um die Bronze-Medaillen.
Der ehemalige Vizeweltmeister Ilja Smorguner schied bei der Karate-Premiere bei den Olympischen Spielen in Tokio bereits in der Vorrunde im Kata aus. Er kam in der Gruppe A nur auf den vierten Rang und verpasste die zweite Runde knapp. Am Tag zuvor war auch Jasmin Jüttner (Frankfurt) im Kata am Finaleinzug gescheitert.
Karate bei Olympia 2024 in Paris: Nicht dabei
Bislang war die Sportart kein Teil der olympischen Familie, und für 2024 ist das Programm bereits festgelegt: ohne Karate. Insofern wäre die Teilnahme im Mutterland der Sportart eine einzigartige und historische zugleich.
Die Olympischen Spiele 2024 in Paris werden nicht nur neue Sportarten begrüßen, sondern auch einige Disziplinen aus dem Programm verabschieden. Karate feierte sein olympisches Debüt erst 2021 in Tokio, wird aber in Paris 2024 nicht mehr im Programm sein. Trotz der großen Popularität dieser traditionellen Kampfkunst entschied das IOC, Karate zugunsten anderer Sportarten aus dem Programm zu nehmen.
Lesen Sie auch: Gründe für Karate-Disqualifikation
Die Entscheidung, Karate nicht mehr zu berücksichtigen, wurde getroffen, um Platz für neue Disziplinen wie Breakdance zu schaffen. Zudem hat das IOC ein rotierendes System, bei dem nicht jede Sportart bei jeder Olympiade vertreten sein kann, um die Vielfalt und Dynamik der Spiele zu gewährleisten.
Lesen Sie auch: Übertragung der Olympia Karate-Wettkämpfe
