Mit WWE 2K24 geht die alljährliche Wrestling-Simulation in die nächste Runde. Wieder passend auf der Road to WrestleMania beschert uns 2K den neuesten Ableger der erfolgreichen Spielereihe, die mit dem Vorgänger die höchsten Durchschnittswertungen der Seriengeschichte einfahren konnte.
WWE 2K24 läuft unter Cody Rhodes' Lebensmotto "Finish Your Story" und passend zum 40. Jubiläum von WrestleMania dreht sich der diesjährige Showcase um diese 40 Jahre lange Geschichte. Doch nicht nur im Showcase gibt es Neues zu sehen. Die Entwickler bringen lange gewünschte Matcharten wie Special Referee, Ambulance Match und Casket Match in die Serie und sorgen so für noch mehr Abwechslung im und neben dem Ring.
Beim ersten Spielstart musst ihr wie immer die Nutzungsbedingungen akzeptieren, sonst könnt ihr vor allem die Onlinekomponenten des Spiels erstmal nicht nutzen. Danach empfiehlt es sich für Neulinge eigentlich immer, das automatisch angebotene Tutorial einmal zu spielen, damit man die Steuerung des Spiels lernt.
Tutorial und Steuerung
Die Grundlagen lernt ihr mit Drew Gulak gegen Xavier Woods, Asuka bringt euch gegen IYO SKY die Kombos bei, als Tomasso Ciampa übt ihr euch gegen Johnny Gargano an Irish Whips, Tragemoves zeigt Braun Strowman gegen Grayson Waller, Sprungangriffe lernt ihr mit Rey Mysterio gegen seinen Sohnemann Dominik. Reversals mit Finn Bálor gegen Ludwig Kaiser, Breaker mit Bron Breakker gegen Carmelo Hayes, Blocken & Ausweichen bringt euch in die Rolle von Shayna Baszler gegen Piper Niven, Signature Moves präsentiert Bianca Belair gegen Sonya Deville und Finisher John Cena gegen Randy Orton.
Als LA Knight könnt ihr The Miz pinnen, um das Pinsystem als Aktiver zu lernen, und als Passiver seid ihr Kevin Owens, der aus Pins von Seth Rollins auskicken muss - einmal mit dem rechten Stick oder aber mit dem Buttonsmashing-System, was man im Anschluss für sich aussuchen kann. Submissions bringt auch AJ Styles gegen Shinsuke Nakamura bei und als letztes gibt es noch einen freien Kampf als Cody Rhodes gegen Roman Reigns, welchen ihr durch Pinfall gewinnen müsst, um das Tutorial abzuschließen.
Lesen Sie auch: Ultimativer Leitfaden für WWE 2K24 Mein Fraktion
Etwas gewundert hat uns, dass Neuerungen wie das Werfen von Waffen im Tutorial gar nicht erklärt werden. Der Menüaufbau ist auch in WWE 2K24 gleich geblieben - man findet sich wieder gut zurecht.
Grafik und Präsentation
In Sachen Grafik hat Visual Concepts eher in Details für Verbesserung gesorgt. Seit WWE 2K22 sind wir von den Totalausfällen bei den Superstar-Modellen ja weg, es gibt jedoch immer noch starke Diskrepanzen und hin und wieder Modelle, die nicht wirklich ihrem Ebenbild gleichen. Bestes Beispiel dafür ist NXT Champion Ilja Dragunov, der schon in WWE 2K23 vom Gesicht her irgendwie nicht aussah wie sein reales Ebenbild und für WWE 2K24 hat man diesem Gesicht nun einfach noch einen Bart gegeben, damit er etwas mehr seinem aktuellen Ich entspricht. Das ändert aber nichts daran, dass er seinem echten Ich im Gesicht einfach nur sehr wenig ähnelt.
Haben wir beim letzten Mal noch die Aktualität einiger Wrestler:innen bemängelt, müssen wir diesmal bemängeln, dass bei einigen Superstars nur "Copy & Paste" ihres Modells aus dem Vorgänger gemacht wurde. Besonders in Auge fallen uns da Katana Chance & Kayden Carter, die als Tag Team schon seit Ewigkeiten zueinander passende Outfits tragen und mittlerweile ja auch etabliert im Main Roster sind. Hier sind sie einfach dieselben aus WWE 2K23 - genauso auch Johnny Gargano, dessen Modell auch 1:1 das aus dem Vorgänger ist.
Die deutlichste Verbesserung ist wohl bei der Mimik in Einzügen zu vernehmen. Die Gesichtsanimationen sind sicherlich nicht State of the Art, wie man so schön sagt, aber das beste Beispiel, wie gut sie an und für sich doch sind, ist vor allem Kevin Owens, der durch die Gesichtszüge beim Einzug seinem realen Ebenbild schon sehr, sehr nahe kommt. Abstriche muss man weiterhin bei Haaren machen, deren Darstellung sich zwar auch verbessert hat, die aber immer ein Problemkind sind und wohl auch bleiben werden, da es einfach schwierig ist, diese so zu animieren, dass sie nicht durch Kleidung glitchen oder realistisch aussehen.
Ausgerechnet in einer Zeit, wo WWE weiterhin bei PG bleibt und Blut als Stilmittel eigentlich gar nicht mehr nutzt, verpassen Visual Concepts dem Blutsystem des Spiels ein Update. Die Darstellung ist realistischer und das Blut verteilt sich auch wieder mehr auf dem Körper der Superstars. Außerdem gibt es auch Blutflecken auf der Ringmatte oder dem Boden neben dem Ring, wenn jemand blutet.
Lesen Sie auch: Ultimatives Wrestling-Erlebnis: WWE 2K24
Die Kameraperspektive kann man nun - wie lange von Fans gewünscht - im Menü auf die altbekannte Rampenperspektive umstellen, um z.B. im Royal Rumble direkt sehen zu können, wer sich auf den Weg zum Ring macht.
Details abseits des Rings wie z.B. Bei KI vs. Beim Kommentatorenteam hat sich leider auch nichts getan - alle Shows werden von Corey Graves, Michael Cole & Byron Saxton kommentiert. Immerhin hat man diesmal den Shows die richtigen Ringsprecher:innen zugeordnet, sodass man bei RAW Samantha Irvin hört, Mike Rome die Stimme von SmackDown! ist und NXT Superstars von Alicia Taylor angesagt werden. Das ist definitiv ein großer Fortschritt.
Gameplay-Neuerungen
Von der Steuerung her hat sich WWE 2K24 nicht verändert. Es ist immer noch dasselbe System wie zuvor und Spieler, die mit der Serie vertraut sind, fühlen sich natürlich sofort wohl. Neueinsteiger können das umfangreiche Tutorial nutzen, um alle Details kennenzulernen. WWE 2K24 ist hier ein Mix aus Einsteigerfreundlichkeit und Tiefgang. Einsteiger werden natürlich vor allem das bekannte Kombosystem nutzen, um in den Kampf zu finden, während erfahrene Spieler jede ausnutzen.
Neu dazugekommen ist das Schlagabtausch Minispiel. Wie es der Name schon sagt, tauschen die Superstars Schläge aus. Um erfolgreich einen Treffer zu landen muss man, wie früher bei dem Pinrad, einen Balken per Tastendruck im grünen oder kleineren goldenen Bereich zum stehen bringen. Schafft man dies, schlägt man zu, schafft man dies nicht, trifft der Gegner auf jeden Fall. Wie der Name Schlagabtausch schon sagt, geschieht dies abwechselnd.
Eine weitere Neuerung sind die so genannten Superfinisher. Diese haben im Moveset eine eigene Kategorie und können entweder manuell zugewiesen werden oder Superstars haben bereits Superfinisher im Moveset. Speichert man sich während eines Matches drei Finisher, kann stattdessen der Superfinisher eingesetzt werden. Dieser hat mehr Impact und der Gegner kann sich kaum aus einem Pin befreien.
Lesen Sie auch: Wrestler in WWE 2K24 freischalten
Einige Änderungen gibt es auch in Tag Team Matches. So könnt ihr nun dem Partner, der gerade nicht im Ring ist, Kommandos geben, die dieser dann für euch ausführt. Außerdem bekommt der eingreifende Wrestler einen so genannten "Debuff", nachdem er z.B. einmal zu eurer Rettung einen Pinfall unterbrochen hat, und kann danach erstmal nicht in den Ring stürmen bis er selbst einmal eingewechselt wurde.
Beim Handling der Waffen gibt es ein Update: diese können nun auch in Richtung der Gegner geworfen werden, was in Hardcore Matches für einige lustige Situationen sorgen kann. Egal, ob Mikrofon, Sandale, Stuhl, Vorschlaghammer oder Schaufel - alles könnt ihr in Richtung des Gegners werfen. Der Wurf eines Gegners ist jedoch auch konterbar, sodass der Superstar die Waffe dann einfängt fängt. Ansonsten erfuhren die Gegenstände keinerlei Updates außer, dass deren Anzahl erhöht wurde und es neue Waffen gibt.
WarGames, die große Matchart des Vorgängers, feiert in WWE 2K24 natürlich ihr Comeback, ist dieses Jahr allerdings nur noch in zwei Arenen spielbar: Survivor Series und eine Arena, die man in MyRISE freischalten muss.
Neu im Spiel sind dieses Jahr das Casket Match, das Ambulance Match, Special Referee und ein Gauntlet mit verschiedenen Variationen. Beim Casket und Ambulance Match ist euer Ziel klar: der Gegner muss in den Sarg bzw. den Krankenwagen befördert werden. Bei beiden Matcharten gibt es eine Animation zum Start, wo Ringrichter den Sarg bzw. den Krankenwagen zum Ring bringen. Die Siegbedingung beider Matches ist auf gleiche Art durchführbar. Ihr müsst die Klappe bzw. die Türen öffnen und dann den Gegner hineinbefördern. Im Anschluss startet ein Buttonsmashing-Minispiel, welches ihr für euch entscheiden müsst, um als Sieger aus den Matches hervorzugehen.
Unverständlicherweise gilt das auch für Special Referee: diese Matchart ist ebenfalls nur im One on One spielbar. Entweder schlüpft ihr hier in die Rolle des Ringrichters und leitet das Match oder ihr spielt einen der beiden Wrestler und überlasst die Kontrolle des Gast-Ringrichters der CPU. Egal, wie ihr es macht, der Gast-Ringrichter wird das Match in den seltensten Fällen einfach so leiten, als wäre er ein offizieller Ringrichter. Hier und da gibt es immer etwas spaßige Manipulation. Standardmäßig könnt ihr die Ringrichter-Aktionen ausführen, via Tastendruck aber auch jederzeit umschalten und "zum Wrestler werden", sodass ihr Moves gegen die eigentlichen Superstars ausführt. Natürlich könnt ihr auch wieder zurückschalten, wenn ihr euer Chaos angerichtet und euch ins Match eingemischt habt. Übertreibt ihr es damit, könntet ihr jedoch vom Match abgezogen und durch einen offiziellen Ringrichter ersetzt werden, der das Match dann für euch zu Ende leitet.
2K Showcase: 40 Jahre WrestleMania
Im 2K Showcase beschäftigt man sich anlässlich des diesjährigen 40. Bei der Matchauswahl war man seitens 2K natürlich etwas eingeschränkt. Viele Highlights bei WrestleMania sind von Stars kreiert worden, die nicht mehr bei WWE sind - das alleine wäre jetzt nicht so das Problem, doch wenn diese Wrestler gerade einen aktiven Vertrag mit einer anderen Liga haben, wird es schwierig, sie in WWE 2K24 zu integrieren.
Der Kritik aus dem letzten Jahr, den Spieler das ganze Match über mit rammdösig machender Musik zu beschallen, hat man sich jedenfalls nicht angenommen. Diesmal gibt es zwar bei den Realsequenzen und Übergängen mal Statements rund um das Match von Erzähler Corey Graves zu hören, doch bei den Matches an sich läuft weiterhin einfach Musik und niemand kommentiert.
Im Grunde dient der Modus nur als Basis dafür, Legenden bzw. alternative Versionen von Superstars, Manager oder Arenen freizuschalten.
MyRISE: Der Karrieremodus
MyRISE, der Storymodus von WWE 2K24, ist mal wieder aufgeteilt in eine Story für weibliche und eine Story für männlichen Superstars. In beiden Storys schlüpft ihr in die Rolle eines erstellten Wrestlers bzw. einer erstellten Wrestlerin und kommt mit dieser zu WWE. Ihr könnt auch wieder im Vorfeld einen Wrestler in der Creation Suite erstellen und in den Modus laden, um das anfängliche Erstellen zu überspringen, falls ihr euch schon vorher jemanden gebaut hat oder den Modus z.B.
Vom Aufbau der Karriere hat sich bei WWE 2K24 gegenüber dem Vorgänger nur wenig getan. Es ist immer noch sehr viel Klickerei im Menü, um vorwärts zu kommen. Die Produktion sowie die Haupt-Storylines, die wir während unserer Testphase gespielt haben, sind jedoch gelungen und machen Spaß. Es gibt einige Szenen mit Sprachausgabe, auch von großen Stars wie beispielsweise Roman Reigns, der in der männlichen Story eine große Rolle einnimmt.
MyFACTION
Und in MyFaction dreht sich auch in diesem Jahr alles darum, möglichst mächtige Karten für sein Deck zu ergattern und damit sowohl on- als auch offline in zahlreichen Herausforderungen anzutreten. Die Währungsausschüttung in MyFaction steht in keinem Verhältnis zu den Preisen für hochwertige Kartenpakete. Der Lockruf zusätzlicher Echtgeldkäufe ist allgegenwärtig.
Die Sammelwut wird leider auch in diesem Jahr immer wieder durch die Tatsache ausgebremst, dass der gesamte Modus ausschließlich auf Mikrotransaktionen aufbaut und einem ohne zusätzliche Investments kaum die Chance gibt, einen hochwertigen Kartensatz zu erlangen, ohne dabei einen schier unendlichen Grind hinzunehmen. Wer also nicht bis zur Veröffentlichung von WWE 2K25 jede freie Minute damit verbringen will, um ein starkes und vor allem im Vergleich zu zahlenden Spielern konkurrenzfähiges Deck aufzubauen, kommt um den Erwerb zusätzlicher Währung kaum herum.
Technische Aspekte
Technisch sieht es unter der Haube gewohnt mau aus, denn auch mit dem aktuellen Ableger verweigern sich die Entwickler konsequent dem Einsatz eines grundlegend zeitgemäßen Grafikmotors, was nahezu an jeder Ecke durchscheint. Das mit WWE 2K22 exklusiv für PC und aktuelle Konsolen implementierte Upgrade bei Beleuchtung und Effektdarstellung kann zwei Jahre später auch keinen mehr vom Hocker reißen. Außerhalb der Action im Ring muss man sich mit denselben mauen Texturen, hässlichen Zuschauern und Assets herumplagen, die in dieser Form bereits seit über zehn Jahren regelmäßig wiederverwertet werden.
Auf PlayStation 4 und XBOX One verharrt die Optik anhaltend auf dem Zustand eines WWE 2K20, wenngleich ohne dessen verheerende Anzahl an Bugs, die üblichen Verdächtigen wie Kollisionsprobleme und Physikaussetzer sind aber im Kleinen immer noch nicht behoben worden - und über die gewohnt miese Darstellung langer Haare brauchen wir gar nicht erst wieder eine Diskussion führen.
Das über zweihundert Charaktere umfassende Roster wirkt auf den ersten Blick ziemlich eindrucksvoll, was aber rasch vorüber geht, wenn man die mal im Detail gegenüberstellt. Dann wird schnell klar, dass die Macher erneut eher auf Masse, weniger auf Klasse setzen. Subtrahiert man alleine die vielen mehrfach vorhandenen Superstars aus mehreren Ären der WWF-|WWE-Geschichte, bleibt von dem XXL-Roster gar nicht mehr so viel übrig. Gerade die Legenden stinken grafisch gegen die aktuelle Generation an Talenten ordentlich ab.
| Modus | Neuerungen |
|---|---|
| MyGM | Neue General Manager, Brands, Matcharten, Scouts, Tauschangebote, Vertragsverwaltung, Erfahrungssystem |
| WWE Universe | Kleinere Erweiterungen bei Rivalitäten, Verlierer-verlässt-die-Stadt-Klausel |
| MyFaction | Fokus auf Mikrotransaktionen, Pay-2-Win-Elemente |
