Karate Training muss man selbst erleben, um es wirklich zu fühlen und verstehen - wir versuchen euch dennoch einen kleinen schriftlichen Einblick zu bieten. Karate lernen kann eine Menge Spaß bereiten, aber auch durchaus gewaltige Anstrengung voraussetzen. Karate Training hat eine Menge Vorteile, ob Karate für Frauen oder für Kinder - es ist eine Sportart, die für die gesamte Familie geeignet ist.
Charakteristisch für Karate sind die vielen verschiedenen Schläge und Tritte sowie deren schnelle und präzise Ausführung. Egal ob Schläge, Tritte oder Stöße, es wird bei jeder Technik großer Wert auf die Schnellkraft gelegt. Für die korrekte Ausführung der Techniken wird eine enorme körperliche Fitness benötigt.
Die Elemente des Karate-Trainings
Die Trainingseinheit beim Karate besteht aus verschiedenen Elementen, das gesamte Training dauert in der Regel zwei Stunden. Im Ablauf des Trainings kann es deutliche Unterschiede geben. Die Feinheiten richten sich danach, worauf Euer Verein spezialisiert ist. Ein Wettkampfverein in der Kategorie Kumite setzt andere Schwerpunkte als ein Kata-Wettkampfverein, vom Verein, welcher nur zur sportlichen Ertüchtigung auf Gürtelprüfungen vorbereitet, ganz zu schweigen.
1. Die Begrüßung
Beim Betreten der Halle ist es üblich, auf der Türschwelle kurz innezuhalten und sich in Richtung der Mitte des Dojos, der Trainingshalle, zu verneigen. Dies gilt als Zeichen des Respekts vor der gemeinsamen Trainingsstätte und vor jenen Karateka, die bereits anwesend sind. Die Begrüßung mit dem Sensei, dem Trainer, erfolgt auf die traditionelle japanische Art, wie sie bei vielen anderen Kampfsportarten anzutreffen ist. Der Ablauf kann minimal variieren, wenn der Sensei einzelne Teile weglässt.
Wenn der Sensei das Zeichen gibt, zu beginnen, stellen sich alle Schüler an einer gedachten Linie auf, welche vom erfahrensten Schüler vorgegeben wird. Der erfahrenste Schüler gibt das Signal „Mokuso!“, was soviel bedeutet wie Meditation. Daraufhin herrscht Ruhe, so dass alle Schüler und Lehrer ihren Kopf von Gedanken befreien, um sich ganz auf das Training konzentrieren zu können. Auf die Worte „Mokuso yame, sensei ni rei!“ folgt eine tiefe Verbeugung, bei der die Stirn fast den Boden berührt. Die Fingerspitzen werden dabei neben dem Kopf abgelegt.
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2. Die Aufwärmphase
Nach der Begrüßung folgt das Aufwärmen mit verschiedenen Laufübungen oder laufintensiven Sportarten. Das kann zum Beispiel mit klassischen Ballsportarten wie Fußball oder Brennball geschehen, oder der Trainer schickt Euch durch einen kleinen Hindernisparcours. Das Wichtigste ist hierbei, dass Ihr Euch sehr viel bewegt und dabei möglichst viele Muskelgruppen ansprecht. Die Aufwärmphase dauert in der Regel 20 bis 30 Minuten und wird mit ein paar Dehnübungen abgeschlossen.
3. Grundschule (Kihon)
Im Kihon, auch Grundschule genannt, werden einzelne Techniken oder deren Kombination trainiert. Im Regelfall stehen die Schüler hier in einer Linie und der Sensei gibt die Kommandos. Beim Kihon entsteht das Bild, welches Ihr aus den Kampfsportfilmen kennt, nur dass fast alle Techniken mit einer Bewegung ausgeführt werden.
4. Kata
Die Kata, der Formenlauf, bezeichnet eine Abfolge von Bewegungen und Techniken nach einem vorgeschriebenen Muster. Während die Kata beim Karate für Anfänger nur wenige Techniken enthalten, so steigt der Anspruch mit dem Trainingsfortschritt des Schülers an. Spätere Kata beinhalten deutlich mehr Techniken mit höherem Schwierigkeitsgrad und müssen mit größerer Geschwindigkeit ausgeführt werden. Diese Karate Techniken werden Euch im ersten Moment recht nutzlos erscheinen, wenn es um die Selbstverteidigung geht, was daran liegt, dass sie von ihren Schöpfern „verschlüsselt“ wurden, damit nicht jeder ihren Sinn erkennt.
5. Bunkai
Zum Karate lernen unverzichtbar ist das Bunkai, welches die Analyse der Techniken einer Kata beinhaltet. Schließlich war Karate zu jener Zeit, als diese Kata erfunden wurden, strengstens verboten und wurde nur mündlich vom Meister zum Schüler weitergegeben. Manchmal wird versucht, die Bewegungen der Kata eins zu eins auf einen Kampf mit Gegner zu übertragen, was allerdings nur sehr selten in sinnvollem Zusammenhang funktioniert. Es gibt im Bunkai kein „Richtig“ oder „Falsch“, solange die Anwendung funktioniert, daher kann die Interpretation der Kata auch von Trainer zu Trainer unterschiedlich ausfallen.
6. Kumite
Das Kumite, der Kampf mit Partner, besitzt viele Formen, deren Schwierigkeit mit Eurem Ausbildungsfortschritt ansteigt. Im Training bezeichnet das Kumite die Übung mit einem Partner, wobei der Angriff anfangs angesagt wird, um eine richtige Anwendung der passenden Blocktechnik zu erlernen.
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7. Freikampf
Ein Freikampf, in dem annährend auf Wettkampfniveau trainiert wird, muss nicht in jedem Karate Training enthalten sein. Es hängt von der Spezialisierung Eures Vereins und von Euren individuellen Fähigkeiten ab, ob Ihr mit diesem konfrontiert werdet.
Karate-Techniken
Beim Karate gibt es unterschiedliche Techniken zur Verteidigung, für Würfe sowie Schlagtechniken mit dem Fuß und den Armen.
Standtechniken (Tachi Waza)
Eine große Besonderheit am Karate ist, dass fast jede Technik mit verschiedenen Fußpositionen (Tachi Waza), die man Stände nennt, ausgeführt werden kann. Diese Stände lernt Ihr nach und nach im Laufe Eures Trainings. Das Erlernen verschiedener Techniken in unterschiedlichen Ständen stellt eine Grundvoraussetzung zum Ausführen diverser Kata dar. In Filmen stehen die Schüler häufig im „Kiba-Dachi“, wobei sich die Füße seitlich des Körpers befinden und die Fußspitzen nach vorn zeigen.
Bereitschaftshaltung (Kamae)
Die Bereitschaftshaltung (Kamae) dient im Training dazu, dem Gegenüber die Kampfbereitschaft zu signalisieren und selbst kampfbereit zu sein.
Abwehrtechniken
Die Abwehrtechniken bestehen aus mehreren Faktoren. Bereits über den Stand wird Trefferfläche gegnerischer Schläge verringert. Darüber hinaus werden die Schläge mit Füßen und Armen abgewehrt.
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Beintechnik
Weiterhin können viele Angriffe auf mehrere Arten ausgeführt werden, indem die Trefferfläche verändert wird. So kann ein seitlicher Fußtritt beispielsweise als „Yoko-Geri Kekomi“ oder als „Yoko-Geri Keage“ ausgeführt werden. Beim Kekomi wird mit der Ferse gestoßen und beim Keage mit der Fußaußenkante „geschnappt“, aber im Grunde handelt es sich um die gleiche Beintechnik.
Eine weitere Besonderheit, speziell beim Shotokan-Karate, ist, dass fast alle Techniken gleichermaßen für Angriff und Verteidigung genutzt werden können.
Armtechniken (Ude-Waza)
Die größte Gruppe der Karate Techniken stellen die Armtechniken (Ude-Waza) dar. Das liegt einerseits daran, dass jede Kata voll von ihnen ist und andererseits daran, dass Ihr Eure Arme in einem Wettkampf in jeder Sekunde zum Schutz einsetzen müsst. Man unterteilt die Armtechniken in Schlagtechniken, Stoßtechniken und Blocktechniken.
Schlag- und Stoßtechniken mit dem Arm
Überwiegend bei den Schlagtechniken unterscheidet man die einzelne Technik noch nach der Zone, welche eingesetzt wird. So kann beispielsweise mit der Faust, der Handkante oder dem Handrücken geschlagen werden. Stoßtechniken hingegen werden meist gerade und mit der Faust ausgeführt. Bei den Blocktechniken kommen überwiegend Faust, Handkante und Unterarm zum Einsatz.
Schlag- und Stoßtechniken mit dem Bein (Ashi-Waza)
Die nächste Gruppe stellen die Beintechniken (Ashi-Waza) dar, bei denen ebenfalls viele Trefferzonen existieren, die von der Ferse, über die Fußaußenkante bis hin zum Fußspann reichen. Manche Fußtechniken können stoßend und schlagend ausgeführt werden, wohingegen andere Techniken festgelegt sind. Die Sonderform bilden die Fußfeger, deren Ziel es ist, das Bein eines Gegners unter seinem Körper wegzuziehen.
Hebel und Würfe
Im Karate existieren verschiedene Hebel und Würfe, welche Ihr aber erst im späteren Verlauf Eures Trainings lernen werdet. Der ursprüngliche Zweck dieser Techniken war die effektive Verteidigung gegen überlegene Angreifer, was jedem von Euch bewusst wird, wenn er sich ein wenig mit den Bewegungsabläufen auseinandersetzt.
Karate zu Hause üben
Auch zuhause könnt ihr Eure Karatefähigkeiten verbessern. Neben regelmäßigen Übungen und Trainingseinheiten sollte das Konditionstraining nicht zu kurz kommen. Je nach Ausbildungsstand kann es Sinn machen, Zuhause zu trainieren.
Achtung: Karate Übungen sollten eigentlich immer zu zweit absolviert werden.
Fußstellungen
Für Anfänger empfiehlt es sich zuerst, die verschiedenen Fußstellungen zu lernen. Oftmals bereitet die richtige Fußposition bei Drehungen und Wendungen schon genug Schwierigkeiten, ohne dass die Hände zum Einsatz kommen.
Kata lernen
Ihr könnt Kihon und Kata Zuhause trainieren, wenn Euch genug Platz zur Verfügung steht. Beachtet beim Üben der Kata nur, dass Ihr die Bewegungen nicht aus Platzmangel verändern müsst, da Ihr diese Angewohnheiten später nur schwer wieder los werdet.
Abwehr und Schlagtechniken lernen
Es macht auch durchaus Sinn die geübten Abwehrtechniken (Fuß und Hand) im Training zuhause weitere zu trainieren, so prägt man sich die Technik noch besser ein. Denkt immer daran: eine falsch gelernte Technik umzulernen dauert im Gehirn um ein vielfaches länger als das Erlernen einer neuen Technik.
Ein Fortgeschrittener Schüler, welcher bereits die ersten Gürtelprüfungen hinter sich hat, kennt bereits einen Teil seiner Schwächen und wird daran arbeiten, diese auszugleichen.
Partnerübungen
Wenn Ihr länger dabei seid, habt Ihr Euch vielleicht auch schon ein wenig Ausrüstung zugelegt (beispielsweise Trainingsmatte oder Schlagpolster) und übt mit der Hilfe eines Partners. Auf dem Niveau eines Profis, also beim Erreichen der letzten Kyu Grade kurz vor dem Übergang zum 1. Dan, denkt Ihr vermutlich, dass sich die Intensität des Trainings verringert, da der Karateka ja bald alles beherrscht. Das ist allerdings ein völliger Irrtum, denn jetzt, da er kaum noch neue Techniken lernt, muss er umso mehr daran arbeiten, die bereits Erlernten zu perfektionieren.
Übungskämpfe
Auch wenn es aufgrund des Platzes sicherlich schwer wird, sind Übungskämpfe eigentlich das Wichtigste als Profi. Solltet Ihr zu den Kumite-Wettkämpfern gehören, wäre es natürlich angemessen, wenn Ihr einen gleichwertigen Übungspartner findet, um den Freikampf effektiv trainieren zu können.
