Judo Schwäbisch Gmünd: Eine Geschichte von Integration und Erfolg

In Schwäbisch Gmünd gibt es eine lebendige Sportlandschaft, in der sich Gmünder Sportlerinnen und Sportler in verschiedenen Disziplinen wie Bogenlaufen, Judo, Boxen, Fußball, Jiu-Jitsu und Tanzsport auf nationaler und internationaler Ebene engagieren.

Die Judo-Abteilung des TSB Schwäbisch Gmünd

Die Judoabteilung des Turn- und Sportbunds Schwäbisch Gmünd 1844 e.V. (TSB) lud am 19. Oktober 2019 zu ihrer Jubiläumsveranstaltung in die Stadtsporthalle ein, um ihr 15-jähriges Abteilungsjubiläum zu feiern.

Kinder und Jugendliche hatten gemeinsam mit ihrem Trainer Nikolai Potapenja ein Programm mit einer Judoshow sowie einem interaktiven Training für Eltern, Kinder und andere Interessenten vorbereitet.

Nikolai Potapenja bedankte sich für die Unterstützung für seine Arbeit: „Wir freuen uns, dass unsere Jubiläumsfeier in das Jubiläumsjahr des Programms „Integration durch Sport“ fällt. Somit wird deutlich, dass unsere Struktur schon halb so alt ist wie das Bundesprogramm von dem wir zu jeder Zeit eine wichtige Unterstützung bekommen haben“.

Von einem offenen Integrationsangebot zur neuen Abteilung im Verein

Die Judoabteilung des TSB Schwäbisch Gmünd entstand im Herbst 2004 aus einem offenen, sportorientiertem Integrationsangebot.

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Kurz nach seiner Ankunft in Deutschland begann Nikolai Potapenja - Diplomsportlehrer und Spätaussiedler aus Kasachstan - in seiner neuen Heimat eine Kinder-Sportgruppe aufzubauen, um seine tiefgehenden Erfahrungen als Trainer an Kinder und Jugendliche weiter zu geben.

Schon nach wenigen Wochen standen über 20 Mädchen und Jungen „auf der Matte“ des langjährigen Cheftrainers der kasachischen Judo-Nationalmannschaft.

Mit Unterstützung des Programms „Integration durch Sport“ beim Landessportverband Baden-Württemberg (LSVBW) und „IN VIA“ Schwäbisch Gmünd konnte der größte Sportverein der Stadt - der TSB - als neuer Partner für das Trainingsangebot gewonnen werden.

Der Verein stellte seine Trainingsräume zur Verfügung und ermöglichte die Gründung einer neuen Judo-Abteilung unter der Leitung von Nikolai Potapenja.

Nikolaj Potapenja konnte durch seine hohe pädagogische und fachliche Kompetenz als Trainer und aktive Vernetzungs- und Kooperationsarbeit mit städtischen Stellen, Schulen und Jugendeinrichtungen in kürzester Zeit zahlreiche weitere Kinder für seine Abteilung gewinnen.

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Sein aktives Vorgehen, mehrere „Schule-Vereins-Angebote“, Auftritte bei öffentlichen Veranstaltungen und nicht zuletzt sein langjähriges Engagement in der „Sportbox in der Oststadt“ begründeten den hervorragenden Ruf Nikolai Potapenjas und seiner Judoabteilung.

Die Judoabteilung entwickelte sich nach und nach zu einer allgemein anerkannten Anlaufstelle und wichtigem Knotenpunkt im lokalen und regionalen Netzwerk der Integrationsarbeit.

Neben dem Grundsatz, den Kindern nach sportpädagogischen Grundsätzen Bewegungskompetenz und Freude am Sport beizubringen, spielen auch Wettkämpfe eine wichtige Rolle.

Mit Unterstützung der Eltern werden Wettkampfturniere besucht und die Abteilung kann so inzwischen auch auf eine beachtliche Anzahl sportlicher Erfolge blicken.

„Wir sind im ständigen Austausch mit den Eltern und planen zusammen mit ihnen unsere Freizeitangebote und Jahresfeste, die unseren Trainings- und Wettkampfbetrieb sinnvoll ergänzen und den Zusammenhalt untereinander sehr fördern“, betont Nikolaj Potapenja die Bedeutung seiner aktiven Elternarbeit.

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Neue Ideen und Strukturen in der Vereinsarbeit

Ein verlässliches und grundständiges Training für die Kinder, eine intensive Elternarbeit und die Entwicklung zusätzlicher Angebote, führten zu einer qualitativen und quantitativen Ausweitung der Angebotspalette der Abteilung.

So entwickelte sich seit dem Jahr 2010 ein immer größeres Interesse an der Kampfsportart „Sambo“ und an dem Wurfspiel „Gorodki“.

Neben den sportlichen Aspekten - einer sinnvollen Ergänzung des Judotrainings - bieten diese beiden Sportarten hervorragende Möglichkeiten, die Eltern in eine aktive Vereinsarbeit mit einzubeziehen und gleichzeitig für die Eltern - zahlreiche von Ihnen mit Migrationshintergrund eigenständige Sport- und Bewegungsangebote zu initiieren.

Im Jahr 2012 ist aus der Gorodki-Initiative Gmünd eine eigenständige Gorodki-Abteilung beim TSB Schwäbisch Gmünd entstanden.

Dort spielen viele Eltern aus der Judo-Abteilung zusammen mit ihren Kindern das neue Spiel und organisieren Vereinsveranstaltungen und offene Gorodki-Turniere.

Die Zusammenarbeit mit weiteren Partnern aus der Jugend- und Familienarbeit steht hier sinnbildlich für die familiären und integrativen Aspekte des Angebots.

Erfolgsgeschichten

Die Judoabteilung des TSB Schwäbisch Gmünd hat in ihrer kurzen Geschichte bereits einige Erfolge zu verzeichnen.

Hier ist neben der beschriebenen Entwicklung und den beachtlichen sportlichen Ergebnissen auch eine nachhaltige Bindung der Kinder und Jugendlichen an den Verein besonders zu betonen.

In den letzten fünf Jahren gab es nur sehr selten Austritte aus der Abteilung, wobei der häufigste Grund dafür Umzüge der Familien in eine andere Stadt waren.

Über 60 aktive Kinder und Jugendliche aus elf Nationen hat die Judoabteilung.

Zudem besteht eine Warteliste, weil eine begrenzte Hallen- und Betreuungskapazität der Judoabteilung um Nikolai Potapenja eine große Hürde für einen Ausbau der Abteilung darstellt.

„Eines meiner großen Ziele für die nächsten Jahre ist, zwei bis drei Nachwuchstrainer für die Abteilung zu gewinnen, damit wir unsere Trainingsangebote weiter ausbauen können.

Ich setze dabei gezielt auf die Leistungsträger(innen) aus meinen Gruppen, die in wenigen Jahren volljährig werden und bis dahin genug Erfahrung sammeln können, um selber Trainer zu werden“, beschreibt Nikolai Potapenja seine nachhaltigen Pläne, die Strukturen der Judoabteilung für die Zukunft weiter abzusichern und auszubauen.

Die erfolgreiche Jugendarbeit der Judoabteilung hat auch der erste Bürgermeister der Stadt Schwäbisch Gmünd Dr. erkannt.

Die Judoabteilung TSB Schwäbisch Gmünd feierte ihr fünfjähriges Jubiläum

Die Judoabteilung TSB Schwäbisch Gmünd konnte kürzlich ihr fünfjähriges Jubiläum feiern, was ein schöner Anlass war, um Bilanz zu ziehen und auf die gemeinsamen Erfolge zu blicken.

Die Abteilung hat inzwischen zahlreiche sportliche Erfolge erzielt, steht aber insbesondere für die gelungene lokale Umsetzung des landesweiten Programms „Integration durch Sport“.

Dreimal wöchentlich stürmt eine wilde Horde Kinder in weißen Judoanzügen den Spiegelsaal auf dem TSB Gelände in der Buchstraße.

Diesen Bewegungsdrang nimmt der Judotrainer Nikolai Potapenja in seinem Trainingsprogramm auf und führt es über zahlreiche Sportspiele in geregelte Bahnen.

Spiele, bei denen die Kinder zunächst einfache Körperkoordination erlernen, gehören so elementare Übungen, wie „richtig zu fallen“ oder „Purzelbäume zu schlagen“ dazu, was Grundvoraussetzungen sind, um den Judosport zu erlernen.

Relativ schnell sind die wilden Kinder dann dabei, konzentriert spezielle Übungen zu machen und mit „richtigem Judo“ fair miteinander zu kämpfen.

Seit nunmehr fünf Jahren bietet Nikolai Potapenja das Judotraining des TSB in der Gmünder Oststadt an, wo nahezu vierzig Kinder wöchentlich in unterschiedlichen Gruppen trainieren.

Erfolge wie ein Einzelnsieg bei der U - 12 Landesmeisterschaften stehen für die sportlichen Ambitionen der Abteilung.

Aber mindestens ebenso wichtig ist das Ziel, Judo als Möglichkeit für eine gelingende Integrationsarbeit zu nutzen.

Mit diesem Anliegen trafen sich vor ungefähr sechs Jahren Hans Sütterlin vom TSB Schwäbisch Gmünd, die Sozialpädagogin Sandra Marques Pohl und Nikolai Potapenja.

Mit sachlicher und fachlicher Unterstützung des Landessportverbandes Baden-Württemberg, Bereich „Integration durch Sport“ wurde die Abteilung gegründet.

Zunächst galten die zahlreichen in der Oststadt lebenden Kinder der Migranten mit russlanddeutschem Hintergrund als Zielgruppe.

Das zu Beginn einmal wöchentlich angebotene Training wurde aufgrund des Andrangs schnell auf drei Einheiten pro Woche ausgebaut.

Nun konnten weitere wichtige Ziele angegangen werden, so wurde die Elternarbeit intensiviert und zahlreiche gemeinsamen Aktivitäten und Ausflüge schafften eine funktionierende Gemeinschaft.

Ebenso wichtig war die Vernetzung in das Gemeinwesen.

Besonders durch die Zusammenarbeit mit der „Sportbox in der Oststadt“, einem freien Fitnessangebot der Mobilen Jugendarbeit für ältere Jugendliche, konnten zusätzliche Angebote geschaffen werden.

In Kooperation mit der Mobilen Jugendarbeit und mit Unterstützung der VGW (Vereinigte Gmünder Wohnbaugesellschaft) wurde der „Lauftreff Spirit“ für Jugendliche und das traditionelle Spiel „Gorodki“ als Eltern-Kind Angebot umgesetzt und regelmäßig angeboten.

Inzwischen machen auch zahlreiche deutsche Kinder beim Training mit, die Abteilung hat sich als Teil des TSB Schwäbisch Gmünd etabliert, die sportlichen Erfolge können sich sehen lassen.

Ein solch gelingendes Angebot ist nur möglich, wenn zahlreiche Partner mitwirken.

Kampfgemeinschaft (KG)

Am 14. haben auch kleine Vereine die Möglichkeit durch Bildung von Kampfgemeinschaften (KG) eine Mannschaft zu stellen.

Die TSB Schwäbisch Gmünd eine KG bei den Jungen, wobei 14 Mannschaften gemeldet waren, um Ihren Besten zu ermitteln.

Die KG TSV Scharnhausen/TSB Schwäbisch Gmünd startete mit einem Freilos.