Das lyrischste, was die DDR jemals zu bieten hatte, hatte die Band Karat 1980 auf den Markt gehauen. Für mich ist die Platte auch nach 35 Jahren das Highlight deutsch-demokratischer Musik. Und die Platte insgesamt ist wohl ziemlich die erfolgreichste, die in der DDR erschien.
Für einen erneuten Andrang von Gästen sorgte im Herbst 1980 Karat, eine der führenden Rockbands der DDR. Sie wurde 1975 in Ostberlin gegründet und ist in wechselnder Besetzung bis heute (2020) aktiv. Mit den Titeln „König der Welt“ und „Über sieben Brücken mußt du gehn“ gelang Karat 1978 der endgültige Durchbruch.
Nach dem Erfolg ihres zweiten Albums „Über sieben Brücken“ durfte die Band 1979 kommerziell in West-Berlin auftreten. Nach einer Tour durch viele Länder stellte sie 1980 ihr neues, lyrisches Album „Schwanenkönig“ vor, das zeitgleich in Ost- und Westdeutschland veröffentlicht wurde. Das Album ist eine Mischung aus Elektrogitarren-Rock und Synthesizer/Elektro-Pop.
Bevor der „Schwanenkönig für Euch auf die Reise geht, ein paar begleitende Anmerkungen zu einigen Liedern dieser dritten KARAT-LP, die nach einer turbulenten Tourneesaison im Januar 1980 aufgenommen wurde.
Die Bedeutung der einzelnen Lieder
Begonnen wird die Platte mit „Tanz mit der Sphinx“, was wie ein typischer Opener daher kommt. Michael Schwandt spielt maschinenartig sein Schlagzeug zu ungewöhnlichen Klangteppichen. Wie kryptisch Karat auf der Platte sind, hört man schon an diesem Lied.
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Der „Mitternachts-Blues“ kommt dann als astreiner Reggae daher. Die Rede ist vom Paradies, aus dem er in seinem alten Frack heraus streicht. Nun ja, man kann schon sagen, dass es um einen Stammgast bei einer Prostituierten handelt. Und er ist dort immer, bis der neue Tag schon kommt.
Wunderbar ist das sphärische Lied „Magisches Licht“ - für mich eins der besten Lieder von Karat überhaupt. Das Lied baut sich ganz gewaltig auf und behält eine besondere Spannung. Das magische Licht ist der Regenbogen, der einen durch die dunkelste Nacht bringt und einen Torweg zu den Kindertagen schlägt.
„Der Boxer“ ist dann wieder ein komplett anderes Stück, ein schneller Blues. Er war als Kind der Depp, aber er hat niemals aufgegeben und hat sich seinen Gegnern gestellt. Und so ist er Boxer geworden und hat so die „Schatten“ besiegt. Der erste Teil vom „Schwanenkönig“ wird beendet mit dem verspielten „Le Doyen I„. Hierbei handelt es sich um eine musikalische Erinnerung an Paris. Eine wunderbar verträumte Melodie, wie ich finde.
„Das Narrenschiff“ ist dann wieder so eine typische Rocknummer, die wirklich unheimlich gut gelungen ist. Es wird Kritik an menschlichen Lastern und an der Politik geäußert. Natürlich konnte so etwas nicht klar und deutlich geschehen, sondern nur kryptisch, wie das gesamte Album.
Dann machen wir uns auf zu Neptun und Poseidon und hören uns die „Tiefsee“ an. Im Alltag gehen Bilder verloren, und diese müssen gezeigt werden. Nur nicht zu oberflächlich werden, lieber tiefgründig sein.
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Mit der „Großstadt“ kommt eine waschechte Rocknummer daher. Er ist neu in der Stadt, hat noch keine Freunde und weiß nicht wohin. So geht es wohl jedem, der aus der Provinz in die große Stadt zieht.
Und dann hören wir das Titelstück „Schwanenkönig“. Das lyrische Thema des Schwans, der in Liebe stirbt, ist das bekannteste von Karat. Auch hier geht die Wurzel wie beim „Narrenschiff“ wieder weit in die Vergangenheit zurück, denn Karat greifen eine Fabel von Leonardo da Vinci auf. So wunderbar das Lied auch ist, es kämpft leider mit einem Überschwang an Kitsch.
Mit „Le Doyen II“ wird das Album abgeschlossen. Getragen von der Melancholie des Herbstes wird über die Begegnung mit dem vorüber gegangenen Sommer erzählt.
Griechischer und nordeuropäischer Mythologie entlehnt ist das Motiv des singenden Schwans; in wechselnder Form und Aussage fand es in allen Kunstepochen Verwendung. Der Titelsorig, der Elemente der Ballade und des Volks)iedes vereint, wurde angeregt durch eine Fabel Leonardo da Vincis. Die lyrische Erinnerung „Le Doyen“ gilt einem Abend in Paris, wo KARAT im September 1979 gastiert hatte.
Eine Tradition aus dem 15. Jahrhundert nimmt „Das Narrenschifr auf. Zur Fastnacht 1494 erschien die Erstausgabe des gleichnamigen Buches des Humanisten Sebastian Brant mit einem Holzstich-Zyklus des jungen Albrecht Dürer. Analog zu mittelalterlichen Sittenspiegeln wird eine Parade menschlicher Torheiten, Schwächen und Laster aufgeführt. Einhundertelf Narren versammelte Brant in seiner schellenklingenden Galerie. die als Volksbuch binnen kurzer Frist zum ersten literarischen ‚Welt‘- erfolg deutscher Sprache avancierte.
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Für den Tanz zum „Mitternacht-BIues hat sich unser Faun einen verbeulten Wedekindschen Frack geliehen. Die „Tiefsee, angelegt als psychologische Studie, versucht in ungewohnten Bildern Verborgenes frei zulegen was zwischen den Mühlsteinen der Gewohnheit und der Oberflächlichkeit manchmal zerrieben zu werden droht.
Für Euch, die Ihr den Regenbogen liebt., hat KARAT das „Magische Licht entzündet: haben Henning und und Bernd ihre Saiten verzaubert, hat Micha seinen Pulsschlag getrommelt. haben Herbert und Ed ihr Bestes gegeben. Norbert Kaiser (1980)
Stil und Besonderheiten des Albums
Nein, der „Schwanenkönig“ ist keineswegs die Erfindung des Folkrocks. Die Spielweise als Mischung aus Hard- und Art-Rock macht es aus. Teilweise haben es die Texter Norbert Kaiser und Herbert Dreilich auch gnadenlos übertrieben mit Kitsch und blumigen Worten. Aber dieses Album ergibt irgendwie die passende Mischung aus Text und Musik, und auch die Zusammenstellung der Lieder ist irgendwie passend.
Die gelungensten Lieder auf dem Album sind in meinen Ohren „Magisches Licht“, „Das Narrenschiff“, „Tiefsee“ und „Le Doyen II“. Der „Schwanenkönig“ an sich ist mir einen Tick zu dick aufgetragen.
Als Herbert Dreilich und Peter Maffay dann „Über sieben Brücken musst Du gehenn“ am 9. November 1989 im Tonstudio als Duett einsungen, öffnete sich nicht weit davon entfernt die Mauer. So wurde dieser Song zur Hymne des Jahres und zum Lied der deutschen Wiedervereinigung.
"Schwanenkönig" in den Charts
Am 29. September 1980 schaffen es Karat mit ihrem Album “Schwanenkönig” in die Deutschen Album-Charts. Als wenig später Peter Maffay bei der Band anklopfte und darum bat, ihren Song “Über 7 Brücken musst du geh’n” hatten es Karat endgültig geschafft.
Auf Platz 1 der Deutschen Verkaufscharts kletterte in dieser Woche das Album “Revanche” von Peter Maffay. Den ersten Platz räumen musste der Soundtrack des Films “Xanadu”, auf dem Olivia Newton-John und das Electric Light Orchestra zu hören sind. AC/DC waren seit wenigen Wochen mit ihrem Album “Back In Black” in den Deutschen Charts vertreten. Es war das erste Album ohne den langjährigen Lead-Sänger Ron Scott. Auch wenn die Welt behauptete, dass Brian Johnson ihn nicht ersetzen könne, wurde das Album das erfolgreichste der Band.
Ein noch wenig bekannter Name war Anfang der 80er Jahre Stefan Waggershausen. Er schaffte es mit seinem Debüt-Album “Hallo Engel” sofort in die Charts. Sein Bekanntheitsgrad sollte sich in den kommenden Jahren erheblich steigern. Mit ihren 20 größten Erfolgen stieg Daliah Lavi Ende September in die Charts ein. Der Erfolg des Albums, das den Namen “Willst du mit mir geh’n - Ihre 20 größten Erfolge” war gewiss enttäuschend für die Plattenfirma, denn es hielt sich nicht einmal bis Weihnachten in den Charts. Die Songs auf diesem Album überzeugen hingegen bis heute.
Trackliste des Albums "Schwanenkönig"
- Tanz mit der Sphinx
- Mitternachtsblues
- Magisches Lied
- Der Boxer
- Le Doyen I
- Das Narrenschiff
- Tiefsee
- Großstadt
- Schwanenkönig
- Le Doyen II
Diskografie von Karat (Studioalben)
- 2025: Hohe Himmel A+F
- 2018: Labyrinth Electrola
- 2017: Rock Legenden Vol. 2 - Karat, City + Maschine Rhingtön
- 2015: Seelenschiffe Electrola
- 2010: Weitergeh'n A+F
- 2003: Licht und Schatten Zyx
- 1997: Balance K&P
- 1995: Die geschenkte Stunde K&P
- 1991: Karat (1991) Extra
- 1990: ... im nächsten Frieden Extra
- 1987: Fünfte Jahreszeit Teldec
- 1984: Die sieben Wunder der Welt Teldec
- 1982: Der blaue Planet Teldec
- 1980: Schwanenkönig Teldec
- 1979: Über sieben Brücken Amiga
- 1978: Karat Amiga
Weitere Ehrungen und Auszeichnungen
Die Rockgruppe KARAT, 1975 in Berlin gegründet, zählt zu den erfolgreichsten der ehemaligen DDR und ist bis heute die angesagteste Band Deutschlands. Sie erreichte 1978 mit dem Titel „Über sieben Brücken mußt du gehn“ einen internationalen Hit. 1979 dufte KARAT erstmals in West-Berlin auftreten. Das 2. Album „Albatros“ wurde in der Bundesrepublik Deutschland veröffentlicht, für das die Band 1984 eine Goldene Schallplatte erhielt. Nach zahlreichen Gastspielen im Ausland erschien 1980 das Album „Schwanenkönig“, das die Erfolgsgeschichte der Band fortsetzte, die mit dem 1982 folgenden Album „Der blaue Planet“ nocht getoppt wurde. Weitere Alben folgten.
Fernweh-Park Intitiator Klaus Beer: „Da der Fernweh-Park bewusst am 9. November 1999 - zehn Jahre nach dem Fall der Mauer - ins Leben gerufen wurde, als Zeichen für grenzenlose Freiheit und zur Völkerverständigung, unterstreicht KARAT mit diesem Song sozusagen die Ideologie des völkerverbindenden Friedensprojekts. KARAT füllte große Hallen und Arenen, wie auch 2002 den Dresdner Theaterplatz mit 30.000 Zuschauern. Zum 40. Nach dem Tod des Leadsängers Herbert Dreilich übernahm 2005 dessen Sohn Claudius Dreilich dessen Part, mit fast identischer Stimme seines verstorbenen Vaters. Die Band trat u.a. Aufnahme in die „Signs of Fame“ des Fernweh-Parks am 11. Bio Stand Aufnahme in die „Signs of Fame“.
Viele Aufnahmen von Stars in die „Signs of Fame“ finden direkt im Fernweh-Park statt. Doch wenn es terminlich nicht klappt, dass die Prominenten persönlich dorthin kommen können, werden die Ehrungen z.B. backstage von Veranstaltungen, Konzerten, TV-Sendungen oder direkt am Set bei Filmdreharbeiten durchgeführt. Oder auch bei Pressebällen, Galas oder gar auf dem Roten Teppich bei Filmpremieren.
Die Rocklegenden KARAT, CITY und MASCHINE von den PUHDYS sowie als Special Guest MATTHIAS REIM treten im Rahmen der ROCK LEGENDEN - Tour 2018 in der Chemnitz Arena auf. Rock-Klassiger vom Feinsten, eine gigantische Bühnenshow, fantastische Lichteffekte. Das Publikum war begeistert!
Dann aber kommen sie: die Kult-Rockband der ehemaligen DDR und die bis heute angesagteste Rockband in Deutschland: KARAT. Nach einem herzlichen „Hallo“ greift als erster der Frontman und Sänger der Band, CLAUDIUS DREILICH den Stift und signiert mit Schwung sein Konterfei auf dem Star-Schild. Nach der Unterschrift folgen die Handabdrücke.
