Kampfsportarten ohne Regeln: Eine umfassende Betrachtung

Unter Kampfsport werden alle Kampfstile gefasst, die ohne Schusswaffen praktiziert werden. Es wird zwischen Kampfsport und Kampfkunst unterschieden. Bei Kampfsport steht der sportliche Wettkampf im Fokus wie zum Beispiel beim Boxen, Kung Fu, Karate, Judo oder Kickboxen.

Kampfsport vs. Kampfkunst

Bei der Kampfkunst steht nicht der Wettkampf im Vordergrund, sondern die Selbstverteidigung. Kampfkunst bedient sich häufig auch der Verwendung von Waffen. Oft implementiert die Kampfkunst auch die Prävention von Konflikten und Gefahren. Geschwindigkeit, Beweglichkeit und Kraft werden geschult.

Eine klare und eindeutige Trennung zwischen Kampfsport und Kampfkunst kann heutzutage nicht mehr vorgenommen werden.

Es gibt eine breite Auswahl an Kampfsportarten. Bei über 100 Kampfsportarten und Kampfkunst-Stilen kann es schon einmal schwer sein, den richtigen Kampfsport für sich zu finden.

Krav Maga: Selbstverteidigung ohne Regeln

Krav Maga ist kein Kampfsport im klassischen Sinne. Es werden keine Wettkämpfe bei diesem System praktiziert. Außerdem gibt es anders als bei anderen Kampfsportarten keine Regeln oder Vorschriften. Nicht nur Zivilisten üben Krav Maga, um sich selbst zu verteidigen, auch die deutsche Bundeswehr und Einheiten der Polizei.

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Dadurch bezieht sich dieses System auf Ernstfälle, in denen es im schlimmsten Fall um das Überleben geht und darum sich selbst und andere vor Gefahren zu schützen. Bei diesem Selbstverteidigungssystem ist alles erlaubt, was den Angreifer an weiteren Angriffen hindert.

Das System wurde in den 1930er Jahren entwickelt. Imrich Lichtenfeld, der Begründer von Krav Maga, bildete israelische Streitkräfte für den Krieg aus. Imrich Lichtenfeld musste die Soldaten, unabhängig von Alter, Vorerfahrungen oder Geschlecht auf den Ernstfall vorbereiten.

Das Besondere an dem Selbstverteidigungssystem ist, dass es für jeden geeignet ist. Es ist vollständig unabhängig von Alter, Geschlecht oder Körpergröße. Deswegen gibt es verschiedene Kurse für alle Menschen - für Männer, Frauen, Kinder, für Menschen mit Behinderung, für jeden eben. Polizisten und die deutsche Bundeswehr nutzen das Verteidigungssystem ebenfalls im Nahkampf. Dadurch hat sich Krav Maga als effektive Selbstverteidigung schon vielfach im Ernstfall bewährt.

Da Krav Maga kein Kampfsport ist, bei dem das Ziel ist, als Sieger aus dem Ring zu steigen, sondern ein Selbstverteidigungssystem für den Ernstfall, ist die Flucht immer die erste Wahl. Wenn jedoch kein Entfliehen mehr möglich ist, ist Aufgeben niemals eine Option.

Unser Selbstverteidigungssystem ist unfair, kompromisslos und brutal. Hemmungen werden im Training abgelegt, denn es geht im schlimmsten Fall um das Überleben. Und diesen Kampf solltest du immer gewinnen. Dadurch ist das System höchst wirkungsvoll.

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Weitere Kampfsportarten im Überblick

Boxen

Boxen als Kampfsport entstand im 17. Jahrhundert in England. Die Kampftechnik beruht beim Boxen auf Schlägen mit der geschlossenen Faust. Schläge unterhalb der Gürtellinie sind beim Boxen nicht erlaubt. Boxen zählt zudem zu den unbewaffneten Kampfsportarten.

Beim Boxen wird der Wettkampf im sogenannten Ring ausgetragen. Die Boxer tragen dabei Boxhandschuhe. Der Ringrichter überwacht die Fairness und Einhaltung der Regeln der Kämpfer beim Boxen.

Judo

Der Kampfsport Judo entstand in Japan in den 1880er Jahren. Judo ist ebenfalls ein unbewaffneter Kampfsport. Er basiert auf Wurf-, Fall- und Bodentechniken. Übersetzt bedeutet Judo „der sanfte Weg“.

Judo verzichtet am Anfang auf Schlagtechniken. Nur bestimmte Judoka ab einem bestimmten Ausbildungsgrad dürfen auch Schlagtechniken ausüben. 1964 wurde der Kampfsport Judo in die Olympischen Spiele aufgenommen.

Karate

Der Kampfsport Karate entstand Anfang des 20 Jahrhundert aus dem chinesischen Shaolin und einheimischen, okinawanischen Traditionen in Japan. Typisch für den Kampfsport Karate sind verschiedene waffenlose Tritt- und Schlagtechniken.

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Karate Kampfsport trainiert hohe Belastbarkeit, Beweglichkeit und Schnellkraft. Die verschiedenen Schlag- und Tritttechniken werden im Karate-Training mithilfe von Schlagpolstern und Sandsäcken trainiert.

Taekwondo

Taekwondo entstand im Jahr 1955 aus dem Kampfsport Karate in Korea. Mittlerweile ist er eine eigenständige Kampfsportart. Beim Kampfsport Taekwondo werden Schnelligkeit und Dynamik anhand festgelegter Fußstellungen und Schrittfolgen trainiert.

Auch Taekwondo ist ein Wettkampfsport. Bei diesem Kampfsport kommen keine Waffen zum Einsatz. Wettkämpfe können Leicht-, Semi- oder Vollkontaktkampf gegen einen Gegner beinhalten.

Kickboxen

Kickboxen ist ein Kampfsport aus der USA. Er ist eine Mischung aus Boxen, Karate und Taekwondo. Er vereint traditionelle japanische Kampfkunst und westliche Kampfsportarten. Die Kampftechnik beruht auf Schlägen und Tritten.

Beim Kampfsport Kickboxen wird zwischen drei Wettkampfarten differenziert: Semikontakt, Leichtkontakt und Vollkontakt. Die Kickboxer tragen ihren Kampf meist im Boxring aus.

Aikido

Aikido wurde von den Samurais in Japan ins Leben gerufen. Aikido gilt als eine friedfertige Kampfkunst. Die Persönlichkeitsentwicklung der Schüler steht im Fokus des Aikido-Trainings.

Von einer ernsthaften Verletzung des Gegners wird beim Aikido Kampfsport abgesehen. Ziel ist beim Aikido Kampfsport den Gegner nur außer Gefecht zu setzen. Die Bewahrung des Lebens und der Harmonie sind zentrale Werte des Aikido. Angriff und Verteidigung verschmelzen.

Kung Fu

Kung Fu ist eine traditionelle Kampfsportart. Die Kampfkunst Kung Fu entstand vor 1500 Jahren in China. Die Techniken bei diesem Kampfsport beruhen auf verschiedenen Hand- und Fußtechniken sowie dem Einsatz von Stöcken, Speeren, Säbeln oder Schwertern.

Im Kung Fu wird den fünf Elementen Holz, Feuer, Erde, Metall und Wasser eine große Bedeutung zugeschrieben. Kung Fu schult ebenfalls die Disziplin, denn die Trainingsmethoden sind sehr anspruchsvoll und streng. Unter dem Namen Shaolin Kung Fu fallen heutzutage hunderte verschiedene chinesische Kampfkunst-Stile.

Muay Thai: Der Nationalsport Thailands

Schon mal von „Muay Thai“ gehört? Muay Thai ist DER Exportschlager aus Thailand und mittlerweile weltweit verbreitet. In Thailand hat diese Kampfkunst seinen Ursprung und das Land des Lächelns gilt deshalb auch unter Kampfsport Fans und Sportler als beliebtes Urlaubsziel.

Was Fußball für uns Deutsche ist, ist Muay Thai für die Thailänder: Nationalsport, der überall praktiziert wird. In jeder Ecke und in jeder Bar in Thailand flimmert Muay Thai über die Bildschirme, an jedem öffentlichem Sportplatz hängen Boxsäcke und schon kleine Kinder trainieren spektakuläre Schlag-und Trittkombinationen.

Tatsächlich ist Muay Thai eine der ältesten Kampfsportarten überhaupt und viele Jahrtausende alt. Ursprünglich stammt Muay Thai von Muay Boran ab. Muay Boran ist ein Selbstverteidigungssystem, das für das reine Überleben auf den Schlachtfeldern Thailands entwickelt wurde und über die Generationen weitergegeben wurde.

Noch vor einigen Jahrhunderten wurden die Wettkämpfe von Muay Thai auf besonders brutale Art und Weise ausgetragen: Ohne Boxhandschuhe, ohne Regeln und ohne Zeitlimit - Ein Kampf auf Leben und Tod. Dies hat sich mittlerweile natürlich geändert.

Das Regelwerk im Muay Thai umfasst keine Hebeltechniken und Würfe. Dafür dürfen alle Faust-,Tritt-,Knie-,Ellenbogen-,und Clinchtechniken eingesetzt werden. Natürlich sind Tiefschläge, Augenstecher u.ä. nicht erlaubt.

Besonders brutal sind Ellenbogenschläge, die schnell zu Cuts und offenen Wunden führen können. Spektakulär sind vor allem die Tritte, von denen es eine Vielzahl an Varianten gibt.

Muay Thai gehört zu den effizientesten Kampfsportarten der Welt und ist deshalb auch hervorragend zur Selbstverteidigung geeignet.

Das traditionelle Muay Thai bzw. Muay Boran umfasst deshalb nicht nur Attacken wie Faustschläge, Knie- und Ellenbogentechniken, Tritte, Würgegriffe, Umklammerungen und Hebeltechniken, sondern auch die Abwehr unbewaffneter & bewaffneter Attacken (z.B. Messer, Stöcke, etc.).

Übrigens: Muay Boran ist das offizielle Selbstverteidigungssystem der Royal Thai Army.

Muay Thai ist für jeden geeignet, der gesund ist und über keine großen körperlichen Beschwerden verfügt. Ob Mann oder Frau, ob jung oder alt - Muay Thai ist von jedem zu erlernen und macht zudem richtig Spaß!

Vor einigen Jahren wurde Muay Thai vom thailändischen Staat sogar offiziell zum nationalen Kulturgut erklärt.

Im Muay Thai wird sehr viel Wert auf Respekt gegenüber Mitmenschen gelegt, sei es gegenüber dem Trainer, Eltern, dem Gegner oder dem Großmeister. Auch Höflichkeit und Bescheidenheit sind Werte, die in Thailand selbstverständlich sind.

Die Beziehung zwischen Lehrer und Schüler ist ein wichtiger Aspekt im Muay Thai. Aufgabe des Trainers ist es nicht nur die Kampfkunst zu lehren, sondern seinen Schülern auch die richtigen Werte und einen respektvollen Umgang mit seinem Umfeld beizubringen.

Klar, dass solch ein disziplinierter, traditioneller und harter Kampfsport nicht nur den Körper trainiert, sondern auch den Geist. Inneres Wachstum, eine harmonische Beziehung von Körper und Geist und Persönlichkeitsbildung sind wichtige Ziele im Muay Thai.

Muay Thai ist die thailändische Bezeichnung, die auf Deutsch übersetzt so viel wie Thai Boxen bedeutet. Im Vergleich zum Kickboxen gibt es jedoch erhebliche Unterschiede, dies sind zwei verschiedene Sportarten.

Wer im Urlaub richtig ins Schwitzen kommen möchte, kann sich in einem der unzähligen Muay Thai Camps in Thailand anmelden und trainieren. Sowohl absolute Anfänger als auch erfahrene Profis, kommen da voll auf ihre Kosten.

Mixed Martial Arts (MMA): Die Verschmelzung verschiedener Stile

Mixed Martial Arts, auch als MMA abgekürzt, ist ein hybrider Kampfsport, der Techniken aus verschiedenen Disziplinen wie Boxen, Ringen, Judo, Jujitsu, Karate und Muay Thai (Thaiboxen) vereint.

Die Ursprünge des Mixed Martial Arts reichen weit zurück und können bis zu den Olympischen Spielen im Jahr 648 v. Chr. zurückverfolgt werden. Damals wurde Pankration, das Kampftraining der griechischen Armeen, als Kampfsport des antiken Griechenlands angesehen. Dieser brutale Wettkampf vereinte Elemente des Ringens, Boxens und Straßenkampfes.

In den frühen 1920er Jahren war Vale Tudo in Brasilien auf dem Vormarsch. Vale Tudo ist ein Begriff, der in Brasilien zur Beschreibung von Vollkontakt Kämpfen verwendet wurde. Bei diesen Kämpfen traten Kämpfer verschiedener Stilrichtungen gegeneinander an. Judo gegen Karate, Boxen gegen Wrestling usw.

Die Gracie Challenge wurde erstmals in den frühen 1920er Jahren von dem Judoka Carlos Gracie ins Leben gerufen. Die Brüder Carlos und Hélio Gracie eröffneten 1925 in Rio de Janeiro eine Jiu Jitsu Schule und riefen die „Gracie Challenge“ aus, bei der sie gegen alle Herausforderer antraten.

Im Jahr 1985 entwickelte der professionelle Shoot-Wrestler Satoru Sayama Shooto. Shooto war vielleicht eine der frühesten Formen des professionellen MMA-Verbandes.

MMA erlangte in Nordamerika erstmals Bekanntheit, als die Gracie-Familie beschloss, ihr brasilianisches Jiu-Jitsu (BJJ) in den USA vorzustellen. Hélio Gracies Sohn Royce vertrat die Familie 1993 bei einem Turnier in Denver, Colorado, das später als UFC 1 bekannt wurde.

Anfangs bestand das Ziel der UFC darin, Kämpfer verschiedener Stilrichtungen gegeneinander antreten zu lassen, wie zum Beispiel Ringer gegen Boxer oder Kickboxer gegen Judoka. Die einzigen Regeln waren, dass Beißen und Augenausstechen nicht erlaubt waren. Die Kämpfe endeten, wenn einer der Kämpfer aufgab oder das Handtuch geworfen wurde.

Im Jahr 2001 wurden jedoch Regeln eingeführt, um den Sport sicherer zu machen. Gewichtsklassen, Runden und Zeitlimits wurden eingeführt, und die Liste der Fouls im Ring wurde erweitert.

Die UFC setzte sich maßgeblich für ein weltweit einheitliches Regelwerk für den Sport ein, und bis 2009 hatten die Regulierungsbehörden in den Vereinigten Staaten und viele Kampfsportorganisationen weltweit die sogenannten Unified Rules of Mixed Martial Arts angenommen. Diese Regeln legen fest, dass MMA-Kämpfe entweder in einem Ring oder in einem eingezäunten Bereich stattfinden und die Teilnehmer gepolsterte fingerlose Handschuhe tragen.

Neben der UFC gibt es noch weitere professionelle MMA-Organisationen, die in der Branche bekannt sind. Die Bellator MMA wurde 2008 gegründet und hat ihren Sitz in Newport Beach, Kalifornien. Sie ist eine der führenden MMA-Organisationen und hat viele bekannte Kämpfer unter Vertrag. Eine weitere wichtige Organisation ist ONE Championship mit Sitz in Singapur. Sie fördert MMA in Asien und hat viele erstklassige Kämpfer unter Vertrag.

Die International Mixed Martial Arts Federation (IMMAF) wurde 2012 in Schweden gegründet und hat das Ziel, die Entwicklung des Sports zu fördern und als globaler Dachverband für Amateur-MMA zu dienen. Über 40 nationale MMA-Verbände sind Mitglieder der IMMAF.