Kampfsport Bundeswehr Ausbildung

Der Zweikampf ist so alt wie die Menschheit selbst. Lange Zeit gehörte das Trainieren von kämpferischen Fähigkeiten zur Grundschule des Erwachsen Werdens und war für jedes Mitglied der Gesellschaft selbstverständlich. Kulturübergreifend fanden kriegerische Handlungen Einzug in Kunst, Kultur, und Freizeitvergnügen. Erst die Demilitarisierung moderner westlichen Gesellschaften hat dieses Phänomen in unseren Breiten verdrängt.

Das entbehrt aber nicht der Notwenigkeit für den Soldaten, je nach Einsatz Spektrum über Grundfähigkeiten zu verfügen, welche ihm das Überleben in den aktuellen Bedrohungslagen sicherstellen sollen. Kurzum, die Anforderungen an den Soldaten, sich auch im Notfall mit den Händen, Hilfsmitteln oder Waffen im Nahkampf zu erwehren sind sei jeher beständig. Zwar haben modere Waffen und Einsatzmittel das Angesicht der Auseinandersetzung verändert, der Kampf Soldat gegen Soldat ist jedoch immer noch der selbe.

Was früher mit Lanze und Schild ausgefochten wurde, muss heute mit Gewehr, Messer oder improvisierten Waffen erreicht werden. Doch wenn man über militärischen Nahkampf spricht, so wird oftmals unter Ermangelung einer konkreten Vorstellung, der Kampfsport als adäquates Vergleichsmoment herangezogen. Beide, der Nahkampf und der Kampfsport weisen eine Vielzahl an Parallelen auf, abgefangen bei den Grundtechniken, Übungen und der körperlichen Konditionierung.

Zudem wird einem kampfsportlich vorgeprägten Menschen der Zugang zum militärischen Nahkampf leichter fallen, jedoch ist die Ausrichtung des militärischen Krav Maga Nahkampfs der des Kampfsport weitgehend entgegen gesetzt. Aus diesem Grund können Techniken oder lang einstudierte Reflexe, welche im Kampfsport wichtig sind und ihre jeweilig Wettkampf bezogene Relevanz haben im Nahkampf grundfalsch und gefährlich sein.

Militärischer Nahkampf vs. Kampfsport

Der militärische Nahkampf unterscheidet sich fundamental vom Kampfsport oder der zivilen Selbstverteidigung und ist daher klar abzugrenzen. Im militärischen Nahkampf wird ein System vermittelt, das sich von traditionellen Stilen und Lehrweisen durch seine begrenzte Anzahl an Techniken unterscheidet. Die Grundidee besteht darin, in möglichst vielen Lagen im optimalen Fall mit nur einer Kombination von einfachen Bewegungsmustern höchst effektiv zu agieren.

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Überraschungsmoment: Im Gegensatz zum Sport, wo eine Ringkampf, Sparring, oder ein Training festgelegte zeitliche und räumliche Parameter hat, ist der militärische Nahkampf an keine dieser Vorgaben gebunden. Es kann jederzeit und überall zu einer Auseinandersetzung kommen. Während im sportlichen Geschehen immer ein gegenseitiges Einverständnis über ein Regelkorsett besteht, gilt für den Nahkampf nur der eigene Überlebenswille als oberste Maxim.

Ungleichheit: Im Nahkampf hat man nicht die Wahl des Gegners, der Gewichtsklasse oder anderer Präferenzen. Wer aus unterlegener Perspektive einen Soldaten angreift ist entweder bewaffnet oder fest entschlossen. Die Tötungsabsicht: Die emotionale Stressbelastung in einem Kampf auf Leben und Tod unterscheidet sich signifikant von einer Wettkampf Situation einer sportlichen Begegnung.

Für den Anwender ist es aus den oben genannten Gründen wichtig, sich aus dem sportlichen Korsett zu lösen, vielfach trainiertes abzulegen und oftmals neue Wege zu gehen. Ein Wettkämpfer weiß wann er seine Begegnung mit seinem Opponenten hat. Er kann sich darauf vorbereiten, auf den Tag genau hin trainieren und seine Form best möglich erreichen. Der Wettkämpfer ist gewiss, dass Regel geachtet werden, sein Gegenüber etwa über die gleiche Größe, Gewicht und Erfahrung verfügt.

Am Tag des Kampfes spielt sich alles innerhalb einer definierten Kampffläche ab, welche so konstruiert ist, dass Verletzungen vermieden werden, Techniken optimal ausgeführt und Bewegungsraum garantiert werden kann. All diese oben genannten Einfüsse und Faktoren hat ein Soldat im Einsatz nicht. Er ist der völligen Willkür des Schicksals und der Unberechenbarkeit unterworfen, Heimtücke und der Unfairness des Kampfes.

Seine Gegner sind vielleicht körperlich überlegen, greifen unvermittelt an oder nutzen Waffen. Der Soldat ist abgelenkt, möglicherweise müde oder gar verwundet und in keinem Fall vorbereitet. Der wesentliche Entscheidungsfaktor im Nahkampf ist der Kopf, in welchem sich Aufmerksamkeit, Entschlossenheit und Prinzipien einigen.

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Die Neuausrichtung des militärischen Nahkampfs

Die Bundeswehr hat den militärischen Nahkampf aller Truppen neu ausgerichtet. Wurde die Fähigkeit, sich im Nahkampf verteidigen zu können, in der Vergangenheit eher stiefmütterlich behandelt, sieht die neue Konzeption des militärischen Nahkampfes vor allem zwei Aspekte vor. Erstens: Jede Soldatin und jeder Soldat soll befähigt werden, die Grundaspekte des militärischen Nahkampfes zu kennen und ausführen zu können.

Das neue Konzept umfasst dabei zwei Stufen. Vorerst werden Soldaten zu Nahkampfausbildern geschult. Aus den Reihen der Ausbilder sollen in einer zweiten Stufe Nahkampflehrer ausgebildet werden. Deren Aufgabe ist es, Nahkampf und Gefechtsdienst verknüpfen. Das geschieht beispielsweise durch das Einspielen von Übungslagen während des Gefechtsdienstes.

Die Neuausrichtung des militärischen Nahkampfes wirkt sich auf die Ausbildung in Ergänzungstruppenteilen wie der 11. Kompanie des Fallschirmjägerregiments 31 aus. In der 11. Kompanie wird derzeit auf Grundlage des neuen Konzepts der Nahkampfausbildung das Modul „Basisausbildung für den Militärischen Nahkampf aller Truppen“ regelmäßig durchgeführt. Das Ziel ist es zunächst, die Grundlagen der Nahkampfausbildung zu beherrschen und zu vertiefen.

„Ausbildungsziel ist es, dass alle Soldaten der Kompanie die Basisausbildung erfolgreich absolvieren und regelmäßig wiederholen“, sagt der zuständige Ausbildungsoffizier. Nach seinen Angaben sind die Lehrgänge zum Nahkampfausbilder gemäß den Vorgaben und nach dem neuen Ausbildungskonzept auch offen für Reservistinnen und Reservisten.

Die 11. Kompanie verfügt über einen Nahkampfausbilder. Allerdings hat er seinen Status vor der Neuausrichtung des militärischen Nahkampfes aller Truppen erhalten. Dafür kann die Kompanie, die ausschließlich aus Reservisten besteht, bei Bedarf auf Nahkampfausbilder und -lehrer des Fallschirmjägerregiments 31 zurückgreifen. Noch ist es aber nicht so weit.

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„Wir müssen erst einmal unsere eigenen Hausaufgaben erfüllen und schauen, dass wir uns in unserem eigenen Bereich sicher bewegen“, sagt der für die Nahkampfausbildung zuständige Major der Reserve. Zunächst geht es um Grundlagen wie Schlag und Tritt oder freies Kämpfen. Bis dahin ist das Ziel bei den nächsten Nahkampf-Ausbildungsmodulen, die Grundlagen zu beherrschen und zu vertiefen.

Kampfgeist und Härte sind wesentlich für den Erfolg im Kampf. Die Soldaten sollen dazu gebracht werden, im Kampfgeist und in der Härte gegen sich selbst einen Wert zu erkennen. Neben diesem affektiven Ausbildungsziel gilt es, die Soldaten psychomotorisch zu befähigen im Nahkampf zu bestehen.

Die Fähigkeit zur körperlichen Durchsetzung mit nicht letalen Mitteln wird vor allem dort von hoher Bedeutung sein, wo zwischen Unbeteiligten und Gegnern auf engstem Raum kaum zu unterscheiden ist. Die Konzeption Reserve des Heeres fordert ein Training bis an die Ausbildungshöhe aktiver Soldaten heran. Die Nahkampfausbildung ist somit für ein Ergänzungstruppenteil der Fallschirmjägertruppe im Rahmen des Gefechtsdienstes neben einer professionellen Schieß- und Gefechtsausbildung ein weiterer Baustein, um dieser Forderung gerecht zu werden.

Krav Maga als zentraler Baustein

Wie oft beim deutschen Heer, wenn es um taktische Neuerungen geht, waren die Streitkräfte Israels ein wichtiger Orientierungspunkt bei der Konzeption auch des neuen Nahkampfs. Ein zentraler Baustein ist das im israelischen Militär entstandene Selbstverteidigungssystem Krav Maga - zu Deutsch: Kontaktkampf.

Mohr dazu: „Ein Kernprinzip von Krav Maga ist: keine Abwehr ohne Angriff. Sich ohne Schusswaffe gegen einen Feind zu behaupten, ist ein Hauptziel des neuen Nahkampfs für alle Soldaten."

Krav Maga bedeutet wörtlich übersetzt „Kontakt Kampf“ und wurde ursprünglich als militärisches Nahkampfsystem , 1948 bei der Gründung des Staates Israel von Imrich „Imi“ Lichtenfeld für Soldaten der IDF - Israeli Defense Forces entwickelt. Anstatt den Soldaten zu sagen, was diese im Ernstfall tun sollten, baute Krav Maga auf deren erste, intuitive Reaktion auf. Seit dem Zeitpunkt der Gründung des Systems, hat sich dieses natürlich durch die Erfahrungen professioneller Anwender in Krisengebieten und Kriegsschauplätzen in der heutigen Zeit deutlich weiterentwickelt.

Ausbildung bei den Kampfschwimmern

Die dreijährige Ausbildung beim Kommando Spezialkräfte der Marine ist die wohl vielseitigste in der Bundeswehr. Vier Phasen müssen die Anwärterinnen und Anwärter durchlaufen, zahlreiche Fähigkeiten erlernen sie dabei. Lautlos kommen sie aus dem Meer, um am Land zu operieren: die Kampfschwimmer. T. Mittendorp ist einer ihrer Ausbilder. Er trainiert neue Kameraden zu Land, im Wasser und in der Luft.

Phase I: PotenzialfeststellungAm Anfang der Ausbildung steht ein dreiteiliges Potenzialfeststellungsverfahren (PFVPotenzialfeststellungsverfahren). Die Anwärterinnen und Anwärter werden in drei Phasen getestet. PFVPotenzialfeststellungsverfahren I umfasst einen Sporttest und die Taucherverwendungsfähigkeit, eine ärztliche Untersuchung im Schifffahrtmedizinischen Institut in Kiel. Das PFVPotenzialfeststellungsverfahren I und der Schwimmtaucherlehrgang Modul eins und zwei sind Eingangsvoraussetzungen für das PFVPotenzialfeststellungsverfahren II. Dieses ist ein sechswöchiger Auswahllehrgang mit Sport und infanteristischen Anteilen. Mit der Tauchausbildung in der Schwimmhalle (PFVPotenzialfeststellungsverfahren III) endet die Potenzialfeststellung beim KSMKommando Spezialkräfte der Marine.

Phase II: GrundlagenausbildungJetzt sind die wichtigsten Grundfähigkeiten dran: Tauchen im Freiwasser, Schießen mit G95, G36K, P9 und P30 sowie Grundlagen Landkampfausbildung. Intensive Drills begleiten vor allem die Freiwassertauchausbildung, bei der vermittelt wird, an seine Grenzen zu gehen und das mental auch durchzuhalten. Höhepunkt ist das 30-Kilometer-Schwimmen in der Ostsee, das in zwei Tagen bewältigt wird - mit Tauchgerät und Ausrüstung. Die Ausbildungsphase soll die Kampfschwimmerschüler an ihre Belastungsgrenzen heranführen, um sie bestmöglich für den Einsatz vorzubereiten. Die Grundlagenausbildung schließt das erste Ausbildungsjahr ab.

Phase III (2. Ausbildungsjahr): Ausbildung Erweiterte FähigkeitenBeim KSMKommando Spezialkräfte der Marine legt man großen Wert auf Expertise von außen. Die Kampfschwimmerschüler durchlaufen für den Erwerb weiterer Fähigkeiten verschiedene Lehrgänge an anderen Ausbildungseinrichtungen der Bundeswehr. Der Kontakt in andere Organisationsbereiche stärkt die Einbindung innerhalb der Bundeswehr.

Phase IV (3. Ausbildungsjahr): Taktische EinsatzausbildungDie letzte Ausbildungsphase konzentriert sich auf die Vermittlung von Fähigkeiten in der erweiterten Landkampf-, Waffen- und Schießausbildung (Reaktionsschießen/ selektives Schießen mit allen kampfschwimmerspezifischen Waffen, bei Tag und Nacht), Zugangsverfahren für Gebäude und Schiffe, Zusammenarbeit mit Luft- und Seefahrzeugen und Mobilityausbildung (Ausbildung mit eigenen Gefechtsfahrzeugen wie MOVAG Eagel V, Skidoo, SSV/UTVUtility Terrain Vehicle und Quad) erlernen. Die Schüler werden in komplexe und kombinierte Lagen mit Planungs- und Durchführungsphase gebracht. -Zusätzlich werden sie im Bereich Tauchen zu Einsatzleitern ausgebildet um eigenständig kombinierte Tauchvorhaben durchführen zu können. Ziel ist es, dem Schüler das notwendigen Rüstzeug beizubringen und ihn zu einem mitdenkenden, hemmungseffizienten und störungstoleranten Soldaten zu erziehen.

Denn die Kampfschwimmer werden darauf trainiert, für alle Aufgaben im Einsatz befähigt zu sein. Alle Ausbildungsinhalte sind einsatzorientiert und formen sie zu breit ausgebildeten Profis in allen denkbaren Einsatzszenarien.

Kampfschwimmer-Unteroffizier/-OffizierGeschafft! Wer alle Lehrgänge besteht, wird in die Kampfschwimmerkompanie aufgenommen - und erhält das begehrte Sägefisch-Abzeichen und eine feste Nummer. Es ist eine aufsteigende Zahl, die seit den ersten Kampfschwimmern der Bundeswehr fortlaufend an neue Absolventen der Ausbildung zum Kampfschwimmer vergeben wird.

Sportsoldaten in der Bundeswehr

Als Sportsoldatin oder Sportsoldat kannst du vorgeschlagen werden, wenn du dem Olympia-, Perspektiv- oder Nachwuchskader oder einer deutschen Nationalmannschaft angehörst. Eine direkte Bewerbung bei der Bundeswehr als Sportsoldatin oder Sportsoldat ist nicht möglich.

Das Auswahlverfahren

Spitzensportlerinnen und Spitzensportler, deren sportliche Leistungen den Anforderungen entsprechen, werden in der Regel von ihrem jeweiligen Spitzensportverband angesprochen und für das Sportförderprogramm der Bundeswehr vorgeschlagen. Du kannst dies auch bei deinem Verband beantragen. Geeignete Kandidatinnen und Kandidaten werden in Kooperation mit dem Deutschen Olympischen Sportbund bei der Bundeswehr vorgeschlagen und gemeinsam ausgewählt.

Ausbildung und Verwendung

Als Sportsoldatin oder Sportsoldat wirst du grundsätzlich zunächst als Freiwilligen Wehrdienst Leistende oder Freiwilligen Wehrdienst Leistender für 11 Monate eingestellt.In Abhängigkeit von deinen sportlichen Leistungen kann deine Dienstzeit auf bis zu 23 Monate verlängert werden.Eine Übernahme zur Soldatin oder zum Soldaten auf Zeit sowie die Ernennung zur Berufssoldatin oder zum Berufssoldaten in der Laufbahn der Feldwebel ist mit deinem Einverständnis möglich und abhängig von deiner soldatischen Eignung sowie der leistungssportlichen Einschätzung deines Spitzenverbands und des Deutschen Olympischen Sportbundes.

Die Einstellung als Sportsoldatin oder Sportsoldat ist immer an deine sportlichen Leistungen geknüpft. Können die geforderten Leistungen nicht mehr erbracht werden, wirst du entsprechend deiner militärischen Ausbildung und deines Dienstgrads in die reguläre Truppe versetzt.

Möglichkeiten für Sportliche

An Sportsoldatinnen und Sportsoldaten werden konkrete Anforderungen bezüglich der sportlichen Leistungen gestellt.

Die Rolle der Feldjäger

Bei den Feldjägern werden z.B. verschiedene Schläge und Tritte, Meidbewegungen, Zugriffs- und Ablegetechniken, Techniken zum Waffenschutz und das gelehrt, was der Ausbilder für gut befindet. Das alles natürlich "in grün", d.h. im Kampfanzug, ggf.