Die Geschichte der japanischen Kampfkünste in Deutschland ist komplex und oft von Fehlinterpretationen geprägt. Eine wissenschaftliche Arbeit beleuchtet die Ankunft und Entwicklung des Judo in Deutschland, wobei der Fokus auf fünf japanischen Kampfkunst-Instruktoren liegt und wann und warum diese nach Deutschland kamen.
Frühe Einflüsse und Pioniere
Es ist zu bemerken, dass seit ca. 1906 in Deutschland jap. Kampfkunst geübt wird. Zuerst Goshinjutsu, gepaart mit Randori-Techniken - bekannt als "Jiu-Jitsu". Ab 1928 kam über zwei Wege das Kôdôkan Jûdô nach Deutschland. Die Forschung versucht, falsche Daten zu korrigieren, die über Jahre hinweg verbreitet wurden.
Ein Beispiel hierfür ist der Flottenbesuch der beiden jap. Kriegsschiffe "Tsukuba" und "Chitose". Lange Zeit wurde angenommen, dass dieser Besuch 1906 stattfand, doch das Tagebuch von Alexander von Siebold, einem Zeitzeugen, datiert das Ereignis auf 1907. Alexander von Siebold beschreibt Details der Kieler Woche, einschließlich der Anwesenheit von Kaiser Wilhelm II. und dem japanischen Botschafter Inoue Katsunosuke.
Erich Rahn: Pionier oder Missverstandener?
Die Rolle von Erich Rahn als Pionier der japanischen Kampfkünste in Deutschland wird oft diskutiert. Ein Kôdôkan Jûdô Instrukteur berichtete 1928 ausführlich über die deutsche "Jiu-Jitsu"-Szene und besuchte Rahns Sportschule in Berlin. Sein Fazit war, dass Erich Rahn der einzige Berliner Lehrer war, der jemals unter Japanern trainiert hat.
Einige sehen Rahn kritisch, während andere ihn als Pionier der japanischen Kampfkunst in Deutschland betrachten. Ein Schüler Rahns baute intensiven Kontakt zum Kôdôkan in Tôkyô auf, wobei Alfred Rhode eine wichtige Rolle für die Entwicklung des Jûdô in Deutschland spielte.
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Japanische Judo-Lehrer in Deutschland
Es gab in Deutschland neben Alfred Rhode eine zweite wichtige Person die "intensiv" Jûdô betrieben hat. Vor den beiden Herren waren ebenfalls zwei weitere Jûdô-Instruktoren in Berlin tätig, direkt vom Kôdôkan gesandt. Die einzige Person die offiziell Jûdô praktizierte und sich für längere Zeit in Berlin aufhielt war "Ôno Akitarô". Er war damals als 4. DAN in Deutschland. Später (1914) wurde er zum 5. DAN befördert.
Die Frage nach dem Einfluss von Ono Akitaro und seiner Interaktion mit Erich Rahn bleibt bestehen. Es gibt jedoch keine Beweise dafür, dass der Kôdôkan Ono offiziell nach Deutschland entsandt hat.
Weitere Judo-Pioniere
Dr. Kitabatake Kyôshin wurde im August 1904 geboren. Er war als Austauschstudent in Berlin (vorher Leipzig). "Erich Rahn" erwähnt ihn in einem seiner Bücher, jedoch nicht namentlich. Kitabatake war übrigens auch Jûdô-Lehrer 5. DAN während der ersten "Judo-Sommerschule" 1932 in Frankfurt am Main.
Katsukuma Higashi und Tsutsumi Hōzan-ryū
Katsukuma Higashi wird 1906 im Zirkus Schuhmann in Berlin erwähnt. Seine Verbindungen zur Tsutsumi Hōzan-ryū sind jedoch umstritten. Es gibt keine eindeutigen Beweise dafür, dass Higashi ein Schüler dieser Ryu war, obwohl einige Quellen dies behaupten.
Einige Quellen berichten, er sei bis 1912 in Deutschland gewesen. es ist allerdings einigermaßen unklar, wo er sich vorher aufgehalten hat (außer in den USA / kanada) und wo er nach 1906 war.
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Die Tsutsumi Hōzan-ryū ist der Überlieferung nach gegen Ende des 14. Jhdts. entstanden und war, wie damals absolut üblich, ein Waffensystem welches auch gewisses Jûjutsu enthielt. Ich persönlich gehe davon aus, dass die Ryûha als solche die Meiji-Restauration nicht überlebt hat.
Jan de Jong und Erich Rahn
Es gibt keine Verbindung zwischen Jan de Jong und Erich Rahn. Jan de Jong hat bis 1940 in Indonesien gewohnt und trainiert. Er kam 1940 nach Rotterdam. Dort blieb er bis 1946, danach zog es ihn wieder nach Indonesion. In der Zeit zwischen 1940 bis 1946 kann es keinen Kontakt gegeben haben.
Die Forschung zur frühen Geschichte des Judo in Deutschland ist noch nicht abgeschlossen. Neue Erkenntnisse und Quellen, insbesondere aus Japan, tragen dazu bei, ein genaueres Bild dieser spannenden Epoche zu zeichnen.
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