Judo ist mehr als nur ein Kampfsport - es ist eine Lehre, die Kindern und Jugendlichen wichtige Werte wie Disziplin, Respekt und den Umgang mit Sieg und Niederlage vermittelt.
Der Judoanzug und der Gürtel
Jeder Judoka trägt einen Judoanzug, auch Judogi genannt, und einen Gürtel.
Dabei knotet man den Gürtel nicht einfach irgendwie um den Bauch herum, sondern auf eine ganz bestimmte Art und Weise. Die Mitte des Gürtels legst du auf deinen Bauch, ungefähr da, wo dein Bauchnabel ist. Anschließend wickelst du die beiden Gürtelenden einmal um dich herum. Beide Enden sind dann wieder vorn. Die Enden legst du übereinander. Das obere Gürtelende wickelst du einmal um das andere Ende und den darunter liegenden Teil des Gürtels (den Teil, den du anfangs auf den Bauch gelegt hast) herum.
Mit ein bisschen Übung geht das ganz schnell und einfach.
Wenn Du Dich beim Training umsiehst, kannst Du vielleicht viele verschiedene Gürtelfarben bei den anderen Judoka entdecken: Von Weiß, also ganz hell, bis zu Schwarz, ganz dunkel. Um einen neuen Gürtel zu bekommen, legt man eine Prüfung ab. In der Prüfung zeigst Du, welche Fallübungen, Judowürfe und Haltegriffe Du schon kennst. Im Laufe Deiner Ausbildung kommen sogar Hebel- und Würgetechniken dazu.
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Der Kampf
Beim Judo ringen, raufen und kämpfen wir beim Training auch, zum Beispiel im Randori.
Der Kampf findet natürlich in einer Kampffläche statt, die Du schon an den Mattenfarben erkennst. Da wir beim Judo höflich zueinander sind, verbeugst Du Dich selbstverständlich vor Deinem Gegner. Dann musst Du nur noch warten, bis der Kampfrichter Hajime ruft und der Kampf endlich losgeht. Während Du kämpfst, ruft der Kampfrichter viele verschiedene Worte und macht dazu verschiedene Handbewegungen.
Die Kampffläche ist farblich eindeutig gekennzeichnet (bei uns durch rote Matten). Der darum gelegte Mattenbereich (bei uns in grüner Farbe) darf - mit wenigen Ausnahmen - nicht betreten werden.
Je nach Alterskategorie dauern Judo-Kämpfe von zwei Minuten für die Kleinen bis zu vier Minuten plus sog.
Der Kampf beginnt mit dem Kampfrichterkommando „Ha-jime“ und endet mit „Sore-made“. Mit dem Kommando „Mate“ wird der Kampf kurzzeitig unterbrochen.
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Wichtige Kommandos:
- Ha-jime: Kämpft!
- Mate: Stopp!
Wertungen im Judo
Zum Beispiel auch die Wertungen, wie gut Du einen Wurf geworfen oder wie lange Du einen Haltegriff gehalten hast: Ippon ist die höchste Wertung und beendet den Kampf. Für Würfe auf die Seite und (leicht) auf den Rücken gibt es Waza-ari.
Die höchste Wertung einer Technik wird durch den Kampfrichter-Ausruf „Ippon“ signalisiert. Dies beendet den Kampf vorzeitig. Bei einer nicht ganz perfekten, aber dennoch erfolgreichen Technik gibt es ein „Waza-ari“.
Im Boden kann der Kampf ebenfalls entschieden werden. Den vollen Punkt, das Ippon, erhält der Sieger, wenn der Gegner z.B. aufgrund einer erfolgreichen Hebel- oder Würgetechnik (zulässig bei älteren Kindern und Erwachsenen) aufgibt. Die Aufgabe zeigt der Unterlegene dem Gegner und dem Kampfrichter durch festes zweimaliges Abklopfen mit den Händen oder Beinen an.
Eine Waza-ari-Wertung gibt es für einen Haltegriff (Osae-komi), der mindestens zehn aber weniger als 20 Sekunden gehalten wird. In der 20. Sekunde des ungelösten Haltegriffs ertönt das Kommando Ippon, welches den Kampf wiederum beendet.
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Spezielle Situationen und Strafen
Befürchtet der Kampfrichter in einer unübersichtlichen Bodenkampfsituation ein Risiko für einen der Kämpfer, so kann er den Kampf mit dem Kommando „Sono-mama“ unterbrechen. Beide Wettkämpfer verharren in der aktuellen Situation bis der Unparteiische die Situation - z.B. durch Kleiderordnen - bereinigt.
Ein Hinaustreten wird mit der Strafe „Shido“ geahndet. Strafen werden auch für andere Unregelmäßigkeiten (z.B. wegen Inaktivität, unzulässiger Grifftechnik oder Beingreifen im Standkampf) erteilt. Die Disqualifikation heißt im Judo „Hansoku-make“.
Drei Shidos führen zu einem Hansoku-make, also wiederum zur vorzeitigen Beendigung des Kampfes. Eine Ausnahme von dieser Regel begründen Shidos für das Greifen ans Bein während des Standkampfes.
Weitere Regeln
Bei Wurfansätzen oder Bodentechniken, die innerhalb der Kampffläche begonnen haben, geht der Kampfverlauf auch auf der Sicherheitsfläche weiter bis die Kampfaktion abgeschlossen ist.
Reguläre Kampfzeit: Wird der Kampf nicht vorzeitig durch Ippon oder Hansoku-make entschieden, so gewinnt am Ende der regulären Wettkampfzeit der Kämpfer, der bereits ein Waza-ari erzielt hat.
Haben beide Kämpfer am Ende der regulären Kampfzeit eine Waza-ari-Wertung auf der Anzeigetafel stehen (unabhängig von der Zahl der Shidos), geht der Vergleichskampf im Golden Score, also in der Verlängerung, weiter. Im Fall gleicher Wertungen wird der Kampf somit auch dann fortgesetzt, wenn z.B.
Golden Score: In dieser Verlängerung gibt es keine zeitliche Obergrenze.
Der Judo-Gi im Wettkampf
Gekämpft wird in der Regel im weißen Judo-gi (Judoanzug). Der zuerst aufgerufene Kämpfer bindet sich den weißen, der Zweitgenannte den roten Gürtel um. Bei Wettkämpfen auf höherem Niveau trägt der eine Kämpfer statt des Zusatzgürtels einen weißen, der andere Kämpfer einen blauen Judo-gi.
Der in der Wettkampfliste Erstgenannte bzw. zuerst Aufgerufene (weißer Zusatzgurt; weißer Judo-gi) stellt sich aus der Perspektive des Kampfrichters rechts auf der Matte auf.
Disziplin und Respekt
Judo hat viel mit Disziplin und Respekt zu tun! So erwartet der Lehrer völlig selbstverständlich den Respekt seines Schülers. Auch wird vorausgesetzt, dass die Schüler diszipliniert auf der Matte und in deren Umfeld agieren. Auch wird der Schüler durch Gürtelprüfungen und Leistungsüberprüfungen permanent dazu angehalten dem Unterricht konzentriert zu folgen und nicht zu stören.
Durch die verstärkte Disziplinierung der Kinder und Jugendlichen wird angenommen dass Judo ein „Heilmittel“ für AD(H)S ist. Judo hilft Kindern und Jugendlichen im Umgang mit wichtigen und allgegenwärtigen Regeln, Werten und Attributen.
Judo als Ergänzung zur Erziehung
Judo kann und darf nicht die Eltern und Lehrer der Kinder ersetzen, sondern wird immer einen komplementären Stellenwert einnehmen. Im Rahmen des Trainings jedoch muss jedes Kind zeigen was es kann, und lernen kontrolliert mit Sieg und Niederlage umzugehen. Es ist wichtig, dass der Unterlegene lernt mit Misserfolg, mentalem und physischem Schmerz umzugehen und trotz allem die Selbstachtung und den Mut nicht zu verlieren.
| Kommando | Bedeutung |
|---|---|
| Ha-jime | Kämpft! |
| Mate | Stopp! |
| Ippon | Voller Punkt, Kampfende |
| Waza-ari | Halber Punkt |
| Shido | Strafe |
| Hansoku-make | Disqualifikation |
| Sono-mama | Bewegung einfrieren |
