Alina Dalaslan: Ein aufsteigender Stern am deutschen MMA-Himmel

Alina Dalaslan ist der Shooting-Star der deutschen Mixed-Martial-Arts-Szene. Sie gilt als eines der größten weiblichen MMA-Talente in Deutschland. Am 8. März 2025 änderte sich Alina Dalaslans Leben über Nacht - in einem Käfig in Stuttgart.

Nach ihrem Profi-Debüt in der wegen ihrer Härte umstrittenen Vollkontakt-Kampfsportart Mixed Martial Arts, kurz MMA, in der Schleyer-Halle wurde die 24-Jährige nach dem Sieg über ihre Kontrahentin Kamila Šimková die vielleicht gefragteste Frau in der Kampfsportdomäne weit und breit.

Ihren ersten Kampf hat Alina Dalaslan souverän gewonnen. Gegen Kamila Šimková aus Tschechien siegte sie in der dritten Runde durch technischen K.o. und zeigte dabei von Beginn an eine dominante Vorstellung.

Alina Dalaslans Weg zum MMA

Alina Dalaslan fällt auf, wenn sie die Matte betritt. In der zwölfköpfigen Trainingsgruppe ist sie die einzige, die sich zunächst einmal ihre langen, schwarzen Haare zu einem Dutt binden muss, bevor es losgehen kann. Bis auf sie und den Trainer tragen alle anderen Athleten Kurzhaarfrisur. Alina Dalaslan ist die einzige Frau in der Gruppe. "Das ist natürlich ein bisschen schade", findet sie. Aber es habe auch Vorteile. Ihre Gegnerinnen erscheinen ihr regelmäßig eher schwach. Schließlich sei sie es gewohnt mit Männern zu kämpfen.

Consultant Controlling steht in ihrem Berufsprofil. Ein Duales Studium im Rechnungswesen hat sie vor drei Jahren abgeschlossen, mittlerweile arbeitet sie für einen großen schwäbischen Automobilkonzern. "Klassische Buchhaltung", erklärt sie lächelnd im SWR-Interview. Auf den ersten Blick sieht man ihr das Hobby nicht an, das sie ab sofort professionell betreiben wird.

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Dass Alina Dalaslan als eines der größten weiblichen MMA-Talente in Deutschland gilt, liegt auch an ihrer kurzen, aber erfolgreichen Amateur-Karriere, die im Stallion Gym in Stuttgart beginnt. Ihren ersten Kampf im September 2023 gewinnt Dalaslan gegen die Österreicherin Narges Mohseni auf der Veranstaltung "Savage 1" im österreichischen Korneuburg.

"Als ich sie damals beim Aufwärmen gesehen habe, wusste ich sofort, dass sie ein riesiges Potenzial hat", erinnert sich Veranstalter Marjan Macic zurück. Wenig später wird Alina Dalaslan bereits für die Weltmeisterschaft nominiert, darf für Deutschland antreten: "Es war so eine geile Erfahrung gegen richtig gute Kämpferinnen", erzählt Dalaslan. Am Ende darf sie sich über den Titel freuen: Weltmeisterin der IMMAF (International Mixed Martial Arts Federation).

"Mit dem Gürtel nach Hause zu kommen war natürlich der Hammer", sagt sie und freut sich über das Lob aus der Szene. "Sie hat wirklich die größte Chance, irgendwann in die UFC zu kommen und einen Titel zu holen", sagt Mert Özyildirim. Die UFC ist die größte und wichtigste MMA-Organisation der Welt.

Auch am Abend, beim Ringertraining, steht Dalaslan als einzige Frau auf der Matte. Wieder muss sie ausschließlich gegen Männer ran. "Es wäre schon schön, wenn es mehr Frauen in unserem Sport gäbe", gibt sie im Interview zu. Vor allem in Deutschland ist der MMA-Sport noch immer eher eine Männerangelegenheit. Bezeichnend daher, dass sie für ihren ersten Profikampf in Stuttgart auf eine Tschechin traf. Mit Kamila Šimková bekam es Dalaslan mit der zweifachen tschechischen MMA-Meisterin zutun. Gleich beim Debüt also eine sehr erfahrene Gegnerin - die sie souverän besiegt. Alina Dalaslan ist bereit für den nächsten Schritt.

MMA: Mehr als nur rohe Gewalt

MMA, das ist der Sport, der in Deutschland immer mehr jüngere Leute vor den Fernseher und in die Arenen zieht. Kein Wunder, denn der Sport ist spektakulär, spannend und blutig. Häufig als "moderne Gladiatoren" bezeichnet, ist den MMA-Kämpfern im Käfig fast alles erlaubt - nur Tiefschläge, Schläge auf Rücken und Hinterkopf, Kratzen, Beißen sowie Stechen in Körperöffnungen ist verboten. Wer am Boden liegt, darf weiter geschlagen werden. Tritte zum Kopf sind dann aber nicht mehr erlaubt. Der Sport vereint die besten Techniken aller bekannten Kampfsport-Disziplinen. Alina Dalaslan kann all das.

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Zumindest die besten Tricks dieser Sportarten. Auch wenn sie selbst am liebsten im Stand kämpft, wie sie erzählt. "Ich komme aus dem Kickboxen", erklärt sie am Rande der Trainingseinheit. Schwitzend und glücklich steht sie nach dem anstrengenden Athletik-Training in der Balinger Kampfsportschule "Planet Eater" vor der Kamera. Dann schnürt sie sich die dünnen, fingerfreien Handschuhe, um noch ein kurzes Sparring einzuschieben. "Ich werde niemals müde", lacht sie und beweist das auch gleich im Pratzentraining. Trainer Mert Özyildirim bestätigt das: "Schaut mal, die Jungs sind schon alle in der Umkleidekabine. Die sind platt.

Frau Dalaslan, MMA wurde von den Medien lange Zeit gemieden, TV-Übertragungen waren zeitweise sogar verboten. Warum löst der Sport mittlerweile trotzdem eine so große Faszination aus? Dalaslan: Ich glaube, dass das stark mit OKTAGON MMA (MMA-Organisation in Europa, Anm. d. Red.) zusammenhängt, die den Sport hierzulande auf die Karte gesetzt hat. Die können ihre Athleten einfach richtig gut vermarkten. Und wenn man sich mehr mit dem Sport befasst, sieht man, dass es nicht einfach nur rohe Gewalt ist, sondern ein sehr technischer und auch taktischer Sport dahintersteht. Ich kannte MMA auch lange nicht - als ich mit dem Kickboxen begonnen habe, war mir das noch kein Begriff, obwohl ich aktiv Kampfsport ausgeübt habe. Die Aufmerksamkeit in Deutschland und allgemein in Europa hat damals noch ein bisschen gefehlt. Aber der Sport ist krass gewachsen und wird es noch mehr.

Halmich: Um 2000 herum war MMA auch noch verpönt als rohe Gewalt. Mein Vater hat sich als Rettungssanitäter mal einen MMA-Kampf angeguckt und war schockiert. Ich kann auch ein Stück weit nachvollziehen, dass der Sport nichts für jeden ist. Aber er hat trotzdem eine Daseinsberechtigung. Und aus der Sicht einer Kampfsportlerin sehe ich, was die Kämpfer alles leisten: MMA-Kämpfer sind die perfekten Athleten, die den Bodenkampf, das Kicken und Boxen beherrschen müssen - und einen guten "Fight-IQ" brauchen, um das alles zu verbinden. Aber für einen Laien mag das mitunter auch brutal aussehen, weil der Kampf eben auch am Boden weitergeht. Ich sage auch ganz klar: Das ist eine Sportart für Erwachsene und nichts für Kinder.

Die Zusammenarbeit mit Regina Halmich

Für ihren zweiten Kampf hat sie sich mit Regina Halmich eine prominente Mentorin ins Team geholt. Bei ihrem zweiten Kampf unterstützt sie dabei Regina Halmich, der vor etwa 30 Jahren im Boxen ähnliches gelang. Ein Gespräch mit zwei Pionierinnen ihres Sports.

Vergangenes Wochenende startete in München das Mentoring, bei dem Halmich Dalaslan nicht nur sportlich, sondern auch mental auf das Event vorbereiten wird, wie der Sender RTL mitteilte, der auch die Übertragungsrechte der Oktagon MMA-Events besitzt. Bei dem Treffen der Athletinnen outete sich Halmich demnach als großer Fan von MMA, das unterschiedliche Kampfsportdisziplinen vereint: „MMA ist überaus fesselnd - eine hochexplosive Mixtur aus verschiedenen Kampfkünsten. Die Fighter sind echte Spezialisten unterschiedlicher Techniken wie zum Beispiel aus den Sportarten, Boxen, Judo, Ringen, Muai Thai, Kiu-Jitsu und Thaiboxen.“ Ihrem neuen Schützling zollte die 48-jährige Box-Ikone höchsten Respekt: „Alina ist eine sehr sympathische junge Frau mit einer tollen Ausstrahlung. Ich erlebe sie als hoch konzentriert, zielstrebig und absolut motiviert. Sie weiß genau, was sie will.“ Alina Dalaslan bringe alles mit, was es brauche, um die Weltklasse aufzumischen.

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Was können Sie trotzdem voneinander lernen? Halmich: Was heißt lernen? Ich glaube, was uns verbindet, ist die Disziplin, die man im Kampfsport über Wochen, Monate, sogar Jahre mitbringen muss. Ich würde deshalb gar nicht von etwas lernen sprechen. Natürlich bin ich älter, habe 56 Profikämpfe absolviert. Da kann ich ihr natürlich noch das eine oder andere erzählen. Aber letzten Endes ist es ein Austausch verschiedener Sportarten, die zwar ähnlich sind, aber trotzdem unterschiedlich.

Dalaslan: Ich kann da nur zustimmen. Ich komme wie gesagt vom Kickboxen, habe auch ein bisschen Boxen gemacht. Deswegen ist vieles sehr ähnlich, worüber wir uns schon ausgetauscht haben. Und natürlich sie hat viel mehr Erfahrung als ich, ich mache gerade erst meinen zweiten Profikampf. Aber jeder macht auch ein bisschen seine eigenen Erfahrungen. Trotzdem ist es immer hilfreich, Tipps und Erfahrungswerte von anderen erfolgreichen Kämpfern zu bekommen. Ich sehe Regina auch als meine Mentorin, als ein Mitglied des Teams. Und da ist natürlich jeder Tipp Gold wert und wird mich in jedem Fall weiterbringen.

Halmich: So habe ich das auch gemacht im Laufe meiner Karriere: Ich habe mir von jedem gerne Tipps geholt und mir dann das Beste davon herausgepickt. Und heute gebe ich aktiven Sportlerinnen Ratschläge, gerade wenn es um Verhandlungen oder Sponsoren- und Kampfverträge geht, wo ich schon fast alles erlebt habe. Das mache ich auch gerne. Es ist wichtig, dass bei den wenigen Frauen in unserem Sport ein gewisser Zusammenhalt herrscht. Bei uns war es damals ganz schlimm: Jede Kämpferin hat ihr eigenes Süppchen gekocht, es war viel mehr Konkurrenz, obwohl man nicht einmal in derselben Gewichtsklasse war. Ich hätte mir damals gewünscht, mir auch mal Rat von einer Frau holen zu können. Aber da war niemand, es gab nur Männer.

Herausforderungen für Frauen im MMA

Es gibt mit Katharina Dalisda aus Frankfurt noch eine Kämpferin, die ich persönlich kenne, aber ansonsten ist das echt rar in Deutschland - gerade im Profibereich. Immerhin starten einzelne Amateure jetzt langsam durch, weil der Sport mehr und mehr Aufmerksamkeit bekommt. Ich sehe es auch bei uns im Gym - mein Coach Peter hat mir gesagt, dass sich die Frauenkurse bei uns immer mehr füllen, seit ich da bin. Die müssen jetzt auch erst einmal trainieren, bis sie dann wirklich Wettkämpfe machen können und den Schritt zum Profi machen können. Aber ich denke, das wird in Zukunft auf jeden Fall mehr werden.

Halmich: Im Prinzip kann man sagen: Dass was sie erlebt, ist eins zu eins das Gleiche, was ich im Boxen erlebt habe - nur eben im MMA. Sie können ihre Situation also gut nachvollziehen? Halmich: Total! Bei mir war es genau das gleiche, als ich angefangen habe. Auf einmal kamen mehr Boxerinnen ins Gym und haben angefangen zu trainieren. Man braucht eben immer Vorbilder.

Wie gehen Sie heute damit um, dass es relativ wenige Frauen im MMA gibt? Dalaslan: Ich finde es unglaublich schade. Klar funktioniert das Training auch mit den Männern und macht Spaß. Es gibt ja auch Männer in meiner Gewichtsklasse. Aber beispielsweise im Bodenkampf gibt es trotzdem nochmal einen Kraftunterschied. Deswegen finde ich es toll, dass jetzt generell mehr Frauen im Kampfsport sind. Ich spüre auch heute noch die Konkurrenz untereinander, dass jeder ein bisschen für sich selbst ist. Gefühlt ist das immer noch so. Mit ein paar Mädels verstehe ich mich, mit denen treffe ich mich auch regelmäßig zum Sparring. Aber es gibt glaube ich viel mehr, die gegen dich sind. Es ist eben ein typischer Einzelsport.

Halmich: Ja, wir sind wirklich Einzelkämpfer, das ist einfach so. Meine Freunde im Sport waren auch alles Männer.

Bekannte UFC-Kämpferinnen

Name Division Bemerkenswertes
Valentina Shevchenko Fliegengewicht Ehemalige UFC-Championesse im Fliegengewicht, bekannt für ihre Kickboxfähigkeiten
Amanda Nunes Bantamgewicht, Federgewicht Erste Frau, die UFC-Champion in zwei Divisionen wurde, gilt als eine der besten MMA-Fighterinnen aller Zeiten
Alexa Grasso Fliegengewicht Aktuelle UFC-Championesse im Fliegengewicht
Holly Holm Bantamgewicht Ehemalige Boxweltmeisterin, besiegte Ronda Rousey und sorgte für eine der größten Überraschungen in der UFC-Geschichte
Rose Namajunas Strohgewicht Zweifache UFC-Championesse im Strohgewicht, bekannt für ihre Kickboxfähigkeiten

Diese Tabelle zeigt einige der bekanntesten UFC-Kämpferinnen und ihre Erfolge. Sie verdeutlicht, dass Frauen im MMA-Sport zunehmend an Bedeutung gewinnen und beeindruckende Leistungen erbringen.