Die drei Buchstaben BJJ sind die Abkürzung für Brazilian Jiu-Jitsu. Möchtest du mehr über BJJ lernen? Dann bist du hier genau richtig.
Was ist Brazilian Jiu-Jitsu?
Brazilian Jiu-Jitsu (BJJ), oder Brasilianisches Jiu-Jitsu, Jiu-Jítsu Brasileiro ist eine judoähnliche Kampfsportart, die Mitte des 20. Jahrhunderts in der brasilianischen Region Rio de Janeiro entstand und vom klassischen Judo beeinflusst wurde.
Das klassische Jiu-Jitsu ist eine japanische Kampfkunst, die von Samurai Kämpfern entwickelt wurde. Sie dient der Selbstverteidigung und bedeutet übersetzt „die sanfte Technik“ oder „die nachgebende Kunst“.
Die brasilianischen Brüder Carlos und Helio Gracie entwickelten aus dem japanischen Jiu-Jitsu gepaart mit Techniken aus dem traditionellen Judo den neuen Stil des BJJ - Brazilian Jiu-Jitsu. Da Helio Gracie vielen seiner Gegner körperlich unterlegen war, suchte er nach Techniken die effektiv und für physisch unterlegene Kämpfer gut anwendbar waren.
Daher liegt der Schwerpunkt des BJJ auf Bodentechniken wie Armhebel, Würgen, Pressen und Ausweichen, bei denen die Technik wichtiger ist, als die reine Körperkraft. Entscheidend sind am Ende das Verständnis der Techniken, das dann zu ihrem wirkungsvollen Einsatz führt.
Der portugiesische Begriff für jemanden, der Jiu-Jitsu praktiziert, ist Jiu-Jiteira/Jiu-Jiteiro. Der japanische Begriff hingegen lautet Jiu-Jitsuka.
Ursprünge des BJJ
Das Brazilian Jiu-Jitsu entstand aus den Lehren einiger japanischer Meister die sich zu Beginn des 20. Jahrhunderts in Brasilien niederlies und dort die von ihnen praktizierte Kampfkunst unterrichteten. Da zu dieser Zeit auch in Japan der Begriff „Jūdō“ noch nicht so geläufig war, wurde der Stil häufig noch als „Jū Jutsu" (Jiu-Jitsu) bezeichnet.
In Brasilien wurde sowohl der Begriff des „Jiu-Jitsu“ für die dort trainierte „Urform“ des Jūdō, als auch viele der ursprünglichen, auf den regellosen Zweikampf und Selbstverteidigung ausgelegten, Techniken und Trainingsweisen Jigorō Kanō, beibehalten. Damit grenzte man sich zugleich von anderen ringerischen Stilen wie Sambo, Luta-Livre oder dem Ringen im griechisch-römischen Stil.
In der frühen Geschichte des Brazilian Jiu-Jitsu spielt jedoch auch Judo eine erhebliche Rolle, wenn auch nicht das moderne olympische Judo, sondern das klassische Kano Judo. Heute kann man sicher feststellen, dass sich das moderne sportliche Judo zu einem Takedown-Sport und das brasilianische Jiu-Jitsu zu einem Bodenkampfsport entwickelt hat.
Carlos Gracie Sen., einer der Hauptbegründer des brasilianischen Jiu-Jitsu, war ein Schüler von Mitsuyo Maeda, der wiederum ein Schüler Jigoro Kanos, dem Begründer des Kano Judo war, das er von Anfang bis Mitte des 20. Jahrhunderts lehrte.
Mitsuyo Maeda trug den siebten Dan (Schwarzgurt) im Judo. Er hatte als Kind Sumo gelernt, aber wegen seiner geringen Größe aufgegeben.
Der bereits in Japan, Amerika und Europa bestens bekannte Mitsuyo Maeda lernte 1915 in der Brasilianischen Stadt Belèm Gastão Gracie kennen und freundete sich mit ihm an. Dies war der Beginn des Jiu-Jitsu der Familie Gracie. Nach jahrelangem Training bei Maeda und Carlos eröffneten sie Dojos (Kampfsportschulen) und unterrichteten ihrerseits Schüler.
Der siebte Gracie, Helio Gracie, war zu dieser Zeit besonders prominent, obwohl er mit einer Länge von 1,64 Metern eher schmächtig wirkte. Aber er hatte seinen Stil gefunden und trat in Maedas Fußstapfen, indem er viele Sportler anderer Kampfsportarten herausforderte und besiegte, auch wenn die ihm an Körperlänge und Gewicht überlegen waren. Damit begründete er das Image des modernen brasilianischen Jiu-Jitsu als Sportart, in der die Schwachen die Starken besiegen.
Die überzeugendste Theorie ist, dass „Judo“ im Westen als „Jiu Jiutsu“ bekannt war. Und auch in Japan kannte man nur Kano Judo oder Kodokan Judo. Erst Jigoro Kano führte den Namen Judo ein, um ein Kampfkunst-Äquivalent zu Kendo, Bogenschießen usw. zu schaffen. Diese frühen Keime des Judo fielen in Brasilien auf fruchtbaren Boden. Sie wuchsen heran und wurden zu einer für das Grappling geeigneten Kampfkunst verfeinert, die als Brazilian Jiu-Jitsu bekannt ist.
Im BJJ wird auch Wert auf Höflichkeit und Respekt gelegt. Zur Begrüßung werden u. a. Verbeugungen ausgetauscht.
Techniken und Kampfstil
Beim BJJ wird in der Regel mit einem GI gekämpft. Der Kampf beginnt im Stand und wird im Falle eines „Takedown“ am Boden fortgesetzt. Ziel des Kampfes ist es den Gegner durch einen Hebel oder einen Würgegriff zum Abklopfen und dadurch zur Aufgabe zu zwingen. Ein Sieg kann jedoch auch durch Punkte oder Vorteile (Advantages) herbeigeführt werden.
Das BJJ verfügt Techniken und Regeln, bei denen es darum geht, den Gegner im Kampf mit bloßen Händen kampfunfähig zu machen. Mit anderen Worten, das Ziel dieser Kampfkunst ist es, eine vorteilhafte Position zu erlangen, um den Gegner mit einem Haltegriff zu fixieren , ihn mit einem Würgegriff zu betäuben oder ihn mit einer Submission (Unterwerfung) zu überwältigen.
Ursprünglich war Jiu-Jitsu eher eine Selbstverteidigungskunst, bei der die Schüler lernten, die Distanz zu kontrollieren und sich gegen Schläge zu verteidigen. Jiu Jitsu wurde weltweit immer populärer und sportlicher, allerdings verlor es an Effektivität in der Selbstverteidigung, weil es für Kämpfe unter gerüsteten Kriegern (Samurai) konzipiert worden war.
Der Siegeszug des BJJ begann in der UFC, der Ultimate Fighting Championships. Bei diesen Events kämpften Kampfsportler verschiedenster Stile gegeneinander. Trotz seiner scheinbaren körperlichen Unterlegenheit gewann Royce Gracie, der Sohn von Helio Gracie drei der vier ersten UFC Turniere in dem er seine Gegner mit einem Hebel oder Würgegriff zur Aufgabe zwang. Damit war die Effektivität des BJJ unter Beweise gestellt. Royce Gracie zeigte unter Wettkampfbedingungen die Vorzüge der BJJ-Techniken und verhalf gemeinsam mit dem Rest der Gracie Familie seiner Sportart zu großer Popularität in Brasilien und der ganzen Welt.
BJJ ist bei modernen MMA-Kämpfern nach wie vor sehr beliebt, da 99 % der MMA-Kämpfer inzwischen BJJ trainieren oder zumindest eine Form der BJJ-Verteidigung erlernt haben.
Man kann behaupten, dass das moderne MMA der legitime Nachfolger des brasilianischen Vale Tudos ist, mit der sich die Familie Gracie einen Namen gemacht hat. Auch Ellbogentechniken und Kopfstöße waren erlaubt, es wurden keine Handschuhe getragen und es gab weder Runden noch Punktewertung. Wer gewonnen hatte, entschied sich durch die Kämpfe.
Um BJJ in den Vereinigten Staaten zu fördern, gründete Rorion Gracie den UFC (Ultimate Fighting Championship). Er hoffte, so den Sport besser vermarkten zu können.
BJJ Gi und No-Gi
Für dein Brazilian Jiu Jitsu Training benötigst du je nach Stil unterschiedliche Kleidung. Im traditionellen BJJ wird mit dem Gi, ähnlich einem Kimono, trainiert und gekämpft. Im No-Gi BJJ und im Grappling wird wie der Name schon sagt ohne Gi trainiert und gekämpft. Hier wird meistens ein Rashguard getragen.
Die japanische Kultur übt immer noch einen gewissen Einfluss auf das brasilianische Jiu Jitsu aus, wie man an der Ausrüstung, der Terminologie und den Graduierungen erkennen kann. So wird beispielsweise die Rangfolge im brasilianischen Jiu-Jitsu wie im Judo durch den Gurt angezeigt. Auch der japanische Name für Kampfanzug „Gi” wurde übernommen.
Brasilianisches Jiu-Jitsu (BJJ) gehört zu den vielseitigsten Kampfkünsten der Welt. Ob mit traditioneller Uniform (Gi) oder ohne (No-Gi), beide Stile haben ihre ganz eigenen Vorteile, Herausforderungen und Trainingsmethoden.
Der Gi ist die traditionelle Uniform japanischer Kampfkünste wie Judo, Karate oder Aikido. Ein BJJ-Gi ist robuster und schwerer als die Uniformen anderer Kampfkünste. Die dicke Baumwolle hält Würfen, Ziehen und Griffen stand.
Im Gegensatz dazu verzichtet No-Gi auf den klassischen Anzug. Trainiert wird in enganliegenden Rashguards und Shorts. No-Gi verbindet Elemente verschiedener Grappling-Stile wie Ringen, Sambo und Submission Wrestling.
Der Gi ermöglicht es, den Gegner durch Stoffgriffe zu kontrollieren. Positionen wie Spider Guard oder Lapel Guard existieren ausschließlich im Gi. Im No-Gi entfallen diese Griffmöglichkeiten - dadurch wird das Training schneller, explosiver und körperbetonter.
Gerade Anfänger profitieren davon, sowohl Gi als auch No-Gi zu trainieren. Nicht alle Techniken lassen sich 1:1 übertragen. Während Guard-Positionen im Gi stark auf Griffen beruhen, basieren No-Gi-Guards mehr auf Beinverhakungen und Körperkontrolle.
Im traditionellen Gi-BJJ gibt es ein klares Graduierungssystem von Weiß bis Schwarzgurt. Im No-Gi gibt es keine Gürtel - stattdessen wird nach Erfahrungsstufen (Beginner, Intermediate, Advanced) unterschieden.
Ob im Gi oder No-Gi - beides ist Brasilianisches Jiu-Jitsu.
BJJ Gürtel System
So wird beispielsweise die Rangfolge im brasilianischen Jiu-Jitsu wie im Judo durch den Gurt angezeigt.
Was das Gurtsystem betrifft, so ist die Graduierung im Judo von Region zu Region unterschiedlich. In den meisten Ländern gibt es vor dem schwarzen Gurt (Dan) sechs Schülergurte (Kyu). Das Brazilian Jiu-Jitsu BJJ Gurtsystem ist sehr ähnlich, hat aber weniger Farben. Für jeden Gurt- außer dem weißen, weil der strenggenommen keine Graduierung, sondern ein notwendiges Kleidungsteil ist - ist ein Mindestalter vorgeschrieben,während das Mindestalter für den blauen oder violetten Gurt 16 Jahre beträgt. In beiden Sportarten ist ein fortgeschrittenes Training erforderlich, um den schwarzen Gurt zu erlangen.
Hier eine Übersicht über die Gürtel im BJJ und ihre Bedeutung:
| Gürtel | Beschreibung |
|---|---|
| Weißgurt | Grundlagenverständnis, Körperliche Vorbereitung |
| Blaugurt | Solide Verteidigung, Grundlegende Techniken |
| Lilagurt | Bewegung und Dynamik, Kombinierte Angriffsserien |
| Braungurt | Fortgeschrittenes Verständnis, Vorbereitung auf den Schwarzgurt |
| Schwarzgurt | Meisterschaft auf und neben der Matte |
Moderne Entwicklung und Schulen
In Deutschland wurde das brasilianische Jiu-Jitsu in den späten 1990er Jahren bekannt . Die ersten europäischen BJJ-S chulen gab es in Schweden und den Niederlanden. Mit der zunehmenden Popularität des brasilianischen Jiu-Jitsu und der gemischten Kampfkünste im 21. Jahrhundert hat die Zahl Jiu-Jitsukas in Europa und dann auch Deutschland beträchtlich zugenommen. Zuerst allerdings vor allem in der Altersgruppe der Zwanzig- bis Vierzigjähringen. Inzwischen trainieren auch immer mehr Kinder und Jugendliche. Infolgedessen ist auch die Zahl der Dojos erheblich gestiegen.
Es gibt unzählige Stile, manchmal sogar mehrere innerhalb einer Schule. Daher werden hier nur die wichtigsten Schulen, die zur Weltspitze gehören, behandelt. Allerdings gibt es auch viele BJJ-Gyms, die regionale Kraftzentren sind.
Hier sind einige der bekanntesten BJJ Schulen:
- Top Brother
- Academia Gracie Humaitá
- Carlson Gracie Academy
- Gracie Barra
Weitere bekannte BJJ Kämpfer sind Rubens Charles, Marcelo Garcia, Alexandre (Xande) Ribeiro and André Galvao und Marcus Almeida. Berühmte UFC Kämpfer deren größte Stärke das BJJ ist sind B.J. Penn und Demian Maia.
Bücher über BJJ
Hier sind einige Buchempfehlungen für alle BJJ Schüler:
- Saulo Ribeiro - Jiu-Jitsu University
- Saulo Ribeiro - Das Grosse Buch des Jiu-Jitsu
- Marc Walder - Brazilian Jiu-Jitsu
