Die Aufnahme von Karate in das Programm der Olympischen Spiele war ein langer und steiniger Weg. Viele Karateka träumten lange davon, ihre olympischen Träume zu verwirklichen.
Hürden auf dem Weg zu Olympia
Bislang war die Sportart kein Teil der olympischen Familie. Karate durfte bei den Olympischen Spielen nicht aufgenommen werden, da die international tätigen Karate-Organisationen nicht unter einem Dachverband vereint sind. Es existieren zahlreiche unterschiedliche Stilrichtungen wie z.B. Shotokan, Wado-Ryu, Kyokushin etc. Dadurch könnte das Programm der Olympischen Spiele unausgewogen werden.
Im August 2002 hat das IOC das Olympische Programm beurteilt und hierbei empfohlen, Karate nicht bei den 29. Olympischen Spielen aufzunehmen. Allerdings wurde festgestellt, dass Karate in Zukunft erneut evaluiert werden kann.
Bei den Olympischen Spielen 2012 in London werden nur noch 26 statt bislang 28 Sportarten zum Programm gehören. Karate verfehlte die für eine Aufnahme notwendige Zweidrittel-Mehrheit (38:63).
Karate wird olympisch
Anfang 2017 ist Shokei Matsui ein weiterer Geniestreich gelungen. Zusammen mit der JKA, dem Verband für Shotokan Karate, wird Karate olympisch. Es ist ein großer Schritt für die Karateka, dass sie um die Goldmedaille kämpfen dürfen.
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Karate gehört bei diesen Olympischen Spielen erstmals zum Olympischen Wettkampfprogramm. Die Aufnahme einer Disziplin ins olympische Programm in jenem Land zu feiern, wo sie herkommt, verleiht der ganzen Veranstaltung ein besonderes Flair.
Die Wettbewerbe in Tokio 2020
Um insgesamt acht Goldmedaillen wird in den Karate-Wettbewerben bei Olympia 2021 gekämpft. Damit ist Karate der Premierensport 2021 mit den meisten Wettbewerben. Es gibt sechs verschiedene Wettkämpfe im Kumite - also Vollkontakt-Kämpfen. In jeweils drei Gewichtsklassen kämpfen dann Männer und Frauen um Medaillen.
Gewichtsklassen im Kumite
- Männer: bis 67 kg, bis 75 kg, ab 75 kg
- Frauen: bis 55 kg, bis 61 kg, ab 61 kg
Kumite-Kämpfe dauern bis zu drei Minuten. Erkämpft sich ein Athlet dabei einen Vorsprung von mindestens acht Punkten, ist der Kampf sofort beendet. Gelingt das keinem der beiden Kämpfer, gewinnt der Athlet, der im Duell mehr Punkte erkämpft hat. Bei Punktgleichheit gewinnt der Kämpfer, der zuerst gepunktet hat, ohne dass sein Gegenüber in der gleichen Aktion ebenfalls punkten konnte (Senshu-Regel).
Punktewertung im Kumite
- 3 Punkte: Ippon - Tritt gegen den Kopf oder Hals des Gegners
- 2 Punkte: Waza-ari - Tritt gegen den Bauch, die Seite, den Rücken oder den Rumpf des Gegners
- 1 Punkt: Yuko - Schlag mit der geschlossenen Hand gegen den Kopf, Hals oder Körper des Gegners
Die zweite Disziplin, in der es jeweils eine Medaillenentscheidung für Männer und Frauen gibt, ist die Kata. Dabei werden jeweils zwei Athleten abwechselnd Angriffs- oder Abwehrfolgen (Katas) ohne direkten Gegner einzeln vortragen. Eine Jury bewertet dann die technische Ausführung und Kraft und vergibt für jede Kata eine Punktwertung.
Deutsche Athleten in Tokio
03. Juni 2021Ilja Smorguner und die Konzentration auf das eigene TunJasmin Jüttner, Ilja Smorguner, Jana Messerschmidt, Anna Miggou, Johanna Kneer, David Kuhn und Noah Bitsch - sie alle haben nur das eine Ziel: Tokio - und die Teilnahme an den Olympischen Spielen. Es wäre nicht nur die Krönung ihrer sportlichen Laufbahn: Vielmehr würden sie auch in die deutschen Sport-Geschichtsbücher eingehen: als die Athleten und Athletinnen, die erstmals an olympischen Karate-Wettbewerben teilnehmen.
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In der Olympia-Stadt von 2024, Paris, geht es von Freitag bis Sonntag um die letzten zu vergebenden drei Tickets pro Gewichtsklasse. Mehr (An)Spannung und Dramatik geht nicht, denn eine weitere Option wird es nicht geben. So verwundert es nicht, dass für das Qualifikations-Turnier insgesamt 495 Karatekas aus 98 Nationen gemeldet haben - es sind die Besten der Welt, sofern sie sich nicht schon für Tokio qualifiziert haben. Und das macht die Aufgabe so extrem schwer.
Ticketvergabe im Round-Robin-System
Hinzu kommt das Wettbewerbs-System, das den Karatekas einiges abverlangen wird - sofern sie erfolgreich unterwegs sind: Nach Abschluss der Vorrunden treffen die zwei Besten und die beiden Gewinner der Trostrunde in einer Vierer-Runde aufeinander. Gekämpft wird dabei im Round-Robin-System - wobei nur die besten Drei das Tokio-Ticket lösen. Somit ist neben der mentalen Stärke auch die körperliche Fitness ein entscheidender Faktor.
Wie elementar die Komponenten Resilienz und Physis sind, weiß auch Efthimios Karamitsos. Der Kata-Bundestrainer hat seine beiden Schützlinge, Jasmin Jüttner und Ilja Smorguner, rund eineinhalb Jahre auf diese Herausforderung vorbereitet und sagt: "Alles was du machst, muss ein Zusammenspiel zwischen geistiger und körperlicher Kraft sein." Die Technik, so der Grieche weiter, könne man an diesem Tag nicht verbessern.
| Datum | Disziplin | Athlet(en) | Uhrzeit (deutsche Zeit) |
|---|---|---|---|
| Donnerstag, 5. August | Kata Damen | Jasmin Jüttner | 03.00 Uhr (Vorrunde Gruppe A), 04.25 Uhr (Ranking-Runde Gruppe A), 12.30 Uhr (Bronze-Kämpfe), 12.50 Uhr (Finale) |
| Freitag, 6. August | Kata Herren | Ilja Smorguner, Wael Shueb | 03.00 Uhr (Vorrunde Gruppe A), 03.20 Uhr (Vorrunde Gruppe B), 04.25 Uhr (Ranking-Runde Gruppe A), 04.37 Uhr (Ranking-Runde Gruppe B), 12.30 Uhr (Bronze-Kämpfe), 12.50 Uhr (Finale) |
| Freitag, 6. August | Kumite Herren | Noah Bitsch | 10.00 Uhr (Beginn Vorrunde Gruppe A), 10.14 Uhr (Beginn Vorrunde Gruppe B), 13.22 Uhr (Halbfinale), 13.50 Uhr (Finale) |
| Samstag, 7. August | Kumite Herren | Jonathan Horne | 09.45 Uhr (Beginn Vorrunde Gruppe A), 09.59 Uhr (Beginn Vorrunde Gruppe B), 12.27 Uhr (Halbfinale), 12.55 Uhr (Finale) |
Karate nach Tokio: Eine ungewisse Zukunft
Bislang war die Sportart kein Teil der olympischen Familie - und für 2024 ist das Programm bereits festgelegt: ohne Karate. Insofern wäre die Teilnahme im Mutterland der Sportart eine einzigartige und historische zugleich.
2024 soll es dann wieder nicht mehr dabei sein, vermutlich also ein Zugeständnis an Japan. Schade auf der einen Seite, wegen der Möglichkeiten die sich, besonders aus finanziellen Gesichtspunkten, daraus ergeben hätten. Aber auch gut, damit das Karate durch den Kommerz nicht sein Wesen verliert.
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