Judo in der DDR: Geschichte und Meister

Der Begriff Judo wurde 1882 vom japanischen Pädagogen Jigoro Kano geprägt, der als Schöpfer dieses asiatischen Kampfsports gilt.

Kano gründete 1882 seine eigene Schule, das Kodokan (Haus zum Erlernen des Weges), und klammerte aus seinen Lehren sämtliche kriegerischen und tödlich wirkenden Techniken rigoros aus dem Trainingsprogramm aus.

Stattdessen führte er Fallübungen ein sowie die Möglichkeit, im Kampf aufzugeben, womit der sportliche Zweikampf fortan im Mittelpunkt stand. Geblieben sind Würfe, Hebel, Würgen und Festhaltegriffe.

In Deutschland wurde Judo erst 1920 richtig bekannt, als Alfred Rhode in Frankfurt/Main den Ersten Deutschen Judo-Club gründete. Zuvor war 1906 in London die erste Jiu-Jitsu-Schule gegründet worden.

Durch Kontakte Rhodes zu den Briten kam 1929 ein Städtekampf Frankfurt-Wiesbaden-London zustande. Die Londoner reisten dann weiter durch deutsche Städte, in den sich dann Judo-Vereine bildeten.

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1932 wurden diese unter Vorsitz von Alfred Rhode zum Deutschen Judoring zusammengeschlossen. Dieser wurde jedoch ein Jahr später in das Fachamt Schwerathletik des Deutschen Reichsbundes für Leibesübungen eingegliedert.

1932 fand in Frankfurt/Main erstmals die internationale Judo-Sommerschule statt, auf der zahlreiche japanische Meister die Grundlagen für das europäische Judo schufen. 1933 besuchte dann Jigoro Kano Deutschland und leitete an der Humboldt-Universität das Training.

Ein Jahr später fanden in Dresden als Versuch die ersten Europameisterschaften statt, seit 1951 werden sie jährlich (außer 1956) ausgetragen. 1956 fanden in der Bundesrepublik wieder Deutsche Meisterschaften statt, allerdings vorerst nur für Männer.

In der DDR wurden 1950 die ersten Meisterschaften ausgetragen, daran durften bis 1954 auch Aktive aus Westdeutschland teilnehmen. Die Frauen ermittelten 1966 erstmals DDR-Meisterinnen, doch fand erst Ende der 80er Jahre die Orientierung auf den Leistungssport statt.

Der Judoverband der DDR wurde 1958 gegründet und ging aus der 1952 ins Leben gerufenen Sektion Judo hervor.

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Nach dem Zweiten Weltkrieg veränderte sich Judo immer mehr vom Nahkampfsystem zum Wettkampfsport. Schlag-, Tritt- und andere den Gegner ernsthaft verletzende Techniken wurden als für den Wettkampf unnötig nicht mehr unterrichtet und gerieten dadurch teilweise in Vergessenheit.

Die verbliebenen Techniken sind hauptsächlich Würfe (jap. Nage Waza), Falltechniken (jap. Ukemi Waza) und Bodentechniken (jap. Katame Waza). Entgegen der landläufigen Meinung gehören Schlag- und Tritttechniken nach wie vor zum Judo.

So sind in Katas wie der Kime-no-Kata oder der Kodokan Goshin-Jutsu immer noch potentiell tödliche Aktionen vorhanden. Allerdings werden Schläge und Tritte wie auch manch andere gefährlichere Techniken im heutigen Judo, wenn überhaupt, erst zur Erlangung höherer Graduierungen als Judo-Selbstverteidigung unterrichtet.

1956 fanden in Tokio die ersten Weltmeisterschaften statt. Damals gab es allerdings nur eine offene Gewichtsklasse. 1961 bei den dritten Weltmeisterschaften in Paris wurden dann erstmals Gewichtsklassen eingeführt.

Bei den Olympischen Spielen in Tokio 1964 war Judo erstmals als olympischer Sport zu sehen. Der aus Köln stammende Wolfgang Hofmann gewann als erster Deutscher eine Silbermedaille bei den Olympischen Spielen.

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Seit den Olympischen Spielen 1972 in München gehört Judo beständig zum olympischen Programm. War Judo zunächst eine Männerdomäne, so wurde 1988 Frauen-Judo bei den Olympischen Spielen in Seoul als Demonstrationswettbewerb vorgestellt. Seit den Olympischen Spielen in Barcelona 1992 ist auch Frauen-Judo im olympischen Programm.

Nach dem Zweiten Weltkrieg war Judo in Deutschland bis 1948 offiziell verboten. In der ehemaligen DDR wurde bereits seit 1949 wieder systematische Aufbauarbeit geleistet und 1950 die ersten Meisterschaften ausgetragen.

Der Deutsche Judoverband der DDR (DJV) wurde offiziell 1958 aus der Taufe gehoben. In der ehemaligen DDR existierten die drei Leistungszentren Berlin, Frankfurt/Oder und Leipzig mit den angeschlossenen Kinder- und Jugendsportschulen (KJS).

In Berlin gründete sich 1963 der SC Dynamo Hoppegarten - eine Filiale des SC Dynamo Berlin - quasi als Sportclub der Polizeisportvereine u.a. für Judo. Aus seinen Reihen gingen die Europameister Karl Nitz (1963), Klaus Henning (1970), Dietmar Hötger (1972, 1973), Günther Krüger (1978) hervor.

1979 gewann mit dem heutigen Bundestrainer Detlef Ultsch ein Hoppegartener Judoka als erster Deutscher eine Goldmedaille bei einer Weltmeisterschaft. Im Jahr darauf krönte Dietmar Lorenz seine Karriere mit der Goldmedaille bei den Olympischen Spielen in Moskau in der Offenen Klasse.

In Frankfurt/Oder entstand 1969 der ASK Vorwärts Frankfurt/Oder, in den 1973 die Judoka eingegliedert wurden. Hier wurden vornehmlich die Ausnahmeathleten der Armeesportvereinigungen der NVA konzentriert.

Aus seinen Reihen ging Torsten Reißmann hervor, der zwischen 1975 und 1982 viermal Europameister war. Reißmann verstarb im Jahr 2009 an den Folgen einer Borreliose. Der Frankfurter Karl-Heinz Lehmann gewann 1980 bei den Olympischen Spielen in Moskau Bronze, ein Jahr später bei der EM in Debrecen Gold.

Marko Spittka wurde 1990, im Jahr der Auflösung des ASK, Junioren-Welt- und Europameister. Aus seinen Reihen ging auch Martin Schmidt hervor, der 1989 Junioren-Europameister wurde und später zum SC Berlin wechselte und 1994 den Kano-Cup und ein Jahr später die Europameisterschaften gewann.

In Leipzig entstand als drittes Judo-Leistungszentrum der SC Leipzig. Aus seinen Reihen ging der Doppelweltmeister und Olympiasieger von 1996 Udo Quellmalz hervor, der später die Nationalmannschaft Großbritanniens betreute und heute die österreichische Nationalmannschaft trainiert.

Daneben bestand der SC DHfK Leipzig als Sportclub der Deutschen Hochschule für Körperkultur, an der viele heute noch in Deutschland aktive Trainer im Hochleistungs- und Breitensport ihr Handwerk erlernten (u.a. auch Frank Wiesmüller). In den 60er Jahren stellte der SC DHfK reihenweise DDR-Meister (u.a. B Daßler, G. Wiesner, H. Dynamo. Unter der Anleitung seiner ersten Trainer, Jürgen Hochmuth und Paul Lasmanowicz, entfaltete sich sein Talent rasch.

Anerkennung folgte schnell. Seine Erfolge erstreckten sich sowohl auf Bezirks- als auch auf DDR-Ebene. Kinder- und Jugendspartakiade teil und erreichte den 4. Platz. Im Jahr 1967 wurde Look zum Sportclub ASK Berlin berufen, wo er im Dezember 1967 den 1. Dan ablegte.

Als Erwachsener kämpfte er im Mittelgewicht für den ASK Vorwärts Frankfurt. Finale, unterlag jedoch Fritz Skopec vom SC Dynamo Hoppegarten. 1973 markierte einen Höhepunkt in Looks Karriere. und wiederholte diesen Erfolg kurz darauf bei den Weltmeisterschaften in Lausanne. Diese herausragenden Leistungen qualifizierten ihn für die Teilnahme an den Olympischen Spielen 1976.

In den folgenden Jahren setzte Bernd Look seine erfolgreiche Laufbahn fort. er den zweiten Platz bei den DDR-Meisterschaften. Trotz seiner ruhigen Natur zeigte Bernd Look auf der Matte beeindruckende Kämpferqualitäten. Techniken brachten seine Gegner regelmäßig aus der Fassung.

Seine Leistungen als DDR-Sportler waren enorm. ganz so fairen Lage in der DDR die letztendliche Teilnahme an den Olympischen Spielen 1976 verwehrt. Kampfgeist und Hingabe für den Sport.

Ergebnisse der DDR-Meisterschaften

Hier sind einige Ergebnisse der DDR-Meisterschaften im Judo:

  • 1975 - 1. Platz DDR-Meisterschaften weibl.
  • 1974 - 2. Platz DDR-Meisterschaften weibl.
  • 1973 - 1. Platz DDR-Meisterschaften weibl.
  • 1976 - 3. Platz DDR-Meisterschaften weibl. R.
  • 1975 - 2. Platz DDR-Meisterschaften weibl.
  • 1975 - 3. Platz DDR-Meisterschaften männl. Th.

Am 11. Mai 2024 wird die Judo-Gemeinschaft in Halberstadt das 70-jährige Jubiläum gebührend feiern.