In der Trödelshow „Bares für Rares“ gibt es immer mal wieder Objekte und Verkäufe, die ganz besonders im Gedächtnis bleiben. So auch das Reliquien-Kreuz von Stephanie Huber und ihrer Mutter. Für eine Rekordsumme von mehreren zehntausend Euro wechselte es die Besitzerin. Im Nachhinein gab es allerdings Diskussionen, ob der Kauf womöglich rechtswidrig sei - mittlerweile sind die juristischen Wogen aber wieder geglättet. Stattdessen gibt es nun ein Update von Susanne Steiger.
Fast auf den Tag genau zwei Jahre ist es her, da blieben in der ZDF-Sendung „Bares für Rares“ allen die Münder offen stehen. Jurastudentin Stephanie Huber und ihre Mutter Cosima Birk kamen mit einem Familienerbstück zu Moderator Horst Lichter und Expertin Dr. Heide Rezepa-Zabel. Soweit nichts Ungewöhnliches. Doch was dann geschah, ging in die Geschichte sein.
Die beiden verkauften ihr sehr, sehr altes Kreuz für eine unfassbare Summe.
Die Präsentation des Kreuzes bei "Bares für Rares"
Damals, noch mit Publikum und bei schönstem Wetter, legt das Mutter-Tochter-Duo nicht ohne Stolz das funkelnde Diamanten-Kreuz auf den Experten-Tisch. „Ach du liebe Güte“, verschlägt es „Bares für Rares“-Moderator da schon beinah die Sprache. Dabei kennt er die Geschichte des Heiligtums da noch nicht einmal.
„Ich habe das Kreuz von meiner Tante geerbt, die wiederum hat es von einer älteren Dame geerbt, die sie damals immer zur Kirche begleitet hat“, erzählt Mutter Cosima Birk. Horst Lichter fasst das ungläubig zusammen: „Eine alte Dame, die zur Kirche begleitet wurde, hat aus Dankbarkeit zum Schluss diesen Apparat vererbt.“ So ist es.
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„Aber eine normale Brosche oder ein Anhänger ist das noch nicht, oder? Da gehst du ja gebückt, wenn du das trägst“, fragt der „Bares für Rares“-Boss bei Expertin Dr. Heide Rezepa-Zabel nach. „Doch, das ist ein Anhänger“, sagt sie. „Er ist vollbesetzt mit Diamanten, ca. 40 Karat.“
Die Fachfrau ist sichtlich aufgeregt, als sie das Schmuckstück erklärt. Die Fassung, das Gold. Man könne es auf um 1700 datieren. Eigentlich sei das Diamanten-Kreuz ja auch nur ein Rahmen für ein schlichtes Kreuz aus Bergkristall, einer Art Fenster. Und dahinter versteckt sich das eigentliche Geheimnis des wertvollen Stückes: Holzsplitter.
„Also kaputt“, fragt Horst Lichter nach. Die Fachfrau schüttelt den Kopf. „Schauen wir uns mal die Rückseite an. Unter einem goldenen Deckel verbirgt sich ein Siegel. Das, sowie sein Band seien völlig unversehrt. Das Sigel ist eindeutig Papst Clemens IX. zuzuordnen, der zwischen 1600 und 1669 lebte. Das wiederum garantiert, dass es sich bei dieser Reliquie um wahre Stücke aus dem Kreuz von Jesus Christus handelt.
Horst Lichter ringt um Fassung: „Heide, das ist ja eine Weltsensation.“ Er gibt zu, absolut geplättet und ehrfürchtig zu sein. Und das sind die Noch-Besitzer des Kreuzes auch. Die wussten nämlich gar nicht, was sie da eigentlich zu Hause rumzuliegen hatten.
Die Expertise und der Wert des Kreuzes
Auf einen Goldtest verzichtet die Expertin in diesem Fall. „Da müsste man eher den Wert des Holzes bestimmen“, sagt sie. Ihre Hammer-Expertise: 60.000 bis 80.000 Euro!
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Mutter und Tochter sind geschockt. Sie hatten keine Ahnung, was das Kreuz, das sie bei „Bares für Rares“ verkaufen wollten, wirklich wert ist.
„Ihr solltet Omas in die Kirche bringen“, ruft Horst Lichter dem Publikum zu. Und zu den Kandidaten: „Fallt mir nicht um Mädels, schön stehen bleiben. Atmen, atmen, schön weiter atmen!“
Familie Huber wünschte sich eine Summe von 30.000 Euro, Expertin Dr. Heide Rezepa-Zabel ordnete das Kreuz zwischen 60.000 und 80.000 Euro ein.
Details zum Kreuz
Das Kreuz hat neben den Diamanten, die schon 40 Karat haben, ein Fenster aus Bergkristall und dahinter sind Holzsplitter zu erkennen.
Rezepa-Zabel datierte das Kreuz auf das 17. Jahrhundert - und dann der Knaller: „Hinten im Kreuz ist ein unversehrtes Siegel, das die Schlüssel des Apostel Petrus trägt … und das Symbol des Papstes. Das Siegel weist auf die Kongregation des Papstes Clemens IX. hin - es versichert, dass es sich hier um echte Holzstücke aus dem Kreuz Jesu Christi handelt.“ Eine echte Reliquie! Der Italiener Giulio Rospigliosi war als Clemens IX. von 1667 bis 1669 Papst der katholischen Kirche - und bestätigte den Holzsplittern die Echtheit.
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Es ging ein Raunen durch die Menge, Horst Lichter entgegnete fassungslos: „Heide, das ist ja eine Weltsensation! Das macht mich jetzt sehr, sehr ehrfürchtig. Sowas habe ich noch nie in meinem Leben sehen dürfen. Das ist ja wie ,Der Jäger des verlorenen Schatzes‘, aber mal in echt.“
Der Verkauf im Händlerraum
Als Händler Wolfgang Pauritsch die Schatulle öffnet, ist den potenziellen Käufern im Raum schnell klar, dass das hier etwas ganz Besonderes ist. „Ich bin absolut sprachlos“, sagt Susanne Steiger. „Allein die 40 Karat Diamanten, schon ohne die Geschichte ist das eine enorme Summe“, stellt Wolfgang Pauritsch entsetzt fest.
Susanne Steiger und Wolfgang Pauritsch wollen das Kreuz unbedingt haben, überbieten sich gegenseitig immer wieder. Für die 30.000 Euro, die sie bietet, wollen Mutter und Tochter das Stück aber nicht hergeben. Die Händlerin erhöht auf 40.000 Euro, Cosima Birk bietet einen Deal bei 50.000 Euro an. Am Ende einigen sich beide auf unfassbare 42.000 Euro.
Für 42.000 Euro wechselte die christliche Reliquie den Besitzer.
Auch die „Bares für Rares“-Händler sind absolut baff.
Händlerin Susanne Steiger bezeichnet das Reliquien-Kreuz als die Nadel im Heuhaufen, die jeder Antiquitätenhändler in seinem Leben sucht.
7000 Euro zahlt Susanne Steiger bar, den Rest überweist sie per Blitzüberweisung.
Juristische Aspekte und Kritik am Verkaufspreis
Im Nachhinein gab es allerdings Diskussionen, ob der Kauf womöglich rechtswidrig sei. Es wurde dazu § 138 (2) BGB herangezogen, darin wird ein Rechtsgeschäft für nichtig erklärt, „durch das jemand unter Ausbeutung der Zwangslage, der Unerfahrenheit, des Mangels an Urteilsvermögen […] eines anderen sich oder einen Dritten für eine Leistung Vermögensvorteile versprechen oder gewähren lässt, die in einem auffälligen Missverhältnis zur Leistung stehen“.
Genau auf diese Unerfahrenheit berufen sich verschiedene Jurist*innen, schließlich seien Frau Huber und ihre Mutter nicht ausreichend mit der Materie vertraut gewesen. Dennoch wurde ihnen bereits in der Expertise von Frau Rezepa-Zabel eine weitaus höhere Summe in Aussicht gestellt. Unabhängige Gutachter*innen und Expert*innen schätzen den Wert der Reliquie sogar noch höher, das Artefakt hätte womöglich für über 100.000 Euro verkauft werden können.
Nichtsdestotrotz wurde das Geschäft nicht noch ein Mal aufgerollt, von Seiten der Familie Huber gab es keinen Versuch, das Kreuz zurückzuverlangen und es anderweitig für einen höheren Preis zum Verkauf zu bringen.
Im Internet entfachte der Vorfall eine Welle der Empörung. Besonders auf Plattformen wie YouTube, wo die Folge bis heute verfügbar ist, machten Fans ihrem Ärger Luft. Viele kommentierten, es sei schockierend, ein so einzigartiges Objekt für diesen Betrag zu verkaufen.
Ein Rechtsanwalt äußerte sich wie folgt: „(1) Ein Rechtsgeschäft, das gegen die guten Sitten verstößt, ist nichtig. (2) Nichtig ist insbesondere ein Rechtsgeschäft, durch das jemand unter Ausbeutung der Zwangslage, der Unerfahrenheit, des Mangels an Urteilsvermögen oder der erheblichen Willensschwäche eines anderen sich oder einem Dritten für eine Leistung Vermögensvorteile versprechen oder gewähren lässt, die in einem auffälligen Missverhältnis zu der Leistung stehen.“
Bereits zuvor hatten mehrere Antiquitätenhändler gegenüber der „Bild“-Zeitung angegeben, dass die Verkäuferin bei einem anderen Händler wohl mehr Geld bekommen hätte. „Sollte die Pektorale tatsächlich echt sein, kann der Wert ins Unermessliche steigen“, sagte eine Antiquitätenverkäuferin aus Bayern dem Blatt. „Zum reinen Materialwert kommt der ideelle Wert der Reliquie. Für besondere Stücke geben Sammler Mondpreise aus. Hunderttausende Euro.“
Dem "Westen" sagten sie:"Wie alle Verkäufer, so wurden auch die Verkäuferinnen des Brillantkreuzes von der 'Bares für Rares'-Redaktion im Vorfeld und während der Aufzeichnung immer wieder daran erinnert, dass sie sich jederzeit gegen einen Verkauf entscheiden können.
Was geschah nach dem Verkauf?
Händlerin Susanne Steiger war nach dem Kauf überaus glücklich und hatte kaum noch Worte für ihre Freude. So ein Artefakt bekommt man schließlich nicht alle Tage zu sehen, geschweige denn zu erwerben. An einen Sammler oder eine Sammlerin weiter verkaufen möchte Steiger allerdings erstmal nicht. Sie plant, die Reliquie als Leihgabe einem Museum zu überreichen, um es in angemessenem Kontext der Öffentlichkeit zugänglich zu machen.
Susanne Steiger sagte gegenüber FOCUS Online: "Das Kreuz kaufen zu dürfen, empfinde ich als großes Glück und bin dankbar über den Besitz. Das Papst-Siegel macht das Kreuz so außergewöhnlich und einzigartig, die Diamanten sind in diesem Fall fast nebensächlich."
Über einen Weiterverkauf denkt die Händlerin vorerst nicht nach, obwohl sich schon einige Interessenten gemeldet haben.
Händler Waldi umarmte die sichtlich gerührte Susanne, sie sagte: „Das ist das, wonach ein Händler sein Leben lang sucht. Die Nadel im Heuhaufen. Mir fehlen wirklich die Worte.“
Hier eine Zusammenfassung der wichtigsten Daten zum Kreuz:
| Merkmal | Details |
|---|---|
| Diamanten | Ca. 40 Karat |
| Material | Gold, Bergkristall, Holzsplitter |
| Datierung | Um 1700 |
| Siegel | Papst Clemens IX. |
| Experten Schätzung | 60.000 - 80.000 Euro |
| Verkaufspreis | 42.000 Euro |
