Jazzy Gabert: Eine Karriere zwischen WWE, Mobbing und dem Kampf um Anerkennung

Jazzy Gabert, auch bekannt als Alpha Female, ist weit mehr als nur ein Begriff in der deutschen Wrestling-Szene. Mit einer über 20-jährigen Karriere hat sie die Welt bereist und für namhafte Organisationen wie WWE, TNA und Stardom gearbeitet. Sie kämpfte im MMA, tourte mit Udo Lindenberg und gründete schließlich ihre eigene Promotion namens SIRIUS. In Interviews spricht sie offen über ihren steinigen Weg im Wrestling-Business, Mobbing, sexuelle Übergriffe und ihre Vision für die Zukunft.

Im Folgenden wird ein detaillierter Blick auf Jazzy Gaberts Karriere, ihre Erfahrungen und ihre aktuellen Projekte geworfen.

Die Anfänge und der Weg zur Alpha Female

Jazzy Gabert entdeckte ihre Liebe zum Wrestling in den 1990er Jahren, als Popikonen wie Hulk Hogan, der Undertaker oder Bret Hart das Geschehen bestimmten. "Ich komme aus einer schwierigen Familie und war immer ein schüchternes Mädchen. Die Wrestling-Welt war das genaue Gegenteil: cool, stark, selbstbewusst", erinnert sie sich. Erst als sie im Jahr 2000 in Berlin zwei Frauen gegeneinander kämpfen sah, wagte sie selbst den Schritt in den Ring.

Anfang der 2000er Jahre waren Frauen in Wrestling-Schulen jedoch eine Ausnahme. Gabert musste gegen Vorurteile ankämpfen. "Am Anfang wollten die mich gar nicht haben. Ich musste monatelang betteln, bis sie mich endlich in ihrer Schule aufgenommen haben."

Ihr erster Charakter war Jazzy Bi, eine bisexuelle Wrestlerin, die sowohl das männliche als auch das weibliche Publikum ansprechen sollte. "Er meinte zu mir, du kannst noch nicht so gut kämpfen, deswegen sollte ich sexy sein. Ich musste dann immer in den Ring tanzen", erinnert sie sich. Dies entsprach jedoch nicht ihrer Vorstellung vom Wrestling, weshalb sie sich von ihrer Wrestling-Schule trennte.

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Die Idee zur Alpha Female entstand nach einem Gespräch mit Bret "The Hitman" Hart. "Es gab es immer nur diese Puppen, diese halbnackten Mädels. Aber ich wollte eine richtig starke Frau im Ring sehen, die ihr Ding durchzieht und der es egal ist, was die anderen von ihr denken. Dabei muss sie auch nicht hübsch aussehen und kann sogar ein wenig ‚Monster‘ sein. Und so ist dann die Alpha Female entstanden."

Internationale Erfolge und der Sprung zur WWE

Dank harter Arbeit schaffte es Jazzy Gabert, sich als Alpha Female international einen Namen zu machen. Nach Auftritten in Großbritannien und Japan wurde 2017 schließlich die WWE auf sie aufmerksam und bot ihr einen Vertrag an. Es kam jedoch eine schwerwiegende Nackenverletzung dazwischen. Als diese ausgestanden war, startete sie in England in der WWE-Nachwuchsliga NXT UK.

Statt ihren Traum in Amerika zu leben, musste Gabert erleben, dass Wrestling auch dunkle Seiten hat. Sie berichtet von Rassismus, Sexismus und Mobbing während ihrer Zeit in England. Von Kolleginnen, die sich weigerten, mit ihr zu sprechen und sogar versuchten, sie absichtlich beim Training zu verletzen.

"Meine Gesundheit für so wenig Geld auf’s Spiel zu setzen, das war es mir einfach nicht wert", sagt Gabert. Sie betont jedoch, dass England eine Ausnahme sei und der Zusammenhalt unter den Frauen in Japan oder den USA sehr viel stärker sei.

Die Gründung von Sirius Sports Entertainment

Nach den schlechten Erfahrungen in der WWE, den Verletzungssorgen und der Corona-Pandemie zog sich Gabert vorerst aus dem internationalen Geschäft zurück. Doch untätig war sie nicht. Anfang des Jahres gründete sie ihre eigene Wrestling-Promotion-Firma Sirius Sports Entertainment.

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Die Idee dazu entstand in einem Café in Berlin. "Wir saßen in einem Café in Berlin und haben gesagt: Ja, was machen wir? Mein Weg als Wrestlerin ist ja dann vorbei, weil WWE ist einfach das Ultimative. Ja, was machen wir jetzt? Wieder Independent-Wrestling, das ist ja auch nicht für immer. Und dann habe ich gesagt: Warum machen wir nicht eine eigene Promotion?"

Sirius Sports Entertainment ist mehr als nur Wrestling. "Ich sag zum Beispiel nicht, dass es Wrestling ist, ich sag Sirius Sports Entertainment", erklärt Gabert. "Ich habe auch live Musik dabei, ich habe Tänzerinnen dabei, das ist immer ein fester Bestandteil. Also bei mir ist nicht einfach nur Match, Match, Match, sondern bei uns gibt es Tanzen und Show." Sie lässt sich dabei von Udo Lindenberg inspirieren und plant Mottoshows, bei denen sich auch die Fans verkleiden können.

Kritik und Vision

Natürlich gibt es auch Kritik an den Show-Einlagen. "Es gibt immer Leute, die sagen, dass es too much ist oder so, aber es muss so sein", entgegnet Gabert. "Wer halt nur Wrestling sehen will, der muss dann zu GWF oder zu wXw in Deutschland gehen."

Ihr Ziel ist es, Wrestling in Deutschland wieder populärer zu machen. "Ich finde unsere Talente haben genauso viel drauf wie die in Amerika. Ich meine muck mal Walter und Ludwig Kaiser an, die sind jetzt bei der WWE und die waren aber vorher die ganze Zeit in Deutschland und die können viel krasser kämpfen als das, was sie da in der WWE bieten, aber so wenig Leute haben das gesehen."

Sie möchte Menschen aus verschiedenen Gründen zu ihren Shows locken und sie am Ende des Abends von Wrestling begeistern. "Egal mit wem ich rede. Ich war gestern auf einem Event, wo lauter Anzugträgerinnen waren und jede Einzelne hat mir gesagt, ‚Früher als Kind, in den 80ern haben wir alle Wrestling geguckt‘, und dann sag ich ‚Guckt ihr das heute noch?‘. Nein, warum eigentlich nicht mehr. Und das möchte ich erreichen."

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Fazit und Ausblick

Nach über einem Jahr als Veranstalterin zieht Jazzy Gabert ein gemischtes Fazit. "Ich hätte gehofft, dass ich mehr Chancen bekomme. Also die Fans bleiben schon noch aus. Ich habe auch mal jemand anderem vertraut, auf einen Geschäftspartner, weil ich dachte, der weiß das besser, bin dann aber auf die Nase gefallen und mein Fazit dafür ist, dass ich es trotzdem kann und dass ich mehr Selbstvertrauen haben sollte und dass auch Dinge manchmal langsam wachsen."

Sie sieht jedoch auch positive Entwicklungen. "Ich sehe ja auch in den Medien, dass Wrestling immer und immer mehr präsenter wird. Wir haben jetzt auf Netflix ‚Wrestlers‘ oder auf Amazon ist jetzt von Cassandro, das ist ein mexikanischer Wrestler, jetzt eine Doku gekommen und die Leute haben, glaub ich, wieder Bock auf Wrestling."

Ein Traum hat Gabert übrigens noch: Sie möchte irgendwann einmal Sportlerin des Jahres werden. "Für die Anerkennung von Wrestling als Sport kämpft sie nämlich. ‚Wrestling tut brutal weh. Das ist es, was die Leute meistens nicht verstehen. Show bedeutet das, was wir im Ring darstellen. Aber die Schläge, die Tritte, die Würfe, das ist alles echt."

Die Karriere von Jazzy Gabert ist ein beeindruckendes Beispiel für Durchhaltevermögen, Talent und den unbedingten Willen, seine eigenen Träume zu verwirklichen. Ihre Geschichte inspiriert und zeigt, dass man auch gegen Widerstände erfolgreich sein kann.

Stationen Organisationen/Projekte
Wrestling WWE, TNA, Stardom, GWF, wXw, Sirius Sports Entertainment
MMA Diverse Kämpfe
Tournee Udo Lindenberg
Ausbildung Al Snow Wrestling Academy (Trainerin)