In vielen Kampfsportarten, darunter auch Mixed Martial Arts (MMA), treten Athleten in verschiedenen Gewichtsklassen gegeneinander an. Viele Athleten treten aber deutlich unter ihrem natürlichen Gewicht an.
Bevor die Athleten aber in den Käfig steigen, unterziehen sie sich einem Prozess, um ihr Gewicht drastisch zu schrumpfen. Gewichtmachen nennt sich der Prozess, von dem sich die Kämpfer einen Vorteil im Ring erhoffen. Dafür werden den Körper stark belastende und teilweise gefährliche Methoden angewendet, die über eine bloße Diät hinausgehen.
Was ist Gewicht Machen?
Beim Gewichtmachen (Weight Cut) wird dem Körper über einen kurzen Zeitraum eine enorme Menge Wasser entzogen. Die dafür angewandten Methoden wirken radikal, basieren jedoch auf medizinischen Erkenntnissen sowie Erfahrungswerten verschiedener Kampfsportschulen.
Der Sportler sollte dazu angehalten werden, den Vorgang des Abkochens eher als langfristige Strategie ansehen. Kurzfristige Gewichtsverluste von bis zu 2-3 %, innerhalb von 5-7 Tagen vor dem Wettkampf können toleriert werden.
Die Idee hinter dem Weight Cut
Die Idee hinter dem Weight Cut: einen Gewichtsvorteil gegenüber seinem Gegner zu haben. Praktiziert wird das auch im Ringen oder Boxen.
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Untersuchungen an der Edith Cowan University im australischen Perth haben jedoch ergeben, dass MMA-Kämpfer deutlich mehr Gewicht verlieren als Sportler in anderen Kampfsportarten.
Methoden des Gewicht Machens
Es gibt verschiedene Methoden, die MMA-Kämpfer anwenden, um ihr Gewicht zu reduzieren:
- Wochenlange Diät und Kalorienzählen: MMA-Kämpfer beginnen teilweise zwei Monate vor ihrem Kampf mit einer strikten Diät, die sich im Verlauf der Vorbereitung zuspitzt. Es werden in der Regel nur die Kalorien zugeführt, die der Körper für das Training braucht. Dazu ernähren sich die Sportler besonders eiweißreich, um keine Muskelmasse zu verlieren.
- Water Loading: Rund vier Tage vor dem Kampf starten viele MMA-Athleten das Water Loading. Kontrolliert und über den Tag verteilt, führen sie dem Körper enorme Mengen Wasser zu. Je nach Gewicht zwischen sechs und zehn Litern pro Tag. Damit wird die Nierentätigkeit so richtig angekurbelt, entsprechend oft erfolgt der Gang zur Toilette. Nach drei Tagen wechselt der Athlet abrupt in eine sehr niedrige Wasserzufuhr: Er trinkt nur noch einen Liter pro Tag. Die Niere wird so ausgetrickst. Sie arbeitet weiter auf Hochtouren und verarbeitet Flüssigkeit im Körper, die über den Urin abgeführt wird.
- Das Abkochen: Einen Tag vor dem Kampf findet das offizielle Wiegen statt. Zu diesem Zeitpunkt müssen die Athleten unter einem bestimmten Zielgewicht sein. Entsprechend wird 24 Stunden vor der Waage so viel Wasser wie möglich ausgeschwitzt, um an diesen Punkt zu gelangen. Eine Dehydration mit besonders drastischen Methoden. Hier spitzt sich auch die Diät zu, denn gegessen wird einen Tag vor der Waage nichts mehr, getrunken auch nicht. Alleine sind die MMA-Profis dabei nie, werden in der Regel von mehreren Trainern, teilweise auch Ärzten und Ernährungswissenschaftlern betreut. Schwitzen ohne Ende Ein Standartpart beim Abkochen sind mehrere Saunagänge. Erst macht sich der Athlet warm, bringt den Körper auf Temperatur und startet so den Schwitzprozess. Dabei tragen viele bereits einen Schwitzanzug, der kaum atmungsaktiv ist und den Körper bereits in eine kleine Sauna verwandelt. Dann geht es in eine mobile Sauna oder eine Saunadecke. Die mobile Sauna ist eine Art Thermozelt, das mit Hitzestrahlern oder heißem Dampf auf mehr als 70 Grad hochgefahren wird. Der Kopf ist jedoch frei, der Rest des Körpers schwitzt. So kann ein Athlet deutlich längere Saunagänge absolvieren - teilweise bis zu einer Stunde, in einer handelsüblichen Sauna soll man rund 10 Minuten verbringen.
- Das Salzbad: "Dann gibt es noch die Option, ein Salzbad zu nehmen. Ein heißes Bad bei 55 bis 60 Grad, der Körper wird vorher noch mit einer Schwitzcreme eingerieben, damit sich die Poren öffnen", erklärt Karachalios. Das könne den Körper schon in einen kritischen Zustand versetzen. Die Gefäße weiten sich, die Organe werden schlechter mit Blut versorgt, entsprechend beginnt das Herz schneller zu schlagen. "Die Athleten bekommen teilweise Herzrasen und viele halten diesen Zustand nicht lange aus. Es passiert nicht selten, dass sie dabei kollabieren. Das kann auch in der mobilen Sauna oder mit dem Schwitzanzug passieren, aber beim Salzbad deutlich häufiger."
Risiken des Gewicht Machens
Das Gewichtmachen ist mit erheblichen Risiken verbunden:
- Gesundheitliche Schädigungen: Durch den kurzfristigen Gewichtsverlust möchte der Kämpfer in eine niedrigere Gewichtsklasse an den Start gehen, die sein reguläres Gewicht unterschreitet. Aufgrund gesundheitlicher Schädigungen, wie auch einer nicht effizienten Ausnutzung der optimalen Leistungsfähigkeit, ist ein solches Vorgehen abzulehnen.
- Exzessive Dehydrierung: Diese Methode der Gewichtsabnahme ist mitunter gefährlich. Denn je größer das Ausmaß der Dehydrierung annimmt, desto mehr Nebenwirkungen machen sich bemerkbar. Diese reichen von verminderter Leistungsfähigkeit über erhöhten Puls bis hin zur Thrombose.
- Langfristige Folgen: Der Hormonhaushalt des Körpers gerät aus der Balance. Kreislaufprobleme, Muskelkrämpfe, Ohnmachtsanfälle, chronische Verstopfung oder Nierenfunktionsstörungen können Folgen des Gewichtmachens sein. "Psychischer Stress, Essstörungen können entstehen. Teilweise besteht sogar das Risiko einer Osteoporose, sofern man bereits in jungen Jahren diese Prozesse durchlaufen hat", so Karachalios.
Beispiel für die Trinkmenge während eines Weight Cuts
Die folgende Tabelle gibt die Trinkmenge in den einzelnen Tagen eines Weight Cuts an:
| Tag | Trinkmenge pro Tag |
|---|---|
| 1 | 8 Liter |
| 2 | 6 Liter |
| 3 | 4 Liter |
| 4 | 1-2 Liter |
| 5 | 0,5 Liter |
| 6 | - |
Alternativen zum Gewicht Machen
Es gibt alternative Ansätze, um das Gewichtmachen zu vermeiden:
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- Langfristige Strategie: Trainer gewichtsklassenabhängiger Athleten sollten ihre Schützlinge daher bereits im Vorfeld über negative gesundheitliche Folgen des Gewichtmachens hinweisen und auch die möglichen Leistungseinbrüche konkretisieren.
- Natürliches Gewicht: Bereits Monate vor dem Kampf müsse ein Gewicht festgelegt und die Athleten zur Waage gebeten werden. „So würden alle mit ihrem natürlichen Gewicht antreten.
- ONE Championship Ansatz: Einen alternativen Ansatz hat die asiatische Promotion ONE Championship, die von sich sagt, dass dort kein Weight Cut stattfindet. Das Gewicht muss der Kämpfer natürlich trotzdem erbringen, zudem wird nach dem Kampf noch einmal gewogen. Es wird per Urintest die Hydration der Kämpfer gemessen. Je mehr gelöste Stoffe, wie beispielsweise anorganische Salze, sich im Urin befinden, desto stärker ist der Körper bereits dehydriert, also ausgetrocknet. Wird beim Test vor dem Kampf ein bestimmter Grenzwert überschritten, weist das auf einen Weight Cut hin. Er darf dann nicht mehr antreten.
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