Das Gewichtmachen ist im Taekwondo Zweikampf, wie auch in anderen Gewichtsklassen-Sportarten, eine weit verbreitete Praxis. Im Kampfsport treten Athleten in verschiedenen Gewichtsklassen gegeneinander an. Ihrem Normalgewicht entspricht das jedoch selten. Für einen Kampf schrumpfen vor allem MMA-Fighter ihr Gewicht in wenigen Wochen drastisch.
MMA als Mischung aus Boxen, Ringen, Jiu-Jitsu und anderen Kampfsportarten findet in unterschiedlichen Gewichtsklassen statt. Um ein bestimmtes Zielgewicht zu erreichen, nehmen viele Sportler ab. Dieser Prozess nennt sich "Gewichtmachen", auch "Weight Cut". Dabei wird dem Körper über einen kurzen Zeitraum eine enorme Menge Wasser entzogen.
Die Vorstellung, sich in diesem Szenario sportlich zu messen, kann nach außen abschreckend wirken, für die Kämpfer selbst ist das Duell aber das ultimative Ziel einer langen Vorbereitung. Für die Athleten gibt es aber eine Art Kampf vor dem Kampf - und den empfinden viele deutlich härter als die Auseinandersetzung im Käfig selbst. Denn das notwendige Kampfgewicht zu erreichen, ist eine Tortur.
Methoden des Gewichtmachens
Für das Gewichtmachen gibt es verschiedene Methoden. Die geläufigsten Methoden sind Nahrungs- und Flüssigkeitsrestriktion, vor allem Reduktion an Kohlenhydraten. Viele führen zusätzlich Flüssigkeitsverlust durch übermäßiges Schwitzen beim Training in Schwitzanzügen oder durch wiederholte Saunagänge herbei. Daher wird das Gewichtmachen auch oft als „Abschwitzen“ oder „Abkochen“ bezeichnet. In extremeren Fällen wird auch zu Medikamenten, wie Diuretika und Laxantien, gegriffen. Da diese Medikamente zweckentfremdet werden, spricht man hier von Medikamentenmissbrauch. Die Methoden reichen vom vermeintlich harmlosen Reduzieren der Nahrung bis hin zum selbstinduzierten Erbrechen.
Unmittelbar darauf folgt bei vielen Kämpfern das "Abkochen", ein extremer Gewichtsverlust über Schwitzprozesse. Hier arbeiten Kampfsportler mit ihrem Team zusammen. Erst wird der Körper mit kurzen, dafür aber intensiven Trainingseinheiten "hochgefahren", dabei tragen sie oft spezielle, nicht atmungsaktive Schwitzanzüge, die die Transpiration ankurbeln. Nach der kurzen Einheit geht es in eine mobile Infrarot- oder Dampfsauna. Teilweise wird auch in Saunadecken geschwitzt oder all das kombiniert. In beiden Fällen wird der Kopf möglichst aus der Hitze genommen und regelmäßig mit Eis gekühlt. So halten es die Sportler in der extremen Hitze von bis zu 70 Grad teilweise bis zu einer Stunde aus. Eine weitere Methode, um Gewicht zu verlieren, sind heiße Salzbäder. Auf diese Weise wird dem Körper ebenfalls subkutanes, also direkt unter der Haut befindliches Wasser entzogen. Um den Prozess zu beschleunigen, werden die Sportler zuvor mit porenöffnenden Cremes eingerieben oder mit Alkohol. In dieser Phase isst und trinkt der Sportler nichts mehr.
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Risiken und Gefahren des Gewichtmachens
Wir weisen darauf hin, dass das Gewichtmachen, obwohl es weit verbreitet ist, gravierende Auswirkungen haben kann. Doch auch das am weitesten verbreitete „Abschwitzen“ ist alles andere als harmlos. Obwohl es weit verbreitet ist, hat das Gewichtmachen gravierende Auswirkungen. Es sind zahlreiche physiologische und psychologische Auswirkungen durch Gewichtmachen nachgewiesen.
Eine unmittelbare Folge ist die Dehydration. Dehydration ist die häufigste Ursache für schwerwiegende Folgen und Todesfälle durch Gewichtmachen, und gleichzeitig die am häufigsten auftretende Folge! Schon ab einem Wasserverlust von 2% verringert sich die Kraftausdauer. Danach sinken das Konzentrationsvermögen und die Muskelkraft. Gleichzeitig erhöht sich die Verletzungswahrscheinlichkeit. Bei 6% steigt das Risiko für einen gefährlichen Hitzschlag.
Für den Körper ist die Dehydration eine starke Belastung - und die häufigste Konsequenz sind Nierenprobleme, schlimmstenfalls der Tod. Neben der Dehydration kann es noch mehr negative Effekte geben. Das Immunsystem wird geschwächt. Die Periode bleibt aus.
"Wir lehnen Gewichtmachen insbesondere für Kinder und Jugendliche ab, weil es langfristig zu Nährstoffdefiziten und körperlichen sowie psychischen Problemen führen kann." Prof. Dr. med.
Empfehlungen und Tipps
Wir als Deutsche Taekwondo Jugend schließen uns der Empfehlung von Expert*innen, wie Dejan Reljic, an. Kinder und Jugendliche sollten grundsätzlich auf das Gewichtmachen verzichten! Ist es nicht möglich, auf das Gewichtmachen zu verzichten, sollten folgende Punkte beachtet werden:
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- Kurzfristige Gewichtsreduktion: maximal 3% des Körpergewichts akzeptabel!
- KEINE Methoden zur Dehydratation anwenden!
- Flüssigkeitshaushalt im Auge behalten!
- Starke Gewichtsschwankungen meiden!
- Besser: geplante Gewichtsreduktion sollte längerfristig und realistisch geplant werden (max.
Es ist wichtig, dass du deine Gesundheit und dein Wohlbefinden an erste Stelle setzt. Zögere nicht, Hilfe in Anspruch zu nehmen, wenn du sie benötigst. Folgende Tipps könnten dir helfen:
- Hör auf deinen Körper: Achte darauf, was dein Körper dir signalisiert. Wenn du dich unwohl fühlst oder gesundheitliche Probleme bemerkst, ist es wichtig, darauf zu reagieren.
- Sprich mit einer vertrauten Person: Teile deine Sorgen und Probleme mit jemandem in deinem Umfeld, dem du vertraust. Oft kann das Gespräch mit einer vertrauten Person helfen, Lösungen zu finden und Unterstützung zu erhalten.
- Kontaktiere das DTU-Jugend Team: Wenn du weitere Unterstützung benötigst, kannst du das DTU-Jugend Team kontaktieren.
Gewichtsklassen in der UFC
Die Gewichtsklassen sind ein grundlegender Bestandteil der UFC, der bekanntesten Mixed-Martial-Arts-Organisation der Welt. Diese Gewichtsbeschränkungen sorgen nicht nur für einen fairen Wettbewerb, sondern fügen den Kämpfen auch eine strategische und erzählerische Dimension hinzu. Gewichtsklassen sind Kategorien, die Kämpfer nach ihrem Körpergewicht unterteilen. Dieses System verhindert, dass Athleten mit großen Gewichtsunterschieden gegeneinander antreten, was ausgewogenere und sicherere Kämpfe gewährleistet.
Die UFC unterteilt die Kämpfer derzeit in 12 Hauptklassen, 8 für Männer und 4 für Frauen. Zu Beginn hatte die UFC keine Gewichtsbeschränkungen. Die Kämpfe waren echte Stilduelle ohne Rücksicht auf Körperbauunterschiede. 1997 revolutionierte die Einführung der ersten Gewichtsklassen den Sport.
Das "Cutting" - schnelles Abnehmen
Eines der kontroversesten Themen in den Gewichtsklassen ist das sogenannte „Cutting“, also das schnelle Abnehmen, um das Gewichtslimit der eigenen Klasse einzuhalten. Obwohl es eine gängige Praxis ist, kann sie verheerende Auswirkungen auf die Gesundheit der Athleten haben, wie extreme Dehydrierung und Erschöpfung.
Bedeutung der Gewichtsklassen
Jede Klasse hat Besonderheiten, die die Kampfstrategien beeinflussen. In den leichteren Klassen sind Geschwindigkeit und Technik entscheidend, während in den schwereren Klassen die Schlagkraft eine zentrale Rolle spielt.
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Die Gewichtsklassen variieren leicht zwischen den Organisationen. ONE Championship hat beispielsweise ein auf Hydration basiertes System, das das Gewichtmachen eliminieren soll.
Es gibt Diskussionen über die Einführung neuer Gewichtsklassen, wie die Cruisergewichtsklasse (zwischen Halbschwer- und Schwergewicht).
Die Gewichtsklassen sind nicht nur eine sportliche Angelegenheit. Sie spiegeln auch die Vielfalt von Geschlechtern und Körperbauten wider und vermitteln eine Botschaft der Inklusivität.
Die Gewichtsklassen der UFC sind ein wesentlicher Bestandteil für den Erfolg und die Attraktivität des Sports. Seit ihrer Einführung sorgen sie für Fairness und haben die Entstehung legendärer Champions ermöglicht.
Alternativen zum extremen Gewichtmachen
Anstatt auf extreme Maßnahmen zurückzugreifen, sollte der Sportler dazu angehalten werden, den Vorgang des Abkochens eher als langfristige Strategie ansehen. Kurzfristige Gewichtsverluste von bis zu 2-3 %, innerhalb von 5-7 Tagen vor dem Wettkampf können toleriert werden.
Trainer gewichtsklassenabhängiger Athleten sollten ihre Schützlinge daher bereits im Vorfeld über negative gesundheitliche Folgen des Gewichtmachens hinweisen und auch die möglichen Leistungseinbrüche konkretisieren.
Bei einem sinnvollen Gewichtmachen sollte, wie bereits angesprochen, das reduzierte Körpergewicht vornehmlich aus Fettgewebe des Unterhautfettes bestehen. Um Fettgewebe abzubauen, ist es notwendig, die Energieaufnahme der täglichen Ernährung zu verringern. Doch auch hier sollten keine drastischen Kürzungen erfolgen.
Für eine langfristige Gewichtsreduktion empfehlen die American Dietetic Association, und führende Wissenschaftler wie Asker Jeukendrup ein Energiedefizit von 10 bis 20 %. Letztlich sollte ein Energiedefizit von täglich rund 250 kcal, abhängig von Körpergewicht, Körpergröße und Gesamtbedarf angestrebt werden.
Die Reduktion der Nährstoffe sollte vornehmlich über die Hauptenergielieferanten Kohlenhydrate und Fette erfolgen. Der Proteinanteil der Ernährung sollte unverändert hoch bleiben. Bei zunehmender Diätdauer kann dieser sogar erhöht werden. Die übrigen Kalorien sollten durch Kohlenhydrate aufgefüllt werden. Hier sollte man sich vor allem auf Nahrungsmittel mit komplexen Kohlenhydraten stützen.
Für die Praxis bedeutet dies, dass die Reduktion der Energiezufuhr und die passende Zusammensetzung essenziell beim Gewicht machen sind. Ebenso wichtig ist die praktische Kontrolle der Fortschritte. Denn weder ein zu langsames, noch ein zu schnelles Reduzieren des Körpergewichtes ist zu empfehlen. Idealerweise sollte der Gewichtsverlust wöchentlich bei rund 500 bis 1000 g liegen.
Die einfachste Erfolgskontrolle ist die Kombination der Auswertung der Gewichtsentwicklung bei paralleler Führung eines Ernährungstagebuches.
Weiß man nun, wie viel Gewicht ein Sportler bis zum Eintreten in die angestrebte Gewichtsklasse verlieren muss, so kann man bereits im Voraus einen Plan erstellen. Muss der Sportler beispielsweise 5 kg verlieren und geht man von einem Gewichtsverlust von 500 g pro Woche aus, sollten für das Gewichtmachen mindestens 10 Wochen eingeplant werden.
Viele Sportler beginnen im Bereich des Abkochens damit, ihren Körper durch lange Trainingseinheiten in warmer Kleidung, Einschränkung der Flüssigkeitszufuhr und ausgiebige Saunagänge, stark zu dehydrieren. Dies führt zu einer starken Einschränkung der Leistungsfähigkeit und ist aus gesundheitlicher Sicht nicht empfehlenswert!
Empfohlene Lebensmittel nach Nährstoff
Alltägliche Lebensmittel und eine Zuordnung nach ihrem Hauptnährstoff sind in der folgenden Tabelle zu finden. Sie soll bei der Ernährungsplanung für das Abkochen helfen und beinhaltet Lebensmittel, die während einer schnellen und notwendigen Gewichtsreduktion zugeführt werden können.
| Nährstoff | Lebensmittel |
|---|---|
| Komplexe Kohlenhydrate | Vollkornprodukte, Gemüse, Hülsenfrüchte |
| Proteine | Mageres Fleisch, Fisch, Eier, Milchprodukte |
| Fette | Nüsse, Samen, Avocados, Olivenöl |
