Der Kickboxsport hat in Deutschland viele talentierte und erfolgreiche Sportlerinnen hervorgebracht. Diese Athletinnen haben nicht nur nationale, sondern auch internationale Erfolge gefeiert und den Sport in Deutschland maßgeblich geprägt.
Bekannte Namen im Deutschen Kickboxen
Regina Halmich
Wer in Deutschland an Frauenboxen denkt, dem fällt sofort ihr Name ein. Niemand sonst hat den Sport hierzulande so vorangebracht wie Regina Halmich.
Als Elfjährige begann sie mit Judo. Immer wieder habe sie damals im „Bulldog“, einem Kampfsportstudio im Karlsruher Stadtteil Daxlanden, zu den Kickboxern hinübergeschaut. Der damalige Besitzer des Studios, Jürgen Lutz, schlug ihr vor, es einmal auszuprobieren. „Und ab dem Moment war klar: Das ist es. Das war noch mehr Action, das war Wettkampf.“
Ihren ersten Kickbox-Kampf bestritt Regina Halmich mit 13 Jahren. Sie trainierte fast nur mit Männern. „Das Schöne war, dass ich in der Gruppe integriert war. Es gab keine Vorurteile. Das hat vieles einfacher gemacht.“
Ihren Eltern zuliebe hat sie eine Ausbildung als Rechtsanwaltsgehilfin gemacht. „Sie wollten die Sicherheit. Aber für mich war klar, dass ich den sportlichen Weg einschlage. Es war schon etwas ganz Außergewöhnliches, ich musste mich für mein Talent rechtfertigen“, sagt sie.
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Gegenüber ihren Freunden, Verwandten und Menschen auf der Straße. „Eine Frau, die boxt?“ In den neunziger Jahren sei das in den Augen vieler Zuschauer noch ein fragwürdiger Sport gewesen. Sie hatte deshalb immer zwei Kämpfe auf einmal zu bestreiten. „Einen im Ring und einen außerhalb, es ging um Anerkennung und Akzeptanz.“
Regina Halmich hat viel dafür getan, dass Frauenboxen 2012 bei den Spielen in London erstmals olympische Disziplin war.
Frauen hätten es aber heute noch immer schwer. Eine Gleichstellung zwischen Mann und Frau im Boxen, in der „männlichsten Männerdomäne“, wie sie den Kampfsport nennt, werde es nicht so bald geben.
Christine Theiss
Kickbox-Weltmeisterin Christine Theiss verteidigt am 7. Dezember in Berlin ihren Titel gegen die 25-jährige Bosnierin Sanja Samardzic. Der Kampf ist die 20. Titelverteidigung der 32-Jährigen.
Seit 2006 kämpft Christine Theiss als Profi-Kickboxerin, 2007 wurde sie zum ersten Mal Weltmeisterin der World Kickboxing Association (WKA) im Vollkontakt-Kickboxen.
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Als sie eine Freundin begleitete, die nicht allein zum Training gehen wollte, wurde ihr Interesse fürs Kickboxen geweckt.
Von 1988 bis 2000 erlernte sie das Semikontakt-Kickboxen in einem Karate-Dojo, und sie wurde mehrfache Bayerische und Deutsche Meisterin.
Im November 2010 bezwang Theiss in ihrem 14. WM-Kampf die Ukrainerin Lena Owchinikowa durch K.o. in der sechsten Runde.
Wie schön sie jubeln kann, zeigte Theiss nach ihrem Sieg gegen Iman Chairi Ghbalou im WM-Kampf zuvor.
Der kraftvollen Beinarbeit der seit Jahren unbesiegten Theiss hatte die Spanierin nichts entgegen zu setzen.
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Der Kampf fand vor großem Publikum im Rahmenprogramm des WM-Boxkampfes von Felix Sturm gegen Giovanni Lorenzo in Köln statt.
Bei ihrer letzten Titelverteidigung besiegte Theiss ihre Landsfrau Ania Fucz nach Punkten.
Immer bissig im Ring...
... und keine Angst vor Narben. "Frauen können mit Schmerzen besser umgehen!", sagt Dr. Theiss.
Am 7. Dezember 2012 will sie ihren Titel gegen die 25-jährige Bosnierin Sanja Samardzic verteidigen.
Es ist die 20. Titelverteidigung der 32-Jährigen.
"Respekt muss immer dabei sein. Ich habe meine Gegnerin studiert. Sie ist ehrgeizig und technisch versiert", sagt Theiss, ...
Birgid Sasse
Birgid Sasse, 3-fache WAKO Weltmeisterin und 3-fache Tae Kwon Do Weltmeisterin, ist mit Sicherheit Deutschlands erfolgreichste Leichtkontakt Kickboxerin und Taekwondo Kämpferin aller Zeiten.
In der WAKO gewann Birgid von 1985 - 2001 insgesamt 10 Deutsche Meister Titel im Semi- und Leichtkontakt Kickboxen, sowie zwei Internationale Deutsche Meisterschaften und folgende Weltmeisterschaften der WAKO: 1993 in der Klasse -65 kg in Atlantic City/USA, 1994 in der Klasse -65 kg in Venedig/Italien den der WAKO Pro und 2001 in der Klasse -70 kg in Maribor/Slowenien.
Daneben gewann Birgid unzählige Bronze und Silber Medaillen bei Europa-, Welt- und Internationalen Meisterschaften.
1983 erlitt sie bei einem Autounfall einen beidseitigen Beckenringbruch und Lendenwirbelquerfortsatzabriss bei dem sie bei einem acht Wochen dauernden Krankenhausaufenthalt ans Bett gefesselt war.
Weitere Athletinnen
- Juliane Werner: WKU Profi Deutsche Meisterin, studierte Forensik und Toxikologie.
- Mariela Steko: Kämpft in der Gewichtsklasse bis 50 Kilogramm der Altersgruppe 13 bis 17.
- Gabriele Inciuraite: Deutsche Karatemeisterin, wechselte zum Kickboxen.
- Nikki Adler: Weltmeisterin in sechs Verbänden im Supermittelgewicht.
- Mandy Berg: Europameisterin im Kickboxen.
- Pervin und Melisa Tasev: Aufgewachsen im Kampfsportverein ihrer Eltern.
- Phuong Tran Minh (Fungi): Betreibt Thaiboxen und K1.
- Marie Lang: Profi-Kickboxerin und Schauspielerin.
- Alina Popp: Profiboxerin und Physikstudentin, zweifache deutsche Meisterin.
- Susi Kentikian: Ehemalige Profiboxerin, erlangte durch ihren sportlichen Erfolg ein Aufenthaltsrecht in Deutschland.
- Johanna Koch: Profi-Thaiboxerin und Trainerin.
- Sophie Kronberg: Projektmanagerin und Boxerin.
Bedeutung des Kickboxens für Frauen
Viele Frauen haben durch den Kampfsport nicht nur körperliche Stärke, sondern auch Selbstbewusstsein und Selbstverteidigungsfähigkeiten erlangt.
Regina Halmich betonte, dass sie zwei Kämpfe auf einmal bestreiten musste: einen im Ring und einen außerhalb, um Anerkennung und Akzeptanz zu erlangen.
Phuong Tran Minh fand durch den Kampfsport ihre Identität als Frau:
"Wenn ich auf einen Sandsack einschlage, bin ich der Impuls auf dem Sandsack, aber der Sandsack gibt auch einen Impuls an mich. Denn je stärker ich schlage, desto stärker wird auch der Widerstand. Mein Körper wächst daran. Er verändert sich. Und ich mag ihn immer mehr."
Johanna Koch sagte:
"Zum einen musst du sowieso kämpfen, zum anderen musst du für dich als Frau kämpfen." Für sie sind Weiblichkeit und Kampf keine Gegensätze.
Hall of Fame
In der „Hall of Fame" werden all diejenigen Sportler und Funktionäre aufgenommen, die durch ihre Taten und Leistungen den Kickboxsport nach vorne gebracht haben. Ohne diese Persönlichkeiten würde es den Sport Kickboxen in dieser Form nicht geben.
Georg F. Brückner
An erster Stelle dieser Hall of Fame steht natürlich der Gründer der Sportart Kickboxen, Georg F. Brückner. Er ist der „Vater des Kickboxsports", und ihm ist es zu verdanken, dass der Sport in der heutigen Form betrieben werden kann.
Er organisierte die ersten Veranstaltungen und bald fanden sich viele Anhänger dieser neuen Sportart. Brückner reiste durch ganz Europa und gab Lehrgänge und Seminare, um das Kickboxen zu etablieren. Er war der Gründer der WAKO und veranstaltete auch die ersten Welt- und Europameisterschaften in Deutschland.
Weiterhin entwickelte er bereits zu den Anfangszeiten des Kickboxens eine Schutzausrüstung, die noch heute den höchsten Sicherheits- und Qualitätsstandards entsprechen.
Man kann ohne Übertreibung sagen, dass Georg F. Brückner es sich zur Lebensaufgabe gemacht hatte, Kickboxen zu verbreiten, was ihm auch gelungen ist.
Nach langer, schwerer Krankheit starb er am 30.
Dr. Ludger Dietze
Dr. Dr. Ludger Dietze ist ein Mann der ersten Stunde. Zum Kickboxen kam er im Jahr 1977 über das Taekwondo. Seinen ersten internationalen Einsatz im Kickboxen bestritt er 1979 bei der EM in Italien.
1983 in London wurde er Weltmeister im Semikontakt. Seinen Abschiedskampf bestritt Dr. Ludger Dietze 1986 beim Europacup in Warschau.
Danach zwang ihn ein schweres Hüftleiden zur Beendigung seiner aktiven Laufbahn. Dennoch blieb er dem Kickboxen mit ganzem Herzen verbunden. Zum einem als Trainer in seinem Verein und zum anderen als Funktionär in der WAKO.
Er wurde 1987 zum Bundestrainer im Semikontakt berufen. In Deutschland leitete er über acht Jahre als Präsident die Geschicke des Verbandes. Unter seiner Führung wurden in Deutschland eine Welt- und Europameisterschaft ausgetragen.
Auf Weltebene war Dr. Ludger Dietze von 1991 bis zum Jahr 2000 als Vizepräsident tätig. Der Allrounder, der insgesamt fünf Sprachen perfekt spricht, trat immer sehr bescheiden auf.
Ferdinand Mack
Begonnen hat der Ausnahmeathlet im Alter von 16 Jahren mit dem Karate. Bereits zwei Jahre später bestritt er die ersten Wettkämpfe im Semikontakt-Kickboxen.
1978 wechselte er dann zur Königsdisziplin, dem Vollkontakt-Kickboxen. Zur damaligen Zeit fanden Welt- und Europameisterschaften noch im selben Jahr statt, erst später wechselte man zum zweijährigen Turnus.
Insgesamt wurde Ferdinand Mack viermal Europameister und viermal Weltmeister der Amateure. 1988 wechselte er ins Profilager und wurde im gleichen Jahr in Mannheim Europameister der PKO, dem damaligen Profiverband, der mit der WAKO zusammenarbeitete.
Weltmeister der PKO und Intercontinental Champion der ISKA wurde Ferdinand 1991. Nach seiner aktiven Laufbahn war Ferdinand Mack von 1987 bis 2011 Bundestrainer im Vollkontakt-Kickboxen.
In dieser Tätigkeit hat er zahlreiche Welt- und Europameister mitgeprägt.
Peter Zaar
Für Peter Zaar sind die Tugenden Ehrlichkeit, Verlässlichkeit, Gerechtigkeit, Freundschaft, Disziplin, Respekt und Anerkennung nicht nur leere Worte, sondern Lebensinhalt. Er versucht, diese Eigenschaften auch an seine Schüler weiterzugeben.
Begonnen hat er in den 70er Jahren mit dem Kickboxen in Köln. Unter Anleitung von Georg F. Brückners Schüler Gustav Baaden begann er seine Kickboxkarriere in der er vier Deutsche Meistertitel im Leicht - und Semikontakt erkämpfte.
Seit 1990 ist Peter Zaar Bundestrainer im Leichtkontakt Kickboxen. Er zählt mit unzähligen Erfolgen auf nationaler- und internationaler Ebene weltweit zu den erfolgreichsten Trainern.
