Christian Anders, geboren als Augusto Antonio Tenicolo am 15. Januar 1945 in Bruck an der Mur, Österreich, ist eine vielseitige Persönlichkeit. Er ist nicht nur ein bekannter Schlagersänger, sondern auch Kampfsportler, Buchautor, Aktionskünstler, Kolumnist und Esoterik-Lehrer.
Frühe Jahre und musikalische Anfänge
Kurz nach seiner Geburt zog Christian mit seinen Eltern nach Italien, wo er die ersten neun Jahre seines Lebens in einer sardischen Klosterschule verbrachte. Als Christian zehn Jahre alt war, zog seine Familie nach Deutschland und lebte in einem Asylheim in Kelsterbach. Er begann stattdessen eine Lehre als Elektroinstallateur, die er mit der Gesellenprüfung abschloss. Immer dabei war seine Gitarre und so spielte Christian bald in einer Band und sang, vor allem in amerikanischen Clubs.
1966 komponierte der damals junge Musiker eigene Lieder und schickte sie an eine Plattenfirma. Im Interview bei SchlagerPlanet verriet Christian Anders, dass sein eigener Lieblingssong "Ich hatte einst ein Eselchen - Suranaika" aus dem Jahr 1967 ist. Doch mit "Ich hatte einst ein Eselchen" gelang ihm nicht der Durchbruch seiner Karriere.
Durchbruch und musikalische Erfolge
Seine ersten Schallplatten waren Flops und erst 1969 gelang Christian Anders der Durchbruch mit dem Joachim Heider Song „Geh nicht vorbei“. Von diesem Lied wurden über zwei Millionen Platten verkauft. Christian gründete sein eigenes Label Chranders Records und war von nun an lange mit seinen Songs in den Hitparaden vertreten. Insgesamt landete er 25 Hits mit über 20 Millionen verkauften Platten.
"Es fährt ein Zug nach Nirgendwo, Bald bist auch Du wie ich allein" - Das ist die erste Zeile seines 1972 veröffentlichten Megahits "Es fährt ein Zug nach Nirgendwo". Es war der erste erfolgreiche Song, den Christian Anders selbst geschrieben und mit dem er sich auf der ZDF-Hitparade in der Schlagerwelt profiliert hat. In der MDR-Sendung "Die besten Hits aller Zeiten" bei Bernhard Brink verriet der Schlagerstar, dass dieser Hit auch dringend notwendig gewesen war, da die Umsätze stark zurückgingen. Er sagte damals zu Joachim Heider, dass jedes Lied von ihm gleich klingen würde.
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Danach folgten Titel wie „Gespensterstadt“, „Ruby“, „Hinter verschlossenen Türen“ sowie „Der Zug, le train“ zum 40jährigen Jubiläum des Kultsongs „Es fährt ein Zug nach Nirgendwo“, „Es fährt ein Zug 3000“.
Nach Millionenhits wie „Geh nicht vorbei“ und „Es fährt ein Zug nach nirgendwo“ schrieb der am 15. Januar 1945 in Bruck an der Mur geborene Blondschopf „Sieben Songs und eine Sinfonie“, aber auch Titel über Rassen- und Religionskonflikte.
Kampfsportkarriere
Parallel dazu trainierte Christian lange Zeit bei Michael Anderson und Chong Minh Kwack Karate und Taekwondo. Er erhielt schließlich den schwarzen Gürtel, wurde Lehrer in diesem Kampfsport und leitete zwei Schulen, eine in München und eine in Fürstenfeldbruck.
In dem Film Root of Evil ist er so etwas wie ein Quasi-Albino Bruce Lee. Der Original Zug-nach-nirgendwo-Depp im Kampf der Karateschulen.
Anders über seine Kampfsport-Erfahrung: "Oh meine Schüler! Das Ganze spielte sich - ich war in der Ausbildung - zwischen zwei Schulbänken ab und ich hatte schlicht keinen Platz, die Bein-Techniken einzusetzen, die ich trainiert hatte. Ergebnis... was soll ich sagen? Da kapierte ich den Unterschied zwischen Kampfsport und Kampfkunst: Kampfsport samt Regeln funktioniert im Wettkampf. Einer davon ist das Erlernen von Körpermechanik & -statik. Das erlaubt es, bis ins hohe Alter zu trainieren. Faszinierend ist auch das Handeln nach Kampf- und Kraftprinzipien. Nicht nur das Kämpferische (das Erlernen der Kampf-Techniken) macht den Tranierenden zu einem "Kampf-Künstler".
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Er drehte die Karate-Filme "Die Todesgöttin des Liebescamps" und "Brut des Bösen".
Esoterik und Leben in den USA
Der Erfolg des Schlagerstars setzte sich in den 1980er-Jahren nicht nahtlos fort und er verkaufte seinen gegründeten Musikverlag und zog im Jahr 1987 nach Los Angeles. Hier bekam er als Lanoo seine eigene Fernsehshow „Lanoo on the book of light“. Weiterhin produzierte er basierend auf dem Buch „Der Mann der Aids erschuf“ ein Theaterstück. Parallel dazu lehrte Christian Urbuddhismus und Esoterische Wissenschaften in einem Tempel in Los Angeles.
Neben seinen Gesangesdarbietungen tritt er seitdem auch als Esoterik-Guru Lanoo Radej, was soviel wie „Schüler der Wahrheit“ bedeutet, in Erscheinung.
In seinem Buch „Der Rubel muss rollen“ beschreibt Christian Anders bspw. ein neues zinsfreies Umlaufgesichertes Geldsystem. In „Darwin Irrt“ behauptet Christian, dass der Affe vom Menschen abstammt. Weitere von Christian Anders publizierte Titel sind z.B. „Das Buch des Lichts“ oder auch „Der Mann der Aids erschuf“.
Rückkehr nach Deutschland und aktuelle Projekte
Im Jahr 1993 kehrte Christian Anders nach Deutschland zurück und gründete mit seiner Frau Birgit Diehn das Label Suessmatz Records. Heute ist Christian Anders mit der Wirtschaftsberaterin Birgit Diehn verheiratet.
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Wie Heute berichtete, kündigte der Schlagersänger an, dass er seine Karriere an seinem 80. Geburtstag, sprich im Jahr 2025 mit einem Abschiedskonzert beenden werde.
Auf die Frage, ob zwei Seelen in seiner Brust schlagen, Lanoo Radej versus Christian Anders antwortete er: "Ich fahre heute zweigleisig. Als Christian Anders und auch als Lanoo. Doch ich habe auch noch eine dunkle Seite."
Einordnung und Vermächtnis
Christian Anders hat alles andere als eine geradlinige Biographie. Das Leben des Schlagersängers aus Österreich, der nicht zu verwechseln ist mit Thomas Anders, ist von viel Veränderung gekennzeichnet. Während seiner Karriere veröffentlichte der Schlagerstar über 25 Hits und verkaufte über 20 Millionen Platten.
Für Newcomer hat Anders einen Tipp, der für alle Menschen gilt: Ehrlich sein. Bei SchlagerPlanet sagt der Sänger, dass man stets ehrlich sein müsste, egal ob beim Komponieren, beim Singen oder Produzieren. Anders singt mittlerweile auch spanische und italienische Lieder und ist noch nicht in Musik-Rente gegangen.
Er ist Schlager-Star, Karatekämpfer, Buchautor, Aktionskünstler, Kolumnist und Esoterik-Lehrer in Personalunion. Christian Anders war und ist anders als die anderen Sangeskollegen der so genannten „leichten Muse“.
Auf die Frage, ob ein Schlagersänger ein Verfallsdatum hat, antwortete Anders: "Ein Sänger schon aber seine Hits - falls sie Evergreens sind - nie."
