Boxen vs. Kickboxen zur Selbstverteidigung: Was ist effektiver?

Viele Menschen beginnen mit einer Kampfsportart, um an Wettkämpfen teilzunehmen, aber auch um sich verteidigen zu können. Wenn du dich für Kickboxen und Boxen interessierst, dann fang damit an. Beides bringt dir viel: Ausdauer, Kraft, Konzentration, Beweglichkeit (besonders beim Kickboxen). Beides ist im Notfall besser, als gar nichts zu können, solange man sich nicht überschätzt.

Die genaue Art des Trainings, egal ob Kickboxen oder Boxen, hängt vom jeweiligen Trainingszentrum ab. Es gibt Zentren, die nur auf Wettkampf spezialisieren und welche, die nur auf Fitness hintrainieren.

Kampfsport vs. Selbstverteidigung

Du musst also stark differenzieren zwischen Kampfsportarten und Selbstverteidigungssport. Kampfsport ist Sport und keine Selbstverteidigung. Sicher ist Boxen und Kickboxen viel besser als gar nichts, zumindest wenn dein Angreifer keine Waffen bei sich trägt. Immerhin trainiert man jahrelang regelmäßig zuschlagen, ausweichen und einstecken (man sollte es schon einige Zeit trainiert haben, als Anfänger bringt es nichts). Trotzdem trainierst du nur die Techniken, die du für einen Wettkampf brauchst und nicht was auf der Straße am effektivsten wäre.

Kickboxen: Eine vielseitige Option

Ich trainiere Kickboxen im Verein. Es gefällt mir besser als klassisches Boxen, weil man im Kickboxen mehr Möglichkeiten hat, als nur Fäuste zu verwenden. Was mir auch noch gut gefällt ist Muay Thai, also Thaiboxen. Das könntest du dir auch noch anschauen. Beim Thaiboxen trainiert man noch mehr Techniken, als beim Kickboxen. Hier kommen noch Knie und Ellbogen hinzu (Ellbogen sind nicht zu unterschätzen). Ansonsten ist es dem Kickboxen ziemlich ähnlich.

Kickboxen ist eigentlich ja eine Wettkampfsportart. Aber eignet sie sich auch für eine gute Selbstverteidigung? Bzw. wie gut oder wie nah kommt man an ein eine effektive Selbstverteidigung heran?

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Die Kickboxgürtelprüfungen fordern Selbstverteidigungsgriffe und Würfe. Von daher denke ich, dass Kickboxen sich eig ganz gut für eine Selbstverteidigung eignet. Ein gutes Training, das einem direkt vermittelt, wie schwer es ist, jemanden ernsthaft zu bedrängen. Eine gute realistische Selbsteinschätzung bekommt man beim Kickboxen. Zumindest wenn man Lk oder Vk kämpft weiss man, dass man nicht unbesiegbar ist. Das immer wieder Schläge, Tritte aus dem nichts kommen und treffen. Und dann sollte man den Mut nicht verlieren, keine Angst bekommen und einen klaren Kopf behalten. Das macht schon einiges aus.

Seit dem ich den Kickboxsport betreibe gehe ich mit höchstem Respekt an eine Schlägerei heran. Chance 50-50. Kampfsport ist nicht das Mittel nur eine Hilfe und eine gute Selbsteinschätzung. Ich habe schon ein paar Systemvergleichskämpfe gemacht. Und ich muss sagen ...

Die Realität der Straße

Was der Kickboxsport natürlich nicht vermittelt sind die unfairen Aktionen und deren harte Folgen. In einem Strassenkampf gegen 1 oder wie so oft leider mehrere Gegner wirst du wahrscheinlich mit deinem Kickboxen nicht weit kommen, da es wie du gesagt hast eher auf Wettkampftraining basiert. Du musst bedenken das ein Strassenkampf heutzutage fast nur noch mit Waffen ausgetragen wird (leider :/ w.z.B. Messer Flasche , Totschläger).

Wenn ein Gegner vor dir steht (Straße) dann soll mir mal einer erzählen das er mit einem Ellenbogen zuschlägt. Vegleicht doch nicht dauernt irgendwelche Kampfsportarten. Ich kenne auch jemanden der macht seit 10jahren Kickboxen. Und der würde auch Thai Boxer besigen! Und außerdem: Beim Kickboxen lernt man auch mit Ellenbogen zu kämpfen. Also: Hört bitte auf damit!

Der Kämpfer zählt, nicht die Sportart

Ich bin nun seit über 30 Jahren im Geschäft und habe dabei entsprechend viele Kämpfer vieler Kampfsportarten kennengelernt. Ergebnis: vergeßt diese überflüssige Diskussion - es liegt immer nur am Kämpfer selbst und was er aus sich und seinen Fähigkeiten macht. Jede Pauschalisierung in Richtung mit/ohne lowkicks, Ellbogen usw.

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Warum Kickboxen die bessere Wahl ist:

  • Ganzkörpertraining: Kickboxen beinhaltet nicht nur das Schlagen mit den Fäusten wie beim Boxen, sondern auch das Treten mit den Beinen. Dadurch werden mehr Muskelgruppen im gesamten Körper aktiviert, was zu einem effektiveren Ganzkörpertraining führt und die Entwicklung von Kraft, Ausdauer und Flexibilität fördert.
  • Vielseitigkeit der Techniken: Im Kickboxen sind neben den Schlagtechniken des Boxens auch Techniken aus anderen Kampfsportarten wie Karate, Taekwondo und Muay Thai integriert. Dies ermöglicht eine breitere Palette von Angriffs- und Verteidigungsoptionen im Vergleich zum Boxen, was die Fähigkeiten des Kickboxers im Kampf vielseitiger und anpassungsfähiger macht.
  • Selbstverteidigung: Aufgrund der Vielseitigkeit der Techniken im Kickboxen sind Kickboxer besser auf verschiedene Kampfsituationen vorbereitet und können sich effektiver verteidigen als Boxer, die nur auf das Schlagen mit den Fäusten spezialisiert sind.
  • Körperliche Fitness: Kickboxen ist ein intensives Cardio-Training, das nicht nur die Ausdauer verbessert, sondern auch die Herzgesundheit fördert, Kalorien verbrennt und den Stoffwechsel ankurbelt.
  • Mentale Disziplin: Wie beim Boxen erfordert auch Kickboxen eine hohe mentale Disziplin, Konzentration und Durchhaltevermögen, um Techniken zu erlernen und im Training und im Wettkampf erfolgreich zu sein.

Verschiedene Richtungen im Kickboxen:

  • Vollkontakt-Kickboxen: Bei dieser Variante sind Tritte und Schläge gegen den gesamten Körper erlaubt, wobei Schutzausrüstung wie Helme und Schienbeinschützer getragen wird, um Verletzungen zu minimieren.
  • Low-Kick-Kickboxen: Hier sind neben den Schlägen Tritte auf die Oberschenkel erlaubt, was eine zusätzliche Herausforderung und taktische Option für die Kämpfer darstellt.
  • Thai-Kickboxen (Muay Thai): Diese traditionelle Form des Kickboxens aus Thailand legt besonderen Wert auf Ellenbogen- und Knietechniken sowie den Einsatz von Klinch-Techniken, die es dem Kämpfer ermöglichen, den Gegner zu kontrollieren und effektiv zu attackieren.
  • K-1-Stil: Diese Variante des Kickboxens kombiniert Elemente aus verschiedenen Kampfkunststilen und erlaubt schnelle und dynamische Kämpfe mit einer breiten Palette von Techniken.

Insgesamt bietet das Kickboxen eine breitere Palette von Techniken, eine vielseitigere Trainingserfahrung und eine effektivere Selbstverteidigungsfähigkeit im Vergleich zum traditionellen Boxen.

Kampfsportarten im Vergleich

Kampfsportart Techniken Schwerpunkte Geeignet für
Boxen Schläge mit den Fäusten Präzision, Schnelligkeit, Reflexe Entwicklung von Muskeln und Ausdauer, Schärfung des Geistes
Kickboxen Schläge, Tritte, Knie, Ellbogen (je nach Stil) Vielseitigkeit, Ganzkörpertraining, Selbstverteidigung Kraft, Ausdauer, Flexibilität, Anpassungsfähigkeit
Muay Thai Schläge, Tritte, Knie, Ellbogen, Clinch Härte, Effektivität im Nahkampf Kraft, Kondition, Beweglichkeit, Kontrolle der Energie
Krav Maga Intuitive Reaktionen, einfache und effektive Methoden Selbstverteidigung, Vermeidung von Gefahren Rechtzeitiges Reagieren auf Gefahren, Selbstverteidigung in Notsituationen

Beide Sportarten erfreuen sich immer größerer Beliebtheit. Das wirft die Frage auf, welche davon effektiver ist. Je nachdem, was du erreichen willst, kann sich eine der beiden Sportarten als nützlich erweisen.

MMA wird häufig von denjenigen gewählt, die sich zu einem vielseitigeren Kämpfer entwickeln wollen. Das liegt daran, dass Boxen konzentrierter ist, MMA aber ein ganzheitliches Training beinhaltet. Im Gegensatz dazu kannst du beim Boxen die richtigen Fuß- und Kopfbewegungen lernen. Da die meisten Konfrontationen im Stehen beginnen, erweisen sie sich in Selbstverteidigungsszenarien als nützlich.

Fang an, MMA zu lernen, wenn du Selbstverteidigung üben willst. Im Vergleich zum Boxen bietet es eine wesentlich größere Auswahl an Waffen. Aber achte auf dein Boxen, auch wenn du MMA trainierst. Ein großer Teil des MMA besteht aus Boxen. Schläge sind meistens für das Ende eines Kampfes verantwortlich, und Boxen ist die Sportart, bei der du am besten lernst, Schläge einzusetzen und zu vermeiden.

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