Seit seinen Anfangsjahren hat der Martial-Arts-Film eine ständige Wandlung durchlaufen und so viele verschiedene Ausprägungen hervorgebracht. Neben den verschiedenen kämpferischen Stilen, haben sich auch unterschiedliche Genres gebildet, die unter anderem echte Filmstars hervorgebracht haben.
Am Freitag, den 27. November 2023, wäre der „King of Kung Fu“ - Bruce Lee - 83 Jahre alt geworden. Verstorben ist er allerdings schon mit 32 Jahren. Aber selbst heute noch ist Bruce Lee ein Synonym für den perfekten Athleten, den perfekten Kämpfer. Seine Filme sind auch heute noch Genre-Klassiker und waren Wegbereiter und Inspiration für die Karrieren zahlreicher nachfolgender Martial Arts Stars wie Jackie Chan, Jean-Claude Van Damme, Sammo Hung, Chuck Norris, Donnie Yen und Jet Li.
Bruce Lee war jedoch mehr als nur ein Leinwandheld. Er war einer der besten Kampfkünstler, Fitnessfanatiker, Tänzer, Lehrer, Philosoph, Buch- und Drehbuchautor, Regisseur, Produzent, Choreograf und Familienvater. Nachfolgend mehr über Bruce Lee und sein Leben, seine Werke, seine Legende und auch den Einfluss auf den Autor dieses Beitrages, der hiermit dem „kleinen Drachen“ seinen Respekt huldigt und ihm für seine Inspiration für den Einstieg in die Kampfkünste dankt.
Bruce Lee: Leben und Karriere
Bruce Lee wurde am 27. November 1940 im San Francisco Chinese Hospital geboren. Somit hatte er neben der chinesischen auch die amerikanische Staatsbürgerschaft. Er wuchs in Hong Kong auf und kam, wie viele andere junge Chinesen, des Öfteren in Auseinandersetzungen, was ihn am Ende dazu trieb, eine Kampfkunst zu erlernen. So unterrichtete ihn sein Vater zuerst in „Taijiquan“, was jedoch mehr eine Bewegungsform, weniger ein echter Kampfstil war.
Mit 13 hatte er das Glück von dem legendären Wing Chung Meister Yip Man in seine Schule aufgenommen zu werden. Diesen Stil trainierte er mit Besessenheit, nahm aber auch Einflüsse anderer Kampfsportarten (Taekwon-Do, Boxen, Fechten) auf. Zudem war er ein guter Tänzer, was seiner Beinarbeit ebenfalls zu Gute kam. Leider war der junge Bruce Lee in dieser Zeit auch des Öfteren in Straßenkämpfe verwickelt und es zeichneten sich dadurch ernstzunehmende Probleme ab. Daher beschlossen seine Eltern, ihn aus diesem Umfeld zu entfernen und schickten ihn zu einem Freund seines Vaters nach San Francisco.
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Hier jobbte er in dessen Restaurant und holte seinen High-School-Abschluss auf dem Seattle Central Community College nach. In seiner Freizeit unterrichtete Bruce Lee im Bekanntenkreis Kung-Fu, wobei er seine spätere Frau Linda kennenlernte. In Seattle eröffnete er sein erstes „Jun Fan Gung Fu Institute“, später kam ein zweites in Oakland (wohin er mit seiner Frau umgezogen war) hinzu. In dieser Zeit entwickelte er seinen eigenen, unabhängigen Kampfstil namens „Jeet Kune Do“ (grob übersetzt: Der Weg der eingreifenden Faust).
Ein Auftritt bei den ersten internationalen Karatemeisterschaften in Long Beach bekam er über Kempo-Experte Ed Parker vermittelt und nutzte die Chance, seine Interpretation des Kung-Fu vorzuführen. Über die dadurch erlangte Popularität bekam Bruce Lee seine erste Filmrolle als kampfstarker Chauffeur in der Serie „Green Hornet“. Sein Ruf als herausragender Kämpfer führte dazu, dass sowohl Schauspieler, Prominente als auch bereits erfolgreiche Karatekas bei ihm Privatunterricht nahmen.
Nach einer weiteren Fernsehserie (Longstreet) konnte er in „Die Todesfaust des Cheng Li“ erstmals in einem abendfüllenden Kinofilm sein Können demonstrieren. Der Film wurde ein Kassenschlager. Der bekannteste Kampfsportstar der Welt war geboren und bereit, mit jedem weiteren Film einen neuen Meilenstein zu setzen.
Als sich Bruce Lee am 20. Juli 1973 in Hong Kong mit seinem Produzenten traf, war die Welt noch in Ordnung. Wenige Stunden später lag der 32-Jährige tot auf dem Sofa einer Freundin, nachdem er sich aufgrund starker Kopfschmerzen ausruhen wollte. Für die Presse ein gefundenes Fressen. Spekulationen gab es genug. Schließlich gab es keine äußeren Verletzungen. Bruce Lee war jung und pflege einen sehr gesunden Lebensstil. Auch die Tatsache, dass Bruce Lee bei den Vertretern traditioneller Stile nicht sehr beliebt war, regte die Diskussionen darüber an, ob er vielleicht einem Auftragsmord der Triaden zum Opfer gefallen war.
Eine Autopsie und spätere Untersuchung durch Pathologen ergaben, dass Bruce Lees Tod die Ursache einer Allergie auf die Wirkstoffe einer zuvor eingenommen Kopfschmerztablette war. Bruce Lee wurde nach seinem Tod auf dem Lake View Cemetery in Seattle beigesetzt. Sein Grabstein besteht immer noch und in Hong Kong wurde ihm 2005 eine 2,5m hohe Bronzestatue gewidmet.
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Bruce Lees Einfluss und Stil
Während in früheren Kung-Fu-Filmen die Gegner aus dem Stand auf Häuser sprangen, durch die Luft flogen und sich mit den wildesten Techniken und historischen Waffen niedermetzelten, blieb Bruce Lee in seinen Filmen weitestgehend auf dem Boden. Auch wenn Gegner im Kampf getötet wurden, so geschah dies nie ohne einen moralischen Hintergrund und nie „im Vorübergehen“ wie in vielen anderen Martial Arts Streifen. Ein Beispiel für diese Ethik ist eine Szene aus Bruce Lees Kampf gegen Chuck Norris (Way of the Dragon).
Einzigartigkeit an Bruce Lee war vor allem in seine überragende Körperbeherrschung, seine Schnelligkeit und seine unvergleichliche Ausstrahlung, die sich in Körperhaltung, Gang, Mimik und Gestik äußerte. Auffällig auch seine (durch „Enter the Dragon“ bekannte) Kampfhaltung mit abgespreizten Fingern und seine schrillen Laute bei der Ausführung seiner Techniken. Auch seine Handhabung und Verwendung der Nunchakus war eines seiner Markenzeichen.
Bekannte Filme mit Bruce Lee
- Die Todesfaust des Cheng Li: Bruce Lee als „Cheng Li“ bekommt einen Job in einer Eisfabrik und entdeckt, dass diese für Rauschgiftgeschäfte genutzt wird. Als sein Cousin verschwindet und später tot aufgefunden wird, deckt Cheng Li das Komplott auf und tötet die Handlanger und später den Gangsterboss.
- Fist of Fury: Bruce Lee als „Chen-Zhen“ rächt den Tod seines Meisters, der von den japanischen Besetzern einer konkurrierenden Schule vergiftet wird. Sehenswerte Kampfszenen, blitzschnelle Faust- und Fußtechniken und der erstmalige Einsatz der Nunchakus machen diesen Film zu einem Martial Arts Klassiker. Erwähnenswert das Ende, in welchem Chen-Zhen in eine Menge an Polizisten springt, die auf ihn anlegen und ihn erschießen.
- Way of the Dragon: Bruce Lee als „Tang Lung“ hilft Verwandten, die in Rom ein Restaurant betreiben und durch Gangster terrorisiert werden. Bereits die kleineren Kämpfe im Lokal und Hinterhof sind hervorragend in Szene gesetzt, aber der finale Kampf gegen Chuck Norris im Kolosseum zählt zu einem der besten Kampfszenen überhaupt. Die beiden unterschiedlichen Kampfstile sind dramatisch in Szene gesetzt, Schnitt, Kameraeinstellungen, Spannung und die musikalische Untermalung sind ein Meisterwerk.
- Enter the Dragon: Lee (so auch sein Name im Film) nimmt als eine Art James Bond auf Wunsch der britischen Regierung eine Einladung zu einem Turnier des Millionärs Han an. Dieser ist in Drogengeschäfte und Menschenhandel verwickelt. Zudem ist er für den Tod für Lees Schwester verantwortlich. Zusammen mit den amerikanischen Kämpfern Roper und Williams dringen sie in die Geheimnisse der Insel vor. Während Williams bei einem Alleingang von Han getötet wird, tötet Lee im Turnier Hans Leibwächter Oharra, während Roper seinen besten Kämpfer Bolo (später bekannt als Chong Li in Bloodsport) in die ewigen Jagdgründe sendet. Im einhergehenden Tumult flieht Han und wird von Lee in einem Spiegelkabinett gestellt. Selbst seine „Todeskralle“ (eine Prothese mit Messerklingen anstelle von Fingern) kann Han nicht helfen, der in einem meisterhaft choreografierten Kampf von Lee am Ende getötet wird.
- Game of Death: An diesem nie fertig gestellten Film arbeitet Bruce Lee vor seinem Tod. Dem postum zusammengestückelten Film merkt man an, dass die Regie des Meisters fehlt.
Weitere einflussreiche Karateka im Film
Neben Bruce Lee gibt es noch weitere Schauspieler, die durch ihre Karate-Fähigkeiten und ihre Rollen in Martial-Arts-Filmen bekannt geworden sind.
- Jackie Chan: Bekannt für seine akrobatischen Kampfkünste und seinen humorvollen Stil.
- Jet Li: Berühmt für seine Wushu-Fähigkeiten und seine Rollen in sowohl chinesischen als auch Hollywood-Filmen.
- Donnie Yen: Anerkannt für seine Rolle als Ip Man und seine Beiträge zum Wing Chun.
- Tony Jaa: Bekannt für seine Muay Thai-Fähigkeiten und seine Hauptrolle in der "Ong-Bak"-Filmreihe.
Weitere erwähnenswerte Karateka
Viele Karateka erlangten nicht nur im Film, sondern auch im Wettkampf und als Trainer Berühmtheit:
- Efthimios Karamitsos: Ehemaliger Bundestrainer für die Disziplin Kata.
- Toni Dietl: Gründer des Karate Kollegiums und ehemaliger Bundestrainer.
- Hideo Ochi: Gründer des deutschen JKA-Karate Bundes.
- Hirokazu Kanazawa: Gründer der S.K.I. und Träger des 10. Dan.
- Itosu Ankō: Lehrer von Funakoshi Gichin und maßgeblich an der Verbreitung des Karate beteiligt.
- Matsumura Sōkon: Berühmt für seine außergewöhnlichen körperlichen Fähigkeiten und Lehrer vieler großer Karateka.
- Alexandra Witteborn: Erste Goldmedaillengewinnerin für Deutschland bei einer Karate-Weltmeisterschaft der Frauen.
- Nadine Joachim: Ehemalige DKV-Trainerin und mehrfache Goldmedaillengewinnerin in der Kategorie Kumite.
- Jasmin Bleul: Erfolgreiche Wettkämpferin in der Kategorie Kata.
Prominente mit Kampfsport-Kenntnissen
Auch einige Prominente haben Kampfsportarten erlernt, um sich selbst verteidigen zu können oder einfach aus Interesse:
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- Tom Hardy: Brazilian Jiu-Jitsu (lila Gürtel)
- Forest Whitaker: Kempō-Karate (schwarzer Gürtel)
- Ashton Kutcher: Brazilian Jiu-Jitsu (brauner Gürtel)
- Ed O’Neill: Brazilian Jiu-Jitsu (schwarzer Gürtel)
- Katheryn Winnick: Taekwondo (schwarzer Gürtel 3. Grades), Karate (schwarzer Gürtel 2. Grades)
- Wesley Snipes: Kickboxen, BJJ, Hapkido, Shōtōkan-Karate (5. Dan), Kung Fu, Eskrima, Capoeira
- Mark Zuckerberg: Jiu-Jitsu
- Wiz Khalifa: MMA
- Keanu Reeves: Brazilian Jiu-Jitsu, Aikido, Judo, Karate, Krav Maga
Kickboxen im Film
Auch das Kickboxen hat im Film seinen Platz gefunden, obwohl es durch einige Darstellungen in ein schlechtes Licht gerückt wurde. Bekannte Kickboxer und Schauspieler sind unter anderem Don Wilson, der sowohl im professionellen Kickboxen als auch als Schauspieler erfolgreich war.
Fazit
Die Welt des Karate und der Martial-Arts-Filme ist reich an talentierten Schauspielern und Kampfkünstlern, die das Genre geprägt und Millionen von Menschen inspiriert haben. Von Bruce Lee über Jackie Chan bis hin zu den modernen Stars wie Donnie Yen und Tony Jaa - sie alle haben ihren Beitrag geleistet, um die Kampfkünste auf die große Leinwand zu bringen und die Welt zu begeistern.
